Die Gesinnungsethik ist ein Typ moralischer Theorien, der Handlungen nach der Handlungsabsicht und der Realisierung eigener Werte und Prinzipien bewertet, und zwar ungeachtet der Handlungsfolgen. Der Ausdruck wird als Fachterminus von Ernst Troeltsch, Max Scheler und v.a. Max Weber mit nicht vollständig identischem Sinn verwendet. Bei Scheler ist der Gegenbegriff "Erfolgsethik", bei Weber "Verantwortungsethik", Troeltsch kontrastiert insb. die sog. objektiv-theologische Güterethik, die sich am Handlungserfolg orientiere. Weber definiert die Gesinnungsethik dahingehend, dass "der Eigenwert des ethischen Handelns [...] allein zu seiner Rechtfertigung genügen soll".[1]
Ein Gesinnungsethiker würde beispielsweise die Tötung eines Tyrannen nicht moralisch rechtfertigen, sofern dies gegen Prinzipien verstößt, die seine Gesinnung prägen bzw. eines jeden Gesinnung prägen sollten. Der Verantwortungsethiker hingegen könnte den Tyrannenmord moralisch rechtfertigen, da er statt der Gesinnung die Folgen bewertet, diese für hinreichend vorteilhaft und damit die Tat für verantwortbar halten kann.
In der christlichen Ethik hat die Gesinnungsethik im 18. und 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle eingenommen.[2]
Zweifellos hat Kant eine Art von Gesinnungsethik vertreten, die allerdings nicht im Gegensatz zu einer Verantwortungsethik, sondern allenfalls zu einer bloßen "Erfolgsethik" steht. Max Weber hat als Beispiel für eine Gesinnungsethik keineswegs Immanuel Kant angeführt. Erst spätere Kommentatoren haben diese Charakterisierung Weber zugeschrieben.[3] Andere haben die Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik aber auch allgemein und speziell in Bezug auf Kant zurückgewiesen.[4]
Der Soziologe Max Weber analysiert in seinem Redemanuskript Politik als Beruf die Gesinnungsethik.[5] Er hält sie für wichtig, sieht jedoch beim handelnden Politiker eine Dominanz der Verantwortungsethik für erforderlich. Zitat:
Man mag einem überzeugten gesinnungsethischen Syndikalisten noch so überzeugend darlegen, daß die Folgen seines Tuns die Steigerung der Chancen der Reaktion, gesteigerte Bedrückung seiner Klasse, Hemmung ihres Aufstiegs sein werden, - und es wird auf ihn gar keinen Eindruck machen. [...] "Verantwortlich" fühlt sich der Gesinnungsethiker nur dafür, dass die Flamme der reinen Gesinnung, die Flamme z. B. des Protestes gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Ordnung, nicht erlischt. Sie stets neu anzufachen, ist der Zweck seiner, vom möglichen Erfolg her beurteilt, ganz irrationalen Taten, die nur exemplarischen Wert haben können und sollen.
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