Montag, 28. Mai 2012

Themen


hart aber fair

Seriendaten
Originaltitel hart aber fair
Hartaberfair.jpg
Produktionsland Deutschland
Produktionsjahr(e) seit 2001
Produktions- unternehmen Ansager & Schnipselmann
Länge 75 Minuten zuvor 90 Minuten
Ausstrahlungs- turnus montags
Genre politische Talkshow
Produktion Jürgen Schulte (A&S)
Moderation Frank Plasberg
Erstausstrahlung 31. Januar 2001 auf WDR Fernsehen

hart aber fair ist eine wöchentliche politische Talkshow. In der 75-minütigen Sendung, die am Montagabend bei Das Erste ausgestrahlt wird, diskutiert Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen ein aktuelles kontroverses Thema. Die Zuschauer erhalten durch kurze Einspielfilme zusätzliche Informationen und können sich direkt beteiligen. Vor dem Wechsel ins Hauptprogramm der ARD lief die Sendung sieben Jahre lang im WDR Fernsehen.

Konzept

Wie der Name andeutet, sollte die Diskussion offen und kontrovers geführt werden. Statt ideologisch und parteipolitisch geprägter Aussagen sollen dabei sachliche Argumente im Vordergrund stehen. Deshalb gehören neben Politikern auch wissenschaftliche Experten, Vertreter anderer Organisationen und direkt beteiligte oder betroffene Personen zu den Teilnehmern der Diskussionsrunde. Die Gäste werden so ausgewählt, dass unterschiedliche Positionen vertreten werden. Die Redaktion recherchiert Informationen zum Thema der jeweiligen Sendung, um zusätzliche Argumente zu liefern und die Hintergründe für die Zuschauer verständlicher darzustellen.

Ablauf der Sendung

Zu Beginn der Sendung nennt der Moderator Frank Plasberg das zu diskutierende Thema, das mit einem Slogan als Frage formuliert ist. Anschließend werden die fünf Gäste einzeln vorgestellt, wobei eine Off-Stimme deren Name und Funktion nennt und die Person mit einem Zitat einordnet. Die Gäste sind dabei üblicherweise so am Tisch platziert, dass die Vertreter der extremsten Pro- und Contra-Argumente ganz außen sitzen. Im Verlauf der nun beginnenden Diskussionen greift Plasberg bei entsprechender Gelegenheit mit Einspielfilmen ein. In den kurzen Beiträgen erhalten die Zuschauer ergänzende Informationen durch Statistiken, Interviews oder Zeitungsberichte. Manchmal wird auch einer der Gäste in einem Beitrag direkt angesprochen und mit seinen früheren, umstrittenen Aussagen konfrontiert.

Zusätzlich zu den Gästen am Tisch gibt es meistens noch ein Einzelgespräch mit einer Person, die sich auf besondere Weise mit dem Thema beschäftigt. Im laufe der zweiten Hälfte der Sendung spricht Plasberg mit seiner Mitarbeiterin Brigitte Büscher, die eine Auswahl von Zuschauerreaktionen vorträgt. Die TV-Zuschauer haben vor und während der Sendung die Möglichkeit, telefonisch, per E-Mail oder im Gästebuch auf der Website einen Kommentar zum Thema abzugeben. In der Schlussrunde mit den Gästen am Tisch wird mit einer fantasievollen Frage ermittelt, wer wen überzeugt hat. Am Dienstagmittag veröffentlicht die Redaktion im Internet den sogenannten „Faktencheck“, in dem einige strittige Aussagen oder von den Gästen genannte Zahlen überprüft werden.

Produktion und Ausstrahlung

Frank Plasberg vor der hart aber fair-Kulisse im WDR Studio Köln

Die Sendung wird entweder aus Köln oder Berlin live gesendet. In Köln findet die Produktion im Studio des WDR statt. Der Berliner Standort, der wegen der räumlichen Nähe zur Bundesregierung gewählt wird, befindet sich in der „Fernsehwerft“ am Osthafen. Vor dem 21. Oktober 2009 nutzte man in der Hauptstadt das Globe City Studio. Die montägliche Live-Ausstrahlung beginnt in der Regel um 21:00 Uhr. Falls eine Sportübertragung (zum Beispiel ein Fußball-Länderspiel) stattfindet, entfällt hart aber fair in dieser Woche. Die ersten Wiederholungen der aktuellen Ausgabe sind in der darauf folgenden Nacht um 03:10 Uhr und am Dienstagmorgen um 8:45 Uhr bei Das Erste zu sehen, bei 3Sat am gleichen Tag um 10:15 Uhr. Außerdem zeigt das digitale ARD-Programm EinsExtra die Sendung dienstags um 20:15 Uhr.

Von der Premiere am 31. Januar 2001 bis zum 10. Oktober 2007 wurde hart aber fair mittwochs um 20:15 Uhr als 90-minütiges Format im WDR Fernsehen ausgestrahlt.[1] Im Internet wird die aktuelle Sendung als Livestream in der ARD-Mediathek gezeigt. Vergangene Ausgaben als Flash-Stream beim WDR WebTV zu sehen, wobei neben dem Player passende Links zu den Diskussionsbeiträgen eingeblendet werden.

Kritik

Angesichts der kontroversen Themen, die bei hart aber fair behandelt werden, gibt es zu einzelnen Ausgaben der Sendung negative Kritik von anderen Medienvertretern oder Bloggern. So kritisierte ein Zuschauer Aussagen über sogenannte Killerspiele in der Diskussion um gewalttätige Computerspiele im November 2006.[2] Aussagen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zur Jugendkriminalität sorgten im Januar 2008 für Unruhe bei türkischen Migranten.[3][4]

Im Oktober 2009 sah sich die Redaktion dem Vorwurf mangelhafter Recherche ausgesetzt, als der Journalist Klaus Martens ein umstrittenes Medikament gegen Neurodermitis vorstellte.[5] Der Rundfunkrat des WDR verurteilte anschließend Martens' Dokumentarfilm, wies aber die Programmbeschwerde gegen hart aber fair ab.[6] Für große Aufmerksamkeit sorgte auch der Auftritt des wegen seiner Aussagen über Migranten kritisierten Bundesbank-Vorsitzenden Thilo Sarrazin im September 2010.[7]

Eine Sendung zum Thema Baumärkte am 23. April 2012 erregte beachtlichen Unmut bei den Zuschauern, die darin eine Verflachung der ansonsten anspruchsvoll-politischen Themenkultur der Talkshow sahen. Auch in anderen Medien und im Feuilleton stieß die Sendung unter dem Titel "Wissen, wo der Hammer hängt - was treibt die Deutschen in den Baumarkt?" auf Kritik und manche Ironie.[8] Verschiedene Stimmen brachten das aus Sicht vieler Stammzuschauer eigentümliche Thema mit Quoten-Problemen des Talkformats in Verbindung. Tatsächlich erreichte hart aber fair mit der "Baumarkt-Folge" die niedrigste Quote seit dem Wechsel der Sendezeit von Mittwoch auf Montag.[9]

Auszeichnungen

Trivia

  • Das Lied, das während der kurzen Filmbeiträge fast immer im Hintergrund läuft, heißt „Cups“ und stammt vom britischen Elektronik-Duo Underworld.[15]
  • Im Jahre 2009 wurde die Sendung in den Handlungsstrang der Fernsehserie Der kleine Mann einbezogen. Als Thema wurde „Die Beziehung zwischen Ost- und Westdeutschland“ verwendet.[16]

Literatur

  • Tobias Könning: Alles bloß Geschwätz!? Diskurspotenziale der politischen Talkshow ‚hart aber fair‘. VDM, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3639126396.

Einzelnachweise

  1. Helmut Ziegler: Die weibliche Ader. Berliner Zeitung, 21. September 2007, abgerufen am 24. November 2010. 
  2. Matthias Dittmayer: Stigma Videospiele. Abgerufen am 24. November 2010. 
  3. Roland Koch rudert zurück. Rheinische Post, 11. Januar 2008, abgerufen am 24. November 2010. 
  4. Marcus Bäcker: "Wurde der gar nicht gebrieft?" Berliner Zeitung, 11. Januar 2008, abgerufen am 24. November 2010. 
  5. Stefan Schmitt: Internet prangert allzu unkritischen WDR-Bericht an. Zeit, 30. Oktober 2009, abgerufen am 24. November 2010. 
  6. WDR-Rundfunkrat: WDR-Rundfunkrat entscheidet über Programmbeschwerden gegen „Heilung unerwünscht“ und „Hart aber fair“. wdr.de, 20. Mai 2010, archiviert vom Original am 21. Mai 2010, abgerufen am 24. November 2010. 
  7. Niels Kruse: Verflixt und zugespitzt. Stern, 2. September 2010, abgerufen am 24. November 2010. 
  8. Schader, Peer: "hart aber fair" - Schraube locker. In: FAZ.NET vom 24. April 2012. Abgerufen am 28. April 2012.
  9. Mantel, Uwe:Schwächste Zuschauerzahl bislang. Plasbergs Baumarkt-Talk floppt. In: DWDL.de vom 24. April 2012
  10. Deutscher Fernsehpreis - Preisträger 2003
  11. Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis - Pressemitteilung 2005
  12. Grimme-Preis - Preisträger 2005
  13. Ernst-Schneider IHK Medienpreis - Pressemitteilung 2005 (PDF)
  14. Bayerischer Fernsehpreis - Preisträger 1989 - 2010
  15. Underworld Player
  16. xTown.net Kurzkritik: Der kleine Mann

Weblinks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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