Als Flugblatt, Handzettel, Flyer oder Flugzettel (Österreich) bezeichnet man ein beschriftetes Papierblatt, das eine Mitteilung transportiert und verbreitet. Flugblätter erscheinen nicht periodisch, oftmals sogar nur einmalig. Sie zählen zu den Printmedien.
Flugblätter werden meist zu aktuellen Anlässen, für Ankündigungen oder zur Werbung herausgegeben und kostenlos verteilt oder liegen zur Mitnahme aus. Beispiele sind lokale oder regionale Nachrichten, kleine Preislisten oder Veranstaltungslisten und -hinweise. Flugblätter wurden in der Frühphase der Presse oft als Extrablatt einer Zeitung beigelegt.
Typische Merkmale von Flugblättern sind:
Es wird zwischen Flugblättern und den etwas umfangreicheren Flugschriften unterschieden. Flugblätter zu Werbezwecken werden auch als Flyer bezeichnet. Mehrseitige, gefaltete Druckschriften sind Faltblätter, mit Mehrfachfaltung (wie eine Ziehharmonika) nennt man sie Leporello. Druckschriften, die ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung beschreiben, nennt man Prospekt, allgemeine Informationsschriften sind Broschüren.
Das Flugblatt war das erste Massenkommunikationsmittel und ist seit 1488 nachweisbar. Die Autoren blieben zumeist anonym. Während man allerdings heute beim Begriff „Flugblatt“ an politische Flugblätter denkt, meint man, wenn man von Flugblättern im ausgehenden 15. Jahrhundert spricht, kommerzielle Einblattdrucke. Diese kommerziellen Flugblätter waren die „Bild-Zeitung“ des Spätmittelalters: eine Handelsware, hergestellt zum Geldverdienen, angeboten von Marktschreiern und fahrenden Händlern auf Jahrmärkten und vor Kirchentüren, aber auch im traditionellen Buchhandel, im Großhandel und auf Messen wurden sie vertrieben. Kostenlos waren sie jedoch nicht – im Gegensatz zum heute bekannten Protest-Flugblatt. Vielmehr schätzt man heute, dass das Einzelblatt mindestens soviel kostete, wie ein gelernter Handwerker in der Stadt in der Stunde verdiente. Einzelne Schätzungen gehen sogar von vier bis fünf Stunden aus. Damit waren Flugblätter für die einfache Landbevölkerung nahezu unerschwinglich.
Der Begriff Flugblatt wurde erst im 18. Jahrhundert verwendet. Zunächst bezeichnete man diese Form der Publikation als „fliegende Schrift“ oder „fliegendes Blatt“.
Große Illustrationen nahmen häufig ein Drittel der Blattgröße ein, produziert mit Hilfe der Holzschnitt-Technik. Wer Flugblätter besaß, hängte sie stolz zuhause an Wänden, Kisten und Schränken auf. Die Illustrationen waren zur Übermittlung der Botschaft des Flugblattes in dieser Zeit sehr wichtig, da nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung alphabetisiert war. Außerdem sollten sie zum Kauf anreizen. Sehr beliebt waren Abbildungen von fremden Tieren, unbekannten Gegenständen, Ländern oder Monstern. Das älteste illustrierte Flugblatt „Donnerstein von Ensishein“ (1492), das bislang bekannt ist, stammt von Sebastian Brant. Es stellt den Einschlag eines Meteoriten dar, was damals als Vorbote von weiterem Unglück und als Warnung an die Herrscher galt.
Drei Themenbereiche dominierten bei den Flugblättern: Sensationen und Wunder; katechistische Unterweisungen und Läuterungen, Seelentrost und Erbauung und schließlich politische und militärische Nachrichten und Informationen. Die illustrierten Flugblätter entwickelten auch erste Formen der Karikatur[1] und diente außerdem oft zum Aufruf, zu einer Stellungnahme oder zu Warnungen.
Die frühen illustrierten Einblattdrucke waren also boulevardeske Informationsmedien, produziert zum Zwecke des Geldverdienens. Mit politischer Agitation hatten sie selten etwas zu tun. Dies änderte sich erst ab der Reformationszeit nach 1500.
Flugschriften grenzen sich formal von den Flugblättern dadurch ab, dass sie mehr als eine Seite haben - sie sind also, technisch gesehen, Vorläufer der Tageszeitung, des modernen Romanhefts oder der Gebrauchsanweisung.
Flugschriften dienten der Publikation von Nachrichten und richteten sich damit an Menschen, die eher an „wirklichen“ Informationen interessiert waren als an der Sensationspresse. Wenn man sagt, das Flugblatt sei vor der Reformation so etwas wie die „Bild-Zeitung“ mit nur einem Artikel gewesen, dann war die Flugschrift in etwa die „Frankfurter Rundschau“ des späten Mittelalters.
Ab der Reformationszeit wurde das Flugblatt politischer. Es diente als Mittel der Auseinandersetzung im Glaubenskrieg, wie auch im Bauernkrieg. Das traditionelle, primär sensationsheischende Flugblatt („Mann mit vier Köpfen gesehen!“) gab es parallel weiter, es verlor aber stetig an Bedeutung.
Auch die politischen Flugblätter der Reformationszeit waren nicht kostenlos, denn dafür waren Papier und Druck allein schon zu teuer.
Im 17. Jahrhundert wurden die Flugschriften und -blätter immer politischer, was vor allem an der Situation im Land und dem Dreißigjährigen Krieg lag. Die Bevölkerung wollte vermehrt und genauer über die politische Situation im Land informiert sein und werden. Nachgewiesen wurden für das 17. Jahrhundert mehr als 7.000 deutschsprachige politische Flugschriften und Flugblätter.
Heute wird das Flugblatt zumeist nicht an eine bestimmte Zielgruppe verteilt, sondern breit gestreut an „alle“. Flugblätter können auch zu reinen Werbezwecken eingesetzt werden und werden dann auch als Werbeflugblatt oder Flyer bezeichnet. Aber es wird auch von politischen Gruppen, Behörden oder Vereinen verbreitet.
Besondere Bedeutung als Mittel des politischen Widerstandes erlangten die Flugblätter im Deutschland der vierziger Jahre durch die Geschwister Scholl und die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Vom Sommer 1942 bis zu ihrer Verhaftung durch das deutsche Nazi-Regime im Frühjahr 1943 erstellten und verbreiteten sie 6 Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror aufriefen.
In der Kriegspropaganda des 20. Jahrhunderts bildeten Flugblätter in Gestalt von Flugblattbomben einen wichtigen Teil der psychologischen Kriegführung.
Neben den o.g. Aspekten ist die Verteilung von Flyern zu gewerblichen Zwecken in Deutschland genehmigungpflichtig (Sondernutzung).[2]
Wichtige Flugblatt-Sammlungen besitzen unter anderem folgende Einrichtungen:
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