Montag, 28. Mai 2012

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Harald Welzer

Harald Welzer (2011)

Harald Welzer (* 27. Juli 1958 in Bissendorf bei Hannover) ist ein deutscher Sozialpsychologe.

Leben

Harald Welzer ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research (CMR) in Essen und leitet zudem Teilprojekte des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Außerdem ist er Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke, Affiliated Member of Faculty am Marial-Center der Emory University (Atlanta/USA) und Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Beiräte und Akademien. Die Schwerpunkte seiner Forschung und Lehre sind Erinnerung, Gruppengewalt und kulturwissenschaftliche Klimafolgenforschung.

Welzer studierte Soziologie, Politische Wissenschaft und Literatur an der Universität Hannover, promovierte dort 1988 in Soziologie und habilitierte sich 1993 in Sozialpsychologie sowie 2001 in Soziologie. Von 1988 bis 1993 war Welzer Wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich Geschichte, Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hannover. Anschließend war er dort bis 1999 als Dozent für Sozialpsychologie tätig. In den Jahren 1994 bis 1995 sowie 1997 bis 1998 war Welzer Direktor des Instituts für Psychologie der Universität Hannover.[1] Welzer veröffentlicht mit der Soziologin Dana Giesecke (Diplom 2005).

Welzer ist Mitbegründer und Direktor der gemeinnützigen Stiftung Futurzwei, die sich das Aufzeigen und Fördern alternativer Lebensstile und Wirtschaftsformen zur Aufgabe gemacht hat.[2]

Leistungen

In seinem Buch Opa war kein Nazi beschäftigt sich Welzer mit der Zeit des Nationalsozialismus aus sozialpsychologischer Sicht, indem er das Verhalten von Menschen im Alltag während des Nationalsozialismus sowie Formen familiärer Erinnerungstradierung untersucht. Dabei fiel ihm auf, dass es mit der deutschen Vergangenheitsbewältigung nicht weit her sei. Von Täterschaft oder Verantwortung sei in den Familien wenig zu hören gewesen. Verharmlosungen und vorgebliches Nichtwissen tauchten dagegen sehr oft auf. Aus dem abstrakten Wissen über den Holocaust werde bei konkreten Personen im persönlichen Umfeld schließlich das Gegenteil. Beteiligte Familienmitglieder würden, so Welzer, sogar als Opfer oder als Helden geschildert.

Im Buch Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden vertieft Welzer die Ergebnisse von Christopher Browning zur Motivation der NS-Unrechtstäter in den Einsatzgruppen, die häufig völlig normale Biografien vorwiesen, etwa Franz Stangl oder Werner Best. Sie entwickelten eine Mentalität oder Binnenrationalität, in der sie als moralisch im Recht dastanden, auch wenn sie Kindererschießungen vornahmen. Die Tötung wird als Arbeit aufgefasst. Die Ergebnisse werden ausgeweitet für Vietnam, Ruanda und Jugoslawien.

Im Buch Klimakriege beschreibt Welzer den Klimawandel als noch immer unterschätzte Bedrohung des menschlichen Zusammenlebens.[3] Er werde als Naturkatastrophe betrachtet, es seien aber die sozialen Effekte, die aus den Klimaveränderungen erst Katastrophen werden ließen. Im Zuge dieser Entwicklungen werde Gewalt zunehmend wieder als Problemlösungsstrategie angesehen. Der Zusammenbruch der politischen und sozialen Ordnung in weiten Teilen der Welt werde zu einem „Dauerkrieg“ führen. Dies sei nur abzuwenden, wenn die wohlhabenden Bevölkerungen der Industrieländer ihren bisherigen Konsumstil veränderten. Von Andreas Kilb wurde in einer Rezension eingewendet, dass die Vergleiche mit den Völkermorden des 20. Jahrhunderts „spekulativ“ seien und hinter einer „historischen Analyse“ zurückblieben.[4]Christiane Grefe dagegen bescheinigte Welzer eine „erschreckend plausible Analyse“, hielt ihm allerdings vor, produktive Verbindungen von Kultur und Technik nicht ins Auge zu fassen.[5]

Schriften

Vorträge und Interviews

Weblinks

 Commons: Harald Welzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Profil bei KWI
  2. Homepage von Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit.
  3. die tageszeitung: „Ein schlechtes Gewissen reicht nicht“. Interview mit Jan Feddersen und Reiner Metzger, 18. April 2008
  4. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Die Apokalypse ist ein unfertiges Puzzle. 2. Juni 2008
  5. Die Zeit: Brandneu: Das Klima! 30. Juli 2008
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