Unter dem humboldtschen Bildungsideal versteht man die ganzheitliche Ausbildung der Künste in Verbindung mit der jeweiligen Studienfachrichtung. Dieses Ideal geht zurück auf Wilhelm von Humboldt, der in der Zeit der preußischen Rekonvaleszenz auf ein erstarkendes Bürgertum setzen konnte und dadurch den Anspruch auf Allgemeinbildung förderte. Heutzutage bezeichnet der Begriff oft die zentrale Idee der Einheit von Forschung und Lehre an Universitäten und verschiedenen anderen Hochschulen (etwa im Unterschied zu reinen Lehrprofessuren ohne Forschungsaufgaben).
Humboldt ließ dieses Ideal als Leiter der "Sektion des Kultus und des öffentlichen Unterrichts" im preußischen Innenministerium in die Bildungsreformen einfließen. In der konkreten Politik erstreckte es sich nicht auf die preußischen Volksschulen, die neben den Universitäten ebenfalls der Sektion unterstanden. Vereinzelt wird alternativ daher auch vom humboldtschen Universitätsideal gesprochen.
Das humboldtsche Bildungsideal entwickelte sich um die zwei Zentralbegriffe der bürgerlichen Aufklärung: den Begriff des autonomen Individuums und den Begriff des Weltbürgertums. Die Universität soll ein Ort sein, an dem autonome Individuen und Weltbürger hervorgebracht werden oder genauer gesagt, sich selbst hervorbringen.
Akademische Freiheit heißt zunächst äußere Unabhängigkeit der Universität. Die Universität soll sich staatlichen Einflüssen entziehen. Humboldt fordert, dass sich die wissenschaftliche Hochschule "von allen Formen im Staate losmachen" sollte. Daher sah seine Universitätskonzeption vor, dass beispielsweise die Berliner Universität eigene Güter haben sollte, um sich selbst zu finanzieren und dadurch ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu sichern. Akademische Freiheit verlangt neben der äußeren Unabhängigkeit der Universität von staatlichen und wirtschaftlichen Zwängen auch die innere; d.h. freie Studienwahl und freie Studienorganisation. Die Universität soll deshalb ein Ort des permanenten öffentlichen Austausches zwischen allen am Wissenschaftsprozess Beteiligten sein. Die Integration ihres Wissens soll mit Hilfe der Philosophie zustande kommen. Diese soll eine Art Grundwissenschaft darstellen, die es den Angehörigen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen erlaubt, einen Austausch ihrer Erkenntnisse zustande zu bringen und sie miteinander zu verknüpfen. Das humboldtsche Bildungsideal bestimmte lange Zeit die deutsche Universitätsgeschichte entscheidend mit, auch wenn es niemals praktisch zur Gänze realisiert wurde oder realisierbar ist. Große intellektuelle Leistungen der deutschen Wissenschaft sind damit verbunden.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Theodor W. Adorno und Albert Einstein haben sich dazu bekannt.
Während zu Zeiten Humboldts hauptsächlich Universitäten staatlich organisierte akademische Forschung betrieben, gibt es mittlerweile im tertiären Bildungsbereich neue Formen von Hochschulen, die mittlerweile alle einen wissenschaftlichen Auftrag zur Forschung haben.[1] Die Ansprüche des humboldtschen Bildungsideals lassen sich daher entsprechend auf alle Hochschulen übertragen.
Kritiker sehen in den zahlreichen derzeitigen Reformen, wie z.B. dem Bologna-Prozess, eine Abweichung vom humboldtschen Ideal hin zu einer stärkeren Berufsbezogenheit des Studiums unter Beachtung wirtschaftlicher Interessen. Des Weiteren wird kritisiert, dass die Freiheit der Lehre durch den Bologna-Prozess eingeschränkt werde.
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