| Europa-Universität Viadrina | |
|---|---|
| Motto | Ex oriente lux (Aus dem Osten (kommt) das Licht) |
| Gründung | Juli 1991 |
| Trägerschaft | Stiftung |
| Ort | Frankfurt (Oder) |
| Bundesland | Brandenburg |
| Staat | Deutschland |
| Leitung | Gunter Pleuger |
| Studenten | 6.452 (WS 2011/2012)[1] |
| Mitarbeiter | 532 (2011)[2] |
| davon Professoren | 74 (2011)[2] |
| Website | www.europa-uni.de |
Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ist die östlichste Universität Deutschlands. Sie bietet Studien in Kulturwissenschaften, Jura und Wirtschaftswissenschaften an. Das Wort Viadrina kommt aus dem Lateinischen und lässt sich mit die an der Oder gelegene übersetzen. Die Herkunft des Namensursprungs Viadrus ist indes strittig bzw. nicht eindeutig belegt. Bereits die Karte Magna Germania der Ulmer Ptolemäus-Ausgabe von 1482 nennt die Bezeichnung Viadus fl..[3] Sie findet sich ferner im Holzstich Sebastian Münsters, der ersten Stadtansicht Frankfurts von 1543.[4]
Im Wintersemester 2011/2012 waren an der Universität 6.452 Studierende immatrikuliert: 77 % davon sind Deutsche, 12 % Polen und 11 % verteilten sich auf insgesamt 84 weitere Herkunftsländer.[1] Im Wintersemester 2010/2011 pendelten etwa 2.150 Studierende täglich zwischen dem Wohnort Berlin und dem Studienort Frankfurt (Oder), was zur hohen Auslastung des Bahnverkehrs (RE 1) beiträgt. Unter Lehrkräften und Mitarbeitern der Viadrina ist das Berufspendeln sogar noch verbreiteter.[5]
Die Viadrina bietet zwar einen vergleichsweise schmalen Fächerkanon, der nicht dem Umfang der klassischen Volluniversität entspricht, hat aber das Promotions- und Habilitationsrecht. Im März 2008 wurde die Änderung der Rechtsform der Viadrina in eine Stiftungsuniversität beschlossen. Präsident der Viadrina ist der ehemalige Diplomat Gunter Pleuger.
Die Denkschrift über die Neugründung der Viadrina im Jahr 1991 betont, dass ihr vier spezifische Aufgaben aufgetragen worden sind:
Hinsichtlich der Internationalität legt die Viadrina ihren Schwerpunkt auf Europa, insbesondere Polen, Mittelosteuropa und die Europäische Union (einschließlich der Anrainerregionen bis nach Zentralasien). Allerdings schließt die Konzentration auf Europa den Bezug auf außereuropäische Länder nicht aus – so unterhält die Viadrina weltweit zu ca. 200 Universitäten Kontakte (beispielsweise nach Russland, Nord- und Südamerika, Südafrika oder Australien). Im Lehrangebot äußert sich dieser Schwerpunkt im Angebot von mehrsprachigen Studiengänge, dem Studierendenaustausch, internationalen Lehrveranstaltungen sowie der Sprachausbildung nach europäischen Standards (UNIcert).
Die Interdisziplinarität schlägt sich in fakultätsübergreifenden Studiengängen wie der Master of „European Studies“ oder der Master „Schutz Europäischer Kulturgüter“ sowie interdisziplinär konzipierte Lehrveranstaltungen und Studiengangsordnungen nieder. Im Bereich der Forschung findet sich die Interdisziplinarität in drei Forschungsinstituten der Viadrina verankert: im Interdisziplinären Zentrum für Ethik (IZE), das vornehmlich Fragen der Gerechtigkeit in der Transformation sowie bioethische und mit medizinethische Fragen bearbeitet; im Frankfurter Institut für Transformationsforschung (FIT), in dem Mitglieder aller drei Fakultäten zusammenarbeiten und das sich gerade auch mit Transformationsphänomenen im grenznahen Bereich befasst; und im Heinrich-von-Kleist-Institut, das Literaturwissenschaft und Politik miteinander verbindet.
Hinsichtlich der deutsch-polnischen Zusammenarbeit ist zuerst die Kooperation mit der Partneruniversität in Poznan (der Adam-Mickiewicz-Universität), in der deutsch-polnischen Juristenausbildung (Bachelor sowie Master „of German and Polish Law“) und vor allem das mit der Posener Universität gemeinsam betriebene Collegium Polonicum in Słubice zu nennen. Darüber hinaus unterhält die Viadrina zu einer großen Zahl anderer polnischer Universitäten Kontakte.
Die Einrichtung eines Masterstudienganges Komplementäre Medizin – Kulturwissenschaften – Heilkunde am Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften führte 2010 zu kontroversen Diskussionen in Stiftungsrat, Ministerien und Medien, ob esoterische Inhalte mit dem Namen einer öffentlichen Hochschule verknüpft werden dürften und sollten.[6]Die Zeit schrieb dazu „Esoteriker unterwandern die deutschen Hochschulen. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Unsinn verwischt“.[7]
Die Fakultät ist inzwischen mit rund 2000 Studierenden die größte Fakultät der Viadrina. Ihr Studienangebot umfasst:
Dieses Institut bietet ein Masterstudium „Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin“ an.[8] Die Inhalte können in der Studienordnung eingesehen werden.[9] Es wird behauptet, dass es sich auch mit esoterischen Dienstleistungen wie Global Scaling und Reiki oder dem Apokalypsenglauben 2012 beschäftigt.[10][11] In der Diskussion ist das Institut derzeit unter anderem durch eine Masterarbeit, die sich mit dem Kozyrew-Spiegel befasst, durch den Hellseherei oder Kontakte zu Außerirdischen und Verstorbenen möglich sein sollen.[12] Die Arbeit [13] kritisiert ein Autor in der SZ als eine "Entgleisung akademischer Qualitätsstandards"[14]
An der Juristischen Fakultät sind zum Wintersemester 2010/2011 rund 2000 Studierende immatrikuliert. Die Juristische Fakultät bietet den Studiengang Rechtswissenschaften (Erste Juristische Prüfung) sowie folgende Master-Studiengänge an:
Eine Besonderheit stellt des Weiteren die deutsch-polnische Juristenausbildung, der Bachelor und Master of German and Polish Law, dar, den die Viadrina zusammen mit der Adam-Mickiewicz-Universität anbietet.
Weiterhin sind an der Juristischen Fakultät das Institut für Konfliktmanagement, das Frankfurter Institut für das Recht der Europäischen Union und das Interdisziplinäres Zentrum für Ethik angesiedelt.
An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sind im Wintersemester 2010/2011 mehr als 1.400 Studierende immatrikuliert. Das Studienangebot der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät umfasst die Studiengänge:
Die Universität wurde im Juli 1991 gegründet und startete im Oktober 1992 in ihr erstes akademisches Jahr. Gründungsrektor der Universität war Knut Ipsen (1991–1993). Von 1993 bis 1999 folgte Rektor Hans Weiler, bis im Jahr 1999 Präsidentin Gesine Schwan das Amt übernahm.
Im Jahr 2004 erlangte die Europa-Universität zusätzliche Bekanntheit durch die Nominierung ihrer Präsidentin Gesine Schwan zur Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten durch die Sozialdemokraten und Bündnis 90/Die Grünen.
Im Sommersemester 2006 wurden an der Viadrina die Feierlichkeiten zur 500-Jahr-Feier der Universität begangen, wobei Bezug auf eine 1811 geschlossene Universität in Frankfurt genommen wurde, die jedoch in keinem organisatorischen Zusammenhang zur 1991 eröffneten Universität steht.
Papst Julius II. genehmigte am 15. März 1506 die Errichtung der Universität. Von ihrer Gründung durch Kurfürst Joachim I. am 26. April 1506 bis zur Schließung 1811 war die Alma Mater Viadrina zu Frankfurt (Oder) die erste Brandenburgische Landesuniversität. Sie hatte vier Fakultäten: die juristische, theologische, medizinische und philosophische. Schon im ersten Jahr ihres Wirkens immatrikulierten sich dort über 900 Studierende aus den deutschen Gebieten und aus Polen, Schweden, Norwegen und Dänemark; die Stadt Frankfurt hatte damals 5000 Einwohner. Bis zu ihrer Verlegung nach Breslau studierten dort 55.000 Personen. Zu den berühmtesten von ihnen zählen Ulrich von Hutten, Thomas Müntzer, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Carl Philipp Emanuel Bach und Heinrich von Kleist. Hauptgebäude der damaligen Universität war das Collegienhaus.
Nach den Niederlagen gegen Napoleon und dem Frieden von Tilsit (1807) formierte sich Preußen neu. Da Napoleon die (pietistische) Universität Halle geschlossen hatte, gründete Preußen 1809 die Alma Mater Berolinensis (die spätere Friedrich-Wilhelms- und heutige Humboldt-Universität zu Berlin), die im Juli 1810 eröffnet wurde. Deshalb wurde die Viadrina im August 1811 geschlossen und der Leopoldina in Breslau zugeschlagen. Viele Professoren gingen mit nach Breslau, andere nach Berlin.
Bei der Eröffnung der Universität war es, wie in den größten Teilen Europas, den Juden verboten sich zu immatrikulieren. Als der Kurfürst Johann Sigismund 1613 zur reformierten Kirche übertrat, entwickelte sich die Frankfurter Universität mehr zu einer calvinistischen Universität. Professor Johann Christoph Beckmann besuchte unter anderem die für jüdische Studierende geöffnete Universität Leiden und ließ sich danach in Amsterdam vom Rabbiner Jacob Abendana „… im Talmudischen und in der arabischen Sprache unterrichten“[15]. Am 29. April 1678 erteilte der Kurfürst Friedrich Wilhelm Gabriel Moschowitz[16] und Tobias Moschowitz[17] als ersten jüdischen Studierenden das Recht an der Universität zu studieren. Das Studieren war allerdings durch die Kränkungen und abfällige Bemerkungen über das Judentum durch die Professoren nicht einfach. Ihre Promotion erlangten beide später in Padua, da es ihnen in Frankfurt verwehrt blieb. Tobias wurde später Leibarzt des Sultans in Konstantinopel. Salomon Liebmann war der nächste erfasste Jude, welcher ebenfalls auf besonderen Geheiß des Kurfürsten ab 1695 an der Viadrina studierte. Die erste Promotion eines Juden erfolgte am 15. Oktober 1721. Den Doktorgrad erhielt Moses Salomon Gumpertz, welcher zuvor an der Karls-Universität Prag studiert hatte. Bis 1794 promovierten 29 Juden in Medizin, unter ihnen Marcus Elieser Bloch. Der letzte immatrikulierte jüdische Student der alten Universität war Wilh. Salomon Hirschel, welcher sich am 28. September 1810 einschrieb. Sein Studium konnte er aber durch die Schließung der Universität in Frankfurt nicht beenden. Insgesamt hatten bis dahin etwa 140 Juden in Frankfurt studiert, die meisten von ihnen aus Polen, aber auch aus Prag, Amsterdam und einer aus London.[18]
Die meisten Gebäude und Wohnheime der Viadrina sind im Kern der Stadt, direkt am Fluss und in der Nähe der Grenzbrücke, gelegen. Zusätzlich ist den Studierenden der Viadrina die Möglichkeiten gegeben, Wohnheime in der polnischen Nachbarstadt Słubice zu beziehen.
Im über 100 Jahre alten, ehemaligen Regierungsgebäude im Stadtzentrum befinden sich die Universitätsbibliothek, Seminarräume sowie die Büros des Präsidenten, vieler Lehrstühle und große Teile der Universitätsverwaltung.
Die Universitätsbibliothek wurde terrassenartig in den Innenhof des Hauptgebäudes gebaut. Der konventionelle Medienbestand der Bibliothek umfasst ca. 523.000 Bände und fast 1.200 laufende Zeitschriften. Weiterhin bietet sie 408 Benutzerarbeitsplätze. Die Bibliothek hat den Status eines Europäischen Dokumentationszentrums und ist Mitglied des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg (KOBV).
Das Gräfin-Dönhoff-Gebäude, benannt nach Marion Gräfin Dönhoff, ist ein Neubau. Hier befinden sich die Mehrheit der Hörsäle und Seminarräume sowie die Haupt-Mensa.
Im Auditorium Maximum befinden sich u. a. das Studentensekretariat, mehrere Seminarräume, Lehrstühle, das Internationale Büro der Uni, Verwaltungseinheiten und der größte Hörsaal der Universität (Platz für 600 Studierende).
Im Westteil der Stadt befindet sich in der ehemaligen Kaserne in der August-Bebel-Straße ein nah gelegener Nebencampus (Sprachenzentrum). Hier finden die meisten Sprachkurse der Universität statt.
Alljährlich vergibt die Europa-Universität den Viadrina-Preis an Personen, die sich um die deutsch-polnische Verständigung verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind: Karl Dedecius, Adam Michnik, Günter Grass, Janusz Reiter, Markus Meckel, Włodzimierz Borodziej, Rudolf von Thadden, Adam Krzemiński, Kopernikusgruppe und Tadeusz Mazowiecki.
Insgesamt gab es zwischen 1506 und 1811 mehr als 250 verschiedene Rektoren. Viele Professoren waren mehrfach Rektor. So wechselte von 1509 bis 1749 die Besetzung der Position jedes Semester.[19]
Siehe Kategorie:Hochschullehrer (Frankfurt (Oder))
Die studentischen Organisationen und Initiativen der Viadrina hatten ihren Sitz seit 29. Juni 2006 in der Studentenloge, kurz auch nur Loge. Durch den Umbau des Logenhauses entstand ab 2011 das Projekt Studierendenmeile, in dem der AStA der Viadrina verlassene Gebäude im Gebiet Große Scharrnstraße anmietet und für die Initiativen nutzbar macht.
Parteinahe studentische Organisationen (zum Teil nicht sicher, inwieweit die genannten Organisationen sich an den Parteien nur orientieren oder doch offiziell dazugehören):
Studentenverbindungen:
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