Die Evangelische Akademie Tutzing in Tutzing, Landkreis Starnberg ist eine Tagungs- und Studienstätte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie wurde im Jahr 1947 vom damaligen Landesbischof Hans Meiser gegründet, als es darum ging, den Aufbau demokratischer Lebensverhältnisse in Deutschland voranzutreiben. Aufgabe der Akademie ist es, Tagungen, Seminare und wissenschaftliche Kolloquien durchzuführen. Ihr Ziel ist es, weiterführende Einsichten zu ermöglichen und der Meinungsbildung in der Öffentlichkeit zu dienen. Toleranz, Weltoffenheit und christliche Verantwortung sieht sie als Voraussetzungen ihrer Arbeit an.
Die Akademie wird von dem Theologen Udo Hahn geleitet. Mit ihm zusammen gestalten sieben Studienleiterinnen und Studienleiter inhaltlich die Tagungen der verschiedenen Themenfelder. Beratend wirkt ein Kuratorium von Persönlichkeiten aus Politik und Kirche, Wirtschaft, Forschung und Publizistik.
Insgesamt werden pro Jahr etwa 90 Tagungen mit rund 12.000 Tagungsteilnehmern organisiert und durchgeführt. Die Akademie finanziert sich überwiegend aus Kirchensteuermitteln sowie Teilnehmergebühren und Zuschüssen Dritter. Die Veranstaltungen finden vorwiegend im Schloss Tutzing aber auch an anderen Orten in Deutschland statt.
Politiker der ersten Stunde trafen sich schon in der Nachkriegszeit in dieser „Denkwerkstatt am Starnberger See“, um die Weichen für die bundesdeutsche Demokratie zu stellen. Einiges von dem, was hier in kontroversen Debatten erarbeitet wurde, konnte später in die politische Praxis übersetzt werden. Insofern hat die Evangelische Akademie Tutzing Akzente gesetzt in den öffentlichen Auseinandersetzungen und Impulse gegeben für reformorientierte Weiterentwicklungen in Deutschland.
Tagungen der Akademie geben Anstöße in vielen Bereichen der Politik, Gesellschaftswissenschaften und Religion, Kunst und Kultur. Themen reichen von der Neuen Ostpolitik in den 1970er Jahren über die konstruktive Mitarbeit bei der Herstellung der Deutschen Einheit, Initiativen zur Fortentwicklung der Europäischen Union und zur gesamteuropäischen Integration bis zu Fragen nach einer zukünftigen Energiewirtschaft. Die Evangelische Akademie Tutzing bemüht sich, aktuelle Fragen der Zeit im Horizont christlichen Glaubens zu erhellen und Klärungen im gesamtgesellschaftlichen Diskurs voranzubringen, um einer verantwortlichen, gerechten und partizipativen Gesellschaft den Weg zu ebnen.
Aus der Tutzinger Akademiearbeit sind in den letzten Jahrzehnten verschiedene kulturelle und gesellschaftliche Initiativen hervorgegangen. Hierzu zählen der seit 1984 in zweijährigem Turnus verliehene Marie-Luise-Kaschnitz-Preis, mit dem die Akademie einen Akzent in der Literaturszene der Gegenwart gesetzt hat.
Schließlich hat die Akademie im Jahr 2000 den Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing ins Leben gerufen. Er wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich in besonderer Weise um die Koexistenz der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben.
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Koordinaten: 47° 54′ 33″ N, 11° 16′ 56″ O
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