Das Werk Fiasko von 1986 zählt zu den realen, nicht märchenhaften Science-Fiction-Romanen von Stanisław Lem, in denen er versucht, ein mögliches Szenario einer wissenschaftlich weit fortgeschrittenen Zukunft der Menschheit zu schildern. Fiasko ist ein groß angelegter Roman, ein Spätwerk des Autors, mit einem Handlungsstrang, der mehrmals von kleinen farbenreichen Erzählungen, Rückblicken und wissenschaftlichen Essays unterbrochen wird.
Der Roman entstand als Auftragsarbeit für den S. Fischer Verlag während Lems durch das Kriegsrecht bedingter Emigration aus Polen. Lem sagt, es sei das einzige Mal, dass er einen solchen Vorschuß entgegengenommen habe, zumal noch ohne eine "Idee" für die Handlung.[1]
Die Hauptgeschichte unterteilt sich zeitlich in zwei Abschnitte.
Der erste spielt in nicht allzu ferner Zukunft, in der die Menschen erste noch unfertige Raketenlandeplätze und Versorgungseinrichtungen auf dem Saturnmond Titan errichten. Das tektonisch äußerst komplexe Gebiet zwischen den Stationen wird zur Falle für einige Raumfahrer, die mit Großschreitern - überdimensionalen, von einem Piloten gesteuerten humanoiden Robotern - den Weg zur Nachbarstation versuchen. Darunter befindet sich auch die aus Lems Kurzgeschichten bekannte Figur des Piloten Pirx. Bei einem anschließenden Rettungsversuch wird auch die Erzählperson des ersten Teils des Romans, der Pilot Angus Parvis, mit seinem Großschreiter Opfer von Birnhams Wald - einer Gegend, in der chemische Prozesse schnellwachsende Feststoffgebilde erzeugen, die aufgrund ihres Eigengewichts zusammenstürzen. Als er die Ausweglosigkeit seiner Situation erkennt, entscheidet er sich für den Tod durch die Vitrifizierung, einer Art Schockfrostung - in der vagen Hoffnung, von einer späteren Generation mit weiterentwickelten medizinischen Fähigkeiten wieder zum Leben erweckt werden zu können.
Der zweite Teil des Romans findet nun - 100 Jahre später - in dieser futuristischen Welt statt. Die in Physik, Raumfahrt und Medizin weit fortgeschrittene Menschheit ist tatsächlich in der Lage, die in den Großschreitern ums Leben gekommenen Menschen zumindest in einer Person wiederzubeleben. Die Menschheit der Zukunft hat ein enormes technologisches Potenzial erreicht und ist gerade dabei, eine große Raumfahrtexpedition zu starten, deren Ziel es ist, erstmals Kontakt zu einem Planeten aufzunehmen, auf dem man Anzeichen intelligenten Lebens vermutet. Unter Aufbietung der 'sideralen Technologie' (einer Art von Astroingenieurskunst) und eigentlich unvorstellbaren navigatorischen Kunstgriffen, deren Beschreibung durch Lem dennoch den Anschein der Konformität mit den Naturgesetzen und der physikalischen Machbarkeit suggeriert, überwinden sie die Abgründe an Raum und Zeit, die zwischen den Zivilisationen liegen. Sie benutzen die zumindest heute denkbare Möglichkeit der Zeitverzerrung in der Nähe rotierender Schwarzer Löcher. Ein Unterkommando wird mit einem Beiboot losgeschickt, um den Kontakt mit der 'Quinta' (so der Name des Planeten) herzustellen. Im Zielsystem angekommen, glauben sie, dass sie dort auf zwei äußerst feindselige Parteien treffen, die sich in einem schon Jahrhunderte währenden Rüstungswettlauf befinden. Bei der Planung und Durchführung ihrer Kontaktaufnahme werden sie, auch unter Einsatz ihrer kybernetisch finalen Generation von Computern, von den Bewohnern des Planeten ignoriert und später sogar angegriffen (wobei hier eine ins System eindringende Landefähre der Menschen attackiert wird). Als die Menschen begreifen, dass der Kontakt, den sie (mit dem derart hohen Einsatz, den die Expedition gekostet hat) herstellen wollten, nicht gestattet wird, beginnen sie ihn mit brutalen Maßnahmen zu erzwingen. Sie versuchen mit einem Lunoklasmus, der Zerstörung des dortigen Mondes, ihre Überlegenheit zu demonstrieren.
Nach weiteren Kontaktversuchen versuchen die Bewohner des Planeten, die Menschen in eine Falle zu locken. Diese sind allerdings gut vorbereitet, denn sie hatten mit einer Falle gerechnet. Sie senden eine automatisierte Attrappe ihres Raumschiffs auf den Planeten. Als diese erwartungsgemäß angegriffen wird, üben die Menschen Vergeltung, indem sie einen gigantischen künstlichen Eisring, der um den Planeten verläuft, zerstören und so für eine Klimakatastrophe auf dem Planeten sorgen.
Durch das Verhalten der Menschen - sie erpressen den Planeten - werden die Bewohner schließlich zu der Einwilligung gezwungen, dass ein einziger Gesandter den Planeten betreten darf. Es handelt sich um den wiederbelebten Piloten aus dem ersten Teil des Buches. Weil dieser nach der Landung in Untersuchungen vertieft ist und darüber vergisst, sich im vereinbarten 100-Minuten-Rhythmus bei der Expedition zu melden, geht diese davon aus, dass der Pilot attackiert wurde, und zerstört mit Hilfe eines riesigen Lasers den vermuteten Stützpunkt der 'Gegner'. Da sich der Pilot zu diesem Zeitpunkt genau dort aufhält, nimmt er das eben erkannte Wissen über die Bewohner mit in den Tod. Die Bevölkerung des Planeten bestand, entgegen jeglicher Vorstellung der Menschen, aus stationären, hüttengroßen Organismen, die unterirdisch miteinander verbunden waren. Da die Menschen der Expedition ausschließlich nach sich bewegenden Objekten gesucht hatten, konnten sie die wahre Identität der Bevölkerung nicht wahrnehmen.
Bis zum Ende des Buches erfährt der Leser nicht, ob es sich bei dem wiederbelebten Piloten aus der Vergangenheit um Parvis oder Pirx handelt.
Neben der Erzählperson des Piloten Mark Tempe (alias Pirx bzw. Parvis) sind wenige Personen an Gesprächen über den Sinn der Expedition beteiligt. Sie sind Stereotype ihres jeweiligen Berufs, ein Physiker, der Expeditionsleiter, Kybernetiker, Mediziner, und mit besonderer Bedeutung Pater Arago, ein Abgesandter des heiligen Stuhls an Bord eines Raumschiffs, der quasi als moralische Instanz und Kritiker der ganzen Unternehmung fungiert.
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