| Internationaler Strafgerichtshof für Ruanda | ||
|---|---|---|
| Englische Bezeichnung | International Criminal Tribunal for Rwanda (ICTR) | |
| Französische Bezeichnung | Tribunal pénal international pour le Rwanda (TPIR) | |
| Ruandische Bezeichnung | Urukiko Nshinjabyaha Mpuzamahanga rwagenewe u Rwanda | |
| Organisationsart | Ad-hoc-Strafgerichtshof | |
| Status | aktiv | |
| Sitz der Organe | ||
| Gründung |
8. November 1994 |
|
| Vorsitz | Richter Erik Møse (Norwegen), Präsident des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda | |
| Oberorganisation | Sicherheitsrat der Vereinten Nationen | |
| www.unictr.org | ||
Der Internationale Strafgerichtshof für Ruanda (französisch Tribunal pénal international pour le Rwanda, TPIR; englisch International Criminal Tribunal for Rwanda, ICTR; kinyarwanda Urukiko Nshinjabyaha Mpuzamahanga rwagenewe u Rwanda) ist ein durch Resolution 955 des UNO-Sicherheitsrats vom 8. November 1994 geschaffener Ad-hoc-Strafgerichtshof, um die Ereignisse während des Völkermords in Ruanda im April 1994 aufzuklären und strafrechtlich aufzuarbeiten. Er ist zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 1994 in Ruanda verübt wurden. Als gemeinsame Nachfolgeeinrichtung des ICTR und des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien soll ab Juli 2012 der Internationale Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe fungieren, der für eine Übergangszeit parallel zu den beiden Ad-hoc-Gerichtshöfen aktiv sein wird.
Die folgenden UN-Resolutionen bilden die Grundlage des ICTR (International Criminal Tribunal for Rwanda):
Am 22. Februar 1995 wurde mit Resolution 977 des UN-Sicherheitsrates als Sitz des Tribunals Arusha in Tansania festgelegt.
Das Tribunal hat Rechtsgewalt über das Delikt des Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, die als Verletzungen des gemeinsamen Artikels 3 der Genfer Konventionen gelten.
Bis März 2006 hat das Tribunal 19 Personen abgeurteilt, 25 Verfahren laufen noch, 19 Personen erwarten ihr Verfahren in Haft und 10 werden noch vorbereitet. Das erste Tribunal begann 1997 mit der Anklage von Jean-Michel Akayesu. Alle Verfahren sollten 2008 beendet sein.
Das Verfahren gegen „Hassmedien“ begann am 23. Oktober 2000. Es behandelt Medien, die den Völkermord anheizten.
Am 19. August 2003 wurde gegen Ferdinand Nahimana und Jean Bosco Barayagwiza, Verwalter des Radio-Télévision Libre des Mille Collines, sowie Hassan Ngeze, den Schreiber und Herausgeber der Zeitung Kangura, Anklage erhoben. Diese lautet auf Völkermord, Anstachelung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und während des Völkermordes. Am 3. Dezember 2003 befand das Gericht alle drei für schuldig. Es verurteilte Nahimana und Ngeze zu lebenslanger Haft sowie Barayagwiza zu 35 Jahren Haft. Momentan befindet sich der Fall in Berufung.
Das Tribunal besteht aus 16 Richtern in 4 Kammern – drei für die Anklagen und eine für Berufungen. Zusätzlich sind noch 9 „Ad-litem“-Richter anwesend, insgesamt also 25 Richter. Derzeit sind alle 9 Ad-litem-Richter in den Kammern II und III. Zusätzlich gibt es noch 9 ehemalige Ad-litem-Richter, die eingesetzt werden, wenn ein regulärer Ad-litem-Richter durch Krankheit ausfällt oder verhindert ist.
Die Reihe # zeigt die protokollarische Rangordnung.
| # | Richter | Herkunftsland | Status |
|---|---|---|---|
| 1. | Erik Møse | ICTR-Präsident, Vorsitzender Richter der Anklagekammer I | |
| 10. | Jai Ram Reddy | Mitglied | |
| 11. | Sergei Alekseevich Egorov | Mitglied |
| # | Richter | Herkunftsland | Status |
|---|---|---|---|
| 4. | William Sekule | Vorsitzender Richter der Anklagekammer II | |
| 9. | Arlette Ramaroson | Mitglied | |
| 16. | Joseph Asoka Nihal De Silva | Mitglied | |
| 17. | Solomy Balungi Bossa | ad litem | |
| 19. | Lee Gacugia Muthoga | ad litem | |
| 21. | Emile Francis Short | ad litem | |
| 23. | Taghrid Hikmet | ad litem | |
| 24. | Seon Ki Park | ad litem |
| # | Richter | Herkunftsland | Status |
|---|---|---|---|
| 2. | Inés Mónica Weinberg de Roca | Vorsitzender Richter der Anklagekammer III | |
| 14. | Khalida Rachid Khan | Mitglied | |
| 15. | Charles Michael Dennis Byron | Mitglied | |
| 18. | Flavia Lattanzi | ad litem | |
| 22. | Florence Rita Arrey | ad litem | |
| 24. | Karin Hökborg | ad litem | |
| 25. | Gberdao Gustave Kam | ad litem |
| # | Richter | Herkunftsland | Status |
|---|---|---|---|
| 3. | Theodor Meron | Vorsitzender Richter der Berufungskammer | |
| 5. | Mohamed Shahabuddeen | Mitglied | |
| 6. | Florence Mumba | Mitglied | |
| 7. | Mehmet Güney | Mitglied | |
| 8. | Fausto Pocar | Mitglied | |
| 12. | Wolfgang Schomburg | Mitglied | |
| 13. | Andrésia Vaz | Mitglied |
Das Anklagebüro ist in zwei Sektionen unterteilt:
Hassan Bubacar Jallow aus Gambia ist der derzeitige Ankläger des ICTR. Er war vorher als „Attorney General“ und als Justizminister tätig; von 1998 bis 2002 war er außerdem am Obersten Gericht von Gambia tätig. Am 15. September 2003 wurde er als Ersatz für Carla del Ponte nominiert.
Das Sekretariat ist für die Gesamtverwaltung des Tribunals zuständig. Es übt auch noch einige andere rechtliche Funktionen aus und ist die Kommunikationsschnittstelle des ICTR.
Das Sekretariat wird vom Chefsekretär geführt. Dieser ist der Abgeordnete des UN Secretary-General. Adama Dieng aus Senegal ist der jetzige Chefsekretär. Im März 2001 bezog er seinen Posten.
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