Montag, 28. Mai 2012

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Europäische Arzneimittelagentur

Die Europäische Arzneimittelagentur (engl. European Medicines Agency, EMA, in der Vergangenheit EMEA) ist eine Agentur der Europäischen Union mit Sitz in London, die für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln zuständig ist.

Der Europäischen Arzneimittelagentur obliegt die Erhaltung und Förderung der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Union (EU), indem sie eine laufende Bewertung und Überwachung aller Human- und Tierarzneimittel koordiniert. Bei ihrer Arbeit bedient sie sich der wissenschaftlichen Ressourcen aus den nationalen Arzneimittelbehörden der 30 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und EWR-Staaten.

Die Europäische Arzneimittelagentur spielt eine zentrale Rolle in der Arzneimittelzulassung in der Europäischen Union und den EWR-Staaten. Auf der Basis ihrer wissenschaftlichen Beurteilung erteilt die Europäische Kommission einen zustimmenden oder abschlägigen Bescheid auf die von Arzneimittelherstellern im zentralisierten Verfahren gestellten Zulassungsanträge. Sie fungiert in den dezentral geführten Antragsverfahren als Schlichtungsstelle, wenn sich beteiligte Behörden der EU/EWR-Länder in der Bewertung des Arzneimittels nicht einig sind.

Darüber hinaus arbeitet die Europäische Arzneimittelagentur eng mit internationalen Stellen zusammen, beispielsweise in der International Conference on Harmonisation of Technical Requirements for Registration of Pharmaceuticals for Human Use sowie der International Cooperation on Harmonisation of Technical Requirements for Registration of Veterinary Medicinal Products zur globalen Harmonisierung der Arzneimittelzulassungsbedingungen.

Die Agentur wurde 1995 durch die Verordnung (EG) Nr. 2309/93 noch unter dem Namen European Agency for the Evaluation of Medicinal Products errichtet. Die derzeitige Rechtsgrundlage für die Europäische Arzneimittelagentur ist die Verordnung (EG) Nr. 726/2004. Im November 2009 gab die Europäische Arzneimittelagentur bekannt, das Akronym EMEA nicht länger als Abkürzung zu verwenden. Gleichzeitig präsentierte die Agentur Änderungen der internen Organisationsstruktur und ein neues optisches Erscheinungsbild.[1][2]

Organisationsstruktur

Dem verantwortlichen Direktor der Europäischen Arzneimittelagentur (seit November 2011: Guido Rasi) untersteht ein Sekretariat, das folgende fünf Aufgabenbereiche umfasst:[3]

  • Entwicklung und Bewertung von Humanarzneimitteln
  • Gesundheitsschutz
  • Tierarzneimittel und Produktdatenmanagement
  • Kommunikation, Vernetzung, Informationstechnologie
  • Verwaltungsaufgaben

Die Arbeit der Europäischen Arzneimittelagentur wird von einem Verwaltungsrat (Management Board) überwacht. Der Verwaltungsrat ist mit Vertretern aus den EU-(und assoziierten) Ländern besetzt, die durch Beauftragte des Europäischen Parlaments, Vertreter der Europäischen Kommission sowie durch Repräsentanten von Ärzte-, Tierärzte- und Patientenverbänden ergänzt werden. Der Verwaltungsrat ist insbesondere für das Budget zuständig. Die Vertreter der assoziierten Länder haben im Verwaltungsrat Beobachterstatus.

Die Europäische Arzneimittelagentur hat 2008 zirka 470 Mitarbeiter und ein Budget von 173 Millionen Euro. Zirka 73 % des Budgets werden durch Gebühren getragen, die die Pharmaunternehmen für die Bearbeitung der Zulassungsanträge entrichten müssen.[4]

Ausschüsse

Innerhalb der Agentur werden wesentliche Aufgaben bei der Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln von verschiedenen Ausschüssen wahrgenommen. Diese werden von Repräsentanten aus allen EU-Ländern und aus den EU-assoziierten Ländern Island, Liechtenstein und Norwegen gebildet. Die Mitglieder sind in der Regel hochrangige Mitarbeiter der nationalen Arzneimittelbehörden. Das Sekretariat unterstützt und koordiniert die Arbeit dieser Ausschüsse. Die Agentur umfasst derzeit folgende wissenschaftliche Ausschüsse:

  • Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP)
  • Ausschuss für Tierarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Veterinary Use, CVMP)
  • Ausschuss für Arzneimittel für seltene Krankheiten (Committee for Orphan Medicinal Products, COMP)
  • Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (Committee for Herbal Medicinal Products, HMPC)
  • Pädiatrieausschuss (Paediatric Committee, PDCO)
  • Ausschuss für neuartige Therapien (Committee for Advanced Therapies, CAT)

Zentrale Dienste

Die Europäische Arzneimittelagentur stellt verschiedene zentrale Arzneimittel-Datenbanken zur Verfügung:

  • EudraCT ist ein europäisches Register für klinische Studien. Die Registrierung in EudraCT ist eine Voraussetzung für die Genehmigung einer klinischen Studie innerhalb der EU. Die Datenbankeinträge sind hinsichtlich der administrativen Angaben für alle Bürger einsehbar.
  • EudraVigilance ist ein europäisches Register für Meldungen im Bereich der Arzneimittelsicherheit. Hier werden Meldungen der nationalen Behörden zu Arzneimittel-Nebenwirkungen zusammengefasst und ausgewertet.
  • PIM ist ein Product Information Management-System, in dem Arzneimittelhersteller ihre Produktinformationen online pflegen können.
  • EudraPharm ist eine Datenbank mit Produktinformationen (Fachinformation und Packungsbeilage) zu im zentralen Verfahren zugelassenen Arzneimitteln. Diese Datenbank ist für alle Bürger einsehbar.
  • EudraGMP ist eine Datenbank für Herstellungs- und Einfuhrerlaubnisse von Pharmaunternehmen sowie für GMP-Zertifikate.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Europäische Arzneimittelagentur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. New visual identity, web/e-mail addresses and organisation chart of the European Medicines Agency. Communication to all Agency partners, stakeholders and the public. 30. November 2009 [1]
  2. Visual identity of the European Medicines Agency, 8. Dezember 2009
  3. Organisation Chart of the European Medicines Agency, abgerufen 18. Juli 2010
  4. Einnahmen- und Ausgabenplan der Europäischen Arzneimittel-Agentur für das Haushaltsjahr 2008 (pdf)
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