Die Gemeinde Gottes Deutschland KdöR ist eine evangelische Freikirche, die zur weltweiten Pfingstbewegung gehört. Sie ist Teil einer der ältesten Pfingstkirchen der Welt, der weltweit verbreiteten Church of God (Cleveland, Tennessee). Der Bund hat in Deutschland die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR).
Der Name Gemeinde Gottes (Church of God) wurde bei der Internationalen Generalversammlung im Jahre 1907 einstimmig beschlossen. Damit wird ausdrücklich nicht der Anspruch erhoben, die absolute Gemeinde zu sein, sondern es soll ein biblischer Bezug (1. Korinther 1,2; 2. Korinther 1,1) hergestellt werden.[1]
International ist die Gemeinde Gottes unter dem Namen Church of God (Cleveland, Tennessee) bekannt. Der Zusatz Cleveland, Tennessee, wo sich der Hauptsitz der internationalen Church of God befindet, dient der Unterscheidung von zahlreichen anderen Gemeinden dieses Namens in den Vereinigten Staaten. In den einzelnen Nationalstaaten trägt die Kirche jeweils einen Namen in der jeweiligen Landessprache. Dieser ist häufig lediglich eine Übersetzung des internationalen Namens Church of God. Teilweise sind es aber auch individuelle Eigennamen. In England und Wales trägt die Kirche beispielsweise den Namen New Testament Church of God, in Frankreich Eglise de Dieu en France und in Lateinamerika Iglesia de dios.
Die Gemeinde Gottes hat weltweit etwa 7 Millionen Mitglieder in 178 Ländern[2] und gehört damit zu den größten Pfingstkirchen.[3] In Deutschland gibt es etwa 70 Gemeinden und ca. 3.300 Mitglieder, in Österreich 27 Gemeinden und ca. 4000 Mitglieder. In der Schweiz gibt es eine Mission mit ca. 20 Mitgliedern.[4]
Die Pfingstbewegung in Deutschland entstand zum Teil aus früheren Erweckungs- und Heiligungsbewegungen der vorletzten Jahrhundertwende. Charakteristisch ist, dass dem Heiligen Geist große Freiheit in den Versammlungen eingeräumt wird, zudem wird ein biblischer Lebenswandel betont. Als Freikirche werden die finanziellen Aufwendungen durch Spenden gedeckt. Die Glaubenslehre ist allein an der Bibel orientiert. Grundlage ist das evangelische Glaubensbekenntnis. Zur wahren Gemeinde Jesu gehören wiedergeborene Menschen aus allen bibelgläubigen Gemeinden und Kirchen. Kirchengeschichtlich sieht sich die Gemeinde Gottes eingereiht in die von Gott gegebene geistliche Bewegung durch die Jahrhunderte, die ihren Beginn am Pfingsttag (Apg. 2) mit der Gründung der ersten Gemeinde in Jerusalem hatte.
Die Verfassung der Gemeinde Gottes Deutschland KdöR. wurde von der Bundesversammlung am 1. November 2005 beschlossen.[5] In ihr wird die Bibel als verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben in Gemeinde und Bund festgelegt. Die Übereinstimmung mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis wird bestätigt.
Die „Gemeinde Gottes in Deutschland“ (Bund) wurde 1936 in Stuttgart gegründet und hat die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR). Das Gebiet des Bundes umfasst die Bundesrepublik Deutschland. Der Sitz des Bundes mit seiner Geschäftsstelle ist Urbach bei Schorndorf, Baden-Württemberg. Der Bund besteht aus Einzelgemeinden (Zusammenschlüsse von Personen auf lokaler Ebene), die sich ordnen gemäß der Verfassung und Gemeindeordnung der Gemeinde Gottes.
Mitglieder in der Gemeinde Gottes können Personen werden, die sich im neutestamentlichen Sinne als Christ bekennen, die überzeugend die Absicht erkennen lassen, gemäß der Lehre der Bibel zu handeln und zu leben und die mit der Gemeindeordnung der Gemeinde Gottes übereinstimmen. Die Aufnahme von Personen, die beabsichtigen Mitglied in der Gemeinde Gottes zu werden, erfolgt in der Einzelgemeinde, die sie besuchen, gemäß der Gemeindeordnung.
Die Einzelgemeinden des Bundes bilden geographisch gegliederte Regionen. Diese dienen der Förderung und Beratung einzelner Gemeinden, Wahrnehmung gemeinsamer Aufgaben, Unterstützung des Bundes bei seinen Aufgaben, Pflege der Bundesgemeinschaft und Vorbereitung der Arbeit in der Bundesversammlung. Jede Region beruft für seine Arbeit einen Regionalrat gemäß der Gemeindeordnung. Für jede Region wird auf Vorschlag des Regionalrats ein Regionalvorsteher von der Bundesversammlung für vier Jahre gewählt mit der Möglichkeit der Wiederwahl. Derzeitige Regionen sind Nord, West, Süd-Süd, Süd-Ost und eine ethnische Region.
Die Arbeitsbereiche ordnen sich gemäß der Gemeindeordnung. Jeder Arbeitsbereich beruft für seine Arbeit ein Komitee gemäß der Gemeindeordnung. Für jeden Arbeitsbereich wird auf Vorschlag des Präsidiums von der Bundesversammlung für vier Jahre ein/e Leiter/in gewählt mit der Möglichkeit der Wiederwahl.
Die Bundesversammlung ist als Vertreterversammlung aller Bundesgemeinden das oberste Bundesorgan. Sie entscheidet in allen Bundesangelegenheiten, soweit nicht das Präsidium des Bundes oder die Bundesgeschäftsführung zuständig sind. Insbesondere entscheidet sie auf Vorschlag des Präsidiums über die Aufnahme von Gemeinden in eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Bund, wählt die Mitglieder des Präsidiums und beschließt über Änderungen der Verfassung. Die Bundesversammlung nimmt den Rechenschaftsbericht des Präsidiums entgegen und erteilt ihm Entlastung für seine Leitungsverantwortung. Die Bundesversammlung tagt mindestens einmal jährlich. Zur Bundesversammlung gehören: a) Gemeinde-Abgeordnete, die von den Lokalgemeinden gemäß der Gemeindeordnung delegiert werden, b) die Mitglieder des Präsidiums, c) alle Pastoren im Dienst einer Gemeinde, einer Region oder des Bundes. Die Bundesversammlung beschließt mit der Mehrheit der anwesenden Mitglieder, sofern in dieser Verfassung oder in der Gemeindeordnung nichts anderes bestimmt ist.
Das Präsidium verantwortet die laufende Arbeit im Bund, soweit nicht die Bundesversammlung oder die Bundesgeschäftsführung zuständig sind. Zum Präsidium gehören: a) die Mitglieder der Bundesgeschäftsführung b) die Regionalvorsteher c) die Arbeitsbereichsleiter
Vorsitzender des Präsidiums des Bundes ist der Präses. Die Bundesversammlung wählt den Präses und dessen Stellvertreter aus ihrer Mitte für die Dauer von vier Jahren. Derzeitiger Präses ist Erich Schneider.
Die Bundesgeschäftsführung führt die laufenden Geschäfte. Sie steht den Gemeinden für geistlichen und praktischen Rat zur Verfügung und nimmt in deren Auftrag gemeinsame überörtliche Belange wahr. Die Bundesgeschäftsführung vertritt die Bundesversammlung und das Präsidium zwischen deren Sitzungen; beiden Organen gegenüber legt sie Rechenschaft ab.
Die Wurzeln der Gemeinde Gottes reichen bis in das 19. Jahrhundert. Besonders in der angelsächsischen Heiligungsbewegung erwachte in dieser Zeit ein immer größeres Verlangen nach geistlicher Erweckung. Richard G. Spurlin aus Tennessee, USA, ein Baptistenprediger (1857-1935), sein Vater Richard Spurling (1810-1891) und einige Gleichgesinnte widmeten sich dem intensiven Bibelstudium und dem Gebet um göttliche Führung. R.G. Spurling sah die Notwendigkeit einer weiteren Reformation der Kirche, die über die große Reformation des 16. Jahrhunderts hinausging. Er sah den allgemeinen Fokus der Reformatoren mehr auf dem richtigen Glauben und der reinen Lehre, als auf der Beziehung zu Jesus Christus und der Liebe zu einander. Bekenntnisse seien wichtiger geworden als die Leitung des Heiligen Geistes und das eigene Gewissen.[6]
Nachdem sie aus ihrer Baptistengemeinde ausgeschlossen wurde, gründete diese kleine Gruppe im Jahre 1886 eine "Christliche Union" mit dem Zweck entschiedenes Christentum nach dem urchristlichen Vorbild zu verwirklichen. Erst 1896 begann sich die ersehnte Erweckung Bahn zu brechen. Die Menschen erlebten in den Versammlungen die überwältigende Gegenwart Gottes. Die Menschen wurden im Geist getauft und redeten in neuen, geistgewirkten Sprachen. Die Bewegung breitete sich schnell in der ganzen Gegend aus. Dieses Ereignis bildete Anfang und Ausgangsbasis der Gemeinde Gottes. Bis heute wird innerhalb der Gemeinde Gottes großer Wert auf die schriftgemäße Wirksamkeit des Heiligen Geistes gelegt.[7]
1902 wurde dann durch die Initiative R. G. Spurlings eine lokale Gemeinde organisiert, die sich den Namen "Holiness Church at Camp Creek" gab.[8]
Das Glaubensbekenntnis der Gemeinde Gottes
Das Glaubensbekenntnis ist die Grundlage der Lehre der Gemeinde Gottes. Es bringt sowohl eine evangelikale als auch eine pfingstlerische Lehrposition mit wesleyanischen Einflüssen zum Ausdruck. Folgende Punkte werden im Glaubensbekenntnis der Gemeinde Gottes aufgeführt:[9]
In den Gottesdiensten geht es lebhaft zu, es wird viel gesungen, der Schwerpunkt ist auf modernen Liedern mit moderner Instrumentalbegleitung, zu denen auch geklatscht und getanzt wird. Die Gemeinde ist auch beim Gebet aktiv beteiligt. Die Predigten sind dynamisch und alltagsbezogen. Geistesgaben wie Zungenreden, Prophetie und Krankenheilung gehören zum Gemeindeleben.
Die Gemeinden Gottes legen einen Schwerpunkt auf persönliche Heiligung, was für sie Verantwortung für die Familie, persönliche Integrität, bescheidener Lebenswandel, Verzicht auf Drogen und soziales Engagement einschließt.
Die Gemeinde Gottes bekennt sich zu den Grundlagen der Evangelischen Allianz und ist Mitglied der Vereinigung Evangelischer Freikirchen sowie des Forums Freikirchlicher Pfingstgemeinden.
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