| Grameen Bank | |
|---|---|
| Rechtsform | Öffentlich |
| Gründung | 1983 |
| Sitz | Bangladesch |
| Mitarbeiter | 16.142 (2005)[1] |
| Branche | Banken und Versicherungen |
| Website | www.grameen-info.org |
Die Grameen Bank (Bengalisch: গ্রামীণ ব্যাংক, Grāmīṇ Byāṃk; übersetzt etwa Dörfliche Bank) ist ein 1983 gegründetes Mikrofinanz-Kreditinstitut, das ohne klassische Sicherheiten, sondern durch Gruppendruck, Mikrokredite an Menschen ohne Einkommenssicherheiten in Bangladesch vergibt und damit versucht, die Armut der Bevölkerung zu lindern.
Der Bank gehören zusätzlich Gesellschaften der Telefon-, Energie- (Grameen Shakti), Textil- und Baubranche und andere Dienstleistungen an.
Die Organisation bekam 2006 zusammen mit ihrem Gründer Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten.
Die Grameen Bank wurde am 2. Oktober 1983[2] von dem aus Bangladesch stammenden Wirtschaftswissenschaftler Professor Muhammad Yunus gegründet. Nach einer großen Hungersnot in Bangladesch suchte Yunus seit 1976 nach einer Lösung, um die Situation der Einkommensschwachen in dem Land zu verbessern. Seine Beobachtungen zeigten, dass die armen Menschen für ihren wirtschaftlichen Erfolg nur ein kleines Kapital brauchen, um Materialien oder Rohstoffe für ihr Handwerk zu erwerben. Da sie aber Kredite nur von Geldverleihern mit Wucherzinsen aufnehmen konnten oder von ihren Rohstofflieferanten abhängig waren, erwirtschafteten die ärmsten Menschen kaum einen Gewinn.
Die großen Banken waren aufgrund fehlender Sicherheiten nicht bereit, diesen Menschen Kredite zu gewähren. Ein weiterer Grund für normal strukturierte Banken ist das Missverhältnis zwischen hohem Arbeitsaufwand pro Kunde und geringer Höhe der Mikrokredite, die allerdings zu marktüblichen Zinsen vergeben werden.
Yunus selbst beschrieb die Situation folgendermaßen:
1976 begann Yunus zunächst damit, eigenes Geld zu verleihen. Seine Erfahrungen waren positiv und bald erhielt er die ausgezahlten Kredite mit Zinsen wieder zurück. Er entwickelte ein System, in dem sich die Kreditnehmer – fast ausschließlich Frauen – aufgrund persönlicher Bindungen zur Rückzahlung verpflichtet fühlten. Und sie wurden Mitglieder – d. h. Miteigentümer – der Bank: Die Grameen Bank gehört ihren Kunden. Deswegen wurden Kredite seiner Grameen-Bank (gram heißt „Dorf“; komplett übersetzt bedeutet der Begriff soviel wie: „Bank auf dem Land“) nur unter der Voraussetzung angeboten, dass sich in den Dörfern kleine Gruppen zusammenschlossen, die von Bankmitarbeitern geschult wurden und füreinander bürgten. Erst wenn die ersten zwei Gruppenmitglieder ihren persönlichen Kredit eine Weile regelmäßig zurückgezahlt hatten, erhielten die nächsten ihrerseits ein Darlehen, so dass eine pünktliche Rückzahlung in aller Interesse war. Über 98 % der Erst-Kredite, oft in einer Höhe von weniger als 50 Dollar, wurden so zurückgezahlt. Außerdem verpflichteten sich die Mitglieder, ein – wenn auch bescheidenes – Sparkonto einzurichten und ständig zu bedienen.
Die Grameen Bank setzt für die Vergabe der Kredite zwei Bedingungen:
Die Grameenbank verleiht Kredite in der Höhe von 100 Taka (ungefähr 1 €), zinsenfrei an Bettler. Neben einer kostenlosen Lebensversicherung, sind die Laufzeiten ungewöhnlich lang. Die Kreditnehmer werden nicht gezwungen das Betteln aufzugeben. Allerdings sind bei diesem Programm die Rückzahlungsraten deutlich geringer (> 50 %). [4]
Die Tochtergesellschaften GrameenTelekom und GrameenPhone ermöglichen in Bangladesh vielen Dörfern eine Telefonverbindung. Durch Kreditvergabe kaufen Frauen ein Telefon, das sie gegen Gebühr an die Dorfgemeinschaft vermieten. [5]
Im Oktober 2007 hatte die Bank nach eigenen Angaben 7,34 Millionen Kreditnehmer, davon 97 % Frauen. Die Gesamtsumme des bisher verliehenen Geldes beläuft sich auf 6,55 Milliarden Dollar. Die Bank unterhält 2.468 Zweigstellen mit 24.703 Mitarbeitern, die über 70 % (80.257) der Dörfer in Bangladesch betreuen. 98,35 % der vergebenen Kredite werden wieder zurückgezahlt. Die Bank befindet sich zu 94 % im Besitz der Kunden, zu 6 % im Besitz des Staates[6]. Im Lauf der Zeit entwickelte die Bank auch eigene Programme, bei denen Darlehen zu besonderen Bedingungen – z. B. Hausbaudarlehen für Familien – vergeben werden.
Das Konzept der Bank wird heute in 60 Entwicklungsländern angewandt. In der über 30-jährigen Geschichte der Bank gab es nur drei Jahre, in denen die Bank rote Zahlen schrieb[7].
Im März 2011 wurde Muhammad Yunus als Geschäftsführer der Grameen Bank aus Altersgründen entlassen. Er ging erfolglos gerichtlich gegen seine Entlassung vor. Dem Obersten Gerichtshof von Bangladesch zufolge handelt es sich bei der Grameen Bank um eine staatliche Institution und nicht um eine Privatbank, so dass für alle Mitarbeiter ein staatliches Rentenalter von 60 Jahren gelte. Yunus war zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Jahre alt. Er warf im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung der Regierung von Bangladesch vor, die Grameen Bank unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Die Bank würde zu einer Organisation der Regierung werden und sein Lebenswerk würde durch Misswirtschaft, Ineffizienz und Profitstreben gefährdet.[8][9][10]
Gründer Yunus wurde unter anderem 1994 mit dem Welternährungspreis, 1998 der Sydney-Friedenspreis und 2006 mit dem ersten ITU World Information Society Award (ITU) ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde der Friedensnobelpreis des Jahres 2006 zu gleichen Teilen der Grameen Bank und ihrem Gründer Yunus für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten zuerkannt. Das Projekt wird von Ashoka unterstützt. Im Jahr 2000 erhielt die Bank den Gandhi-Friedenspreis der indischen Regierung.
Jeffrey Tucker vom liberalen Mises Institut bemängelt, dass die Bank ohne staatliche Finanzierung wirtschaftlich nicht lebensfähig sei. Außerdem griffen die Bankangestellten teilweise kurios ins private Leben der Kreditnehmer ein.[11]
Die Bank kann anscheinend traditionelle Rollenbilder nicht gänzlich entschärfen. Es gibt Fälle von Missbrauch des Systems seitens der Ehemänner. Die Mitgiftforderungen sind, lokalen Untersuchungen zufolge, trotz Verbot durch Grameen deutlich gestiegen. [12]
Dr. Sudhirendar Sharma berichtet von Gruppen, die Kredite zu höheren Zinsen weiterverleihen und den Gewinn abschöpfen. Er prophezeit dem Projekt negative Langzeitfolgen, da die Lebensumstände nicht deutlich gebessert würden, sondern nur die Kapitalisierung der Armut vorangetrieben werde. [13]
Ein Feature des Deutschlandfunks am 20. Juli 2010 berichtet kritisch über die Erfolge sowie die Methoden, mit denen die Bank arbeitet. Die Kreditvermittler arbeiten provisionsbezogen und scheinen Kunden in Mikro-Kredite zu drängen. Auf säumige Schuldner (insbesondere Schuldnerinnen) werde sowohl psychischer als auch physischer Druck durch Geldeintreiber zur Aufrechterhaltung der Ratenzahlungen ausgeübt und die Menschen in ein Gefüge langfristiger Schuldknechtschaft hineingedrängt. Des Weiteren erweise sich die Erfolgsbilanz dieses Mikro-Kredit Modells als eher bescheiden: nur einem Fünftel der Schuldner gelinge der geglückte Sprung in den wirtschaftlichen Erfolg während der Rest der Kunden im Kreislauf der Schuldwirtschaft gefangen bleibe. [14]
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