Herbert Werner Franke (* 14. Mai 1927 in Wien) ist ein österreichischer Wissenschaftler und Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten lebenden deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren und schrieb auch unter den Pseudonymen Sergius Both und Peter Parsival. Er ist außerdem aktiv im Bereich der Zukunftsforschung, der Höhlenforschung sowie der Computergrafik und Computerkunst.
Herbert W. Franke studierte in seiner Geburtsstadt Wien Physik, Mathematik, Chemie, Psychologie und Philosophie. 1950 erlangte er einen Doktor in theoretischer Physik mit einer Dissertation über ein Thema der Elektronenoptik. Danach war er bis 1956 für die Presseabteilung der Firma Siemens in Erlangen tätig.
Seit 1957 arbeitet er als freier Schriftsteller. Von 1973 bis 1997 hatte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München einen Lehrauftrag für „Kybernetische Ästhetik“ (später „Computergrafik - Computerkunst“) inne. Von 1968 bis 1975 war er Mitglied der gruppe parallel, einem Zusammenschluss von Künstlern und Wissenschaftlern.[1] Von 1972 bis 1979 war er zusammen mit Wolfgang Jeschke Science-Fiction-Lektor und -Herausgeber im Wilhelm Heyne Verlag, München. 1979 war er Mitbegründer der Ars Electronica in Linz. Von 1979 bis 1980 übernahm Franke einen Lehrauftrag „Einführung in die Wahrnehmungspsychologie“ am Fachbereich Design (seit 1998: Gestaltung) der Fachhochschule Bielefeld. Ebenfalls 1980 wurde er zum Mitglied des deutschen PEN-Clubs gewählt und erhielt seinen Professorentitel. Eine Geschichtensammlung mit den Titel Der Grüne Komet war sein erstes Buch. 1998 nahm Franke an der Siggraph Art Show in Orlando und als Juror am VideoMath-Festival in Berlin teil. Des Weiteren war er über die Jahre an unzähligen Aufführungen und Präsentationen beteiligt.
2003 erschien sein zuletzt veröffentlichtes Fachbuch Vorstoß in die Unterwelt - Abenteuer Höhlenforschung. Seit 2005 schreibt Franke auch wieder vermehrt Science-Fiction-Romane.
Die Zeit bezeichnet Franke als „den prominentesten deutsch schreibenden SF-Autor“. Einige Werke Frankes im Bereich der Computergrafik sind in der Sammlung des Museums Abteiberg in Mönchengladbach ausgestellt.[2]
Franke ist in zweiter Ehe verheiratet mit Susanne Päch; seine erste Frau war die Übersetzerin Charlotte Franke (1935–1995).
»Das, was mich selbst an der Science Fiction fasziniert, ist der so genannte Sense of Wonder – das Unerwartete, das Erstaunliche, das Wunderbare, das in diesen Geschichten beschrieben wird. Dazu braucht man nicht in irreale Bereiche auszuweichen: Die Räume des Handelns und Erlebens, die mit moderner Technik auf der Basis der Naturwissenschaft erschlossen werden, sind weitaus phantastischer als alle Hexen, Monster und Zauberer aus der Märchen- und Sagenwelt. Dieses unerschlossene Neuland der Realutopie liegt in der Zukunft, und der Weg dahin mag mit vielen Rückschlägen, Irrtümern und Gefahren verbunden sein. Die sich daraus ergebenden Konflikte liefern mir den Stoff für die dramatischen Handlungen, die ich in Geschichten und Romanen schildere. Dabei geht es um die Zukunft unserer realen Welt und darunter oft auch um Entwicklungen, die heute bereits angelaufen sind und die wir somit noch in unserem Sinn beeinflussen können.« - Herbert W. Franke
Franke pflegt einen klaren und sehr nüchternen Stil. Immer wiederkehrendes Motiv seiner Romane und Erzählungen ist die Frage nach dem Wesen der Realität, auf die es keine endgültige Antwort gibt. Dies Motiv verwendet er beispielsweise im Roman Das Gedankennetz, in welchem die von der Staatsmacht internierte Hauptfigur virtuelle Realitäten durchlebt, ohne noch zwischen Wirklichkeit und Manipulation unterscheiden zu können. Doch auch die Nebenfiguren werden schließlich in den Strudel dieser Realitätsverschiebungen gezogen. Das Ende des Romans führt schließlich auch dem Leser plastisch vor Augen, dass nichts so sein muss, wie es scheint, und dass die sicher geglaubte Ausgangslage des Romans ebenfalls nur eine Variation der Realitätswahrnehmung ist. In späteren Werken werden die Virtualitätskonzepte gewagter: In Transpluto entpuppt sich schließlich das uns als unhintergehbar erscheinende Raum-Zeit-Kontinuum als eine Art lokal begrenzter Experimentierkäfig, der von einer völlig fremdartigen vieldimensionalen Struktur umgeben ist.
Ein weiteres bestimmendes Thema in Frankes Werken ist die ausweglose Situation von Individuen in zunehmend technisierten, durchorganisierten und totalitären Welten der Zukunft, wobei Franke seine Visionen aus schon vorhandenen Trends und Technologien unserer Zeit komponiert.
Als übergeordnete philosophische Frage, die Franke in nahezu jedem Werk zumindest am Rande berührt, kann die Weiterentwicklung von Zivilisationen angesichts der immer weiter verbesserten technischen Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung betrachtet werden. Das frühe Werk Der Orchideenkäfig spielt diesen Gedanken bis zu einer endgültigen und deprimierenden Konklusion durch. Frankes wohl erfolgreichstes Buch Zone Null bringt das Thema, weniger radikal, mit den ebenfalls häufig wiederkehrenden Topoi einer hypothetischen drastischen Auseinanderentwicklung der Machtblöcke des Ost-West-Konflikts (Die Stahlwüste, Papa Joe & Co.) und eines mit der Zunahme seiner Möglichkeiten immer zielloser werdenden wissenschaftlich-technischen Apparates (Tod eines Unsterblichen) zusammen. Eine Spaltung der Gesellschaft in einen in zweckfreier, passiver Glückseligkeit lebenden und einen aktiv schaffenden Teil ist in Zone Null ebenso die Folge wie in Der Orchideenkäfig und diversen früheren Erzählungen. Die aktive Rolle kann dabei in letzter Konsequenz auf bionisch veränderte Menschen oder gleich ganz auf maschinelle Intelligenzen übergegangen sein.
Herbert W. Frankes Veröffentlichungen erschienen übersetzt in Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Japan, Jugoslawien, Mexiko, Polen, Rumänien, Schweden, Spanien, der UdSSR, Ungarn und den USA. Einige utopische Erzählungen wurden auch in der DDR veröffentlicht.
(Die ISBNs zeigen teilweise auf neuere Ausgaben.)
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