Guerilla (ältere Form: Guerrilla) steht wörtlich für einen „Kleinkrieg“.[1] Gemeint ist eine besondere Art der Kriegsführung, die auch als Guerillakrieg[2] bezeichnet wird. Johann von Ewald veröffentlichte bereits 1785 in Kassel seine Abhandlung über den kleinen Krieg, welche auf seinen Erfahrungen mit den Aufständischen in den nordamerikanischen Kolonien beruhten. Der Begriff Guerilla steht auch für militärische, beziehungsweise paramilitärische Einheiten, die einen Guerillakrieg führen. Insbesondere im Plural, als Guerillas, sind Guerilla-Kämpfer angesprochen, für die im Deutschen auch die Synonyme „Freischärler“ und „Partisanen“ existieren.[3]Guerillero steht in diesem Zusammenhang für einen Untergrundkämpfer in Lateinamerika.[3] Der verdeckte Einsatz militärischer Teileinheiten hinter feindlichen Linien wird als Jagdkampf bezeichnet. Eine Sonderform der Guerilla, die sich oftmals mit dem Terrorismus überschneidet, ist die Stadtguerilla.
Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts über das französische guérilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra („Krieg“) entlehnt.[3] Das spanische guerra geht, wie das französische guerre, auf das germanische *werra („Streit“) zurück, mit dem auch das althochdeutsche wërra („Verwirrung“, „Streit“), das mittelniederländische warre und das neuenglische war verwandt sind.[4][3]
Historischer Hintergrund war der Spanische Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814 gegen die französische Fremdherrschaft unter Napoleon. Als Ausgangspunkt für den späteren Gebrauch des Wortes wird das spanische partida de guerrilla genannt, das ungefähr „Spähtrupp“ bedeutet.[1]
Bedeutung erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg insbesondere im 20. Jahrhundert, als Bezeichnung sozialer und nationaler Befreiungs- und Unabhängigkeitskriege in unterentwickelten Ländern.[2]
Das Wort „Partisan“ stammt aus dem Italienischen, während Guerrillero spanischen Ursprungs ist. Militärisch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die in Europa gegen die faschistische Besatzung kämpfenden irregulären Einheiten werden gewöhnlich als Partisanen bezeichnet, während die Befreiungskämpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel Guerilleros genannt werden.
Das Wort „Guerilla“ bezeichnet
Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilität und Flexibilität, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als 'rechtmäßiger Kombattant'. Guerilla-Einheiten sind in ständiger Bewegung, um dem militärisch überlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhängig, ob es ihr gelingt, die Entscheidung darüber zu behalten, an welchem Ort, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militärische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerillatruppe operiert meist aus den Bergen heraus, welche optimales Rückzugsgebiet bilden. Sie ist auf die Unterstützung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.
Guerillakrieg bezeichnet eine Kampfform irregulärer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee beziehungsweise Besatzungsmacht oder aber – im Zusammenhang mit einem Bürgerkrieg – gegen die eigene Regierung.[2] Als typische Merkmale gelten in der Politikwissenschaft:[2]
Der Guerillakrieg gilt als Kampfform von Befreiungsbewegungen. Als erfolgreiche Beispiele werden in der Politikwissenschaft genannt:[2]
Eine der möglichen Taktiken des Guerillakrieges besteht darin mit gezielten Aktionen den Konfrontationspartner gezielt zu treffen und sich sofort darauf zurückzuziehen. Im angloamerikanischen Sprachraum ist dies als "Hit and Run"-Taktik bekannt. Als bedeutende Theoretiker des Guerillakrieges und seiner Taktik gelten[2]
Ihren Überlegungen und Theorien liegen meist die jeweiligen Erfahrungen während des Guerillakrieges in ihren Heimatländern zugrunde. So bei Mao und Giap der Gedanke des Volkskrieges. Von Mao stammt das Bild des Volkes als Wasser, in dem die Guerilla wie ein Fisch schwimmen, die Feinde dagegen ertrinken sollten. Von Che Guevara stammt die Fokus-Theorie, nach der bewaffnete Guerillas einen quasi Brandherd bilden sollten, von dem aus die Revolution in die Bevölkerung hineingetragen werde. Clausewitz analysierte den Spanischen Unabhängigkeitskrieg, Lawrence war am Arabischen Aufstand während des Ersten Weltkrieges beteiligt.
Unter dem Begriff der Stadtguerilla versuchte in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er-Jahre die linksextremistische Gruppe RAF an Terminologie und Taktik südamerikanischer Befreiungsbewegungen anzuknüpfen.
Militärische Auseinandersetzungen unter Parteien, die politisch, strategisch und waffentechnisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind, werden heute auch als asymmetrische Kriegsführung bezeichnet.
Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:
Carl von Clausewitz aber auch schon vor ihm andere definierten den Kleinen Krieg als den Einsatz leichter Truppen in den Flanken und im Rücken des Gegners – so wurden die Husaren nicht nur zur Aufklärung sondern auch zur Störung des feindlichen Nachschubs eingesetzt. Bei der Infanterie wurden die Kroaten und die Jäger zum zerstreuten Gefecht eingesetzt. Insbesondere den aus Randvölkern der europäischen Grossreiche gebildeten Verbände wie den Kroaten oder Bosniaken kam dieser ihnen vertraute Kleinkrieg als Gefechtsführung entgegen. Diese hatten insbesondere im Kampf gegen die Türken Erfahrungen gesammelt. Von der türkischen Armee wurden die Akıncı als leichte Truppe hinter den feindlichen Linie eingesetzt.
Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-1783) entwickelte sich die Kampfesweise des kleinen Krieges erstmals nicht nur als Widerstandsoperationen kleiner bewaffneter Milizen gegen überlegene konventionelle Heere, sondern als umfassende strategische Antwort einer kriegführenden Partei. Die taktisch in offener Formation kämpfenden britischen Truppen wurden in einen zermürbenden Abnutzungskrieg verwickelt, den sie schließlich verloren. Seitdem hat sich die Kleinkriegführung als asymmetrische Antwort auf die Stärke konventioneller Streitkräfte etabliert.
Als erste kriegerische Auseinandersetzung mit Guerilla-Charakter und mit diesem Namen gilt der spanische Unabhängigkeitskrieg gegen die französischen Besatzungstruppen 1807 bis 1814, der sich zum Volkskrieg ausweitete. Die regulären spanisch-britischen Truppen entschieden zwar den Krieg, irreguläre Freischärler oder Guerrilleros trugen jedoch erheblich zur Niederlage der Franzosen bei. Dies lag vor allem an der guten Organisation des Widerstands und der für einen Kleinkrieg günstigen Topographie der Berglandschaften, die gute Unterschlupfmöglichkeiten boten. Im offenen Gelände konnte sich die Guerillatruppe gegen konventionelle Truppen dagegen nicht behaupten.
Konventionelle Truppen waren damals in erster Linie auf intensive Gefechte und Schlachten im „großen Krieg“ ausgerichtet (Linientaktik). Sie übernahmen später allerdings die Kampfesweise der Guerilla, die sich durch Überfälle, Hinterhalte und Angriffe auf die Versorgungslinien im Rücken des eigentlichen Kriegsgeschehens auszeichnete. So wurde der Guerillakampf zu einer taktischen Variante, für die auch auf Einheiten mit speziell ausgebildeten Soldaten (meist so genannte Jäger) zurückgegriffen wurde, weil diese flexibler und mobiler waren als die konventionellen Linientruppen. Charakteristisch für den kleinen Krieg waren militärische Auseinandersetzungen, bei denen zahlenmäßig kleine Abteilungen Operationen zur Schwächung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeiführen zu können. Sie konnte neben großen Operationen des Hauptheeres geführt werden. Typische Beispiele sind der Einsatz der Freikorps der Koalitionstruppen 1813 und der Franc-tireurs 1870. Eine wichtige Rolle spielte auch der Rückhalt der Bevölkerung für den Widerstandskrieg irregulärer Truppen und Banden, wie sich etwa im Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer zeigte.
In Spanien hat das Wort „Guerrilla“ aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, ähnlich wie in Deutschland die „Befreiungskriege“ oder der Begriff „Volkskrieg“, wie er in den frühen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.
Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Guerilla-Taktik geführt.
Als Analytiker der Guerilla sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Zedong, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.
Der Guerillakampf stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:
Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die reguläre Armee sich der flexiblen Kriegführung der Guerilla anzupassen (Vietnam). (Nicht zu verwechseln mit der konterrevolutionären Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionäre Regierung anzugreifen – siehe Contra (Organisation)).
Die konventionelle Armee ist durch das Kriegsrecht dazu verpflichtet, humanitäre Mindeststandards zu beachten und muss daher immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerillabewegung voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlässt, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Militär meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentración (Kubanischer Unabhängigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die Kämpfer von der übrigen Bevölkerung trennen und damit der konventionellen Armee ein klar umgrenztes Feindesland für den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) führt jedoch in der Regel zur politischen Stärkung der Guerillabewegung. Eine freiwillige Aussiedlung von Zivilisten aus den von der Guerillabewegung kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich.
Die Guerillabewegung setzt ihrerseits die Zivilbevölkerung gezielt unter Druck, sofern diese nicht freiwillig kooperiert. Dies geschieht durch gezielten Terror (Erschießungen, Folter und Vergewaltigungen), erzwungene Geld-, Nahrungs- und Materialabgaben und durch Zwangsrekrutierungen. Dadurch ist die Zivilbevölkerung oft in der Situation, von beiden Seiten verdächtigt zu werden, die jeweils andere zu unterstützen. Die FNL im Vietnamkrieg operierte zum Beispiel häufig auf diese Weise. Da die Trennung und Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den genannten Gründen oft nicht möglich war, führte das zur unvermeidlichen und unterschiedslosen Bombardierung von Guerillagebieten durch die reguläre Armee, der alle in dem Gebiet befindlichen Personen zum Opfer fielen. Der Zivilbevölkerung bleibt in einer solchen Situation oft gar keine Wahl mehr neutral zu bleiben und entscheidet sich dann aus Not heraus für die eine oder andere Seite. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass die Regierungsvertreter oft selbst korrupt sind und die Kommandeure und Soldaten ihrer offiziellen Streitkräfte persönliche (kriminelle) Ziele verfolgen. Dies führt meist dazu, dass die Zivilbevölkerung sich auf die Seite der Guerillabewegung schlägt.
Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerillabewegung politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
Ein Anti-Guerillakampf ist mit militärischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es aufgrund der fehlenden Unterscheidbarkeit der Guerillakämpfer von der übrigen Bevölkerung nicht möglich ist, die jedenfalls in den frühen Phasen eines Konfliktes überlegene militärische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerillabewegung immer wieder aus der Bevölkerung verstärken, solange sie deren Unterstützung genießt bzw. über ausreichende Mittel zur Zwangsrekrutierung verfügt.
Die meisten Guerillakämpfe wurden daher nur politisch gelöst, das heißt durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenüber den Zielen der Guerillabewegung.
Unter dem Vorwand, dass man die Guerilla nach Guerillaart bekämpfen müsse, bestand die Antwort angegriffener konventioneller Streitkräfte immer wieder darin, selbst mit einem eigenen Kampfverhalten zu reagieren, das nicht mehr den Normen regulärer Kriegführung entsprach. Nicht nur die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist dafür ein Beispiel, auch in der jüngeren Geschichte gingen sogar demokratische Staaten angesichts massiver Guerillaangriffe auf die eigenen Truppen dazu über, die Zivilbevölkerung in den entsprechenden Ländern zu schädigen. Im Algerienkrieg griff die französische Regierung zur routinemäßigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen (sogenannte Französische Doktrin), im Vietnamkrieg gehörte die Entwaldung ganzer Landstriche durch Chemikalien, die Zerstörung von Ernten, Politische Säuberungen und vereinzelte Massaker zu den Maßnahmen der US-Streitkräfte und der südvietnamesischen Armee. Darüber hinaus initiierte die CIA das sogenannte Phoenix-Programm, die gezielte Tötung kommunistischer Kader des Vietcong.
Die Kampfesweise der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konventionen und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegführung bezeichnet. Diese internationalen Verträge regeln die rechtliche Basis zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levée en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch "Volkskrieg"). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Befreiungsarmee vollzogen hat, entsprechen ihre Kämpfer als Teil einer militärischen Befehlsstruktur den Kombattanten der Haager Landkriegsordnung. Solange ihr aber die Ausrichtung auf eine Staatsregierung fehlt, gelten Guerilla-Kämpfer als Nichtkombattanten und werden meist als kriminelle Aufständische behandelt.
Dazu gehört die Einrichtung tatsächlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Guaímaro im kubanischen Unabhängigkeitskrieg oder das Parlament der palästinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstützenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einführung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militärischen Ordnung mit den dazugehörigen Rängen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenüber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist die Anerkennung als kriegführende Partei hergestellt, die sogenannte „Belligerenz“. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage für die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palästinensischen PLO). Erst als kriegführende Partei können Guerilla-Kämpfer nach einer Gefangennahme den Kriegsgefangenenstatus geltend machen.
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