Montag, 28. Mai 2012

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Ingeborg Barz

Ingeborg Barz (* 2. Juli 1948 in Berlin) war ein Mitglied der Rote Armee Fraktion. Sie wird der ersten Generation zugerechnet und gilt seit 1972 als vermisst. Nach der (umstrittenen) Aussage des ehemaligen RAF-Mitglieds Gerhard Müller wurde sie in diesem Jahr von Andreas Baader ermordet.

Leben

Barz arbeitete 1970 als Sekretärin in Berlin. 1971 war sie Mitbegründerin der Schwarzen Hilfe, einem Verein zur Unterstützung linker Häftlinge. Sie unterstützte zuerst die Bewegung 2. Juni, bis sie und ihr Freund Wolfgang Grundmann im Herbst 1971 von Gudrun Ensslin für die erste Generation der RAF rekrutiert wurden. Barz soll an einem Banküberfall Ende Februar 1972 in Berlin beteiligt gewesen sein. Ingrid Siepmann, ein Mitglied der Bewegung 2. Juni, verdächtigte Barz, für den Verfassungsschutz zu arbeiten.[1] Am 21. Februar 1972 rief die damals 23-Jährige ihre Mutter an und erklärte, sie wolle die RAF verlassen.

Das ehemalige RAF-Mitglied Gerhard Müller sagte 1975 in Haft aus, Baader habe daraufhin Barz kurz vor seiner Verhaftung 1972 durch einen Genickschuss ermordet,[2] aus Angst, sie könne die Gruppe verraten. Diese Version wird auch durch einen von der Polizei abgefangenen Brief von Götz Tilgener an Baader gestützt.[3] Durchsuchungen in einem Waldstück bei Germersheim, wo Barz Leiche anschließend vergraben worden sein soll, blieben allerdings ergebnislos.[1] Im Juli 1973 wurde im Höhenkirchener Forst südlich von München eine skelettierte weibliche Leiche gefunden. Die Tote wurde 1975 in Folge der Aussage Müllers genauer untersucht, wobei mit Hilfe der sogenannten Lichtbildeinpass-Methode Übereinstimmungen mit Barz festgestellt werden konnten. Diese Identifizierung war allerdings innerhalb der zuständigen Polizeibehörde sehr umstritten. Auch wurde die unbekannte Tote nicht erschossen.[4]

Der Darstellung, Barz sei von Baader ermordet worden, widersprach außerdem das RAF-Mitglied Inga Hochstein. Sie gab an, Barz noch im Frühjahr 1975 in einem Lokal in Hamburg getroffen zu haben. Barz soll damals an einer ernsthaften Erkrankung gelitten haben und noch im selben Jahr verstorben sein.[5] Ensslin behauptete, sie könne "notfalls sogar beweisen", dass Baader Barz nicht erschossen habe.[4] 1974 wurden auf einer Schachtel Antibabypillen in einem Hotel im nordirischen Belfast die Fingerabdrücke von Barz gefunden.[3][4] Unklar ist, ob die Packung tatsächlich zu diesem Zeitpunkt noch von Barz benutzt wurde. Der Autor Butz Peters vermutet unter Berufung auf das BKA, dass sich Ingeborg Barz mit einer neuen Identität in den Irak abgesetzt hat.[6]

Literatur

  • Butz Peters: RAF – Terrorismus in Deutschland. Droemer Knaur, München 1993, ISBN 3-426-80019-5

Einzelnachweise

  1. ab Verräter und Verschwundene. Der Spiegel, 1. Oktober 2007, abgerufen am 16. April 2012. 
  2. Butz Peters: Die verschwundenen Terroristen. Die Welt, 15. Februar 2007, abgerufen am 16. April 2012. 
  3. ab Wen suchen wir denn eigentlich? Der Spiegel, 7. November 1977, abgerufen am 16. April 2012. 
  4. abc Meßpunkte auf der Nase. Der Spiegel, 4. August 1975, abgerufen am 16. April 2012. 
  5.  Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-455-11230-7. S. 406
  6.  Butz Peters: Tödlicher Irrtum: Die Geschichte der RAF. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3596172658.
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Diese Seite wurde zuletzt am 22. April 2012 um 22:40 Uhr geändert.

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