Montag, 28. Mai 2012

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Heimatbewegung

Die Heimatbewegung, auch Heimatschutzbewegung, war eine Bewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts, deren Ziel die Stärkung nationaler Identität war und die schließlich in die Gründung zahlreicher regionaler Heimatvereine, Trachtenvereine, Geschichtsvereine und Volkskunstvereine und der Bewegung der Wandervögel mündete. Spezifisch für die Heimatbewegung war die starke Romantisierung und Idealisierung von Natur, die Fiktion eines "unverdorbenen Landlebens" sowie ihre Zivilisationskritik an der industriellen Revolution sowie den damit einhergehenden Verarmungs- und Verstädterungsprozessen.

Geschichte

In Deutschland war der Begriff Heimat schon mit den Befreiungskriegen und der gleichzeitigen Geistesbewegung der Romantik (ca. 1800-1850) politisch wirksam geworden. Spätestens seit der Reichsgründung wurde er mehr und mehr von der politischen Rechten okkupiert. Zwischen der Heimat- und Naturschutzbewegung und der Völkischen Bewegung gab es ideelle, personelle und organisatorische Überschneidungen.

1904 wurde in Dresden der Deutsche Heimatbund gegründet. Zu seinen Schwerpunktaufgaben seit seiner Gründung gehören der Umwelt- und Naturschutz sowie die Denkmalpflege mit dem Erhalt der Kulturlandschaften. Heimat umfasste die ländliche Region als idealisierten Gegenpol zum Moloch Großstadt.

In einer völkischen Deutung wurden im Begriff Heimat deutsche „Kultur“ mit deutscher „Natur“ verbunden. Vertreter eines "völkischen Heimatschutzes"[1] hielten "germanisches Wesen" und das "lateinische Christentum" für "unabsehbare Gegensatze"[2] und forderten unter anderem eine Germanisierung des Christentums oder einen Rückgriff auf einen rekonstruierten vorchristlichen "Volksglauben" (Neopaganismus). Heimatschutz wurde als Grundlage einer „unverwechselbare[n] völkische[n] Eigenart und Überlebensfähigkeit“ interpretiert, womit oft die Betonung völkischer Überlegenheit verbunden war.[3] Der Heimatbegiff wurde schließlich von der NSDAP aufgegriffen und in ihren Dienst gestellt.

Rezeption

Vor dem Hintergrund der Globalisierung finden Bemühungen um das Pflegen regionaler Kultur und Sprache heute ein breites Echo. Solche Initiativen verbinden sich oft mit ähnlichen zu Naturschutz, Denkmalschutz und der Pflege von Kulturlandschaften.

Siehe auch

Literatur

  • Werner Hartung: Konservative Zivilisationskritik und regionale Identität. Am Beispiel der niedersächsischen Heimatbewegung 1895 bis 1919. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 10), Hannover 1991.
  • Edeltraud Klueting (Hg.): Antimodernismus und Reform. Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1991.
  • Kai Detlev Sievers: Kraftwiedergeburt des Volkes: Joachim Kurd Niedlich und der völkische Heimatschutz. Verlag Königshausen & Neumann, 2007, ISBN 3826033779, ISBN 9783826033773 (online)

Einzelnachweise

  1. Kai Detlev Sievers: Kraftwiedergeburt des Volkes: Joachim Kurd Niedlich und der völkische Heimatschutz. Verlag Königshausen & Neumann, 2007, ISBN 9783826033773 (online)
  2. Kai Detlev Sievers: Kraftwiedergeburt des Volkes: Joachim Kurd Niedlich und der völkische Heimatschutz. Verlag Königshausen & Neumann, 2007, ISBN 9783826033773. S. 290. (online)
  3. Ulrich Linse: „Fundamentalistischer“ Heimatschutz. Die „Naturphilosophie“ Reinhard Falters. In: Uwe Puschner und G. Ulrich Großmann (Hg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2009. ISBN 978-3-534-20040-5, S. 156-159.
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