Der Häuserkampf ist ein militärischer Begriff und bezeichnet den Kampf um ein dicht bebautes - urbanes - Gebiet. Der Orts- und Häuserkampf ist vor allem ein infanteristisch geprägter Kampf, der nur bedingt von Panzern unterstützt werden kann. Er zählt auch im modernen Krieg noch zu den Auseinandersetzungen „Mann gegen Mann“.
Im Angriff fordert er einen eigenen hohen Kräfteansatz, schwächeren Kräften ermöglicht er eine erfolgreiche Verteidigung. Neben den Mitteln moderner Kampfführung und dem Einsatz von Distanzwaffen ist er geprägt vom Kampf auf nahe Entfernungen, Mann gegen Mann. Der Häuserkampf unterscheidet sich vom Kampf im offenen Gelände, dem klassischen Gefechtsfeld, vor allem durch das Hinzufügen der dritten Dimension, die extrem kurzen Gefechtsdistanzen und die Möglichkeit, sich unterirdisch (z. B. U-Bahn- oder Kanalnetz) zu bewegen.
Man spricht auch von englisch FIBUA = Fight In Built Up Area oder FISH = Fighting In Someone elses House. Der englische/amerikanische Begriff der MOUT = Military Operations in Urban Terrain umschreibt alle militärischen Operationen im urbanen Gelände einschließlich des Häuserkampfes.
Kennzeichnend für den Stadtkampf ist, dass der Angreifer seine technische Überlegenheit nur schwer am entscheidenden Punkt konzentrieren kann, seine überlegenen Feuermittel nur begrenzt einsetzen kann und diese eine eingeschränkte Wirkung haben.
In den Häuserkämpfen des Zweiten Weltkrieges wurde erstmals intensiv an Taktiken gearbeitet, um ein Haus mit möglichst geringen Verlusten einnehmen zu können. Vor allem in den monatelangen Häuserkämpfen bei dem Deutschen Angriff auf Stalingrad waren die Soldaten mit der Situation überfordert und mussten erst neue Taktiken entwickeln.
Neben rein infanteristischen Taktiken (Gliederung in Stoßtrupps) wurden beim Häuserkampf auch Taktiken zum über das Standard-Einsatzgebiet hinausgehenden Einsatz schwerer Waffen (Nutzung von Geschützen innerhalb Häusern, Einsatz von Panzerabwehrwaffen zur Ausschaltung von Stellungen etc.) entwickelt. Grundsätzlich ist ganz besonders die Kreativität der militärischen Führer und der Soldaten gefordert, die dann in die Weiterentwicklung der Taktik einfließt.
Die Verteidiger versuchen, ihre Stellungen durch Sandsäcke und Maschendraht an den Fenstern, Sprengfallen an den Eingängen und durch Durchbrechen von Kellerwänden als Fluchtwege sowie durch sich überschneidende Feuerbereiche zu sichern. Dringt der Angreifer in einen Gebäudekomplex ein, reichen oft geringe Kräfte, um ihn im Gegenangriff wieder zurückzuwerfen, da im Häuserkampf schnell Kooperation und Verbindung verloren gehen.
Zerstörungen in bebauten Gebieten, wie Häuserruinen, kommen den Verteidigern zugute. Sie bieten Deckungsmöglichkeiten und behindern einen raschen und sicheren Vormarsch des Angreifers.
Im Angriff wird pro Haus zumeist ein Infanteriezug benötigt, der sich in Sturmgruppe, Deckungsgruppe, Sprengtrupp und Trägertrupp umgliedert. Der Angreifer versucht, den Verteidiger durch starkes, ununterbrochenes Feuer niederzuhalten, und greift mit Sprengkörpern und Nahkampfwaffen an, wobei er möglichst nicht über offenes Gelände vorgeht, sondern sich von Haus zu Haus durch Mauerdurchbrüche vorzuarbeiten sucht. Die Vorgehensweise ist langsam und aufwendig, weil die Situation in den Häusern unklar ist und einen hohen Verbrauch an Sprengmitteln und Munition erfordert. Soweit möglich wird versucht, Häuser von oben nach unten zu durchkämmen, weil die Handgranate als eines der Hauptkampfmittel im Häuserkampf so am besten geworfen werden kann. Der Angriff erfolgt in Stoßtruppgliederung.
Die Deckungsgruppe hält den Feind im anzugreifenden Haus mit Sperrfeuer nieder, um die Verteidiger in die Deckung zu zwingen. Mit Einsetzen des Deckungsfeuers sprengt der Sprengtrupp äußere Hindernisse. Um eindringen zu können, kann mit schweren Waffen eine Bresche in das anzugreifende Haus geschossen oder durch den Sprengtrupp gesprengt werden bzw. dieser sprengt verbarrikadierte Türen oder Fenster auf. Danach greift die Sturmgruppe das Haus unterteilt in Drei-Mann-Sturmtrupps an. Nach Überwinden der äußeren Hindernisse (Sprengung durch Spreng- und Blendtrupp) wird versucht, die vorbereitete Bresche im Haus bzw. eine Tür/Fenster zum Eindringen zu nutzen. Der erste Sturmtrupp dringt mit Handgranaten und Maschinenpistolen in den ersten Raum ein. Dies bedeutet, dass vor dem Sturm des Raumes eine Handgranate geworfen wird und nach der Explosion aus der Deckung heraus blind ein Feuerstoß in den Raum abgegeben wird. Nachdem dieser Raum feindfrei ist, rückt der nächste Sturmtrupp nach. Der Kampf Raum zu Raum wird dann überschlagend weitergeführt. Das Prinzip ist immer gleich (Handgranate, Feuerstoß in den Raum, Eindringen, Melden der örtlichen Feindlage, Raum feindfrei, nachrücken).
Beim Angriff auf eine Stadt oder ein größeres bebautes Gebiet wird dieses in der Regel zuerst umgangen und eingeschlossen. Danach rücken Kampfverbände entlang der Hauptverkehrsachsen des urbanen Gebietes vor und besetzen wichtige Einrichtungen. Einzelne Stadtteile werden abgeriegelt und danach durchkämmt. Wichtige Objekte sind hohe, beherrschende Gebäude da sie guten Überblick bieten, Verwaltungsgebäude zur Sicherung der Kontrolle über die Bevölkerung, ökonomische Schlüsselobjekte wie Wasserwerke, Umspannanlagen für Strom und Gaswerke sowie Schwerindustriekomplexe.
An eine Primärwaffe für den Häuserkampf bestehen verschiedene grundlegende Anforderungen:
Diese Forderungen werden von verschiedenen Waffen unterschiedlich erfüllt.
Hauptsächlich kommen beim Häuserkampf Sturmgewehre (G36, M4 etc.) und Handgranaten zum Einsatz. Um die Handhabbarkeit in engen Räumen zu verbessern, kann bei dem von der Bundeswehr verwendeten Gewehr G36 bzw. dem amerikanischen M-4 die Schulterstütze eingeklappt oder eingeschoben werden.
Im weiteren kommen als primäre Handfeuerwaffen Pistole, Maschinenpistole und Vorderschaftrepetierflinte zum Einsatz.
Als Sekundärwaffen werden zur unmittelbaren Feuerunterstützung Maschinengewehr, Granatpistole und tragbare Raketenwaffen (Panzerfaust 3, RPG-7, M72 LAW, FGM-148 Javelin) verwendet und im Angriff in der Deckungsgruppe zusammengefasst, um der Sturmgruppe Feuerunterstützung zu geben.
Früher wurden im Orts- und Häuserkampf Flammenwerfer eingesetzt, die aber heute nicht mehr gebräuchlich sind. Die Bundeswehr verfügte stattdessen über die Handflammpatrone.
Im unmittelbaren Kampf Mann-gegen-Mann kamen und kommen auch immer wieder Blankwaffen zum Einsatz wie der Grabendolch aber auch entsprechend den "Vorlieben" der Truppe andere wie der Streitkolben. Beispiele bietet der Stellungskrieg während des Ersten Weltkriegs.
Als Hilfsmittel kommen beim Orts- und Häuserkampf im Angriff Werkzeuge wie Axt, Brechstange, Rammbock, Leiter und Steckstrickleiter, Wurfanker und Sprengladungen zum Einsatz, um sich Zugang zu Gebäuden zu verschaffen. Pyrotechnische Detonationsmittel wie Nebelwurfkörper und Blitz-Knall-Granten werden im Angriff, Bodenleuchtkörper in der Verteidigung eingesetzt. Beim Kampf in der Kanalisation ist der Einsatz von Gasdetektoren notwendig, da Faulgase zum Tod führen können. In der Verteidigung kommen neben Schützenminen vor allem Drahthindernisse wie S-Drahtrolle, Spanischer Reiter, Bandstacheldraht aber auch Krähenfüsse zum Einsatz, um den feindlichen Angriff zu verlangsamen und in bestimmte Richtungen zu lenken, die vor die Hauptschussrichtung flankierend eingesetzter Maschinenwaffen führen.
Mittelbare Feuerunterstützung erfolgt durch Mörser. Auswirkungen der Granaten und Raketen sind Splitter-, Spreng-, Brand-, Rauch-, Gas- oder Blendwirkung. Spezielle Gefechtsköpfe nach Art einer Aerosolbombe, wie bei der RPG-7 verwendet, erzeugen zunächst ein feinverteiltes Brennstoff-Luft-Gemisch. Dieses Gemisch kann leicht in Gebäude und Deckungen eindringen und sich dort verteilen. Anschließend wird das Gemisch entzündet und entfaltet eine große Wirkung durch Druck und Hitze. Sprengmitteln und indirekten Granatenwaffen kommt eine hohe Bedeutung zu. Einerseits benötigen sie keine direkte Schusslinie, welche oft versperrt ist, andererseits muss sich der Schütze keinem direkten Feindbeschuss aussetzen. Gleichzeitig dienen Sprengmittel der „Modellierung“ des Gefechtsfeldes, z. B. durch Mauerdurchbrüche.
Heutzutage wird die Infanterie meistens von Schützen- und Kampfpanzern, Artillerie und der Luftwaffe unterstützt, um den Gegner im Gefecht der verbundenen Waffen zu bezwingen. Insbesondere Schützenpanzer stellen dabei aus rückwärtigen Feuerpositionen, aber auch als Deckung im Angriff eine wesentliche Unterstützung dar.
Bereits jetzt lebt ein beträchtlicher Teil der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten, besonders auch in jenen Regionen, die als Krisenherde gelten. Die Entwicklung einer umfassenden Doktrin für militärische Operationen in bebautem Gelände versucht dieser Tatsache Rechnung zu tragen. Als Vorbild gelten dabei unter anderem die Erfahrungen der israelischen Streitkräfte in den Libanonfeldzügen und beim Einsatz in den besetzten Gebieten. Auch die Entwicklung militärischer Technik steht verstärkt unter dem Aspekt urbaner Einsatzszenarien. Dabei geht die Tendenz zur weiteren Nutzung verbesserter Sensoren, Echtzeitkommunikation mit der Einsatzleitung und dem vermehrten Einsatz von Drohnen. Beim Großgerät, wie Kampfpanzern und Radfahrzeugen soll deren Nutzbarkeit durch neue Munitionssorten und besseren Schutz gegen Hinterhalte erweitert werden.
Dabei tritt zunehmend das „klassische“ Erobern von Ansiedlungen in den Hintergrund und das dauerhafte Kontrollieren von Städten in den Vordergrund. Wichtigstes Beispiel sind die Auseinandersetzungen der US-Besatzungstruppen mit Aufständischen im Irak seit 2003: Dabei geht es nicht um das Erobern der Städte, sondern um die Durchsetzung eines Gewaltmonopols der mit den USA verbündeten irakischen Regierung. Die Beteiligung irregulärer Kämpfer und der gleichzeitige Alltag anwesender Zivilbevölkerung stellt eine weitere Herausforderungen dieses „neuen“ Häuserkampfes dar.
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