1870 wurde von James Starley und William Hillmann das erste Hochrad mit dem Namen Ariel vorgestellt. Der Name bezog sich auf den Luftgeist aus William Shakespeares Der Sturm und sollte den „leicht wie Luft“-Charakter im Vergleich zu den herkömmlichen Tretkurbelrädern hervorheben. Das Hochrad fand großen Anklang bei der Bevölkerung, insbesondere in den höheren Schichten. Zu jener Zeit kostete ein solches Rad mit Vollgummireifen den Jahreslohn eines Arbeiters.
Bei einem normalen Hochrad sind die Pedale ohne Übersetzung starr mit der Achse verbunden. Es gibt keinen Freilauf und keine Rücktrittbremse. Die Größe des Antriebsrades bestimmt die erreichbare Fahrtgeschwindigkeit. Deshalb wird zur schnelleren Fortbewegung der Radius des Vorderrades so groß gewählt, dass es die Schritthöhe des Fahrers gerade noch erlaubt, die Tretkurbel jederzeit mit den Füßen zu erreichen. Dazu musste der Fahrer fast genau über der Vorderachse im Sattel sitzen. Dadurch bedingt kann der Fahrer während der Fahrt den Boden mit den Füßen nicht erreichen. Stürze können oft gefährlich werden.
Der Fahrradrahmen besteht aus einem Rohr, das von der Lenkergabel in einem Bogen dem Umfang des Vorderrades folgend hinunter zu der Hinterradgabel verläuft. Direkt hinter dem Lenker ist der Sattel für den Fahrer befestigt und eine Trittstufe zum Aufsteigen befindet sich weiter unten am Rahmen über dem Hinterrad. Üblicherweise ist eine Klotzbremse an der Radgabel angebracht, die mit einem Hebel von einem der Lenkergriffe aus bedient wird. Die Lenkergriffe sind normalerweise vom Lenkkopf aus nach unten gebogen. Der Sattel befindet sich weniger als 50 Zentimeter hinter dem Lenkkopf.
Das Aufsteigen erfordert Übung. Ein Fuß wird auf die Trittstufe über dem Hinterrad gestellt. Der Fahrer ergreift den Lenker, stößt sich mit dem anderen Fuß vom Boden ab, damit er mit dem Hochrad ins Rollen kommt, und schwingt sich dann in den Sattel und tritt in die Pedale.
Obwohl es wegen des umgekehrten Pendeleffektes leicht ist langsam zu fahren, gibt es spezifische Unfallgefahren. Zum Anhalten stemmt der Fahrer sich rückwärts in die Pedale, während er die Klotzbremse betätigt, die auf den Reifen drückt. Der hochgelegene Schwerpunkt nur wenig hinter der Vorderachse bedeutet, dass jeder plötzliche Halt durch einen Zusammenstoß oder ein Schlagloch den Fahrer über den Lenker schleudern kann. Wenn der Fahrer in solch einer Situation den Absprung von seinem Rad verpasst oder seine Beine sich beim Absprung unter dem Lenker verfangen kann es zu einem, unter Hochradfahrern besonders gefürchteten, Kopfsturz kommen. Mit dem Kopf voran wird der Fahrer über das Vorderrad hinweg zu Boden geschleudert. Auf langen Gefällestrecken legen manche Fahrer ihre Beine über den Lenker. Dies erlaubt schnelle Abfahrten, lässt ihnen aber keine Chance zum Bremsen oder Anhalten.
Bis James Starley das Vorderrad mit seinem Rover Typ II verkleinerte, hielt sich das Hochrad hartnäckig als das populärste Rad, obwohl es schon früher Vorstöße in Richtung Niederrad gab. Mit der Patentierung des Luftreifens am 7. Dez. 1888 durch den schottischen Tierarzt John Boyd Dunlop endete die Ära der Hochräder abrupt, weil ihr eigentlich einziger Vorteil, die bessere Abrollqualität, mit Luftreifen auch mit kleineren Laufrädern erreichbar war. Hochräder wurden noch bis etwa 1893 hergestellt[1].
Heutzutage werden Hochräder wieder hergestellt und verkauft. Sie dienen meistens als Blickfang auf Festen und Veranstaltungen oder als Hobby.
Mit dem Roman Der Mann auf dem Hochrad (1984) setzte der Schriftsteller Uwe Timm dem Hochrad ein literarisches Denkmal.
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