Montag, 28. Mai 2012

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Geschichte Anatoliens

Die Vorstellungen von der Ostgrenze Anatoliens weichen stark voneinander ab. Vielfach wird der obere Euphrat als Grenze zu Mesopotamien genannt, häufig auch die Ostgrenze der heutigen Türkei.

Die menschliche Geschichte Anatoliens reicht mehr als 400.000 Jahre zurück. Die älteste Fundstätte stellen die Höhlen in Karain dar. Uneinheitlich ist dabei der Begriff Anatolien, dessen Ostgrenze häufig am oberen Euphrat, aber auch an der Ostgrenze der heutigen Türkei gesehen wird. Der so genannte fruchtbare Halbmond, in dem der Übergang von Jagd- und Sammelkulturen zu Viehzucht und Ackerbau vollzogen wurde, liegt teilweise auf dem Gebiet der Türkei.

Paläolithikum

Steinwerkzeuge sowie tierische und menschliche Knochen aus dem Paläolithikum und Mesolithikum wurden in der Karain-Höhle nördlich von Antalya entdeckt. Die ältesten Funde wurden auf ein Alter von mehr als 400.000 Jahren datiert.[1]

Für die Zeit zwischen 40.000 und 26.000 existieren verhältnismäßig zahlreiche Funde zwischen der Marmara-Region und Hatay, doch besteht danach eine Lücke von sechs Jahrtausenden bzw. der Gravettien-Industrie.[2]

Während der größten eiszeitlichen Vereisung um 28.000 bis 20.000 v. Chr. lag der mediterrane Meeresspiegel um 100 bis 130 m tiefer als heute. Der nachfolgende Anstieg war durch das Abschmelzen der Eismassen bedingt, das sich über Jahrtausende hinzog. Doch war dieser Prozess nicht linear. Daher ist die Rekonstruktion vergangener Küstenverläufe eine komplexe Aufgabe, wobei, im Gegensatz zu anderen Regionen, die Landhebungen und -senkungen eher gering waren. Die starken Schwankungen des Meeresspiegels verursachten vor allem in den küstennahen Ebenen Zerstörungen der archäologischen Artefakte. Dies gilt etwa für Kilikien und den Raum Antalya. In der Ägäis waren die heute griechischen Inseln vielfach Teil des Festlands, als der Meeresspiegel anstieg reichten die Überschwemmungen bis zu 70 km landeinwärts. Wesentlich komplizierter ist der Verlauf im Schwarzen Meer, dessen Verbindung zum Mittelmeer nicht durchgängig bestand. Bis etwa 6000 v. Chr. war das Schwarze Meer ein See, der durch die Öffnung des Bosporus und der Dardanellen sehr schnell vom Wasser des Mittelmeers überflutet wurde. Doch ist diese Annahme umstritten.[3]

Seit einigen Jahren wird an einem tephrostratigraphischen Rahmen zur zeitlichen Erfassung der archäologischen Funde Anatoliens gearbeitet.[4] Er ermöglicht zunehmend deren zeitliche Einordnung anhand datierter vulkanischer Niederschläge.

Epipaläolithikum (ca. 20.000 bis 10.000 v.Chr.)

Lange Zeit ließen sich nur zwei Fundstätten in Anatolien möglicherweise dem Epipaläolithikum zuweisen, dem unmittelbar der Sesshaftwerdung und der Land- bzw. Weidewirtschaft vorangehenden Zeitalter.[5] Die Fundstätte Pınarbaşı[6], ein Abri, weist jedoch ein Lager von Hirten und Jägern auf, die sich im 7. Jahrtausend v. Chr. hier aufhielten. Darunter fanden sich Spuren, die mindestens ins 9. Jahrtausend datiert werden konnten. Die Jäger errichteten leichte Schutzwände aus Reet, das sie im nahegelegenen See fanden. Das von ihnen benutzte Obsidian stammte zu 90 % aus Kappadokien. Vor allem Mikrolithen wurden genutzt, Steinwerkzeuge wurden offenbar mitgebracht. Zeitweilig könnte das Abri als Siedlung gedient haben, denn es fanden sich Begräbnisplätze. Dort häuften sich Muscheln aus dem Mittelmeer.[7]

Kennzeichnend für das Epipaläolithikum sind die Mikrolithenindustrien, die in einigen Regionen Anatoliens auch danach noch fortbestanden. Zudem kam es erstmals zu einer erkennbaren kulturellen Differenzierung nach den verschiedenen Regionen. Die wichtigste Überlebensstrategie bestand in der Mobilität und der Nutzung oftmals weit voneinander entfernter Ressourcen. An einigen günstigen Stellen kam es jedoch zu wiederholten längeren Aufenthalten in Abhängigkeit von jahreszeitlichen Zyklen. Die Jäger-und-Sammler-Gesellschaften wurden jedoch lange zugunsten der Erforschung der frühesten Landwirtschaft, der Domestizierung von Haustieren und Pflanzen, aber auch der Entstehung früher urbaner Siedlungstypen vernachlässigt. Eine anhand der Funde erkennbare Abgrenzung zum Mesolithikum gibt es nicht.

Wie überall in Anatolien wurden zwar wilde Pflanzen gesammelt, wie Pistazien, die Früchte des Zürgelbaums, Rosinen, Birnen, Mandeln und möglicherweise bereits Oliven, deren Spuren sich in Höhlen wie Beldibi, Karain B (nicht zu verwechseln mit der Karain-Höhle) oder Öküzini westlich und nördlich von Antalya fanden. Doch fanden sich an der wichtigsten Fundstätte, der Öküzini-Höhle[8], deren älteste Funde der von 23.000 bis 15.000 v. Chr. datierten Kebaran-Kultur zugerechnet werden, und die am Fuß des 1715 m hohen Geyik sivirsi liegt, keinerlei Spuren von Getreide.[9] Die Höhle bietet vor allem Überreste aus der Zeit zwischen etwa 20.000 und 7500 v. Chr.[10]

Neolithikum

Um 9000 v. Chr. begann die neolithische Revolution, für die Ackerbau, Viehzucht und Urbanisierung kennzeichnend sind. Etwa aus der gleichen Zeit stammen die bisher ältesten Spuren domestizierten Getreides, genauer von Roggen, in Tell Abu Hureyra am syrischen Euphrat und die Anfänge der Siedlung Jericho. Dieser Übergang zu einer sesshaften, landbebauenden Lebensweise wurde sowohl von den historischen Wissenschaften im weitesten Sinne, als auch von Biologen intensiv untersucht.

Südostanatolien

Die ältesten gesicherten neolithischen Siedlungen Südostanatoliens fanden sich am Batman, einem Zufluss des oberen Tigris. Von ihnen ist wiederum Hallan Çemi die älteste, sie wurde auf die letzten Jahrhunderte des 11. Jahrtausends BP datiert.[11] Nur wenig jünger ist Demirköy, etwa 40 km flussabwärts. Es wird dem ersten Jahrhundert des 10. Jahrtausends BP zugeschrieben. Weitere 20 km flussabwärts befindet sich Körtik, bereits nahe am Zusammenfluss von Batman und Tigris. Wahrscheinlich wurden die drei Siedlungen von ein und derselben Gruppe nacheinander bewohnt. Aus der gleichen, nichtkeramischen Phase des Neolithikums stammen zwei Siedlungen im Euphratgebiet, doch führten dortige Testgrabungen zu keinerlei Funden von Architektur. Die Fundgruppen gehen auf die Zarzien-Kultur zurück, die für die Zeit zwischen 18000 und 8000 v. Chr. angesetzt wird, und bei der es sich um eine hochentwickelte Jäger-und-Sammler-Kultur handelte. Dabei hatten die neolithischen Siedlungen enge Beziehungen zu Stätten im Irak, vor allem solchen um Mossul.

Nur in Hallan Çemi und Demirköy fanden sich Spuren elliptischer Strukturen aus Stein, Flechtwerk und Bewurf (letzteres zumindest in Hallan Çemi). Es fanden sich zwei größere bauliche Strukturen, bei dem über dem Eingang eines der beiden Gebäude der Schädel eines Auerochsen hing.[12] Auch wiesen die Gebäude Materialien aus weit entfernten Gebieten aus, wie vier kleine Kupfererzklumpen, Obsidian aus der Gegend um Bingöl und Van, das wohl im „Auerochsenschädelhaus“ bearbeitet wurde. In Hallan Çemi fand sich zudem ein größerer Platz, der umgeben von feuergesprengten Steinen und Tierknochen war. Schließlich fanden sich zoomorphe Steingefäße, etwa in Form eines Ziegenkopfes, aber auch abstrakte Motive, wie Schlangenmuster oder „Zielscheiben“. Die häufigsten naturalistischen Motive waren Skorpione und Schlangen. Diese Steingefäße könnten mit dem „Festplatz“ in Beziehung stehen; in ihnen wurden anscheinend Speisen bereitet. In Körtik fanden sich als steinerne Fetische gedeutete Scheiben, auf denen Bienen erkennbar sind. Das „Zielscheibenmotiv“ taucht nur im Zusammenhang mit diesen Fetischen auf. Die Bienen werden als mythische Figur gedeutet.

Im Gegensatz zu den späteren, neolithischen Stätten, wurden in diesen proto-neolithischen Siedlungen am Batman die Toten außerhalb, etwa in Höhlen beigesetzt. In Demirköy fanden die Toten hingegen ihre letzte Ruhestätte bereits innerhalb des Ortes, allerdings noch ohne Beigaben. Diese tauchen erst in Körtik auf, etwa Steingefäße und -perlen. In Demirköy fanden sich zwei beigesetzte Hunde. Dort fanden sich auch erstmals gebrannte Ziegel.

Zumindest für Hallan Çemi lassen sich erste Versuche der Tierhaltung, genauer gesagt von Schweinen zeigen, die in Demirköy durch Ziegen ersetzt wurden. Wildes Getreide wurde anscheinend nicht geerntet, eher waren dies Nüsse, Hülsenfrüchte oder die Samen der Gewöhnlichen Strandsimse. Es wurde also noch mit verschiedenen Ressourcen experimentiert, Versuche, die noch stark von lokalen Anpassungen abhingen, und der Vorstellung zuwiderlaufen, es habe sich um einen kontinuierlichen Domestizierungsprozess gehandelt.[13]

Etwa 125 Flusskilometer oberhalb der Batman-Siedlungen, befindet sich Çayönü. Dort lässt sich die Entwicklung von den Rundbauten einer frühen Ackerbauersiedlung aus dem 10. Jahrtausend zu einer großen Siedlung mit rechteckiger, dann differenzierter Bebauung im 9. bis zum Anfang des 7. Jahrtausends belegen. Es entwickelte sich zunächst ähnlich wie die weiter abwärts gelegenen Siedlungen, doch um 9500 bis 9200 BP veränderte sich die lokale Kultur in eine andere Richtung.

Das südliche Grabungsfeld von Göbekli Tepe, 2010
Pfeiler mit Tierreliefs, Göbekli Tepe

Erst mit Göbekli Tepe verdichten sich die Funde zu einem genaueren Bild. Dort entstand um 10500 v. Chr. ein Bergheiligtum, das wohl die älteste bekannte Tempelanlage darstellt. Das kurvilineare Gebäude entstand auf zuvor unbebautem Grund. Der Bau der Anlage B von Schicht III erforderte eine komplexe Organisation. Dabei waren bis zu 500 Menschen erforderlich, um die 10 bis 20 Tonnen, im Extremfall sogar 50 Tonnen schweren Pfeiler in den Steinbrüchen der Umgebung zu brechen und 100 bis 500 m weit zu transportieren. Diese monumentalen, t-förmigen Pfeiler weisen Reliefe in Tier- und Menschengestalt auf. Die Toten wurden in diesem Beinhaus beigesetzt, sie erhielten aber keine Steingefäße, wie in Körtik.

Für die Ernährung wurde Wildgetreide vielleicht schon gezielt angebaut. Es fanden sich bisher keine Wohngebäude, wohl aber „Sondergebäude“, die wahrscheinlich rituellen Zusammenkünften dienten. Anfang des 8. Jahrtausends verlor die Siedlung ihre Bedeutung, doch geriet sie nicht einfach in Vergessenheit sondern wurde aus unbekannten Gründen mit 300–500 m³ Erde bedeckt.

Im Euphratgebiet fanden sich mehrere Siedlungen, darunter Cafer, das zwischen den letzten Jahrhunderten des 10. Jahrtausends BP und etwa 8000 BP bestand.[14]

Der Umgang mit Ton führte nicht mehr nur zur Herstellung von Figurinen, wie in Demirköy, sondern auch zu Gefäßen, die bald in großen Mengen hergestellt wurden. Früh entstanden rohe Tonimitate steinerner Gefäße. Ob dies auf einen Wechsel in der Geschlechtertätigkeit oder geringere Ansprüche an die Dauerhaftigkeit zurückzuführen ist, bleibt unklar. Fünf Grabungsstätten dieses keramischen Neolithikums finden sich im Südosten Anatoliens: Çayönü, Sumaki (am nächsten Nebenfluss des Tigris flussabwärts, dem Garzan) und Salat Cami Yanı im Tigrisgebiet, Mezraa-Teleilat und Akarçay im Euphratgebiet. Im Tigrisgebiet lässt sich nur in Çayönü Kontinuität von der vorgehenden Phase nachweisen, wobei in der jüngeren Phase die Gebäude aus Flechtwerk und Bewurf von steinernen Häusern abgelöst wurden. Diese Siedlungskontinuität lässt sich auch für Mezraa-Teleilat zeigen. Insgesamt ist die Keramikphase des Neolithikums von kleineren Siedlungen geprägt, als die vorgehende Phase, in der in einigen Siedlungen Monumentalbauten entstanden. Erst in der nachfolgenden Halaf-Periode tauchten wieder große Siedlungen auf.

Zentralanatolisches Plateau

Statuetten aus Hacılar

Obwohl sich auf dem Gebiet der Türkei überaus wichtige Beiträge zur neolithischen Geschichte fanden, so basieren unsere Kenntnisse dieser Epoche auf dem zentralanatolischen Plateau dennoch nur auf elf Grabungsstätten, von denen sechs im Jahr 2011 gerade erst von Archäologen ergraben wurden.[15]

Das früheste Neolithikum Anatoliens (Präkeramisches Neolithikum A) kennt noch keine Keramik, aber schon feste Siedlungen mit Rundhäusern aus Stein (Nevali Cori, Göbekli Tepe). Im folgenden Präkeramischen Neolithikum B kamen rechteckige Häuser in Gebrauch. Aşıklı Höyük, Cafer Höyük und Cayönü sind Siedlungen aus dieser Zeit. Ton wurde zu Statuetten verarbeitet und teilweise auch gebrannt, man fertigte aber noch keine Gefäße aus diesem Material.

Einige Fundorte belegen den schrittweisen Übergang zur für das Neolithikum typischen Lebensweise. Pınarbaşı ist der älteste anatolische Fundort, an dem sich zwischen 8500 und 8000 v. Chr. Sesshaftigkeit und eine über lange Zeiträume bewohnte Siedlung nachweisen lassen.[16] Die zur Hälfte unter der Erdoberfläche liegenden Häuser wiesen oberirdisch Flechtwerk und Lehmbewurf auf. Die Böden waren verputzt, einige waren wahrscheinlich mit rotem Ocker verziert. Es existierten Gruben, Herde und Bänke. Die Siedlung basierte auf der Jagd, vor allem von Auerochsen und Einhufern, aber auch auf Fischfang und dem Sammeln wilder Pflanzen, wie Pistazien und Mandeln. Obsidian und Feuerstein wurden von weit hergeholt und vor Ort bearbeitet.

20 km von Pınarbaşı und 9 km von Çatalhöyük entfernt liegt die Fundstätte Boncuklu, die auch kulturell zwischen den beiden Stätten liegt. Dort wird seit 2006 gegraben. Es fanden sich farbige Malereien, die bereits Ähnlichkeit mit denen in Çatalhöyük aufweisen. Auch hier fanden sich Obsidian aus Kappadokien - vor allem aus Nenezi und Kayırlı, zweien der Hauptlagerstätten - und mittelmeerische Muscheln wie in Pınarbaşı.

Wandbemalung aus Çatalhöyük, erkennbar ist ein Auerochse, ein Hirsch und Menschen
„Göttin" auf dem Leopardenthron, Figurine aus Çatalhöyük

Ebenfalls ins 9. Jahrtausend v. Chr. gehört Aşık Höyük in Kappadokien. Zwischen 8400 und 7400 v. Chr. bis 6500 v. Chr. bestand hier eine ganzjährig bewohnte, langlebige Siedlung am Melendiz, in dessen Tal eine reichhaltige Vegetation bestand, im Gegensatz zum umgebenden Plateau. Ovale und rechteckige Häuser herrschten zunächst vor, später nur noch rechteckige. Nach der endgültigen Sesshaftwerdung tauchten Gebäude auf, die offenbar besondere Funktionen übernahmen. Die in Gruppen beisammen stehenden Wohnhäuser im Norden des Hügels, die zwei bis drei Räume aufwiesen und einander recht ähnlich sahen, bestanden aus Lehmziegeln, Lehmplatten und Mörtel. Sie hatten Verbindungstüren, jedoch keine Außentüren, so dass angenommen wird, dass sie mit Holzleitern über die Flachdächer betreten wurden. Neue Gebäude wurden auf die alten gebaut, deren Überreste wieder verwertet wurden. Dabei ergaben sich insgesamt zehn Bauphasen. Zwischen den Hausgruppen bestanden Werkplätze; sie bestanden ebenso über Jahrhunderte, wie die Abfallplätze. Die Häuser südlich der vier Meter breiten Straße, die die beiden Teile der Siedlung trennte, bestanden aus anderen Materialien, wiesen Malereien auf, dazu von senkrecht stehenden Lehmplatten begleitete Zuwege und waren oftmals erheblich größer. So weist eines der Gebäude eine Grundfläche von 5 m mal 5,6 m auf, ein anderes Gebäude hatte an der Nordseite eine Steinwand, die einen Meter großen Lehmplatten dienten als Fußbodenbelag, auch bestand ein großer gemeinsam genutzter Ofen. Über diese Neuerungen hinaus tauchten zum ersten Mal kultivierte Pflanzen auf, wie Einkorn, Emmer und Gerste, Weizen und Hartweizen, auch wenn die Jagd und das Sammeln von Wildpflanzen fortbestanden. Zudem ernährte sich die Bevölkerung zunehmend von Schafen; frühe Domestizierung ließ sich zumindest anhand der zahlenmäßigen Verteilung von Alter und Geschlecht der Tiere wahrscheinlich machen. Die Begräbnisstätten fanden sich innerhalb der Häuser unter den Fußböden.[17]

Auf der gegenüberliegenden Seite des Melendiz fand sich Musular, das auf 7500 bis 6500 v. Chr. datiert wurde. Es wurde vermutlich von den Bewohnern Aşıks erbaut. Dort wurden offenbar Jagdwaffen wie Pfeilspitzen hergestellt, dazu Klingen. Vor allem aber wurden Tiere geschlachtet und zerlegt, und die Stätte diente möglicherweise rituellen Zwecken. Aufgrund dieser engen Verbindung zu Aşık spricht man auch vom Aşık-Musular-Komplex. Er wurde um 6500 v. Chr. aufgegeben.[18]

Eine der wichtigsten Obsidianquellen war das 1600 m hoch gelegene Kaletepe am Fuß des 2143 m hohen Göllü Dağ. Die Siedlung ließ sich auf die Zeit zwischen 8200 und 7800 v. Chr. datieren. Dort fanden sich große Mengen an Vorprodukten für die begehrten Obsidianklingen, so dass man von einem weiträumigen Handel ausgeht. Dafür sprechen auch die stark standardisierten Kerne und Blöcke. Weder die Technologie noch die Produkte existierten allerdings auf dem umgebenden Plateau, sondern im Gebiet des Präkeramischen Neolithikum B der Euphrat-Region und auf Zypern. Daher entstanden Mutmaßungen, dass hier weniger anatolische Handwerker lebten, als levantinische.[19]

Die Siedlungen Can Hasan I, II und III bestanden zwischen etwa 7500 und 6500 v. Chr. auf der Ebene von Konya. Die Hausanlagen waren denen von Aşık ähnlich. Die Siedlungen lagen in einer Steppe, in der es Wälder nur in den Flusstälern gab. Das Spektrum der Nahrungspflanzen scheint sich vergrößert zu haben, Flint wurde wohl hauptsächlich noch bei Erntearbeiten eingesetzt. Ähnlich datiert wurde Suberde am Westrand der Ebene von Konya, doch gibt es hier keine Anzeichen von Domestizierung. Hier tauchen steinerne Fundamente auf, 90 % der Werkzeuge bestanden aus Obsidian, der Rest aus Feuerstein. Keramikfragmente deuten auf Versuche mit Ton hin, Figurinen wurden schon länger aus diesem Material hergestellt. Die Siedlung wurde aufgegeben, als der Wasserspiegel des Suğla-Sees zu stark anstieg.[20]

Aus Çatalhöyük (7400-6200 v. Chr.), das James Mellaart 1961 bis 1965 und Ian Hodder seit 1993 ausgruben, und einem Tiefschnitt in Mersin sind Beispiele der ältesten neolithischen Keramik (dark burnished ware) bekannt. Çatalhöyük gilt als die älteste Stadt der Welt, sie entstand auf dem Osthügel. Domestizierte Schafe und Ziegen lieferten inzwischen den überwiegenden Teil der tierischen Nahrung, dazu kam weiterhin Jagd und Fischfang, ebenso wie intensive Sammeltätigkeit in einer reichhaltige Pflanzenwelt. Die Häuser standen dicht aneinander, die dazwischen liegenden Räume wurden für Abfallhaufen genutzt. Es bestanden keine Gebäude mit Sonderfunktionen und nur wenige Straßen oder Durchgänge. Auch hier dürfte der Hauszugang über Flachdächer und Leitern erfolgt sein, die Häuser hatten meist einen Hauptraum und einige kleine Nebenräume, etwa für Vorräte. Es lassen sich Bänke, Öfen und Herde, Abfallgruben und Pfeiler unterscheiden. Die Stadt unterschied sich deutlich schon durch ihre Größe von den gleichzeitig bestehenden Siedlungen Anatoliens. So umfasste sie die ungewöhnlich große Fläche von über 13 ha, so dass man mit mehreren Tausend Einwohnern rechnen muss. Symbolische Darstellungen sind viel ausgeprägter und häufiger. Es fanden sich Malereien, Reliefs, verzierte Rinderhörner, Figurinen und „Geschichtshäuser“ mit zahlreichen Beisetzungen.[21] Jüngst fand sich eine Malerei aus der Zeit vor 7000 v. Chr.[22] Um 6200 bis 6000 v. Chr. zog die Stadt auf den Westhügel.

Hoca Çeşme ist eine Siedlung der späten Jungsteinzeit, in der in der ersten Siedlungsphase Rundhäuser errichtet wurden. Die materielle Kultur zeigt deutliche Parallelen zu Funden aus Bulgarien (Karanovo).

Ausbreitung und „zweite neolithische Revolution“

Weniger beachtet wurde die zuweilen als „zweite neolithische Revolution“ bezeichnete, fortgeschrittene neolithische Phase, in der neben dem Tier als bloßem Fleischlieferanten andere Möglichkeiten der Tiernutzung auftraten, sei es die Gewinnung von Wolle, von Eiern und Milch, oder die Nutzung als Trag- und Zugtier, als Lieferant von Bau- und Heizmaterial (Dung). In diese Phase fällt auch die Ausweitung des Raumes, in dem Menschen auf diese Weise lebten, über Süd- und Südostanatolien hinaus in ganz Anatolien und Richtung Griechenland und Balkan. In der ersten Hälfte des 7. vorchristlichen Jahrtausends war Knossos auf Kreta die einzige neolithische Siedlung auf der ganzen Insel, und es wurde darüber diskutiert, ob die Siedler aus der Levante oder aus Anatolien kamen. Um 6500 erscheinen - nun gesichert durch großflächigere Grabungen und sichere Datierungen - neolithische Siedlungen auch auf anderen ägäischen Inseln.[23]

Mit Erbaba fand man im Norden Zentralanatoliens am Beyşehir-See eine der wenigen Stätten des Neolithikums. Sie wurde auf 6700 bis 6400 v. Chr. datiert. Der Grabungshügel weist eine Fläche von etwa 5,5 ha auf. Keine Straßen trennten die Häuser voneinander

Chalkolithikum (Kupferzeit, ca. 6100-3000 v. Chr.)

Anthropomorphes Gefäß aus Hacılar

Das Chalkolithikum Anatoliens zeichnet sich, trotz des Namens, der auf die Dominanz von Kupfer verweist, durch mehrfarbig bemalte Keramik aus.[24] Dies führte einerseits dazu, dass gleichzeitig bestehende Kulturen mit monochromer Keramik nicht zur Kupferzeit gerechnet wurden. Andererseits fanden sich aus der mittleren und späteren Kupferzeit nur wenige Regionen mit Artefakten aus diesem Metall. Dennoch ist die Bezeichnung Kupferzeit für diese Epoche etabliert.

Der frühe Abschnitt der Kupferzeit wird dabei um 6100 bis 5500 v. Chr. datiert. Bekannt ist vor allem die Siedlung von Hacılar Höyük, dessen älteste Schichten noch dem präkeramischen Neolithikum angehörten und in das achte Jahrtausend v. Chr. datieren. In Schicht VI, die um 5600 v. Chr. datiert wird, fanden sich neun Bauten aus Lehmziegeln, die um einen großen Platz gruppiert waren. Die Einwohner lebten von Emmer, Einkorn, Weizen, Gerste, Erbsen sowie von Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Auch Hunde wurden gehalten. Zahlreiche Figurinen aus Ton stellen Frauen dar. Die Siedlung der Schicht I (um 5000 v. Chr.) war vermutlich von Neuankömmlingen bewohnt, die den Ort ummauerten, es könnte sich aber auch um eine Siedlungsunterbrechung derselben Bevölkerung handeln. Die Keramik ist feiner gearbeitet und zumeist rot auf weiß bemalt. Jüngere Untersuchungen widersprechen dem von James Mellaart entworfenen Bild eines einheitlichen Übergangs zu mehrfarbiger Bemalung, denn sie wurde auch an älteren, neolithischen Stätten, wie etwa Höyücek nachgewiesen.

Von der frühen unterscheidet man die mittlere Kupferzeit (5500-4000 v. Chr.) und die späte Kupferzeit (4000-3000 v. Chr.). Zunächst sollte die Bezeichnung Kupferzeit nichts anderes aussagen, als dass es entsprechend dem Dreistufenmodell zwischen der Steinzeit und der Bronzezeit eine Zeit gab, in der Kupfer in Gebrauch kam, ohne dass sich bereits Bronze nachweisen ließ. Doch luden sich die Begriffe im Laufe der Zeit auf. Dies betraf die zeitliche Abgrenzung - Kupfer fand sich bereits im akeramischen Neolithikum -, aber auch die Dominanz des Materials selbst. Nun galt die besagte farbig bemalte Keramik als kennzeichnend, doch gerade aus der mittleren und späten Kupferzeit fanden sich nur wenige Regionen, in denen diese Art der Bearbeitung in Gebrauch war. Während demnach der Beginn der Kupferzeit mit seinem für Archäologen bedeutsamen Übergang zu besagter Keramik für die Zeitgenossen wohl kaum als Einschnitt wahrgenommen wurde, so mag dies im Gegenteil umso mehr für die Zeit um 5500 v. Chr. gegolten haben, also für die beginnende mittlere Kupferzeit, denn viele der alten Siedlungen wurden aufgegeben. Darüber hinaus übernahm die Marmararegion überhaupt erst in der späten Kupferzeit eine dauerhaft sesshafte Lebensweise und die Bodenbearbeitung, ähnliches gilt für Teile des ägäischen Raumes. Dort, wo später Milet entstand, entwickelte sich in der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends eine erste Siedlung (Milet I). In Griechenland und Bulgarien verzichtet man, im Gegensatz zu Anatolien, für die Zeit zwischen 6500 und 3000 v. Chr. weitgehend auf eine Kupferzeit zwischen Neolithikum und Bronzezeit.

Von starken Veränderungen war auch Çatalhöyük betroffen, das von Çatalhöyük Ost nach Çatalhöyük West verlagert wurde. Obwohl Çatalhöyük West, das auf der anderen Seite des Çarşamba-Flusses liegt, gegenüber von Çatalhöyük Ost, und das sich zeitlich dem älteren Çatalhöyük Ost anschließt, erheblich kleiner ist, ist es dennoch mit 8 ha immer noch die größte kupferzeitliche Siedlung des südlichen anatolischen Plateaus. Dabei weist die jüngste Phase der älteren Siedlung große Ähnlichkeiten mit der ältesten der jüngeren Siedlung auf. Dies könnte auf einen sukzessive erfolgten „Umzug“ hindeuten. Wahrscheinlich wurden die „Haushalte“ gegenüber Clanstrukturen, die sich in der haufenartigen, älteren Bauweise spiegeln, autonomer, nachdem man den alten Ort aufgegeben hatte - dieser Prozess ist jedoch noch wenig verstanden.[25]

In der Zeit bis 3000 v. Chr. kam es zu einer massiven Steigerung der Siedlungstätigkeit, so dass man Tausende von Dörfern annimmt, die miteinander in intensivem Kontakt standen.[26] Im Südosten unterscheidet man die Halaf- und 'Obed-Kulturen, die ihre Namen von mesopotamischen Fundorten herleiten.

Bronzezeit

Figurinen aus der Zeit zwischen 3000 und 2500 v. Chr., Badisches Landesmuseum, Karlsruhe

Die Bronzezeit wird in West- und Zentralanatolien ab etwa 3000 v. Chr. angesetzt, doch die Frühe Bronzezeit bereitet dabei erhebliche Probleme.[27] So ist die Abgrenzung der ersten Phase (Bronzezeit I, ca. 3000 bis 2700/2600 v. Chr.) zur Kupferzeit unklar, die zweite Phase (2700/2600 bis 2300 v. Chr.) noch wenig verstanden, die dritte (2300 bis 2000 v. Chr.) geht in die Zeit des ersten Großreichs in der Region über.

In Südostanatolien setzt die Bronzezeit um 3400 oder 3300 v. Chr. ein. Die weiteren Unterteilungen sind in diesem stark von Mesopotamien beeinflussten Gebiet umstritten. Die nachkupferzeitlichen Siedlungen waren erheblich kleiner, sehr viel stärker verstreut und meist handelte es sich um Neugründungen. Im nördlichen Euphrattal bestanden Arslantepe, Kurban Höyük und Hassek Höyük fort. Lidar, Hassek 5 und Tirtis Höyük,[28], das 6 ha umfasste, waren mit dicken Stadtmauern umgeben. Südlich davon bestanden nur noch sehr kleine Siedlungen.

Frühe Bronzezeit (ca. 3000-2000 v. Chr.)

Die frühe Bronzezeit auf dem anatolischen Plateau gilt als Zeit der verstärkten „Verstädterung“, vergleichsweise großer Siedlungen mit komplexen Strukturen und einem weiträumigen Handelsnetz, das sich ab etwa 2500 v. Chr. besser fassen lässt. Siedlungen mit etwa 8 oder 9 ha Fläche wurden von einer erkennbaren Herrenschicht dominiert, deren Macht auch in das Umland reichte. Diese Entwicklung setzte aber bereits vor der Bronzezeit ein, wie in Troja I, Beycesultan, Karataş oder Küllüoba. In der frühen Bronzezeit weisen Siedlungen wie Liman Tepe, Çadır Höyük[29] im nördlichen Zentralplateau oder Tarsus und Mersin in Kilikien hierarchische Strukturen auf, zudem wurden sie Zentren ihrer Regionen. Innerhalb dieser möglicherweise schon als Herrschaftsgebiete anzusprechenden Regionen intensivierte sich der Austausch, die Keramik entstand zunehmend auf der Töpferscheibe.

Im westlichen Anatolien entstanden in der zweiten Phase der frühen Bronzezeit Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern. So fand man 25 km westlich von Eskişehir in Demircihöyük Sariket[30] 500 Gräber, von denen eine erhebliche Zahl wohl eine Art Familiengruften darstellten. Das Dorf selbst hatte nur einen Durchmesser von 70 m; die Häuser vom Megaron-Typ waren kreisförmig um einen zentralen Platz angeordnet (depas). In der dritten Phase wurden die Grabausstattungen und die Beigaben aufwändiger, was als Anzeichen zunehmender sozialer Differenzierung gedeutet wird.

Als eine der wichtigsten Ursachen für die zunehmende Zentralisierung gilt der Metallhandel, der sich vor allem in der zweiten frühbronzezeitlichen Phase zwischen 2700/2600 und 2300 v. Chr. deutlich verstärkte, und zu dem sich der Handel mit Tongefäßen gesellte. Viele Archäologen nehmen für diese Phase ein dichtes Handelsnetz an, das vom Schwarzen Meer bis nach Südostanatolien reichte. Verstärkt wurde die Produktion durch Zinnfunde im Taurusgebirge, dessen Erze ihren Weg bis in den Westen Anatoliens fanden. In die Gegenrichtung gelangten die besagten Tongefäße. So gelangten westanatolische Tonwaren bis nach Tarsus und Mersin. Städte wie Kültepe spielten bei diesem weiträumigen Austausch eine große Rolle. Sein Fernhandel mit Tonwaren reichte bis an den mittleren Euphrat.

Anfang des 2. vorchristlichen Jahrtausends berichten assyrische Quellen von Hattisch sprechenden Bewohnern Anatoliens, und sie kennen Luwier, Hethiter, Hurriter (in Nordsyrien), die ebenfalls indoeuropäische Sprachen gebrauchten, zu denen auch die Palaische Sprache zählte. Wann diese Gruppen nach Anatolien kamen, ist ungeklärt. Ein Teil der Archäologen neigt dazu, die Zuwanderung der Hethitisch-Luwisch-Palaisch-Gruppe bereits in das Neolithikum zu legen, andere sehen diese Zuwanderung erst in der Kupferzeit. Wiederum andere glaubten in Anatolien die Urheimat der Indoeuropäer erkennen zu können, so dass ihrer Auffassung nach von einer Zuwanderung keine Rede sein könne. Noch unklarer ist, in welcher Weise die älteren Gruppen und die Indoeuropäer in der gleichen Region siedelten, ob sie also in separaten Städten, als gemischte Bevölkerung, oder gar, ob die Indoeuropäer als ländliche Hirtengruppe außerhalb der Städte in einer Art Symbiose mit ihnen lebten.

In Westanatolien erschien zu Beginn der Bronzezeit als architektonisches Kennzeichen das Megaron. Troja I begann um 3000 v. Chr. und endete zwischen 2700 und 2500 v. Chr. Die Siedlung wurde von 2,5 m dicken Mauern geschützt, drei Stadttore ermöglichten den Einlass. Eines der Megaron-Gebäude wies eine Halle auf, die 7 mal 18,5 m maß.[31] Eine der größten Siedlungen in Westanatolien war Beycesultan. Zwar war die Stadtstruktur derjenigen von Troja I ähnlich, doch die Keramik war wesentlich feiner gearbeitet. Die Siedlung selbst reichte mindestens bis in die Kupferzeit zurück. Troja II, das zwischen 2700 und 2500 v. Chr. entstand, war erheblich größer als die Vorgängersiedlung. Mindestens fünf Megaron-Gebäude ließen sich nachweisen, wobei das größte von ihnen auf einer Felsplattform im Zentrum stand. Die Funktion dieser Gebäude, die sich stark von den Wohngebäuden unterscheiden, ist ungeklärt. Zweihändige, bauchige bis zylindrische Krüge sind für Troja II kennzeichnend, ähnlich wie das längere und schlankere depas amphikypellon. Diese trojanischen Formen könnten allerdings auch im Hinterland entstanden sein. Aus Troja IIg stammt ein Depotfund, der als der größte dieser Phase gilt, und der wahrscheinlich angesichts eines Stadtbrandes vergraben wurde, der sich anhand umfangreicher Feuerspuren nachweisen lässt.

Entgegen früherer Annahmen bestand zwischen der mittleren und späteren frühen Bronzezeit eine erhebliche Siedlungskontinuität, wie Funde in Troja III (wenn schon nicht auf der Zitadelle, dann doch in der Wohnstadt), Küllüoba, Liman Tepe oder Bakla Tepe erwiesen. Dabei herrschten in Troja nun steinerne Häuser vor, was vielleicht eine Reaktion auf die genannte Feuersbrunst darstellte.

Überreste eines Stadttors von Alaca Höyük

Im nördlichen Zentralplateau ist die Zahl der frühbronzezeitlichen Stätten erheblich geringer, wenn sich auch in Paphlagonien zahlreiche Siedlungsspuren fanden, die jedoch bisher nicht zu entsprechenden Grabungen führten. Die „königlichen Gräber“ von Alaca Höyük, dann Alışar Höyük, das von Assyrern aufgesucht wurde, dann das nahe gelegene Çadır Höyük (das bis in die frühe Kupferzeit zurückreicht), gehören zu den wenigen Fundstätten. Die jüngst ausgegrabene Siedlung weist sehr kleine Wohnhäuser aus der frühen Bronzezeit mit einer Grundfläche von nur 2 mal 3 m auf.

In Phase II der frühen Bronzezeit ist die Fundsituation noch magerer als in Phase I, wobei die Situation auf dem nördlichen Plateau immer noch günstiger ist, als auf dem südlichen, wo in der Hauptsache Tarsus ertragreich war. Bisher wurden in Çadır Höyük keinerlei Gebäudeüberreste entdeckt, wenn auch Scherben gefunden wurden. In Alışar blieben, ähnlich wie in der frühesten Phase, mit Steinen unterfütterte Mauern die Regel, die ebenfalls weiterhin aus Lehmziegeln bestanden. In Phase III wurde auch diese Region in den pan-anatolischen Handel und die Urbanisierung eingebunden. Dies zeigen vor allem Funde aus Alaca Höyük, Mahmatlar und Horoztepe. In vielen Städten wurden die Mauern erheblich verstärkt.

Die 19 Gräber von Alaca Höyük, von denen der Ausgräber 14 als „königliche“ bezeichnete, stellen Steinkisten dar, in denen meist Überreste eines Individuums, gelegentlich aber auch zwei oder drei gefunden wurden. Die Gräber wurden mit Holz abgedeckt, auf dem sich Überreste von Tieren fanden, die als Opfer gedeutet werden. Unter den Grabbeigaben fanden sich menschen- und tierförmige Figurinen, Waffen, Schmuck und Metall- und Tongegenstände. Die Metallobjekte bestanden aus Gold, Silber und Elektron sowie aus Kupfer. Weniger aufwändige Gräber fanden sich in Horoztepe, Oymaagac Köyü, Resuloğlu oder Kalınkaya.

Tarsus, das lange auf Mesopotamien ausgerichtet war, wandte sich kurz nach 3000 v. Chr. stärker Anatolien zu. Die Ursachen wurden in Veränderungen in Uruk gesucht, aber auch in den Zinnfunden im Taurusgebirge. In Phase II der frühen Bronzezeit entstanden wohl zweigeschossige Häuser, jedoch nicht vom Megaron-Typ. Nach einem verheerenden Brand entstand eine beinahe drei Meter dicke Stadtmauer.

Hingegen fanden sich jüngst in Bademağacı, etwa 50 km vom Stadtzentrum Ankaras entfernt, Spuren einer kreisförmigen Hügelsiedlung, die aus 70 bis 90 Gebäuden bestand. Hier fanden sich Tonsiegelfragmente, die auf eine rudimentäre Verwaltung hindeuten. Kaneš, 20 km nordöstlich von Kayseri gelegen, das vor allem im 2. Jahrtausend v. Chr. aufstieg, war bereits am Ende der frühen Bronzezeit ein wichtiges Handelszentrum. Sein größtes ausgegrabenes Monumentalgebäude aus dieser Zeit maß 20 mal 22 m. Allein die darin befindliche Halle maß 10,5 mal 17 m.

Im nördlichen Euphrattal bestanden Arslantepe, Kurban Höyük und Hassek Höyük, die schon in der Kupferzeit bestanden hatten, fort. Lidar, Hassek 5 und das 6 ha große Tirtis Höyük,[32] waren von dicken Stadtmauern umringt. Südlich dieser Städte bestanden nur sehr kleine Siedlungen.

Auf hochgelegenen Plattformen wurden Rituale durchgeführt, wie etwa in Surtepe und Tilbes Höyük. Bei Gre Virike fand sich eine 1750 m² große Plattform unregelmäßiger Gestalt. Hier fanden sich monumentale Gräber, ähnlich wie am mittleren Euphrat in Syrien. Bei vielen Siedlungen fanden sich Friedhöfe außerhalb der Mauern, ähnlich wie im Westen auch Steinkisten (Zeytinli Bahçe Höyük[33]) mit reichen Grabbeigaben (Birecik).

Die mittlere Phase der frühen Bronzezeit wird im Allgemeinen um 2700 bis 2400 v. Chr. angesetzt. Titriş Höyük umfasste inzwischen eine Fläche von 35 ha. Ähnliche Ausdehnungen erreichten Tilbeşar III B mit 30 ha, das eine Unterstadt aufwies, in der Olivenöl und Wein hergestellt wurden.[34]

Die spätere Phase wird meist um 2400 bis 2100 v. Chr. angesetzt, jedoch erscheint um 2600 bis 2200 v. Chr. bereits eine erkennbare Hierarchie zwischen städtischen Zentren, kleineren Städten und Dörfern. Dabei weisen die genannten Zentren am oberen Euphrat, die nun Unterstädte bargen, eine ausgeprägte soziale Schichtung auf. Titriş Höyük wuchs auf 43 ha an, und offenbar zählten Hofstellen im Umkreis von 4 bis 5 km zum Einflussbereich der Stadt. In Lidar fand man eine Keramikwerkstatt; dort entstand ein eigenes Handwerkerviertel. Tilbeşar III C umfasste eine Fläche von 56 ha, und auch hier wurden Olivenöl und Wein produziert. Es bestand eine Vielzahl von Grabtypen, wobei Erdbestattungen und Kammergräber vorherrschten. Auch das Spektrum der Grabbeigaben wurde stark erweitert, vor allem um verschiedene Formen des Körperschmucks. In Titriş entstanden Häuser mit einer Grundfläche von bis zu 200 m² mit 10 bis 15 Räumen. In diesen Großhaushalten lebten erweiterte Familien, die zuweilen Vorratshäuser für Getreide in ihren Mauern integrierten.

Nachdem Naram-sin um 2200 v. Chr. Ebla zerstört hatte, änderte sich die Siedlungsform. So wurde etwa Tilbeşar III D aufgegeben, ein Niedergang der dominierenden, städtischen Zentren setzte im südlichen Teil des mittleren Euphratgebiets ein, verbunden mit einer zunehmenden Abwanderung in die kleineren Städte. Vor 2000 v. Chr. verschwanden die monumentalen Grabmäler. Darüber hinaus ging die Qualität der Metallbearbeitung zurück.

Auch weiter im Osten, am Tigris, lässt sich um 2200 v. Chr. ein Niedergang der größeren Zentren belegen. Möglicherweise wurden wichtige Handelsstraßen nach Süden verlagert. Pir Hüseyin wies immerhin eine Fläche von etwa 19 ha auf. Naram-Sin ließ auf dem Tell Brak, heute im äußersten Nordosten Syriens gelegen, einen Palast errichten, von dem aus die Chabur-Handelsroute kontrolliert werden sollte. Dort fand sich eine Stele des akkadischen Herrschers.

In Ostanatolien ist die Situation noch komplizierter.[35] Dort wird die frühbronzezeitliche Kultur auch als frühe transkaukasische Kultur bezeichnet, da man annimmt, dass viele Kulturzüge aus dem Gebiet am Kaukasus stammten. Die dortige Keramik, wie bereits bemerkt, eines der wenigen anerkannten Anzeichen für die Frühbronzezeit, erschien dort erst Ende des 4. Jahrtausends, während zuvor nur die rot-schwarze Ware vorherrschte. Sie findet sich ab etwa 3500 v. Chr. in Arslantepe VII, Sos Höyük VA und Çadır Höyük und stammt möglicherweise aus Zentralanatolien. Hingegen haben Metallfunde und transportable Herde ihren Ursprung von der Region nördlich des Kaukasus. Jüngste Funde in Naxçıvan, unmittelbar nördlich der iranischen Grenze, deuten tatsächlich auf südkaukasische Herkunft auch der Keramik, denn sie ließen sich auf das Ende des 5. Jahrtausends datieren (Ovcular Tepesi) - allerdings tauchen Siedlungen dieser Kultur erst mit Kültepe I und II auf, also erst Mitte des 4. Jahrtausends.

So nimmt man heute an, dass die erkennbare Wanderungsbewegung Teil einer Bewegung vom südlichen Kaukasus bis in die Levante war. Ein weiteres Charakteristikum dieser Kultur ist die Tatsache, dass sie mit anderen Kulturen vermischt existieren konnte. Dies zeigen etwa Funde aus der Gegend um Elazığ und Malatya. Im oberen Euphrattal wechselten sich transkaukasische und syro-mesopotamische Kulturen zwischen 3300 und 2800 v. Chr. mehrfach ab. Hingegen bestanden Pulur-Sakyol und Norsuntepe[36], das eine transkaukasisch, das andere syro-mesoptamisch geprägt, nebeneinander.

Abdruck eines Zylindersiegels aus Arslantepe, 4. Jahrtausend v. Chr.

Symptomatisch für die Gleichzeitigkeit dieser Kulturen mit Blick auf die Keramik ist das 1996 entdeckte Königsgrab von Arslantepe; hingegen verweisen die Metallfunde wohl eher auf eine transkaukasische Herkunft. Ob die hier beigesetzten Führerfiguren der einen oder anderen Kultur angehörten entscheidet darüber, ob in der Region eine administrativ-zentralisierte Herrschaft bestand, oder eine auf Verwandtschaft aufgebaute, wie sie im Norden vorherrschte. Während es im Süden, also am zu dieser Zeit noch dicht bewaldeten oberen Euphrat, Ende des 4. Jahrtausends zu einer Umorientierung von Mesopotamien nach Anatolien kam, entwickelte sich der Nordosten gleichmäßiger auf der Grundlage autochthoner Kulturen. Auffällig ist, dass Schaf und Ziege andere Herdentiere abrupt verdrängten, wie etwa in Arslantepe. Hingegen änderte sich das Verhältnis zwischen den Haustierpopulationen in der Region Erzurum nicht. Zur verwirrenden Vielfalt in Ostanatolien trägt auch bei, dass verschiedene Haus- und Siedlungstypen gleichzeitig bestanden. Auch gibt es im Raum Erzurum am Ende der frühen Bronzezeit keine kulturellen Brüche, sondern Anzeichen großer Kontinuität. Ganz anders um den Van-See, wo ein scharfer kultureller Bruch zu konstatieren ist. Anscheinend kam es hier zu einer weitgehenden Renomadisierung.

Mittlere Bronzezeit (2000-1600 v. Chr.)

Die Mittlere Bronzezeit Anatoliens wird üblicherweise in zwei Phasen eingeteilt, die mit lateinischen Zahlen versehen werden. Dabei reicht die Mittlere Bronzezeit I etwa von 2000 bis 1800 v. Chr., II schließt sich an und reicht bis 1600 v. Chr. Phase I ist dabei am besten durch die in Anatolien anwesenden assyrischen Händler fassbar, die zahlreiche Siegelabdrücke und Geschäftsschreiben hinterlassen haben, die erstmals Einblicke in die politische und gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Situation einiger Teile Anatoliens gestatten. Phase II ist hingegen vom frühen, ersten anatolischen Großreich geprägt, dem der Hethiter.

Zentralanatolien, Assyrer

Die mittlere Bronzezeit, die ab etwa 2000 v. Chr. angesetzt wird, bietet erstmals umfangreiche Schriftquellen.[37] Dies hängt damit zusammen, dass Händler aus Assur (Aššur) ein weiträumiges Handelsnetz aufgebaut hatten, und dazu nach Anatolien gegangen waren. Von diesen Stützpunkten, die nach dem akkadischen Wort für Hafen oder Kai als Karum bezeichnet wurden, erhielt die Karum-Periode im Südosten Anatoliens ihren Namen. Dort verstand man darunter die Händlerkolonie oder deren Hauptgebäude. Die Periode reichte von etwa 1950 bis 1800 v. Chr. Haupthandelszentrum für Stoffe, Zinn und Silber war Kaneš, das heutige Kültepe, 20 km nordöstlich von Kayseri, das sich über eine Fläche von 50 ha erstreckte. Aus dieser Zeit fand man in Anatolien mehr als 24.000 Siegelabdrücke.[38]

Südwestlich des Tuz Gölü ist die Zahl der mittelbronzezeitlichen Fundstätten allerdings äußerst gering, wobei man in Karaböyük Konya, das sich ebenfalls über 50 ha erstreckte, gleichfalls assyrische Siegelabdrücke mit Keilschrift fand. Größere städtische Zentren lagen um den Tuz Gölü. Dazu zählt Acemhöyük, eine der größten mittelbronzezeitlichen Fundstätten, die auf einem Hügel südöstlich des Sees liegt, der 800 mal 700 m misst. Die Stadt mit einer Fläche von 56 ha wurde von einer Feuersbrunst zerstört. Zwei Paläste stammen aus der Karum-Periode, doch ließ sich kein assyrischer Händlerbezirk nachweisen. Hingegen fanden sich Siegelabdrücke von König Šamši-Adad I.

Alışar Höyük, wohl das altassyrische Amkuwa, im Südosten der Provinz Yozgat, maß 520 mal 350 m bzw. 28 ha. Es war vom 4. bis zum 1. Jahrtausend bewohnt. Brandspuren deuten auf eine Zerstörung am Ende der Bronzezeit hin. Neben dieser späteren hethitischen Provinzstadt erlangte vor allem Hattuša größte Bedeutung. Insgesamt machte sich mesopotamisch-assyrischer Einfluss in der künstlerischen Produktion, in den Handelsgütern, in der Normierung von Maßen und Gewichten, aber auch in den Begräbnisritualen bemerkbar. So wurden die Toten nach assyrischer Sitte unter dem Boden des Hauses beigesetzt. Zwar blieben Stempelsiegel anatolischer Tradition in Gebrauch, doch herrschten nun Rollsiegel vor.

Erstmals erfahren wir etwas über die politische Geschichte. In Kültepe fand man eine Namensliste assyrischer Könige, die von Erišum I. bis Naram-Sin reichen, also vielleicht von 1974 bis 1819 v. Chr. Die meisten der Texte stammen aus der ersten Hälfte des 19. vorchristlichen Jahrhunderts. Sie bieten allerdings nur äußerst wenige Namen anatolischer Herrscher, wie etwa Waršama, den König von Kaniš.[39]

Die Regionen, in die die Assyrer Einblick hatten, waren politisch stark zersplittert. Viele selbstständige, befestigte Städte bildeten Kleinstaaten, während einige größere Städte auch ihr Umland bzw. die dortigen Dörfer beherrschten. Hinzu kamen Vasallenstaaten, wie sie Mamma und Kaniš aufwiesen. Während Schicht 2 befanden sich karum in 20 Städten, die kleineren wahartum in 15. Einige der weiter westlich gelegenen Stützpunkte wurden während Schicht 1b (18. Jahrhundert v. Chr.) aufgegeben. Kaniš, die Zentrale des assyrischen Handels, erweiterte seinen Machtbereich von zehn auf vielleicht zwanzig Dörfer in der Umgebung. Die Stadtstaaten wurden von „Prinzen“ geführt, die Dynastien angehörten. Weil Kämpfe zwischen den Städten den Handel behindern konnten, wurden sie vielfach in Schreiben der Händler erwähnt, ebenso bestehende Koalitionen mehrerer Städte. Auch wurde ein assyrischer Händler der Spionage verdächtigt, eine Händlerkolonie musste eine Stadt verlassen, etwa, weil es die gegnerische Stadt verlangte, oder weil es zu Unruhen und Aufständen kam.

In der späteren Phase des altassyrischen Handels lassen sich die Könige von Kaniš benennen: Ḫurmeli, Ḫarpatiwa, Inar und sein Sohn und Nachfolger Waršama, Pitḫana, der Kaniš eroberte und Waršama gefangennahm, und sein Sohn Anitta, der bereits als „Großer König“ bezeichnet wurde, sowie Zuzu, der diesen Titel gleichfalls trug, nachdem er ebenfalls die Stadt erobert hatte. Hinter diesen Kämpfen verbarg sich nicht nur eine politische und militärische Macht, sondern bereits ein ausdifferenzierter staatlicher Apparat. Die Quellen unterscheiden etwa 50 Titel bei Hof. Die höchsten Titel trug das Prinzen-, bzw. Königspaar, das den Staat führte. Für Militär und Handel war ein rabbi sikktim zuständig, daneben hatten sich wohl aus zeremoniellen Ämtern Zuständigkeiten geformt, wie im Falle des Herrn der Tische oder der Gefäßträger. Der Herr der Arbeiter führte Titelträger, die einzelne Métiers leiteten, wie die Hufschmiede oder die Walker. Einige der Titel wurden vom Prinzen gegen ein Geschenk vergeben, auch konnte ein Amtsträger mehrere Titel tragen.

Der Palast war selbst Landeigentümer, ebenso wie die Träger der besagten Titel. Anscheinend waren die Stadtbewohner ebensowenig Landbesitzer, wie die landfremden Händler, sie waren also vom Markt abhängig. Einige Grundstücke waren dauerhaft zu bestimmten Leistungen verpflichtet (tuzinnum), andere hatten Eigenheiten privaten Besitzes (bẽtum), wieder andere waren Domänen (ubādīnnum). Gemeinsamer Landbesitz war verbreitet. Jeder Landbesitzer musste einen Teil der Ernte an den Palast abgeben. Dabei mussten sich manche der kleinen Bauern Getreide leihen, um über das Jahr zu kommen, manche Würdenträger besaßen hingegen ganze Dörfer. Zahlreiche assyrische Leihverträge sind erhalten geblieben. Das meiste Land wurde mit Gerste und Weizen bepflanzt, wenn auch insgesamt zwölf Getreidearten bekannt waren. Vorratshäuser bestanden offenbar, der Palast kannte einen „Herrn der Speicher“. Das Getreide wurde überwiegend als Brot oder Brei konsumiert, Gerste wurde zu Bier verarbeitet. Sesamöl diente der Speisenzubereitung, aber auch der Beleuchtung. In den Gärten wurde Viehfutter angepflanzt, Gemüse und Obst; Wein wurde produziert und Gewürze. Die bewässerten Felder waren abgabepflichtig, zuständig war ein entsprechender „Herr der bewässerten Felder“. Auf den Domänen wurden Schafe und Ziegen gehalten, deren Milch, Wolle und Fleisch vom Palast verkauft wurde. Fleisch wurde ganz überwiegend von der vermögenden Schicht konsumiert. Der „Herr der Hirten“ war offenbar ein vermögender Mann.

Die assyrischen Karawanen - gegen Abgaben von den Königen geschützt - fanden sichere und ausreichend ausgestattete Karawansereien und Rasthöfe vor. Sie brachten mesopotamische Güter, die sie vor allem gegen Gold und Silber eintauschten, das sie an vier Orten erwerben durften. Gold kursierte in Form von Nuggets, Ringen, Perlen oder verschiedenen Objekten, ein Schekel Gold (8,3 g) entsprach dem Wert von 6 bis 8 Schekel Silber. Für kleinere Käufe wurde das wesentlich billigere Kupfer eingesetzt. Es wurde hauptsächlich am Schwarzen Meer, im Gebiet des Kizil Irmak, oder bei Ergani gewonnen, um dann als Barren, oder in anderer Form südwärts transportiert zu werden. Die Karawanen brachten auch Zinn aus dem Nordwestiran und Usbekistan nach Anatolien, so dass hier eine erhebliche Abhängigkeit entstand. Das Metall wurde erst in Anatolien zu Bronze verarbeitet. Entsprechende Formen für Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Waffen fanden sich in Werkstätten in Kültepe. Eisen hingegen war sehr selten und wurde aus Assyrien herbeigebracht oder stammte aus kleinen Minen in Anatolien.

Die Einwohner von Kaniš durften Getreide, Sklaven und den Alltagsbedarf auf den lokalen Märkten erstehen, Stoffe und Zinn durften sie jedoch nur vom Palast kaufen. Während in der früheren Phase der assyrischen Tätigkeit in Kaniš die Anatolier bei ihnen vielfach verschuldet waren, scheint sich diese Situation umgekehrt zu haben. Nun waren Assyrer häufig bei anderen Bewohner der Stadt verschuldet und einige wurden zu Schuldsklaven. Die meisten Bewohner waren Bauern oder Hirten, wobei letztere zwar frei waren, aber zur Armenschicht gehörten (ḥupšum). Einige der Bauern verrichteten eine Art Frondienst. Die Sklaven waren meist Schuldsklaven, die sich selbst verkauft hatten, oder die von ihren Eltern verkauft worden waren. Gegen Entrichtung des doppelten Kaufpreises, häufig mehr, konnten sie wieder frei werden.

Zweisprachigkeit scheint unter den Assyrern der Normalfall gewesen zu sein, nur der Palast kannte Dolmetscher. Anscheinend führten die Assyrer die Schrift in Anatolien ein. In mindestens einem Fall übernahm ein anatolischer König Schrift und Sprache der Zuwanderer in seinen Dokumenten. Die Assyrer ihrerseits benutzten eine vereinfachte Schriftform, die mit weniger als 200 Zeichen auskam. Umgekehrt adaptierten die Assyrer hethitische Begriffe.

Männer und Frauen besaßen ihre Güter gemeinsam. Beide hatten das Recht sich scheiden zu lassen, wozu ein förmlicher Vertrag im Palast aufgesetzt wurde. Die gemeinsamen Kinder konnten bei der Mutter oder beim Vater bleiben. Wenn ein Anatolier in Schulden geriet, konnte er seine Frau und seine Kinder verpfänden. Falls er sie nicht einlösen konnte, verloren sie ihre Freiheit. Die Assyrer der ersten Generation kehrten meist in ihre Heimat zurück, doch die Nachfolgenden heirateten oftmals in Anatolien, unter der Bedingung nicht im selben Haus zu leben, auch eine zweite Frau neben der in Assyrien. Einige Scheidungskontrakte zeigen, dass die Männer manchmal nach Assur zu ihrer ersten Frau zurückkehrten, die anatolische Frau behielt das Haus, der Mann blieb für den Kindesunterhalt zuständig.

Südost- und Ostanatolien

Um 2000 v. Chr. kam es einerseits zu einem für agrarische Gesellschaften ungünstigen Klima, andererseits kam es durch Zuwanderung zu einer ethnischen Zersplitterung. Während der mittleren Bronzezeit wurden der Südosten und der Osten Anatoliens sehr viel stärker in das weiträumiger gewordene Handelsnetz eingebunden, und auch die städtischen Zentren wurden wieder größer.[40] Der Euphrat wurde von den Händlern auf ihrem Weg nach Anatolien genutzt, so dass entlang der Karawanenrouten alte Städte wieder aufblühten oder neue entstanden. Allerdings bereitet es große Schwierigkeiten, die in den Quellen genannten Städte mit archäologischen Stätten zu identifizieren. Große Zentren waren etwa Karkemiš, wo die Quellenlage allerdings sehr ungünstig ist, oder Samsat, das hethitische Kummuhu. Hinzu kamen mittelgroße Zentren und vor allem zahlreiche festungsartige Städte, die möglicherweise Außenposten der Zentren darstellten. Auch die mittleren Zentren wiesen inzwischen eigene, abgegrenzte Handwerkerstädte auf. Der Handel intensiviere sich auf das kräftigste, wie die Archive des Königs Zimri-Lim von Mari oder des Assyrerkönigs Šamši-Adad I. in Šubat-Enlil (Tell Leilan) zusätzlich belegen. Erst mit der militärischen Expansion der Hethiter in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts änderte sich die politische und wirtschaftliche Landschaft erneut, und die Herrschaft der Stadtstaaten, allen voran von Karkemiš, brach zusammen.

Besonders die Ausgrabungen von Tilmen Höyük am İslahiye konnten die Verhältnisse der etwa zwanzig Stadtstaaten erhellen, die zusammen das Königreich Jamchad bildeten. Die Stadt war, wie viele der Städte, in eine königliche Zitadelle mit Palast und Tempeln geteilt, und eine Stadt, die wiederum je eigene Handwerksquartiere aufwies. Tell Açana (Tell ist das arabische Äquivalent zum türkischen Höyük und bedeutet Siedlungshügel), das antike Alalakh unweit des Orontes, wies eine Fläche von 20 ha auf. Auch diese Stadt war einer der Vasallen von Jamchad. Mit 56 ha war Tilbeşar erheblich größer und seine Paläste, Stadtmauern und Tempel steigerten noch die Monumentalität der stadtstaatlichen Architektur, die die gesamte Region bis nach Mesopotamien auszeichnete. Zugleich nahm der Einfluss von Zypern, das Anatolien als Kupferlieferant zunehmend ersetzte, und von Ägypten zu. Der Handel über das Mittelmeer nahm ebenfalls deutlich zu, was sich in ersten größeren Häfen bemerkbar machte. Weiter im Osten war dieser Einfluss geringer, die Kontakte zu Ostanatolien entsprechend intensiver.

Im Osten der Türkei ist die Forschungslage besonders dürftig, wenn auch das Pipelineprojekt zwischen Baku und Ceyhan zeigte, dass die Siedlungsstrukturen in der mittleren Bronzezeit im Umbruch waren. Auch hier schrumpften die Siedlungen, ihre Zahl ging drastisch zurück, die rechteckigen Häuser waren sehr viel kleiner. Neben Friedhöfen mit Kistengräbern entstanden Begräbnishügel oder Kurgane, wie sie für die gesamte Region im südlichen Kaukasusgebiet typisch waren.

Am oberen Tigris sind es eher Staudämme und infolgedessen erzwungene Notgrabungen, die zeigten, dass zahlreiche kleine bis mittelgroße Siedlungen neu entstanden, die sich mitunter auf bestimmte Handwerke, wie die Tuchproduktion oder Tonverarbeitung spezialisiert haben. Hirbemerdon Tepe[41] zeigt beispielhaft, wie die Städte in eine zeremonielle und eine Arbeitssphäre geteilt waren. Diese beiden wurden durch eine sogenannte Plaza und eine vergleichsweise breite Straße voneinander getrennt. Zudem ließ sich hier die Herstellung von Wein nachweisen, der wahrscheinlich als Ware Richtung Mesopotamien eine wichtige Rolle spielte, aber auch für die zeremonielle Stellung des Palastes. Dennoch waren die Städte am oberen Tigris eher klein, die meisten von ihnen erreichten kaum 5 ha Fläche, und die gesellschaftliche und administrative Komplexität steht weit hinter den Städten im zypriotisch-ägyptischen Einflussbereich zurück. Es scheint, als habe der überwiegende Teil der Bevölkerung in kleinen Dörfern gelebt und die Überschüsse an mittlere Zentren wie Hirbemerdon abgeliefert. Diese Zentren mit ihrer spezialisierten „Industrie“ und die Dörfer, die Güter und Arbeitskraft stellten, wären demnach durch Riten miteinander verbunden gewesen.[42]

Späte Bronzezeit

Westanatolien

Die Geschichte Westanatoliens ist in Bruchstücken aus hethitischen Texten bekannt.[43] Dort erscheint das Land Arzawa oder Arzwawiya erstmals zur Zeit des Hethiterkönigs Hattušili I., der wohl in Zusammenhang mit Grenzstreitigkeiten einen Feldzug gegen das Land führte. Arzawa reichte wohl von der Ägäis bis in den Westen der Ebene von Konya. Es lag nicht nur mir Hattušili im Streit sondern auch mit dessen Nachfolger Ammuna. Dem Hethiterkönig Tudhalija I. gelang schließlich zeitweise die Eroberung Arzawas. Damit waren die Kriege zwischen den beiden Mächten jedoch keineswegs beendet, wie eine Invasion in das Gebiet hethitischer Vasallen zur Zeit Tudhalijas III. zeigt, vor allem aber die diplomatischen Kontakte, die der ägyptische Pharao Amenophis III. mit König Tarhundaradu von Arzawa anknüpfte (die 1887 gefundenen Arzawa-Briefe aus dem Amarna-Archiv). Arzawa setzte anscheinend zur Eroberung des Hethiterreichs (Hatti) an. Doch Šuppiluliuma I., der Sohn des hethitischen Königs, setzte sich gegen diese Koalition durch, ohne jedoch Arzawa besiegen zu können, dessen König Anzapaḥḥadu Hatti immer wieder angriff. Als er sich weigerte, Gefangene auszuliefern und eine Invasionsarmee besiegte, setzte Šuppiluliuma mit Ḫanutti einen seiner fähigsten Generäle im sogenannten Unteren Land ein, das an Arzawa grenzte. Muršili II. gelang schließlich die Eroberung Arzawas. Um Bedrohungen von dieser Seite endgültig ein Ende zu setzen, ließ er 65.000 (oder 66.000) Bewohner deportieren, wie er selbst behauptete. Möglicherweise war dies das Ende von „Arzawa Minor“, dem Reich von Apaša, vermutlich Ephesos, das zeitweise das bedeutendste war, weshalb es gelegentlich als „Arzawa Minor“ angesprochen wird.[44] Mit den anderen vier Arzawa-Reichen schloss der Hethiter eine Art Vasallitätsvertrag.

Die Bewohner Arzawas waren möglicherweise die Anfang des 2. Jahrtausends eingewanderten indoeuropäischen Luwier, deren Name in jüngeren Fassungen hethitischer Gesetze durch Arzawa ersetzt wurde. Auch die der selben Sprachfamilie angehörenden Karer kommen in Frage, die vielleicht Mitte des 2. Jahrtausends nach Südwestanatolien kamen. Wie ihr Verhältnis zur weiterhin bestehenden autochthonen, vorindoeuropäischen Bevölkerung war, ist unklar. Arzawa war offenbar kein einheitlich geführtes Reich, sondern bestand aus bis zu fünf Königreichen.

Ab Ende des 14. Jahrhunderts trat das Arzawa-Reich von Mira die Nachfolge von Arzawa Minor an. Am Oberlauf des Mäander befand sich Kuwaliya, dessen Hauptstadt wohl dem heutigen Fundort Beycesultan entsprach, und das die Hethiter in ihre Machtsphäre einbanden. Nördlich von Mira lag Šeḫa (das Flussland), zu dem auch die Insel Lazpa (Lesbos) gehörte. Šeḫa unterwarf sich angesichts einer Invasionsarmee Muršilis II., nachdem es sich um 1318 v. Chr. erhoben hatte. Als letztes unterwarfen die Hethiter Wiluša, das wahrscheinlich in der Troas lag. Sein letzter König Walmu wurde von Aufständischen oder Angreifern gestürzt, jedoch von Tudhalija IV. wieder eingesetzt.

Möglicherweise mit den Griechen verbunden war Achijawa, das vielleicht ebenfalls in Westkleinasien lag, eine Annahme, zu der die Ähnlichkeit zu Achaia führte, einem der drei Namen, mit denen die Griechen in der Ilias bezeichnet wurden. Ob dabei womöglich Theben gemeint war, oder die ethnischen Gruppen, die wir heute als Mykener bezeichnen, bleibt unklar. Von diesen sind, neben einigen Orten, bei denen es sich vielleicht um Kaufmannskolonien handelte, nur zwei Siedlungen auf dem ostägäischen Festland gesichert. Diese sind Milet an der Mündung des Mäander und die weiter südlich gelegene Fundstätte Müsgebi.

In Milet fanden sich Spuren minoischer Besiedlung aus der mittleren (Milet III, etwa 2000 bis 1650 v. Chr.) und der späten Bronzezeit (Milet IV). Möglicherweise eroberten Mykener die Siedlung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, gesichert ist dies um 1400 (Milet V und VI). Die Hethiter nannten die Stadt Milawata oder Milawanda. Muršili II., der die Stadt als Vasallin betrachtete, und sie wegen eines Aufstands erobern wollte, steht dabei in Gegensatz zu der Tatsache, dass Milet gegen Ende des 14. Jahrhunderts an einen König von Achijawa vergeben wurde. Einen dieser Könige namens Tarḫunaradu unterstützten die Mykener, als er das Land Šeḫa einem der hethitischen Vasallen entriss. Daraufhin unterwarf Tudhalija IV. Milet - vielleicht ist dies der Grund, warum der König von Achijawa in einem hethitischen Vertragentwurf mit einem syrischen Machthaber nicht mehr als Großkönig erscheint, sondern durchgestrichen wurde.

In einigen westanatolischen Gebieten war die hethitische Herrschaft weniger zu spüren. Vielleicht im späteren Norden Lydiens lag Maša, wo anscheinend ein Ältestenrat, kein König regierte. Es kämpfte gelegentlich gegen die Hethiter, bei Kadesch auf ihrer Seite, und es wurde erst unter dem letzten hethitischen Großkönig Šuppiluliuma II. erobert (Südburg-Inschrift). Ebenfalls von einem Ältestenrat wurde Karkiša regiert, das wahrscheinlich den Kariern einen Herrschaftsrahmen gab. Auch Karkiša kämpfte mit und auch gegen die Hethiter. Bei Lukka handelte es sich eher um eine Städtegruppe mit gemeinsamer ethnischer Herkunft zwischen West-Pamphylien, Lykaonien, Pisidien und Lykien. Ihre Sprache, das Lykische, ist in etwa 200 Inschriften überliefert und weist große Nähe zum Luwischen auf. Zudem weisen diese Gruppen die größte kulturelle Kontinuität zwischen bronze- und eisenzeitlichen Gruppen in Anatolien auf.

Hethiter

Tafel mit dem Vertrag von Kadesh zwischen Hethitern und Ägyptern

Die Hethiter besiedelten zwischen 1900 und 1200 v. Chr. in der Bronzezeit das Gebiet der Zentral-Türkei. Das Reich der Hethiter endete aus noch immer ungeklärten Gründen. Es werden sowohl Invasionen als auch Bürgerkriege und Hungersnöte diskutiert. Die hethitische Kultur überlebte jedoch bis um 700 v. Chr. in diversen Kleinstaaten in Ostanatolien, zum Beispiel in Melid, dem heutigen Malatya, Zincirli, Karkemisch und Tabal. In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch die Zerstörung der westanatolischen Stadt Troja.

Eisenzeit und Antike

Nach dem Ende des hethitischen Reiches errichteten die Phryger unter ihrem König Midas ein Reich, das im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. Anatolien beherrschte. Seit 850 v. Chr. bestand im Osten Anatoliens (mit Zentrum am Vansee) das Reich Urartu.

Sprachen Italiens, des Balkans und Anatoliens zwischen dem 5. und 1. vorchristlichen Jahrhundert

Um 700 v. Chr. begann die hellenische Besiedlung entlang der anatolischen Ägäisküste (Ionien) mit Koloniestädten wie Milet, Ephesos und Priene. Zur gleichen Zeit besiedelten noch andere Völker Anatolien. Die Kimmerer besiedelten laut Herodot Anatolien, nachdem sie das Phrygerreich 700 v. Chr. zerstört hatten, es gibt jedoch keine archäologischen Spuren. Die Lydier gründeten an der ägäischen Küste ein Königreich mit der Hauptstadt Sardes. Ihr letzter König war der nach seinem großen Reichtum bekannte Krösus. Von der Mitte des 6. Jahrhunderts bis 333 v. Chr. (Schlacht bei Issos) herrschten die Perser über weite Teile Kleinasiens, bis Alexander der Große sie besiegte und das Alexanderreich errichtete. Nach dem Ende des Alexanderreiches wurde Anatolien durch diverse Völker besiedelt. Bedeutende Reiche waren Bithynien, Pontos, Kappadokien, das keltische Galatien sowie Pergamon. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. brachten die Römer Anatolien unter ihre Kontrolle. Das armenische Königreich erlangte im 1. Jahrhundert v. Chr. seine größte Ausdehnung unter König Tigran dem Großen und umfasste den gesamten Osten der heutigen Türkei, Teile des heutigen Iran sowie das Gebiet der heutigen Republik Armenien.

Die Funde von Troja und Pergamon sowie der Tempel der Artemis in Ephesos (eines der Sieben Weltwunder der Antike) sind Beispiele für den archäologischen Reichtum der Region, der aber zu einem großen Teil ins europäische Ausland, besonders nach Deutschland und England, verbracht wurde.

Siehe auch: Kleinasien, Ägäische Wanderung

Spätantike und Mittelalter

Das Byzantinische Reich

Hauptartikel: Byzantinisches Reich

Die Herrschaft des Römischen Reiches hielt bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. Danach fiel Kleinasien nach der Teilung des Römischen Reiches an Ostrom. Seit 380 n. Chr. Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion erhoben hatte, war Konstantinopel Mittelpunkt der Ostkirche und Sitz des einflussreichsten Patriarchen.

Das Weströmische Reich ging im Jahr 480 unter. Das Byzantinische Reich hielt sich bis zur Eroberung seiner Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453.

Byzanz musste sich lange Zeit den Angriffen persischer, hunnischer, germanischer, gotischer, arabischer, bulgarischer und awarischer Armeen erwehren. Es hielt sich aber und erstarkte um die Jahrtausendwende sogar wieder. Gegen die Araber konnte Anatolien – anders als die weiter südlichen Reichsteile – erfolgreich verteidigt werden und es wurde zur neuen Kornkammer des Reiches nach dem Verlust Ägyptens.

Die wirtschaftliche und militärische Macht stützte sich auf die Gebiete in Kleinasien und Vorderasien. Als diese teilweise im 11. und endgültig im 14. Jahrhundert an Invasoren fiel, begann bereits der Abstieg von der Welt- zur Regionalmacht und schließlich zum Kleinstaat.

Armenien war über Jahrhunderte zwischen Byzanz und Persien umkämpft. 301 n. Chr. nahm König Trdat III. das Christentum an und machte Armenien damit zum ersten christlichen Staat der Welt. Mit dem Einfall der Seldschuken verlor es endgültig seine Eigenstaatlichkeit. Vom 10. bis 14. Jahrhundert wurde in Kilikien (zwischen Taurusgebirge und der südlichen Mittelmeerküste) nochmals ein armenisches Königreich gegründet, das bis 1375 bestehende Armenische Königreich von Kilikien.

Die Seldschuken

Die ersten türkischen Stämme erschienen erst im 11. Jahrhundert in Anatolien. Die Seldschuken waren eine islamisierte türkische Dynastie aus Transoxanien im heutigen Usbekistan, die zuvor Afghanistan und Teile von Persien erobert hatten. Die Seldschuken fielen in Kleinasien ein und schlugen die byzantinische Armee in der Schlacht von Mantzikert im Jahre 1071 vernichtend. Daraufhin eroberten sie große Gebiete Ost- und Mittelanatoliens. In der Folge begann im 12. Jahrhundert der Niedergang der Herrschaft des Byzantinischen Reiches und der Aufstieg der Seldschuken. Diese hatten um 1230 ihre Blütezeit.

Das Sultanat der Rum-Seldschuken war der auf erobertem byzantinischen Boden errichtete Herrschaftsbereich der oghuzisch-türkischen Rum-Seldschuken[45] in Anatolien. Es entstand als Teil des großseldschukischen Reichs, existierte von ca. 1075 bis 1307 und beherrschte auf dem Höhepunkt seiner Macht fast ganz Kleinasien. Die Hauptstadt der Rum-Seldschuken war Konya. Im 13. Jahrhundert überfielen die Mongolen das seldschukische Reich. Im Zuge dieses Machtverlustes von Rum nutzten die türkischen Stämme ihre Freiheit und verselbständigten sich weitestgehend. In ganz Anatolien, so auch an der Ostgrenze des byzantinischen Reiches, formierten sich zahlreiche kleine und mittelgroße Fürstentümer. Aus einem dieser sog. Beyliks, dem des Osman Bey, ging das spätere Osmanische Reich hervor. Mit der Ghazi-Ideologie, die an der Grenze zum Byzantinischen Reich (Uc) eine große Rolle spielte, hatten es die Osmanen von Anfang an auf die Eroberung byzantinischer Territorien abgesehen. Schließlich dehnten sie ihre Macht soweit aus, dass sie Konstantinopel eroberten und so das byzantinische Reich endgültig zerstörten.

Neuzeit

Das Osmanische Reich

Hauptartikel: Osmanisches Reich
Mehmed II. zieht mit seiner Gefolgschaft in das eroberte Konstantinopel ein.(Künstlerische Darstellung des osmanischen Hofmalers Fausto Zonaro aus dem 20. Jahrhundert)

Die Republik Türkei

Hauptartikel: Geschichte der Türkei

Aus dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches infolge des Ersten Weltkrieges und dem Türkischer Befreiungskrieg ging die heutige Türkei hervor. Sie ist als demokratische Republik verfasst; ihr Territorium befindet sich immer noch auf beiden Seiten des Bosporus, also in Asien und Europa. Damit ist sie das einzige Land der Welt, das auf zwei Kontinenten liegt. Der Einheitsstaat ist offiziell laizistisch geprägt. Der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild verschiedener europäischer Nationalstaaten zu modernisieren.

Literatur

Überblickswerke

  • Feroz Ahmad: Geschichte der Türkei. MAGNUS, Essen 2005, ISBN 3-88400-433-6
  • Gazi Çağlar: Die Türkei zwischen Orient und Okzident. Eine politische Analyse ihrer Geschichte und Gegenwart. Unrast, Münster 2004. ISBN 3-89771-016-1
  • Udo Steinbach: Geschichte der Türkei. Beck, München 2000. (eher ethnischer als regionaler Ansatz, daher beginnt er mit der „Herkunft der Türken“)

Ur- und Frühgeschichte

  • Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011. (umfasst im Kern die Zeit von etwa 20.000 bis 2.000 v. Chr.)
  • Christian Marek und Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59853-1.
  • Ian Hodder: Religion in the Emergence of Civilization. Çatalhöyük as a Case Study, Cambridge University Press 2010.
  • Elmar Schwertheim: Kleinasien in der Antike. Von den Hethitern bis Konstantin. C.H.Beck, München 2005, ISBN 3-406-50848-0.
  • Antonio G. Sagona, Paul E. Zimansky: Ancient Turkey, Routledge, New York 2009.
  • Sharon R. Steadman, Gregory McMahon: The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011. (10.000 bis 323 v. Chr.)
  • Ferdinand Hennerbichler: Die Herkunft der Kurden. Interdisziplinäre Studie, Peter Lang 2010.

Neuzeit

Wissenschaftsgeschichte

  • Erol Özvar: Economic History in Turkey, in: F. Ammannati (Hrsg): Where is Economic History Going? Methods and Prospects from the 13th to the 18th Centuries, Istituto Internazionale di Storia Economica "Francesco Datini", Firenze University Press, 2011, S. 79-104. (Geschichte der Wirtschaftsgeschichte des Osmanenreiches)

Weblinks

Anmerkungen

  1. Metin Kartal: Karain Mağarası Kazıları 2007. Excavations at the Karain Cave in 2007. In: ANMED. News of Archaeology from Anatolia’s Mediterranean Areas. Nr. 6, 2008, S. 25 (PDF, 658 KB).
  2. Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011, S. 31.
  3. Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011, S. 17f.
  4. C.A. Tyron, M.A.V. Logan, D. Mouralis, S. Kuhn, L. Slimak, N. Balkan-Atlı, N.: Building a tephrostratigraphic framework for the Paleolithic of Central Anatolia, Turkey, in: Journal of Archeological Science 36 (2009) 637–652.
  5. James Mellaart: The Neolithic of the Near East, Scribner, New York 1975, S. 94.
  6. Website der University of Liverpool zu Pınarbaşı
  7. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124 , hier: S. 104-106.
  8. Marcel Otte1, Isin Yalcinkaya, Jean-Marc Leotard, Metin Kartal, Ofer Bar-Yosef, Janusz Kozlowski, Ignacio López Bayón, Alexander Marshack: The Epi-Palaeolithic of Öküzini cave (SW Anatolia) and its mobiliary art, in: Antiquity 69 (1995) 931–944.
  9. Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011, S. 36.
  10. D. T. Potts: A Companion to the Archaeology of the Ancient Near East, New York 2012, S. 148.
  11. Michael Rosenberg, Asli Erim-Özdoğan: The Neolithic in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 125-149, hier: S. 126f.
  12. Michael Rosenberg, Asli Erim-Özdoğan: The Neolithic in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 125-149, hier: S. 128.
  13. Michael Rosenberg, Asli Erim-Özdoğan: The Neolithic in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 125-149, hier: S. 131.
  14. Michael Rosenberg, Asli Erim-Özdoğan: The Neolithic in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 125-149, hier: S. 135.
  15. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 119.
  16. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 106.
  17. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 107-110.
  18. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 110.
  19. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 111f.
  20. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 112f.
  21. Mihriban Özbaşaran: The Neolithic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 99-124, hier: S. 114.
  22. Çatal News 18, Dezember 2011, S. 1.
  23. Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011, S. 126.
  24. Dieser Abschnitt basiert auf: Ulf-Dietrich Schoop: The Chalcolitic on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 150-173 und Douglas Baird: The Late Epipaleolithic, Neolithic and Chalcolithic of the Anatolian Plateau, 13,000 - 4000 BC, in: D. T. Potts: A Companion to the Archaeology of the Ancient Near East, New York 2012, S. 431-465.
  25. Bleda S. Düring: The Prehistory of Asia Minor. From Complex Hunter-Gatherers to Early Urban Societies, Cambridge University Press 2011, S. 135f.
  26. Christian Marek und Peter Frei: Geschichte Kleinasiens in der Antike. C.H. Beck, München 2010, S. 88.
  27. Dieser Abschnitt basiert vor allem auf: Sharon R. Steadman: The Early Bronze Age on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 229-259 und A. Tuba Ökse: The Early Bronze Age in Southeastern Anatolia, daselbst, S. 260-289.
  28. Titris Hoyuk Archaeological Project.
  29. Çadır Höyük.
  30. Jürgen Seeher: Die bronzezeitliche Nekropole von Demircihüyük-Sariket, E. Wasmuth, 2000.
  31. Sharon R. Steadman: The Early Bronze Age on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 229-259, hier: S. 235.
  32. Titris Hoyuk Archaeological Project.
  33. Carchemish » Excavations at Zeytinli Bahçe Höyük, Season 2002.
  34. Ayşe Tuba Ökse: The Early Bronze Age in Southeastern Anatolia, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 260-289, hier: S. 270.
  35. Catherine Marro: Eastern Anatolia in the Early Bronze Age, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 290-309.
  36. Hoyuk at Norsuntepe
  37. Dieser Abschnitt folgt Cécile Michel: The Kārum Period on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 313-336.
  38. Cécile Michel: The Kārum Period on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 313-336, hier: S. 314.
  39. Cécile Michel: The Kārum Period on the Plateau, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 313-336, hier: S. 320.
  40. Dieser Abschnitt folgt Nicola Laneri, Mark Schwartz: Southeastern and Eastern Anatolia in the Middle Bronze Age, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 337-360.
  41. The Hirbemerdon Tepe Archaeological Project
  42. Nicola Laneri, Mark Schwartz: Southeastern and Eastern Anatolia in the Middle Bronze Age, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 337-360, hier: S. 354.
  43. Dieser Abschnitt folgt Trevor Bryce: The Late Bronze Age in the West and the Aegean, in: Sharon R. Steadman, Gregory McMahon (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, Oxford University Press 2011, S. 363-375.
  44. Art. Arzawa, in: Charles Burney (Hrsg.): Historical Dictionary of the Hittites, Scarecrow Press, Lanham, Toronto, Oxford 2004, S. 33-35, hier: S. 34.
  45. Der Zusatz „Rum“ bedeutet „Rom“. Damit bezeichneten sich die Seldschuken als Römer beziehungsweise deren Nachkommen und grenzten sich so von den Großseldschuken ab.
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