Montag, 28. Mai 2012

Themen


Haubitze

schwere Feldhaubitze 18, Kaliber 15 cm, deutsches Standardartilleriegeschütz bis 1945 (hier ohne Schutzschild)

Als Haubitzen werden seit dem 19. Jahrhundert Mehrzweck-Geschütze der Artillerie bezeichnet, die sowohl in der oberen als auch in der unteren Winkelgruppe schießen können und die sich dadurch von den Feldkanonen und Mörsern klar abgrenzen. Es ist ihnen daher möglich, sichtbare Ziele direkt mit Flachfeuer und Ziele hinter Deckungen indirekt mit Steilfeuer zu bekämpfen - was allerdings auf größere Entfernungen auch mit Feldkanonen möglich ist.

Einsatzmöglichkeiten

Als die Befestigungen im 19. Jahrhundert immer mehr verstärkt wurden, war eine wirksame Bekämpfung nur noch durchführbar, wenn der Auftreffwinkel der fallenden Granaten so steil wie möglich gehalten wurde um die Auftreffwucht und Durchdringungsenergie zu maximieren. Die inzwischen mit Beton verstärkten Bunkerdecken konnten mit den üblichen Geschützen und ihren flachen Flugbahnen nicht mehr effektiv bekämpft werden. Hier kamen dann zunächst Steilfeuergeschütze, die sogenannten Mörser zum Einsatz. Aus Gründen der Zweckmäßigkeit verwendete man später als Mischung aus dem Flachfeuer- und dem Steilfeuergeschütz die Haubitze (es gab zwar schon seit langem - in Preußen seit 1683 - so genannte Haubitzen, hierbei handelte es sich jedoch nicht um Mehrzweckgeschütze, sondern um reine Steilfeuergeschütze) mit der beide Möglichkeiten abgedeckt werden konnten. Da Haubitzen immer mit getrennter Ladung (Granate und Treibladung) feuern, kann zur Regulierung der Schussweite neben der Rohrerhöhung auch die Treibladung variiert werden (z.B. 1. - 6. Ladung): eine größere Treibladung ergibt eine größere Reichweite. Auch bei der Bekämpfung von Hartzielen wie Bunkern im indirekten Schuss spielt die Treibladung eine Rolle. Je stärker die Treibladung, desto höher steigt das Geschoss nach oben, desto höher wird die Auftreffwucht werden.

In der heutigen Artillerie werden, von Restbeständen (z.B. in Drittweltländern) abgesehen, keine Feldkanonen mehr verwendet, sondern nur noch Haubitzen.

Namensentwicklung

  • Ursprünglich eine Steinbüchse zum Beschuss von lebenden Kräften im Feld (bereits 1410 in der Schlacht bei Tannenberg durch das Heer des Deutschen Ritter-Ordens eingesetzt).
  • Zuerst als „auf(e)niz“, tschech. „houfnice“, (aus „houf“ = Schlacht-Haufen für das Ziel), im Deutschen wurde daraus Haussnitz, ital. obice. Erstmals urkundlich im 15. Jahrhundert erwähnt wurde sie in den Hussitenkriegen (1419–1436) als (Feld-)Geschütz aus der Wagenburg heraus gegen die taktische Formation „Haufen“ (siehe zum Beispiel Gewalthaufen) eingesetzt; eher durch seine akustische Wirkung auf die Pferde, statt durch Treffsicherheit und Geschosswirkung zum „Aufbrechen“ der geordneten Schlachtformation dienend.
  • Sie wurde den Hauptbüchsen zugeordnet.
  • Die Bezeichnung Haubitze wurde dann im 19. Jahrhundert auf die entstandenen Mehrzweck-Geschütze angewendet.

In Europa kamen die ersten sogenannten Haubitzen (mit glattem Rohr mittlerer Länge) im 15. Jahrhundert in Deutschland und Italien auf. Mit ihnen wurden Steinkartätschen, ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Sprengstoff gefüllte Granaten verschossen. In Russland gab es Haubitzen ab Mitte des 17. Jahrhunderts, sie wurden als Gakownizy, Gaufnizy (Gafunizy) bezeichnet.

Besondere Ausführungen

Die sog. Feldhaubitzen sind auf Lafetten montiert, die von Zugmaschinen gezogen werden und Teil der Feldartillerie sind. Hier hat sich seit der Einführung dieser Art von Geschütz nicht viel geändert. Das Prinzip ist immer noch das gleiche. Es existieren spezielle Ausführungen, wie zerlegbare Gebirgshaubitzen und leichte Geschütze, die luftverlastbar sind. Manche Geschütze wie die FH 155-1 haben auch einen Hilfsmotor, um im Eigenantrieb einen Stellungswechsel vornehmen zu können.

Schraubverschluss der Panzerhaubitze M 109
Französische Haubitze System CÈSAR

Allerdings existierten bereits während des Zweiten Weltkrieges gepanzerte Haubitzen, wie die M7 Priest oder die deutsche Panzerhaubitze Wespe, um die Artillerie beweglicher zu machen. Heutzutage nennt man diese Art Geschütze Panzerhaubitzen, sie zählen zur Panzerartillerie. Der Turm, in den das Geschütz integriert ist, verhindert den Verlust an Menschenleben sowie die Beschädigung von Material und sichert so die Funktionsfähigkeit bei einem Gegenschlag auf die eigene Feuerstellung. Jedoch wird dieses sehr teure System inzwischen nicht mehr von allen Ländern akzeptiert. Sowohl die USA als auch Großbritannien verfügen nach wie vor über gezogene Haubitzen, Frankreich verwendet sogar die Neuentwicklung einer nicht gepanzerten Haubitze, die „Camion équipé d'un système d'artillerie“ (CÉSAR) verlastet auf einem LKW. Neben den Kosten liegt der Grund auch darin, dass die Artillerie in asymmetrischen Konflikten weniger oder keine feindlichen Feuerschläge fürchten muss.

Beispiele: Feldartillerie Selbstfahrlafetten

Feldartillerie gezogene Geschütze

Panzerhaubitzen

Sonstiges

Nach der Auflösung des mit dem Salutschießens für ausländische Staatsgäste beauftragten Feldartilleriebataillons hat der neugebildete Salutzug des Wachbataillons der Bundeswehr diese Aufgabe übernommen. Verwendet wird hierzu die Feldhaubitze M101 in der Variante A2.

Weblinks

 Commons: Haubitzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Haubitze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite wurde zuletzt am 23. Mai 2012 um 15:01 Uhr geändert.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Haubitze aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

TOP



TOP