Honoré Gabriel Victor de Riqueti, Marquis de Mirabeau (* 9. März 1749 in Bignon bei Nemours, Département Loiret; † 2. April 1791 in Paris) war ein französischer Politiker, Physiokrat, Schriftsteller und Publizist in der Zeit der Aufklärung. Er beteiligte sich an der Französischen Revolution.
Mirabeaus Vater war der französische Volkswirt (Physiokrat) und Schriftsteller Victor Riquetti, Marquis de Mirabeau.
Mit drei Jahren erlitt Mirabeau einen heftigen Pockenanfall, der sein Gesicht entstellte. Von seinem Vater erhielt er weder Zuwendung noch finanzielle Unterstützung und ging als junger Mann zum Militär. Er wohnte seit 1771 in Paris, wo er 1772 Marie Emilie de Marignane heiratete. Auf Anzeige seines Vaters, wurde er von Ludwig XV. von seinen Besitzungen verbannt und 1775 verhaftet.
In der Haftzeit – während der er das Gefängnis Château de Joux verlassen durfte – lernte er Marie Thérèse de Monniers kennen. Beide verliebten sich ineinander und flüchteten in die Schweiz. Er wurde wegen Ehebruchs in Abwesenheit zum Tode verurteilt und 1777 wiederum verhaftet. Es gelang ihm, sein Todesurteil annullieren zu lassen. Er musste aber bald wieder ins Exil gehen, nachdem er sich in einen Prozess zwischen seinen Eltern eingeschaltet hatte. Anschließend ging er nach Preußen und soll dort Mitglied des Illuminatenorden mit dem Ordensnamen Adramelech/Leonidas geworden sein, letzteres ist aber nicht sicher belegt und wurde möglicherweise als Gerücht in die Welt gesetzt, um eine Verbindung zwischen dem Illuminatenorden und den Jakobinern herzustellen. Danach hielt er sich in Holland auf, wo er in Amsterdam Freimaurer wurde. Später zog er nach London.
Während der Anfangszeit der Französischen Revolution war Mirabeau Abgeordneter und Wortführer des Dritten Standes in den Generalständen. 1790 wurde er Präsident des Jakobinerclubs und hielt 1791 den präsidialen Vorsitz der Nationalversammlung.
Mirabeau starb am 2. April 1791 plötzlich, sodass man einen Giftmord vermutet. Er wurde in einem Staatsbegräbnis im Panthéon beigesetzt. Nachdem weitere Beweise seiner Verbindungen zum Königshof gefunden worden waren, wurde sein Leichnam im November 1793 aus dem Panthéon entfernt. Sein Bruder André Boniface Louis Riquetti de Mirabeau ist auf dem Alten Friedhof in Freiburg im Breisgau begraben.
Wie andere Aufklärer, stellte Mirabeau die britische konstitutionelle Monarchie mit den Bill of Rights als Vorbild für ein anzustrebendes Gesellschaftsmodell dar.
Bei den Wahlen zu den Generalständen im Mai 1789 wurde er Abgeordneter des Dritten Standes. Durch seinen Aufenthalt in England sah Mirabeau den Adel und die Kirche als Haupthindernisse der Freiheit. Er war maßgeblich an der Abschaffung der Privilegien des Adels und der Einziehung der Kirchengüter beteiligt. Den an die Verfassung gebundenen König sah er aber weiterhin als notwendig an.
Seine Popularität erlitt einen weiteren Rückschlag, als seine engen Beziehungen zum König bekannt wurden. So ließ sich Mirabeau seinen Lebensunterhalt vom französischen Königshof bezahlen. Dennoch wurde er am 30. Januar 1791 Präsident der Nationalversammlung.
Parallel zu seinen politischen Aktivitäten fertigte der schriftstellerisch begabte Mirabeau im Verborgenen einige erotische Werke an, die bis heute einen großen Anklang finden. Als „Le Rideau levé, ou l'Education de Laure“ (Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung) 1786 anonym erschien, hatte Mirabeau bereits ein abenteuerliches Leben hinter sich, das ihn mehrmals entweder hinter Gittern sah oder als gefeierten Redner im Gerichtssaal, wenn es galt, den eigenen, angeblich unschicklichen Lebenswandel zu verteidigen. Er konnte sich folglich keinen Ärger mehr leisten und entschied sich, seine erotischen Bücher nicht unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen. Lauras Erziehung führt den Leser in die noch heile Welt der besseren Stände am Vorabend der Französischen Revolution. Das Buch schildert die Erziehung und das Leben eines jungen Mädchens von der ersten erotischen Begegnung bis zu Orgien, bei denen nichts ausgelassen wird. Sein Roman ist eins der freizügigsten erotischen Bücher der Aufklärung, mit dem Mirabeau für sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung der Geschlechter plädiert sowie für die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen geistiger mit körperlicher Liebe. Nur dadurch entsteht seiner Meinung nach das vollkommene Glück. Dieses Weltbild passt in das philosophische Selbstverständnis der Aufklärung, welches die größtmögliche Glückseligkeit der Menschen als Ideal sah. Lauras Erziehung wurde in mehrere Sprachen übersetzt und wird bis heute - auch in Deutschland - neu verlegt. Zu einem weiteren Klassiker der erotischen Literatur der Aufklärung wurde auch „Hic-et-Haec“ (1798).
Mirabeau ist unter anderem durch seinen Donnerkeil bekannt geworden, mit dem er am 23. Juni 1789 dem königlichen Zeremonienmeister eine Abfuhr erteilte, als dieser die Versammlung der Generalstände auflösen wollte.
Heinrich von Kleist schildert Mirabeaus Donnerkeil in seinem Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden sehr anschaulich:
Berühmt ist Mirabeau auch für seine Bonmots, etwa: „Preußen ist kein Staat mit einer Armee, vielmehr eine Armee, die einen Staat besitzt“. Bekannt ist außerdem der Spruch, dass Preußen in einer Kanonenkugel geboren wurde.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Henri Grégoire | Präsidenten der Nationalversammlung29. Januar 1791-14. Februar 1791 | Adrien Duport |
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