| Historisches Archiv der Stadt Köln | |
|---|---|
|
Verwaltung, digitaler Lesesaal und Ausstellungsraum im Gebäude am Heumarkt |
|
| Archivtyp | Kommunalarchiv |
| Ort | Köln |
| Besucheradresse | Heumarkt 14 (bis März 2009: Severinstraße 222) |
| Gründung | 1857 |
| Umfang | 30 Kilometer |
| Träger | Stadt Köln |
| Organisationsform | Dienststelle des Dezernats VII der Stadtverwaltung Köln |
| Website | http://www.stadt-koeln.de/5/kulturstadt/historisches-archiv/ und http://www.stadt-koeln.de/buergerservice/adressen/00118/index.html |
Das Historische Archiv der Stadt Köln ist das Stadtarchiv von Köln. Es archiviert Archivgut der Gremien und Ämter der Stadtverwaltung Köln sowie Archivgut von zahlreichen anderen Stellen (beispielsweise Unternehmen, Vereine, Einzelpersonen) mit Bezug zu Köln. Durch die dichte Überlieferung seit dem Hochmittelalter mit zahlreichen Urkunden, Akten, Handschriften und Nachlässen gelten die Bestände als geschichtlich besonders wertvoll. Unzerstört überstand das Stadtarchiv Köln den Zweiten Weltkrieg. Mit einem Umfang von etwa 30 Kilometern Archivgut ist es das größte deutsche Kommunalarchiv.
Am 3. März 2009 stürzte der Gebäudekomplex des Stadtarchivs Köln samt zweier benachbarter Wohngebäude ein. Dabei wurden zwei Personen getötet und rund 90 Prozent des Archivguts verschüttet. Nach einem halben Jahr waren 85 Prozent davon geborgen. Die Beschädigungen reichten von leicht bis schwerstens beschädigt. Seit dem Einsturz kann das Stadtarchiv seiner Aufgabe, die Bestände im traditionellen Sinn zu erhalten, zu erschließen und zugänglich zu machen, nicht mehr vorrangig nachkommen. Hauptaufgabe ist nun die Bergung, Restaurierung und Neuordnung. Ein Neubau des Stadtarchivs soll bis 2014 entstehen. Für die Restaurierung wird derzeit ein Zeitbedarf von rund 30 Jahren veranschlagt.
Organisatorisch gliedert sich das Archiv in Archivleitung und die drei Fachabteilungen „Altes Reich und Französische Zeit“, „Verwaltungsschriftgut nach 1815“ sowie „Sammlungen und Nachlässe“. Dazu kommt das Sachgebiet „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“, das unter anderem auch für die Mikrofilmstelle, Bildungsarbeit und Veranstaltungsmanagement zuständig ist.[1]
Die Fachabteilungen werden je nach Notwendigkeit durch fachübergreifende Projektgruppen ergänzt. So wurden für das Großprojekt „Wiederaufbau des Historischen Archivs“ insgesamt sieben Projektgruppen gebildet, die Konzepte etwa für Bestandszusammenführung oder den geplanten Neubau entwickeln und deren Umsetzung koordinieren.
Neben Leitung, Fachabteilungen und Projektleitung wurde ein Provisorisches Archiv unter eigener Leitung gegründet.
Gesetzliche Grundlage für die Arbeit der nordrhein-westfälischen Kommunalarchive und damit auch des Historischen Archivs der Stadt Köln ist das Archivgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen von 1989, das nach § 10 auch entsprechende Anwendung auf die Kommunalarchive findet. Für die Stadt Köln ist der Archivbetrieb durch die Archivsatzung (letzte Änderung im Jahr 2007) geregelt. Das Bundesarchivgesetz findet keine Anwendung.
| Archivleiter[2] | Lebensdaten | Amtszeit | |
|---|---|---|---|
| Johann Jakob Peter Fuchs | 1782–1857 | 1815–1857 | |
| Leonard Ennen | 1820–1880 | 1857–1880 | |
| Konstantin Höhlbaum | 1849–1904 | 1880–1890 | |
| Joseph Hansen | 1862–1943 | 1891–1927 | |
| Erich Kuphal | 1895–1965 | 1932–1945 | |
| Hermann Kownatzki | 1899–1991 | 1945–1946 | |
| Erich Kuphal | (siehe oben) | 1946–1960 | |
| Arnold Güttsches | 1904–1975 | 1960–1969 | |
| Hugo Stehkämper | 1929–2010 | 1969–1994 | |
| Everhard Kleinertz | 1939– | 1994–2004 | |
| Bettina Schmidt-Czaia | 1960– | seit 2005 |
Die in Köln praktizierte Art der Aufbewahrung von wertvolleren Gütern oder wichtigen Urkunden der Kaufleute in eigens meist in Hinterhöfen errichteten gewölbten Lagerräumen wurde nicht nur von den Handelsherren angewandt, sondern auch durch die Stadtverwaltung. Archivgut waren Schriftstücke in Form von Privilegien, Verträgen, Prozessakten, Karten, Plänen, Siegeln, Nachlässen bedeutender städtischer Persönlichkeiten etc. Die wachsende, über die deutschen Grenzen hinaus auch international Handel treibende Stadt benötigte einen angemessenen sicheren Ort für ihre „Akten“.
So beschloss der Rat Concordatum anno 1406 quo supra feria quinta post assumptionis beate Marie (= am Donnerstag nach Maria Himmelfahrt, also am 19. August) den Bau des Rathausturms, eines vielen Zwecken und Aufgaben dienenden Gebäudes. Der von 1407 bis 1414 erbaute Rathausturm, um 1440 „raizthorn“ genannt, war von seinen Erbauern auch zur Aufnahme und sicheren Lagerung städtischer Urkunden, Privilegien und Geldbriefen bestimmt. Verantwortlicher Baumeister war der „Rentmeister“ Roland von Odendorp (zeitweilig auch Bürgermeister der Stadt Köln). Das spätgotische Bauwerk ähnelt niederländischen Belfrieden, hat zwei vierkantige Obergeschosse mit weiteren zwei aufgesetzten achteckigen Geschossen und erreicht eine Höhe von 61 Metern. Aufgrund dieser Höhe war das oberste Geschoss, die „Kure“, die Wachstube des Feuerwächters. Im Turm, dem neuen städtischen Wahrzeichen bürgerlicher Macht, befanden sich auch:
Ein „Kelre zo der Stede Weynen“ (Weinkeller), eine Ratskammer, eine Kammer „zo der Stede Reyschap“ (für Kriegsgerät der Reisigen) und ein „Gevolwe zo der Stede Privilegien“.[3][4] Das „gedenkbuch der jahren“ (16. Jahrhundert, heute „Buch Weinsberg“ genannt,) aus dem Nachlass des schon im Alter von 22 Jahren zum Rektor der Kölner Cronenburse avancierten und späteren Ratsherren Hermann von Weinsberg wurde erst im Jahr 1858 vom ersten Direktor, Leonard Ennen, im Archiv entdeckt.
Das älteste Urkundenfindbuch, versehen mit der Krone des Stadtwappens, stammt aus dem Jahr 1408/09. Die Urkunden der mittelalterlichen Stadt wurden in einem gewölbten Raum (gewulffe) des Rathausturmes in „Laden“ (Truhen oder Schränke) untergebracht, die mit den Buchstaben A bis X gekennzeichnet („gemirckt“) waren. Einen „Ehrenplatz“ hatte der Verbundbrief als Verfassungsurkunde der Stadt, der in einer „Lade“ mit Krone gelagert war. So heißt es in einer Urkunde:
„Dit is eyn Register alle alsulger Privilegien ind brieffe, as die Stat van Coelne in yrme gewulffe beslossen haint ind die man yecklich besunder vynden mach in alsulgen laden, as gemirckt synt mit den boichstave; darup dit register cleerligen usswysungen deyt. In dem yersten in der laden gemirckt mit der Cronen liegt der verbuntbrieff.[5]“
1815 wurde Stadtsekretär Johann Jakob Peter Fuchs beauftragt, die zum Bestand hinzugekommene Sammlung Wallraf zu inventarisieren. Fuchs leitete nebenamtlich von 1815 bis zu seinem Tod im Jahr 1857 das Kölner Stadtarchiv und sorgte dafür, dass es der wissenschaftlichen Forschung zugänglich wurde.[6]
Als erster Hauptamtlicher Archivar im Dienst der Stadt leitete Leonard Ennen nach Fuchs das Archiv. In seiner Amtszeit konnten Schriftstücke aus dem Nachlass Hermann von Weinsbergs, deren Bedeutung er erkannte, ins Archiv gelangen. Er leitete das Archiv bis zu seinem Tod 1880. Zu seinem Nachfolger wurde wegen seiner Hanse-Kenntnisse der Historiker Konstantin Höhlbaum berufen, der das Archiv bis 1890 leitete.
In der Amtszeit des Direktors Joseph Hansen (1891–1927) erfolgte der Umzug in den Archivneubau am Gereonskloster.
Nach Plänen des Stadtbaurates Friedrich Carl Heimann (1850–1921) errichtete die Stadt am Gereonskloster 12[7] ein repräsentatives neugotisches Gebäude. Heimann war ein Schüler des Architekten Julius Carl Raschdorff und wurde im Jahr 1913 erster Stadtkonservator Kölns.[8] Neben Heimann waren Regierungsbaumeister Brugger und Architekt Mohr am Bau beteiligt.[9] Der Grundstein wurde am 16. Mai 1894 gelegt, und im Dezember 1897 bezog das Archiv gemeinsam mit der Stadtbibliothek das neue Gebäude.[10][11]
Das dreigeschossige Gebäude präsentiert sich an der Eingangsseite durch einen großen Mittelgiebel und im ersten Obergeschoss durch große, maßwerkverzierte Fensterfront, während die weiteren Fenster eher einfach gehalten sind. Skulpturen des Chronisten Gottfried Hagen und des ersten Kölner Buchdruckers Ulrich Zell flankieren unter verzierten Baldachinen das Hauptportal. Die vorderen Ecken des Gebäudes schließen oben mit schlanken „Flachthürmchen“ ab. Das Schieferdach hatte ursprünglich noch vergoldete Ziergitter als Schmuckwerk auf dem First, diese sind heute nicht mehr vorhanden, ebenso wie zwei das Gebäude rechts und links flankierende Toreingänge. Ein hinterer Gebäudeteil war als Backstein-Zweckbau architektonisch deutlich einfacher gehalten.[12]
Die Innenräume des Bibliotheks- und Archivgebäudes hatten sowohl zweckmäßige als auch repräsentative Elemente. So gab es in Lesesaal und Treppenhaus Sterngewölbe, Säulenumgänge, goldverzierte Holzdecken und üppige Schnitzarbeiten an Türen und Konsolen. Der prachtvollste Raum dürfte der Bibliotheks-Lesesaal im Erdgeschoss gewesen sein, der Archiv-Lesesaal im Obergeschoss wird „vornehm und in der Art eines Klosterrefektoriums“ beschrieben. Die „gewaltigen“ Magazinräume waren durch ein System feuerfester Decken und feuersicherer Treppen geschützt, geheizt wurde durch eine Niederdruck-Dampfheizung.[9]
Das neue Haus verfügte über ausreichenden Raum, um die in diese Zeit fallenden wichtigen Aktenzuwächse durch die Eingemeindungen bisher selbständiger Städte und Gemeinden in die Stadt verkraften zu können.
Bis 1945 erlitt das Archivgebäude Bombenschäden, dank der rechtzeitigen Archivalienauslagerung aber keine Bestandsverluste. Der Archivleiter Erich Kuphal hatte gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Arnold Güttsches bereits 1939 begonnen, die Bestände nach und nach in abgelegene Orte des Bergischen, Wildenburger- und Siegerlandes auszulagern. Die letzten Bestände wurden nach dem Tausendbomberangriff auf Köln 1942 per Schiff auf die Festung Ehrenbreitstein gebracht.[11]
Nach einer Interimszeit von Oktober 1945 bis Ende November 1946, in der Hermann Kownatzki den Wiederaufbau des verwaisten Archivs kommissarisch leitete, setzte die britische Militärregierung den zuvor suspendierten Erich Kuphal wieder als leitenden Mitarbeiter des Stadtarchivs ein.[13] Hier bemühte er sich um die Rückführung der Archivbestände, die bis 1947 abgeschlossen war. Erich Kuphal war bis zum Jahr 1960 für das städtische Archiv der Stadt tätig. Im Juli des gleichen Jahres, mit Erreichen seines 65. Lebensjahres, trat er in den Ruhestand. Den Bezug des neuen Archivhauses an der Kölner Severinstraße im Jahr 1971 erlebte er nicht mehr. Erich Kuphal verstarb im Jahr 1965.[14]
Nach der langjährigen Amtszeit Erich Kuphals wurde am 18. November 1960 Arnold Güttsches zum Nachfolger als Leiter des städtischen Archivs ernannt. Diesem folgte, nach Güttsches Pensionierung im Jahr 1969, Hugo Stehkämper (1969 bis 1994). In Stehkämpers Amtszeit fielen der von seinem Vorgänger erreichte Archivneubau und der Umzug der Institution an die Severinstraße.[15] Das Gebäude am Gereonskloster 12 gehört heute zum Komplex der Gerling-Versicherung und dient dort als Privatbibliothek.
Unter Leitung des planenden Architekten Fritz Haferkamp wurde ein siebengeschossiges Archivgebäude in der Severinstraße 222–228 erbaut und 1971 eröffnet. Dabei galt als eines der Hauptziele, das Archivgut vor den unterschiedlichsten Witterungs- und Klimaeinflüssen zu schützen und ein möglichst ausgeglichenes Raumklima zu schaffen.
Gegen den zeitgenössischen Trend, Archive künstlich zu klimatisieren (zum Beispiel beim Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Landesarchiv Berlin und dem Hauptstaatsarchiv in München), entschied man sich für eine bauphysikalische Klimatisierungslösung, die möglichst selbstregulierend und mit wenig zusätzlicher Klimatechnik auskam. Dieses sogenannte Kölner Modell für die Klimatisierung wurde zum Vorbild für beinahe alle nachfolgenden Archivbauten.[16]
Um einen maximalen Schutz vor äußeren Witterungseinflüssen zu erreichen, ummauerte man für das Magazin ein Stahlbetonskelett mit einer 49 Zentimeter starken Ziegelwand aus gebrannten Vollziegeln. Dazu kam eine im Abstand von sieben Zentimetern angebrachte, helle Fassade aus tschechischem Granit. Innen wurden die Magazinwände mit Kalkmörtel verputzt, mit dem Luftfeuchtigkeit aus dem Magazin gebunden, durch die Ziegelwände nach außen diffundiert und durch den Raum zwischen Wand und Fassade abgeführt wurde.[17] Nur die Kellerräume, die unter einer 30 Zentimeter dicken Geschossdecke lagen, wurden künstlich klimatisiert.
130 Zentimeter hohe und 25 Zentimeter breite Lichtschlitze an der Außenwand ließen nur indirektes Licht durch, so dass Sonnenlicht keine Temperaturschwankungen verursachen konnte – größere Fenster gab es nur im Erdgeschoss. Außerdem dienten die Schlitze der direkten Belüftung: Jeweils gegenüberliegende Öffnungen sorgten für einen genau parallel zu den Regalreihen laufenden Luftzug.[16]
Der dominante, 21,4 Meter hohe Magazinteil des Gebäudes erstreckte sich auf einer Breite von 48,8 Metern zur Severinstraße und 16 Metern in das Grundstück hinein. Im Erdgeschoss befanden sich zur Straße hin ein Ausstellungsraum und die Eingangshalle. Hinter dem Magazingebäude schlossen sich eingeschossige Anbauten an, die sich um vier Innenhöfe gruppierten. In diesen hinteren Räumen befanden sich der Lesesaal, rund 20 Büroräume, die Restaurierungswerkstatt und weitere Betriebsräume.
Das über beide Gebäudeteile verbundene Kellergeschoss beherbergte neben dem Magazin im vorderen Teil das Urkundenarchiv, die Dienstbücherei und unter einem Lichthof einen mit 60 Zentimetern Stahlbeton ummantelten Schutzbunker für Urkunden und Akten. Neben einer CO2-Löschanlage und Wärmemeldern in einigen Räumen gab es zum Schutz gegen Einbruch eine Alarmanlage.
Das Magazin oberhalb des Erdgeschosses konnte pro Geschoss 4221 Regalmeter Archivgut auf 647 Quadratmetern Nutzfläche aufnehmen. Die Raumhöhe der Geschosse betrug jeweils 2,30 Meter, die Regale waren 2,25 Meter hoch und pro Boden auf 70 Kilogramm Tragkraft ausgelegt.
Nach dem Umzug des Archivs vom alten Gereonskloster in das neue Gebäude (26. April bis 20. Juni 1971) wurden knapp 44 Prozent des gesamten Volumens belegt.[18]
Die Lagerfläche war nur auf eine geschätzte Nutzungsdauer von 30 Jahren konzipiert. Die Aufnahmekapazität wurde schon 1996 erreicht.(Quelle?) In den letzten Jahren vor dem Einsturz wurden eher belanglose Dokumente ausgelagert, auch um den Druck für ein dringend benötigtes neues Archivgebäude zu erhöhen.[19] Seit 2007 gab es deshalb erste Planungen für einen Neubau des Stadtarchivs.
Everhard Kleinertz, der seit 1973 im Stadtarchiv tätig war und es von 1994 bis 2004 als Nachfolger von Hugo Stehkämper leitete, erlebte eine Ära von Personaleinsparungen und Sachmittelkürzungen. In seiner Amtszeit wurde der Personalbestand des Archivs mehr als halbiert; 2004 gab es im gesamten Haus nur einen Internetanschluss.
Die Historikerin Bettina Schmidt-Czaia, die das Stadtarchiv seit 2005 leitet, konnte den Personalbestand wieder etwas konsolidieren und die technische Ausstattung im Rahmen ihrer Möglichkeiten modernisieren. Sie gilt auch als treibende Kraft bei der Weiterentwicklung der Institution zum so genannten „Bürgerarchiv“.[20]
Vor dem Archivgebäude verläuft ein Tunnel der neuen, im Bau befindlichen Nord-Süd-Stadtbahn. Bereits 2007 und 2008 hatte es während der Tunnelbohrungen Zwischenfälle mit einem Wasserrohrbruch und einem Leck in der Kohlendioxid-Löschanlage des Archivs gegeben. Hinzu kamen kleinere Setzrisse, die jedoch von den Kölner Verkehrs-Betrieben nicht als relevant eingestuft worden waren.[21][22] Im Februar 2009 war eine Absenkung um 7 Millimeter innerhalb von 24 Stunden festgestellt worden; insgesamt hatte sich das Gebäude während der Bauarbeiten zwischen 17 und 20 Millimeter gesetzt.[23]
Die 2008 festgestellten und auch vom Archiv gemeldeten Setzungen führten nicht zu weitergehenden Untersuchungen, obwohl ein Gutachter empfohlen hatte, außerhalb des Gebäudes nach den Ursachen der Risse zu suchen.
Zum Zeitpunkt des Archiveinsturzes befand sich unmittelbar vor dem Gebäude eine 25 Meter tiefe, nach oben offene Baugrube, in der eine Gleiswechselanlage gebaut werden sollte. Sie wurde durch Schlitzwände gegen das Grundwasser abgedichtet, nachfließendes Wasser wurde permanent durch Brunnen abgepumpt.
Am 3. März 2009 bemerkten Bauarbeiter kurz vor 14 Uhr einen Wassereinbruch im unteren Bereich der Baustelle; sie verließen fluchtartig die Baugrube und warnten Bewohner der angrenzenden Häuser, die Mitarbeiter und Benutzer des Archivs sowie Verkehrsteilnehmer vor der Gefahr. Der hintere, flache Archivanbau, in dem sich die meisten Mitarbeiter aufhielten, konnte geräumt werden; Lesesaalbenutzer verließen das Gebäude im letzten Augenblick zur Severinstraße hin, bevor das Gebäude zur Straße hin einstürzte.[24] Die Warnungen erreichten jedoch nicht alle Bewohner der angrenzenden Gebäude. Zwei junge Männer, die zum Zeitpunkt des Unglücks vermutlich schliefen, wurden nach fünf bzw. neun Tagen tot geborgen.[25]
Als Ursache des Einsturzes gilt bei den meisten Sachverständigen ein Leck der Schlitzwand in 30 Meter Tiefe, durch das ständig Wasser in die Baugrube nachfloss, das wiederum stetig abgepumpt wurde. Dabei sollen Sand und kleinere Partikel mit weggeschwemmt worden sein, so dass sich unterhalb des Archivgebäudes ein Hohlraum bildete. Zusammen mit dem unmittelbaren Wassereinbruch durch das Loch ergibt sich der unmittelbare Auslöser des Unglücks.[26]
Im Laufe der Untersuchungen zum Einsturz ergaben sich neben den unmittelbaren Schäden erhebliche Unregelmäßigkeiten beim gesamten Bau der Nord-Süd-Bahn; u. a. kamen unzureichende Kontrolle der Grundwasserförderung (es wurde weitaus mehr Grundwasser abgepumpt als genehmigt), Errichtung 19 illegaler Brunnen in der Baugrube zur Grundwasserkontrolle, gefälschte Messprotokolle, umfangreiche Diebstähle von Armierungseisen für die Schlitzwände und eine offenbar unzureichende Bauaufsicht durch den Bauherrn KVB ans Licht.[27]
Bis Anfang 2011 wurden insgesamt vier Ermittlungsverfahren eröffnet, die fahrlässige Tötung, Betrug, Baugefährdung und Dokumentenfälschung, Diebstahl von Baumaterial sowie Fälschung von Messprotokollen zum Inhalt haben. Ein dreißig Meter tiefer Schacht, der die Besichtigung der Schadensstelle und weitere Beweissicherung ermöglichen soll, wird nach Abschluss der Bergungsarbeiten voraussichtlich im Frühjahr 2011 begonnen und frühestens im Sommer 2012 fertiggestellt sein.[28]
In dem eingestürzten Gebäude lagerten die Hauptbestände (einschließlich der Codices der Sammlung Wallraf, also der mittelalterlichen Handschriftenabteilung).[29] Rund 90 Prozent der Archivalien wurden verschüttet. In den folgenden Monaten wurde ein Großteil der verschütteten Bestände gemeinsam von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Archivmitarbeitern und freiwilligen Helfern geborgen. Trockenes oder nur klammes Material wurde in ein Erstversorgungszentrum (EVZ) verbracht und dort grob gereinigt erfasst; eine größere Menge an nassem oder angeschimmeltem Archivgut wurde in Folien verpackt und in Kühlhäusern gefriergetrocknet, um weitere Feuchtigkeitsschäden zu verhindern. Aus dem EVZ wurde das verpackte Archivgut auf insgesamt 19 „Asylarchive“ in ganz Deutschland verteilt, die vorübergehend Lagerflächen angeboten hatten. Insgesamt wurde eine „kaum in Worte zu fassende“ Solidarität in Form konkreter Hilfe und Unterstützung von zahlreichen Einzelpersonen sowie Fach- und Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland verzeichnet.[24]
Bis zur vorläufigen Einstellung der Bergungsarbeiten am 21. Juli 2009 konnten so rund 90 % des etwa 30 Regalkilometer umfassenden Archivbestandes geborgen werden, im September ermöglichte ein besonders niedriger Wasserstand die Bergung weiteren Materials aus 13 Meter Tiefe. Nach der Errichtung eines „Bergungsbauwerkes“ im November 2010 wurden Archivalien gehoben. Diese Bergungsphase sollte im Frühjahr 2011 abgeschlossen sein; am 9. August 2011 wurden die Bergungsarbeiten offiziell für beendet erklärt. Etwa 95 % der Archivalien wurde geborgen;[30] diese Quote hatte man zuvor als den 'optimistischsten Fall' bezeichnet.[24]
Im Stadthaus Deutz wurde im Juni 2009 vorübergehend ein provisorischer Lesesaal eingerichtet, in dem Dokumente auf Mikrofilmen benutzt werden konnten.
Ab April 2010 wurden dann Räume am Heumarkt bezogen, in denen ein digitaler Lesesaal und ein Ausstellungsraum untergebracht sind.[24]
In einem ehemaligen Möbel-Lagerhaus in Köln-Porz-Lind wurde 2011 ein Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum (RDZ) eingerichtet. Dort wurde im September 2011 eine von der Stadt Köln gekaufte Gefriertrocknungsanlage im Wert von 100.000 Euro in Betrieb genommen. Die Kulturstiftung der Länder hat die Anschaffung mit 50.000 Euro unterstützt.[31]
Die nach der Bergung schockgefrorenen Archivgüter werden in dem Zentrum gefriertgetrocknet, gereinigt und restauriert.
Seit dem 2. Januar 2012 steht im RDZ auch ein Lesesaal der Öffentlichkeit zur Verfügung.[32] Neben den Digitalisaten stehen auch Originale zur Verfügung: Teile der Bibliothek und Fotosammlung, Neuerwerbungen seit dem Einsturz und erste restaurierte mittelalterliche Urkunden und Handschriften können genutzt werden.[33]
In zeitweise bis zu 20 Asylarchiven wird das gerettete, aber verschmutze und beschädigte Archivgut von Archivaren des Historischen Archivs untersucht. Hierzu wird jedes Einzelstück mit einem Strichcode versehen und in einer speziell für diesen Zweck programmierten Erfassungssoftware dokumentiert: erkennbare Signaturen, Bestandszugehörigkeit, Grad der Verschmutzung/Beschädigung usw. Ist das Objekt keinem Bestand (mehr) zuzuordnen, wird ein Digitalfoto angefertigt.[34]
Im Barbarastollen, in dem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe das sicherungsverfilmte deutsche Kulturgut einlagert, befinden sich über 6000 Filme mit rund zehn Millionen Aufnahmen vor allem aus der Alten Abteilung. Fast alle Archivalien vor 1815, auch die Urkunden, sind damit dokumentiert. Ab 1815 sind nur wenige Bestände zentraler Einrichtungen sowie Schulakten belegt. Hinzu kommen knapp 30 ältere Nachlässe. 2007 wurde der letzte Film aus Köln eingelagert. Die letzte, noch nicht im Barbarastollen angelangte Charge besteht aus 10 Filmen mit 20.500 Aufnahmen von Akten des Oberbürgermeister-Büros.[35] Ein kompletter, unbeschädigter Satz der Mikrofilme befindet sich als Arbeitskopie in Köln.[36]
Um die Mikrofilmbestände vor Abnutzung durch die verstärkte Nachfrage nach dem Archiveinsturz zu schützen, wurden sie mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der DFG vollständig digitalisiert und mit Metadaten versehen, was die Einrichtung eines „digitalen Lesesaals“ ermöglichen soll.[37]
Einzelne Bestände wurden im Rahmen von Projekten digitalisiert. So gibt es etwa eine Sammlung von 284 Urkundenreproduktionen[38] aus dem Stadtarchiv im Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden an der Universität Marburg, die im Rahmen eines DFG-Projektes digitalisiert werden.[39]
Eine Berechnung hat ergeben, dass 200 Restauratoren zur Behebung der Schäden etwa 30 Jahre ununterbrochen arbeiten müssten; die Kosten werden auf 370 Mio. Euro geschätzt. Die im Juli 2010 gegründete Stiftung StadtGedächtnis soll helfen, einen Teil der finanziellen Mittel zu beschaffen. Einzelpersonen und Unternehmen sind darüber hinaus aufgerufen, „Restaurierungspatenschaften“ für einzelne Objekte zu übernehmen.[40] Der Fokus der Restaurierungsarbeiten soll insgesamt nicht auf exakter Wiederherstellung liegen, sondern auf Stabilisierung und Benutzbarkeit, so dass die Bestände möglichst bald wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.[24] Die mehrere Millionen kleinen Fragmente zerstörter Archivalien, Köln-Flocken genannt, sollen mit Hilfe von Scannern und Erkennungssoftware erschlossen werden.[41]
Zum ersten Jahrestag des Einsturzes wurde ein Querschnitt durch die Bestände mit unterschiedlichen Restaurierungs- und Erhaltungszuständen in Berlin präsentiert.
Die Ausstellung Köln in Berlin zeigte vom 6. März bis 11. April 2009 im Martin-Gropius-Bau in Berlin rund 100 Exponate. Dem Wunsch vieler Kölner nachkommend, die Ausstellung auch in ihrer Heimatstadt sehen zu können, organisierte das Historische Archiv in Kooperation mit dem Stadtmuseum und dem Museumsdienst die Ausstellung unter dem Titel Köln 13 Uhr 58. Geborgene Schätze aus dem Historischen Archiv vom 3. Oktober bis zum 21. November 2010 in der „Neuen Wache“ des Stadtmuseums.[42][43]
Bei der Eröffnung in Köln kritisierte Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, die aus ihrer Sicht aufgetretenen Verzögerungen im Verfahrensablauf. Die Stadt Köln habe die seit über einem Jahr bei der Kulturstiftung bereitstehenden Mittel für eine Gefriertrockenmaschine bisher nicht abgerufen.[44] Die Stadt Köln erläuterte daraufhin in einer Pressemitteilung, dass zunächst eine geeignete Immobilie für das Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum gefunden werden musste, bevor die Ausschreibung für den Restaurierungskomplex – zu dem auch die Anlage gehört – erfolgen konnte.[45]
Während der gesamten Ausstellungsdauer liefen regelmäßige Veranstaltungen, Führungen und Vorträge von Mitarbeitern und Wissenschaftlern rund um das Archiv, außerdem präsentierte sich die Stiftung Stadtgedächtnis in den Ausstellungsräumen.
2009 fiel die Entscheidung zugunsten eines neuen Archivgebäudes im Stadtteil Neustadt-Süd an der Ecke Luxemburger Straße/Eifelwall, das zusätzlich die Kunst- und Museumsbibliothek und das Rheinische Bildarchiv beherbergen wird. Aus einem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb mit 40 eingereichten Entwürfen wurden im Juni 2011 die Entwürfe für das – so die Stadt – „modernste und sicherste Kommunalarchiv Europas“ präsentiert. Die Siegerentwürfe stammen vom Darmstädter Architektenbüro Waechter + Waechter, das ein siebengeschossiges Magazingebäude im Zentrum vorsieht, umgeben von Werkstätten, Verwaltungsräumen der Bibliothek, deren vier Geschosse sich an den Traufhöhen der gegenüberliegenden Bebauung orientieren sollen. Von den etwa 30.400 Quadratmetern Bruttogeschossfläche sollen 20.000 Quadratmeter vom Historischen Archiv und rund 10.400 Quadratmeter von der Kunst- und Museumsbibliothek genutzt werden können.[46]
Elfriede Jelinek nutze das Thema des Archiv-Einsturzes als Grundlage für ihr Stück „Das Werk/Im Bus/Ein Sturz“, inszeniert vom Schauspiel Köln u.a. 2011 präsentiert auf dem Berliner Theatertreffen.[47]
Das Archiv dient als Forschungsstelle für die Geschichtswissenschaft, hält aber grundsätzlich auch für jeden Bürger ein reichliches Informationsangebot bereit. Die Besonderheit des Kölner Stadtarchivs ist die Größe seiner Bestände, insbesondere der Umfang der Altbestände aus der Zeit vor 1814.
Das Archiv verfügte über
Eine mittelalterliche Form von Archivierung war das Schreinswesen, mit dem die Kölner Bürger ihre Rechtsgeschäfte in schriftlicher Form niederlegten und dokumentierten. Als Schreine bezeichneten im Hochmittelalter die Kirchspielverwaltungen besonders Truhen, in denen Urkunden aufbewahrt wurden. In solchen Truhen, hier insbesondere in denen der Pfarrei St. Laurentius in der Nähe des Kölner Rathauses, wurden bis in die frühe Neuzeit Urkunden aufbewahrt. Sie betrafen Liegenschaftsgeschäfte und wurden in Form von Pergamentbögen oder -büchern aufbewahrt, so dass die Bezeichnung Schreinsbücher gebräuchlich wurde.
Neben den in Köln seit 1130 belegten Schreinsbüchern sind Aufzeichnungen dieser Art vom Ende des 12. Jahrhunderts auch aus Metz und Andernach bekannt.[48]
Bereits im 14. Jahrhundert übernahm, verwahrte und erschloss ein städtisches Archiv in Köln Dokumente. So wird erstmals in einer Verlautbarung des Rates aus dem Jahre 1322 über einen Schuldbrief des Herrn von Falkenburg eine cista civitatis Coloniensis erwähnt, die im Hause des Kölner Patriziers Werner Overstolz in der Rheingasse verwahrt wurde.[49] Das älteste Dokument des Bestandes ist eine Urkunde des Jahres 922.
Diese Urkunden der alten Kölner Schreinsbezirke gelangten Ende des 19. Jahrhunderts in das Archiv der Stadt.
Das Aktenarchiv samt den Abschriften der Hanserezesse des Hansekontors in Brügge wurde 1594 von Antwerpen nach Köln als nächstgelegener Hansestadt verbracht und befindet sich seither im Archiv der Stadt Köln.[50] Damit ist das Kölner Archiv neben dem Archiv der Hansestadt Lübeck das wichtigste Archiv für die Hanse und den niederdeutschen Sprachraum.[51]
Am 27. Februar 1602 erließ der Rat der Stadt Köln „zum Behuf einer Bibliothek“ folgenden im Protokollbuch festgehaltenen Beschluss:
Uff die guidestags rentcammer soll verurkündet werden, eyn anzall geldts alle Franckfurther missen zo ingeltung etlicher boicher in jure denen zu kommen zo laissen, die van den hern syndici befellicht, specificirte stuck zo behoiff eyner neuwen bibliothece inzogelden. Gestalt dieselbe beharlich zo behoiff des rhaidt bey dem archivo uff dem rhaidthuiss moegen verpleiben.[52] Es handelte sich um Werke aus den Bereichen der Rechts- und Staatswissenschaften, die auf der Frankfurter Messe (1160 erstmals erwähnt) erworben wurden. Dieser belegte Vorgang zeigt das Interesse der frühen „Stadtväter“ an einer zeitgemäßen, rechtssicheren Verwaltung. Das alte Verwaltungsarchiv mit seiner Bibliothek stand seit 1414 bis zum Ende der alten Reichsstadt in der Franzosenzeit unter der Aufsicht der „Gewulvemeister“ und später unter der eines Gremiums der städtischen Rechtsgelehrten, der Syndici. In Entwürfen des Stadtbaurates Julius Raschdorff (um 1858) für die Baumaßnahmen am Rathauskomplex ist in der Bauzeichnung des Ratsturmes noch das mittelalterliche Archivgewölbe ausgewiesen. Da dieser Raum wohl nicht mehr ausreichte, wurde auch im Spanischen Bau ein „Gewölbe“ wahrscheinlich als Archivraum vorgesehen. Dort war das Stadtarchiv mitsamt der Stadtbibliothek von 1862 bis 1885 untergebracht.[53] Es war eine der wenigen Kölner Bibliotheken, die in französischer Zeit kaum Verluste erlitten hat.
Der Kölner Sammler und Gelehrte Ferdinand Franz Wallraf (1748–1824) trug zu seinen Lebzeiten eine große Sammlung an Büchern, Handschriften, Kunstwerken und anderen Exponaten zusammen, die er der Stadt Köln testamentarisch vermachte. Die Sammlung bildete die Grundlage des heutigen Wallraf-Richartz-Museums, anderer Kölner Museen sowie der Universitäts- und Stadtbibliothek.[54]
Für das Archiv der Stadt ist insbesondere die von Wallraf angelegte umfangreiche Handschriftensammlung von Bedeutung. Nach Wallrafs Tod im März 1824 fungierte sein Freund und Vertrauter Johann Jakob Peter Fuchs als einer der Testamentsvollstrecker. Er bemühte sich zwei Jahre lang mit einer städtischen Kommission um Ordnung und Inventarisierung des Wallrafschen Nachlasses. Diese dann durch Fuchs erstmals erschlossene Sammlung wurde zum Kern der bedeutenden Handschriftenabteilung des Stadtarchivs. Zu dieser Sammlung gehörten etwa ein Autograph des Albertus Magnus aus den Jahren 1258/60 und ein Evangeliar aus St. Pantaleon aus dem 10. Jahrhundert.
Anders als in anderen Städten oder Institutionen gehandhabt, verblieben die Handschriften beim Archiv, als in den 1880er Jahren die Bestände von Stadtarchiv und Stadtbibliothek getrennt wurden. Dem Archiv wurde alles handschriftliche Material und der Bibliothek alle Druckschriften übergeben. Noch bis 1934 war die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln baulich mit dem Archiv verbunden.[55]
Mit dem Hauptbestand der genealogischen Sammlung Anton Fahne kamen 1900 von diesem gerettete Archivbestände zur Geschichte des Herzogtums Berg sowie Colonensia, darunter Schreinsbücher an das Stadtarchiv.[56]
Das Archiv der Stadt Porz ging 1975 über in die Außenstelle Porz als Archiv des Stadtteils Köln-Porz. Dies ist seit Dezember 2003 geschlossen. Die Bestände sind geschlossen und in unveränderter Ordnung in das Historische Archiv der Stadt Köln überführt worden.
Nach der Säkularisation gelangten auch die Archive der zahlreichen Klöster und Stifte Kölns nach französischen Vorgaben in die Staatsarchive, so die die Rheinlande betreffenden in das Landesarchiv Düsseldorf. Bemühungen, eine Rückgabe zu erreichen, gelangen erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst 1949 erreichte der Kölner Oberbürgermeister Hermann Pünder, dass ungefähr 19.000 Urkunden sowie zahlreiche Aktenstücke und Amtsbücher nach Köln zurückkehrten. [57]
Bis 2009 wurden die Personenstandsregister unabhängig von ihrer Entstehungszeit als Schriftgut des Standesamtes angesehen. Nach dem Personenstandsrechtsreformgesetz in der Fassung vom 13. März 2008 wurden die Geburtenregister bis 1898, die Heiratsregister bis 1928 und Sterberegister bis 1978 an das Archiv abgegeben.[58]
Der sorgfältige Umgang und die sichere Aufbewahrung der von Herrschern, Päpsten und Fürsten der Stadt gewährten Privilegien standen am Anfang der Geschichte des Kölner Stadtarchivs. Zeugnis dieser Sorgfalt war auch die Auslagerung wichtiger Bestände während des letzten Weltkrieges. Die ehemals im Ratsturm gelagerten Urkunden wurden im ersten Findbuch (Alte Repertorien 6) verzeichnet. Diesem Kernbestand mit den wichtigsten Zeugnissen Kölner Vergangenheit, dem „Haupturkundenarchiv“ der Stadt, gab man die Bestandsnummer „1“.
Unter den mehr als 700 privaten Nachlässen befanden sich auch die von Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, Ferdinand Franz Wallraf, Heinrich Böll[59], Jakob Ignaz Hittorff[60], Irmgard Keun, Sulpiz Boisserée, Vilma Sturm, Paul Schallück, Hans Mayer, Hans Bender und René König . Zu den Archiven und Nachlässen von Musikern und Künstlern gehörten Materialien von Jacques Offenbach, Max Bruch, Ferdinand Hiller[61]Günter Wand, Werner Haentjes, Vilém Flusser und des US-amerikanischen Baritons William Pearson.[62][63] Auch Pläne und Zeichnungen von Architekten wie Hans Schilling, Oswald Mathias Ungers, Wilhelm Riphahn, Karl Band sowie Gottfried und Dominikus Böhm wurden im Gebäude aufbewahrt.[19] Darüber hinaus besaß es Teile des Archivs des Verlages Kiepenheuer & Witsch (KiWi), das Archiv des Pahl-Rugenstein Verlags sowie Vorlässe und Unterlagen von Anne Dorn, Dieter Wellershoff und Günter Wallraff.
Am 16. August 2006 wurde der Förderverein Freunde des Historischen Archivs der Stadt Köln e. V. gegründet, der inzwischen rund 350 Mitglieder hat (Stand: März 2010)[64]. Äußerer Anlass für die Vereinsgründung war das 600-jährige Jubiläum der Errichtung des Rathausturms. Die Satzung sieht vor, das Archiv in jeglicher Weise mit Sach- oder Geldspenden zu fördern. Für die anstehenden Restaurierungsarbeiten hat der Verein ein Spendenkonto eingerichtet.
Wenige Tage nach dem Einsturz des Archivs wurde „Das digitale Historische Archiv Köln (DHAK)“[65] online gestellt, das ehemaligen Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, ihre Kopien, Fotos, Mikrofilme usw. in einer Datenbank zu registrieren und frei zugänglich zu machen. Nach anfänglicher Skepsis der Archivleitung wird das Projekt nunmehr in Kooperation zwischen dem Archiv und dem verteilten Bildarchiv prometheus betrieben.
Im September 2009 gründete sich ein externer Fachbeirat aus Vertretern deutscher und ausländischer Archive und Archivverbänden, Historikern und Restauratoren, der den Prozess des Wiederaufbaus begleitet.[66]
Nach einem städtischen Ratsbeschluss von September 2009 wurde im Juli 2010 die Stiftung StadtGedächtnis gegründet. Gründungsstifter sind die Stadt Köln, das Land Nordrhein-Westfalen, das Erzbistum Köln und die evangelische Kirche im Rheinland. Das Stiftungskapital beträgt 4,2 Millionen Euro.[67]
Schirmherr der Stiftung ist der damalige Bundespräsident Christian Wulff, zum hauptamtlichen Vorsitzenden ab 1. Oktober 2011 wurde der Literaturwissenschaftler Stefan Lafaire bestimmt.[68]
Die Stiftung soll in den nächsten 50 Jahren 350 bis 500 Millionen Euro einwerben, um damit die beim Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln beschädigten Archivalien zu restaurieren, zu digitalisieren, zu erforschen und in ihrem Bestand zusammenzuführen.
50.9308333333336.957222222222250
Koordinaten: 50° 55′ 51″ N, 6° 57′ 26″ O
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Historisches_Archiv_der_Stadt_Köln aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |