Eine Flöte, mittelhochdeutsch Floite, Vloite, Flaute (aus dem altfranzösischen „flaüte“ bzw. dem lateinischen „flatuare“ und „flatare“: „wiederholt blasen“, „kontinuierlich blasen“, Frequentativa von „flare“: „blasen“) ist ein Ablenkungs-Aerophon, bei dem ein Luftstrom über eine Kante geführt wird, an der er in Schwingung gerät (vergleiche die Artikel Holzblasinstrument und Pfeife).
Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet „Flöte“ meist die Querflöte oder die Blockflöte.
Es gibt Flöten mit und ohne Kernspalt, einem Luftkanal, der den Luftstrahl zur Anblaskante führt. Bei Flöten ohne Kernspalt wird der Luftstrahl von den Lippen und/oder der Zunge des Spielers geformt.
Weitere Einteilungen und Bezeichnungen ergeben sich daraus, wo man in die Flöte hineinbläst, wie die Tonhöhe beeinflusst wird, ob das untere Ende verschlossen (gedackt) ist oder nicht, ob es sich um einzelne Flötenrohre oder um Instrumente mit mehreren Flöten handelt, und wie diese gespielt werden (direkt geblasen oder mit Ventilen, gesteuert von einem Mechanismus oder einer Tastatur, wie bei der Orgel). Auch der Kulturkreis, aus dem eine Flöte stammt, dient zur Einteilung.
Die Anblaskante wird vom oberen Rand des Flötenrohres gebildet.
(Die Anblaskante wird vom Rand eines Loches in der Seite des Flötenrohres gebildet.)
Der Luftstrom wird durch einen Windkanal geformt und an die Anblaskante des Labiums geführt. Mit Ausnahme der Orgelpfeifen zählen diese zu den Schnabelflöten.
In China entwickelte man die flugwindgeblasene Taubenflöte.
Die allerersten Flöten der prähistorischen Zeit wurden vermutlich aus Tierknochen hergestellt (Knochenflöte), vielleicht aber auch aus weniger dauerhaftem Material (beispielsweise Holz), das in der Regel nicht erhalten ist.
Als älteste erhaltene Musikinstrumente Europas gelten etwa 42.000 bis 43.000 Jahre alte steinzeitliche Knochenflöten, die in der Schwäbischen Alb gefunden wurden.[1] Eine aus dem Knochen eines Gänsegeiers hergestellte Flöte wurde im Sommer 2008 in der Höhle Hohle Fels bei Schelklingen gefunden[2]. Relativ gut erhaltene oder rekonstruierbare Flöten mit Grifflöchern wurden in der Geißenklösterle-Höhle entdeckt[3]. Die Funde zeigen, dass Menschen schon in der Steinzeit, genauer im Jungpaläolithikum, Musik gemacht haben. Zwei der Flöten aus dem Geißenklösterle sind in einem Stück aus Schwanenknochen[4] gefertigt. Die dritte besteht aus zwei zusammengefügten, aus Mammutelfenbein geschnitzten Halbröhren; sie wurde mit mindestens drei, etwa im Terzabstand gestimmten, Grifflöchern versehen (ein viertes könnte weggebrochen sein) und mit seitlichen Kerbungen verziert. Auf Grund des sehr hohen Alters der Flöte ist eine Zuschreibung an den modernen Menschen (Homo sapiens der Cro-Magnon-Epoche) oder den Neandertaler ungewiss; für ein Neandertaler-Artefakt könnte die (vermutete) Verleimung und Abdichtung der beiden Hälften mit Birkenpech sprechen.
Eine vermeintlich noch ältere Flöte aus Divje Baba (Slowenien) hat sich mittlerweile auf Grund mikroskopischer Untersuchungen als Zufallsprodukt eines Tierverbisses in einem Bären-Oberschenkelknochen-Fragment erwiesen.
Der Hebräer Jubal, dessen Alturgroßvater Kain war, wird in der Bibel als der Urvater aller Zither- und Flötenspieler bezeichnet.
In der Seeufersiedlung von Hagnau-Burg kam 1986 die bislang älteste erhaltene Holzflöte Europas aus der späten Bronzezeit (1040 vor Christus) zum Vorschein. Sie weist ein Anblasloch und eine feine Verzierung aus Ritzlinien auf.
Das früheste bekannte eindeutige Bild einer Querflöte wurde auf einem etruskischen Relief in Perusa gefunden. Es stammt aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor Christus. Das Instrument wurde damals nach links gehalten, erst in einer Illustration eines Gedichts aus dem elften Jahrhundert wurde eine Darstellung einer nach rechts gespielten Flöte entdeckt[5].
Als einfache Musikinstrumente wurden Flöten (neben Trommeln) schon in der Prähistorie bei religiösen Kulten benutzt beziehungsweise werden es noch heute bei Naturvölkern. In der Literatur haben Flöten oft den Charakter des Jenseitigen, von Tod und Vergänglichkeit: Grimms Märchen Nr. 28, 91, 96, 116, 126, 181; Mozarts Die Zauberflöte; Andreas Gryphius' Es ist alles eitel.
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