Montag, 28. Mai 2012

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Hukou

Das Hùkǒu-System (chinesisch 戶口 / 户口), auch hùjí (chinesisch 户籍) genannt, ist die offizielle Wohnsitzkontrolle der Bevölkerung der Volksrepublik China. Daneben gibt es die Hukou-Bücher (户口登记本 Familienregister), die jede Familie in der Volksrepublik besitzt und in die alle wichtigen Ereignisse (zum Beispiel Geburt, Hochzeit) einzutragen sind.

Ähnliche Registrierungssysteme gibt es auch in Taiwan (auch Hukou genannt) sowie in anderen ostasiatischen Ländern:

Übersetzung

Die direkte Übersetzung nach Wörterbuch ist "eingetragener ständiger Wohnsitz" oder "Anzahl der Haushalte und der Gesamtbevölkerung", was aber nicht die Bedeutung als System mit einschließt. Sebastian Heilmann benutzt in seinem Buch "Das politische System der Volksrepublik China" die Übersetzungen "System der staatlichen Haushaltsregistrierung" und "Wohnsitzkontrolle"

Mao-Ära

In der Mao-Ära war die strenge Wohnsitzkontrolle und erzwungene Immobilität der Bevölkerung ein zentraler Bestandteil der Kontrolle der Bevölkerung. Der Aufenthalt in dem zugeordneten Wohnort war Voraussetzung für jede Art von Beschäftigung und die Vergabe von Essen und anderen wichtigen Konsumgütern.

Aktuelle Situation

Nach den von Deng Xiaoping eingeleiteten Reformen wurde es manchen Bürgern möglich, inoffiziell umzuziehen. Diese Reformen haben auch Anreize geschaffen, in die sich schneller entwickelnden Küstenregionen umzuziehen.

Obwohl der größte Teil der Bevölkerung weiterhin offiziell an den ihr zugewiesenen Ort gebunden ist, gibt es heute vermutlich 150 bis 200 Millionen Chinesen[1], die in anderen Orten leben. Zum Beispiel leben in Guangzhou über drei Millionen Menschen, die nicht offiziell Bürger der Stadt sind. Diese Zugezogenen können sich aufgrund ihrer offiziellen Bindung an einen anderen Ort nicht in ihrem neuen Wohnort melden. Deswegen haben sie weniger Zugang unter anderem zu Bildung und sozialen Leistungen.

Auswirkungen

Das Hukou-System hat dazu geführt, dass in chinesischen Vorstadt-Regionen keine größeren Slums entstanden sind, da vor allem der Landbevölkerung ein Umzug in Städte untersagt war. Diese Regel hat auch zu den starken sozialen Unterschieden zwischen urbanen und ländlichen Gebieten beigetragen und die Landbevölkerung von den seit den fünfziger Jahren von der städtischen Bevölkerung genossenen Privilegien ausgeschlossen.

In den Städten ist dadurch eine Klasse von inoffiziellen Bürgern entstanden, die gegenüber der gemeldeten Bevölkerung benachteiligt ist. Aufgrund der vergleichsweise hohen Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern und den niedrigeren Löhnen in ihrer Heimat werden sie auch oft als billige Arbeitskräfte ausgenutzt.

Reformen

Von 1982 an war basierend auf dem Hukou-System eine Inhaftierungspraxis des "Custody and Repatriation" in Kraft. Danach konnte die Polizei Personen ohne Wohn- oder Arbeitserlaubnis monatelang in Lagern internieren und zu schweren Arbeiten heranziehen, um sie dann in ihre Heimatstadt zurückzubringen.[2] Als es 2003 nach dem Tod des jungen Modedesigners Sun Zhigang zu heftigen Protesten kam, wurde diese Regelung aufgehoben.[3]

Obwohl das Hukou-System auch in der Volksrepublik China als unfair angesehen wird, sind Reformen nach wie vor umstritten. Es wird befürchtet, dass es bei einer Reform zu einem großen Druck auf die Städte durch Massen von Umsiedlern kommen wird. Das würde dazu führen, dass die bereits überlasteten sozialen Systeme in den Städten zusammenbrechen könnten und die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Regionen durch den Wegzug der dortigen Eliten weiter verlangsamt werden könnte.

Nachdem es in den boomenden Ballungsräumen in den Küstenregionen zu einem sehr großen Bedarf an Arbeitskräften kam, wurde zum ersten Mal ländlichen Arbeitssuchenden in größerer Zahl gestattet, in den Städten zu arbeiten, wenn auch nur vorübergehend. In einigen Provinzen wird das Hukou-System bereits reformiert, wie zum Beispiel in Guangdong. In Guangzhou gibt es inzwischen sehr viele Einwohner, die ursprünglich nicht aus der Stadt kommen. Die meisten von ihnen kommen aus anderen bezirksfreien Städten Guangdongs.

Die Stadtregion Shenyang im nordöstlichen Liaoning, die auch erhebliche ländliche Gebiete umfasst, hat Anfang 2010 als erste Großstadt die Unterscheidung zwischen städtischem und ländlichem Hukou abgeschafft und damit auch der ländlichen Bevölkerung Zugang zu besserer städtischer Bildung, Krankenversorgung und Sozialversicherung verschafft.[4]

In der Großstadt Chongqing wurden zwischen Mitte 2010 und Ende 2011 die Einwohnerrechte auf rund 3 Millionen Migranten aus dem ländlichen Hinterland ausgedehnt. Chengdu wird bis Ende 2012 alle Unterschiede zwischen Einwohnern der Stadt und der ländlichen Region innerhalb seines Zuständigkeitsgebietes aufheben. Diese Reformen schaffen das Hokou nicht ab, erweitern die Privilegien aber auf alle Einwohner der Region.[5]

Einzelnachweise

  1. FAN, Cindy C. "China on the move", p. 1
  2. Marco Pannella: China - als „Custody and repatriation“ umschriebene Inhaftierungspraxis Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, 15. Oktober 1999
  3. Li Li: Der Unabhängigkeit der Justiz soll der Vorrang gegeben werden Bejing Rundschau, 2005
  4. people.com.cn (Chinesisch)
  5. The Economist: Changing migration patterns – Welcome home, 25. Februar 2012

Weblinks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Diese Seite wurde zuletzt am 16. Mai 2012 um 15:08 Uhr geändert.

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