| Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien | ||
|---|---|---|
| Englische Bezeichnung | International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) | |
| Französische Bezeichnung | Tribunal pénal international pour l’ex-Yougoslavie (TPIY) | |
| Organisationsart | Ad-hoc-Strafgerichtshof | |
| Sitz der Organe | ||
| Gründung |
25. Mai 1993 |
|
| Vorsitz | Richter Theodor Meron (USA), Präsident des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien | |
| Oberorganisation | Sicherheitsrats der Vereinten Nationen | |
| www.icty.org | ||
Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (französisch Tribunal pénal international pour l’ex-Yougoslavie, TPIY; englisch International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia, ICTY; umgangssprachlich häufig auch UN-Kriegsverbrechertribunal oder Haager Tribunal genannt) mit Sitz in Den Haag ist ein durch Resolution 827 des UNO-Sicherheitsrats vom 25. Mai 1993 geschaffener Ad-hoc-Strafgerichtshof. Er ist zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen, die seit 1991 in den Jugoslawienkriegen begangen wurden. Als gemeinsame Nachfolgeeinrichtung des ICTY und des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda ist ab Juli 2012 der Internationale Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe vorgesehen, der für eine Übergangszeit parallel zu den beiden Ad-hoc-Gerichtshöfen bestehen wird.
Die ehemalige Schweizer Chefanklägerin Carla Del Ponte wurde am 1. Januar 2008 durch den Belgier Serge Brammertz abgelöst.[1]
Gemäß dem Statut hat der Strafgerichtshof folgende Zuständigkeiten:
Prozesse können nur gegen persönlich Anwesende geführt werden, Angeklagte haben als Höchststrafe lebenslange Freiheitsstrafe zu erwarten. Der Strafvollzug erfolgt in einem der Staaten, die sich in Verträgen mit den Vereinten Nationen bereit erklärt haben, Verurteilte entgegenzunehmen. Der Gerichtshof kann Verfahren auch an zuständige nationale Gerichte wie die Sonderkammer für Kriegsverbrechen am Bezirksgericht Belgrad überweisen.
Der Strafgerichtshof besteht aus der Gerichtsverwaltung, zuständig auch für die als United Nations Detention Unit bezeichnete Untersuchungshaftanstalt des Gerichts im Den Haager Stadtteil Scheveningen, in dem die Verdächtigten in Untersuchungshaft sitzen, einer Anklagebehörde sowie den Kammern.
Der Anklagebehörde steht ein unabhängig arbeitender Chefankläger vor. Ernannt wird dieser – auf Vorschlag des UN-Generalsekretärs – vom UN-Sicherheitsrat. Derzeitiger Chefankläger ist der Belgier Serge Brammertz, welcher der Schweizerin Carla del Ponte gefolgt ist. Von 1997 bis 1998 hatte die Kanadierin Louise Arbour, davor der Südafrikaner Richard Goldstone (1994–1996) diesen Posten inne – der ursprünglich als erster Chefankläger ausersehene Venezolaner Escovar Salom hatte letztlich abgesagt. Die Chefankläger von 1994 bis 2003 waren bis zur Umstrukturierung des Strafgerichtshofes im September 2003 auch gleichzeitig Chefankläger des zweiten UN-Tribunals, des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda.
Dem Gerichtshof gehören 16 ständige Richter an, die sich auf drei Strafkammern und eine Berufungskammer verteilen. 14 der ständigen Richter werden durch die UN-Generalversammlung aus einer vom UN-Sicherheitsrat festgelegten Liste gewählt. Die zwei weiteren ständigen Richter werden vom Präsidenten des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda nach Absprache mit dem Präsidenten des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien aus dem Kreis der Richter des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda ernannt.
Die ständigen Richter wählen aus ihren Reihen den Präsidenten des Strafgerichtshofes – derzeit der US-Amerikaner Theodor Meron, der im November 2011 den Jamaikaner Patrick Robinson ablöste. Vor diesem hatten diese Position der Italiener Fausto Pocar (2005–2008), ebenfalls Theodor Meron (2002–2005), der Franzose Claude Jorda (1999–2002), die US-Amerikanerin Gabrielle Kirk McDonald (1997–1999) sowie der Italiener Antonio Cassese (1993–1997) inne.
Stellvertretender Präsident ist derzeit der Maltese Carmel A. Agius.
Neben den ständigen Richtern stehen weitere zwölf sogenannte Ad-litem-Richter zur temporären Verstärkung für einzelne Prozesse bereit. Die drei Strafkammern verhandeln in erster Instanz. Sie sind jeweils mit dreien der durch die UN-Generalversammlung gewählten ständigen Richter besetzt. Die Berufungskammer besteht aus sieben ständigen Richtern, darunter die zwei durch den Präsidenten des Internationalen Gerichtshofs für Ruanda ernannten Richter. Der Präsident des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien ist kraft Amtes zugleich Vorsitzender der Berufungskammer. Die sieben Richter der Berufungskammer bilden gleichzeitig die Berufungskammer für den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda.
Der Etat des Gerichtshofs wird von der UN-Generalversammlung verabschiedet. Ferner finanziert sich das Gericht durch Spenden von Staaten oder überstaatlichen Organisationen wie zum Beispiel der Europäischen Kommission. Über die Höhe des Etats und die Spender informiert der ICTY in seinen Jahresberichten [2].
Insgesamt sind 919 Angestellte aus 76 Nationen beschäftigt. Das Budget beträgt etwa 150 Millionen US-Dollar pro Jahr[3].
Die ständigen Richter: Theodor Meron, Präsident (USA), Carmel A. Agius, Vizepräsident (Malta), Jean-Claude Antonetti (Frankreich), Guy Delvoie (Belgien), Christoph Flügge (Deutschland), Mehmet Güney (Türkei), Burton Hall (Bahamas), Khalida Khan (Pakistan), O-Gon Kwon (Südkorea), Liu Daqun (China), Bakone Justice Moloto (Südafrika), Howard Morrison (Vereinigtes Königreich), Alphons M.M. Orie (Niederlande), Fausto Pocar (Italien), Arlette Ramaroson (Madagaskar), Patrick L. Robinson (Jamaica), Andresia Vaz (Senegal)
Die ad litem-Richter: Melville Baird (Trinidad und Tobago), Elizabeth Gwaunza (Zimbabwe), Frederik Harhoff (Dänemark), Flavia Lattanzi (Italien), Antoine Kesia-Mbe Mindua (Demokratische Republik Kongo), Prisca Matimba Nyambe (Zambia), Michèle Picard (Frankreich), Árpád Prandler (Ungarn), Stefan Trechsel (Schweiz)
Ehemalige ständige Richter: Georges Michel Abi-Saab (Ägypten), Mohamed Bennouna (Marokko), Iain Bonomy (Vereinigtes Königreich), Antonio Cassese (Italien), Jules Deschênes (Kanada), Amin El Abbassi El Mahdi (Ägypten), Mohammed El Habib Fassi Fihri (Marokko) (zuletzt ad litem), Asoka de Zoysa Gunawardana (Sri Lanka), David Anthony Hunt (Australien), Saad Saood Jan (Pakistan), Claude Jorda (Frankreich), Adolphus Godwin Karibi-Whyte (Nigeria), Georges Michel Abi-Saab (Ägypten), Germain Le Foyer De Costil (Frankreich), Haopei Li (China), Richard George May (Vereinigtes Königreich), Gabrielle Kirk McDonald (USA), Florence Ndepele Mwachande Mumba (Zambia), Rafael Nieto-Navia (Kolumbien) (zuletzt ad litem), Elizabeth Odio-Benito (Costa Rica), Kevin Parker (Australien), Almiro Simões Rodrigues (Portugal), Fouad Abdel-Moneim Riad (Ägypten), Wolfgang Schomburg (Deutschland), Mohamed Shahabuddeen (Guyana), Rustam S. Sidhwa (Pakistan), Sir Ninian Stephen (Australia), Lal Chand Vohrah (Malaysia), Patricia M. Wald (USA), Wang Tieya (China), Inés Mónica Weinberg de Roca (Argentinien),
Ehemalige ad litem-Richter Carmen Maria Argibay (Argentinien), Hans Henrik Brydensholt (Dänemark), Maureen Harding Clark (Irland), Justice Ali Nawaz Chowhan (Pakistan), Pedro David (Argentinien), Fatoumata Dembele Diarra (Mali), Albin Eser (Deutschland), Claude Hanoteau (Frankreich), Frank Höpfel (Österreich), Ivana Janu (Tschechien), Tsvetana Kamenova (Bulgarien), Uldis Kinis (Lettland), Per-Johan Viktor Lindholm (Finnland), Joaquín Martín Canivell (Spanien), Janet M. Nosworthy (Jamaica), Kimberly Prost (Kanada), Vonimbolana Rasoazanany (Madagaskar), Amarjeet Singh (Singapur), Ole Bjørn Støle (Norwegen), Albertus Swart (Niederlande), György Szénási (Ungarn), Chikako Taya (Japan), Krister Thelin (Schweden), Volodymyr Vassylenko (Ukraine), Sharon Williams (Kanada), Christine Van den Wyngaert (Belgien),
Jeweils drei Richter leiten das Hauptverfahren und bestimmen anschließend mit 2:1 Mehrheit oder einstimmig das Urteil ohne Hilfe von Schöffen oder Geschworenen Die Berufungskammer entscheidet mit einfacher Mehrheit. Manche Richter beurteilen zugleich mehrere Verfahren und es gibt aktenkundige Ersatzrichter.
Verurteilte und Ankläger können einmal berufen, in Ausnahmefällen, wenn neuere Ermittlungsergebnisse wesentliche Zweifel aufwerfen, hebt eine weitere Berufungskammer ein bereits rechtskräftiges Berufungsurteil auf. Im Fall Duško Tadić[4] wurde nach dem rechtskräftigen Schuldspruch die Anklage ausgeweitet und neuerlich verhandelt, ohne dass dies als unzulässige Doppelbestrafung angesehen wurde. Im Fall Haradinaj et al. kam es nach dem rechtskräftigen Freispruch zu einer weiteren Anklage, da nachträglich belastendes Material aufgetaucht war.
Strafen: Einzig zulässige Strafe ist die Haftstrafe, die nach oben unbegrenzt verhängt werden kann. Sowohl sehr lange Zeitstrafen (45 Jahre) als auch lebenslänglich wurden bereits ausgesprochen. Nach Abzug der Auslieferungs- und Untersuchungshaft wird die Reststrafe im gewöhnlichen Strafvollzug eines Vertragsstaates mit dem ICTY verbüßt.
Folgende Staaten inhaftieren rechtskräftig Verurteilte: Norwegen, Schweden, Finnland, Estland, Dänemark, Großbritannien, Belgien, Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien; Weitere Vertragsstaaten noch ohne Transfer: Polen, Slowakei, Ukraine, Albanien, Portugal[5]
Seitdem der Strafgerichtshof im Dezember 1994 seine Tätigkeit voll aufnehmen konnte, wurden richterlich bestätigte Anklageschriften gegen 161 Verdächtigte veröffentlicht, 133 davon fanden sich – zwangsweise oder freiwillig – beim Tribunal ein.
Seit der Festnahme von Goran Hadžić am 20. Juli 2011 ist keiner der Angeklagten mehr flüchtig.
In 36 Fällen wurde die Anklage zurückgezogen: Gegen 20 Personen wurde die Anklage im Vorverfahren mangels belastendes Material eingestellt, 10 Angeklagte starben noch vor ihrer Auslieferung, 6 während des Hauptverfahrens.
In den rechtsgültigen Urteilen des Strafgerichtshofes kam es bislang zu 64 Schuld- und 13 Freisprüchen, 13 Angeklagte wurden an andere Gerichte ausgeliefert. (Alle Angaben: Stand September 2011; verlinkte Az führen zum entsprechenden Case Information Sheet des ICTY).[6] 20 Angeklagte bekannten sich in wesentlichen Punkten schuldig.
Am 13. September 2011 gab es 35 laufende Verfahren: 16 Berufungsverfahren, 17 Verfahren der 1. Instanz und 2 Vorverfahren (Goran Hadžić und Ratko Mladić).[7]
Die Fälle der UÇK-Kommandeure Haradinaj, Balaj und Brahimaj wurden im Juli 2010 wieder aufgenommen.
Besonderes Interesse erregte der im Februar 2002 begonnene Prozess gegen Slobodan Milošević, Jugoslawiens sowie Serbiens ehemaligen Präsidenten, der im März 2006 kurz vor Ende seines Prozesses in Untersuchungshaft verstarb. Er war in der Rechtsgeschichte das erste noch amtierende Staatsoberhaupt, das vor einem internationalen Strafgericht angeklagt wurde.[8]
Angeklagt sind oder waren:
| Name | Schuld- bekenntnis | Urteil* 1. Instanz | Berufungs- urteil | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Rahim Ademi | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Kroatien freigesprochen |
| Mehmed Alagić | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Zlatko Aleksovski | nicht s. | 2,5 | 7 | |
| Stipo Alilović | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Milan Babić | schuldig | 13 | 13 | |
| Mirko Babić | Anklage zurückgezogen | |||
| Haradin Bala | nicht s. | 13 | 13 | |
| Idriz Balaj | nicht s. | Freispruch | Aufhebung | neue Anklage |
| Nenad Banović | Anklage zurückgezogen | |||
| Predrag Banović | schuldig | 8 | -- | keine Berufung |
| Ljubiša Beara | nicht s. | lebenslang | laufend | |
| Vidoje Blagojević | nicht s. | 18 | 15 | |
| Tihomir Blaškić | nicht s. | 45 | 9 | |
| Janko Bobetko | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Ljubomir Borovčanin | nicht s. | 17 | -- | keine Berufung |
| Goran Borovnica | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Ljube Boškoski | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Lahi Brahimaj | nicht s. | 6 | 6 | neue Anklage |
| Miroslav Bralo | schuldig | 20 | 20 | |
| Radoslav Brđanin | nicht s. | 32 | 30 | |
| Mario Čerkez | nicht s. | 15 | 6 | |
| Ivan Čermak | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Ranko Češić | schuldig | 18 | -- | keine Berufung |
| Valentin Ćorić | nicht s. | laufend | ||
| Zejnil Delalić | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Hazim Delić | nicht s. | 18 | 18 | |
| Rasim Delić | nicht s. | 3 | -- | keine Berufung (verstorben) |
| Miroslav Deronjić | schuldig | 10 | -- | keine Berufung |
| Slavko Dokmanović | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Vlastimir Đorđević | nicht s. | 27 | laufend | |
| Damir Došen | schuldig | 5 | -- | keine Berufung |
| Simo Drljača | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Đorđe Đukić | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Dražen Erdemović | schuldig | 10 | 5 | |
| Anto Furundžija | nicht s. | 10 | 10 | |
| Dušan Fuštar | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 9 Jahre Haft |
| Dragan Gagović | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Stanislav Galić | nicht s. | 20 | lebenslang | |
| Ante Gotovina | nicht s. | 24 | laufend | |
| Zdravko Govedarica | Anklage zurückgezogen | |||
| (?) Gruban | Anklage zurückgezogen | |||
| Momčilo Gruban | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 7 Jahre Haft |
| Milan Gvero | nicht s. | 5 | laufend | |
| Goran Hadžić | nicht s. | Vorverfahren | ||
| Enver Hadžihasanović | nicht s. | 5 | 3,5 | |
| Sefer Halilović | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Ramush Haradinaj | nicht s. | Freispruch | Aufhebung | neue Anklage |
| Janko Janjić | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Nikica Janjić | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Gojko Janković | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 34 Jahre Haft |
| Goran Jelisić | schuldig | 40 | 40 | |
| Dragan Jokić | nicht s. | 9 | 9 | |
| Miodrag Jokić | schuldig | 7 | 7 | |
| Drago Josipović | nicht s. | 15 | 12 | |
| Radovan Karadžić | nicht s. | laufend | ||
| Marinko Katava | Anklage zurückgezogen | |||
| Duško Knežević | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 31 Jahre Haft |
| Dragan Kolundžija | schuldig | 3 | -- | keine Berufung |
| Dragan Kondić | Anklage zurückgezogen | |||
| Dario Kordić | nicht s. | 25 | 25 | |
| Milojica Kos | nicht s. | 6 | -- | keine Berufung |
| Predrag Kostić | Anklage zurückgezogen | |||
| Radomir Kovač | nicht s. | 20 | 20 | |
| Milan Kovačević | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Vladimir Kovačević | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Serbien verhandlungsunfähig |
| Momčilo Krajišnik | nicht s. | 27 | 20 | |
| Milorad Krnojelac | nicht s. | 7,5 | 15 | |
| Radislav Krstić | nicht s. | 46 | 35 | |
| Amir Kubura | nicht s. | 2,5 | 2 | |
| Dragoljub Kunarac | nicht s. | 28 | 28 | |
| Mirjan Kupreškić | nicht s. | 8 | Freispruch | |
| Vlatko Kupreškić | nicht s. | 6 | Freispruch | |
| Zoran Kupreškić | nicht s. | 10 | Freispruch | |
| Miroslav Kvočka | nicht s. | 7 | 7 | |
| Goran Lajić | Anklage zurückgezogen | |||
| Esad Landžo | nicht s. | 15 | 15 | |
| Vladimir Lazarević | nicht s. | 15 | laufend | |
| Fatmir Limaj | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Paško Ljubičić | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 10 Jahre Haft |
| Milan Lukić | nicht s. | lebenslang | laufend | |
| Sredoje Lukić | nicht s. | 30 | laufend | |
| Sreten Lukić | nicht s. | 22 | laufend | |
| Zoran Marinić | Anklage zurückgezogen | |||
| Mladen Markač | nicht s. | 18 | laufend | |
| Milan Martić | nicht s. | 35 | 35 | |
| Vinko Martinović | nicht s. | 18 | 18 | |
| Željko Mejakić | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 21 Jahre Haft |
| Radivoje Miletić | nicht s. | 19 | laufend | |
| Slobodan Miljković | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Dragomir Milošević | nicht s. | 33 | 29 | |
| Slobodan Milošević | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Milan Milutinović | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Ratko Mladić | nicht s. | Vorverfahren | ||
| Darko Mrđa | schuldig | 17 | -- | keine Berufung |
| Mile Mrkšić | nicht s. | 20 | 20 | |
| Zdravko Mucić | nicht s. | 7 | 9 | |
| Agim Murtezi | Anklage zurückgezogen | |||
| Isak Musliu | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Mladen Naletilić | nicht s. | 20 | 20 | |
| Dragan Nikolić | schuldig | 23 | 20 | |
| Drago Nikolić | nicht s. | 35 | laufend | |
| Momir Nikolić | schuldig | 27 | 20 | |
| Mirko Norac | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Kroatien 6 Jahre Haft |
| Dragan Obrenović | schuldig | 17 | -- | keine Berufung |
| Dragoljub Ojdanić | nicht s. | 15 | laufend | |
| Naser Orić | nicht s. | 2 | Freispruch | |
| Vinko Pandurević | nicht s. | 13 | laufend | |
| Dragan Papić | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Nedeljko Paspalj, | Anklage zurückgezogen | |||
| Nebojša Pavković | nicht s. | 22 | laufend | |
| Milan Pavlić | Anklage zurückgezogen | |||
| Momčilo Perišić | nicht s. | 27 | laufend | |
| Biljana Plavšić | schuldig | 11 | -- | keine Berufung |
| Milivoj Petković | nicht s. | laufend | ||
| Milutin Popović | Anklage zurückgezogen | |||
| Vujadin Popović | nicht s. | lebenslang | laufend | |
| Slobodan Praljak | nicht s. | laufend | ||
| Dragoljub Prcać | nicht s. | 5 | 5 | |
| Draženko Predojević | Anklage zurückgezogen | |||
| Jadranko Prlić | nicht s. | laufend | ||
| Berislav Pušić | nicht s. | laufend | ||
| Miroslav Radić | nicht s. | Freispruch | Freispruch | |
| Mlađo Radić | nicht s. | 20 | 20 | |
| Ivica Rajić | schuldig | 12 | -- | keine Berufung |
| Mitar Rašević | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 8,5 Jahre Haft |
| Željko Ražnatović „Arkan“ | in Belgrad ermordet | |||
| Nikola Šainović | nicht s. | 22 | laufend | |
| Ivan Šantić | Anklage zurückgezogen | |||
| Vladimir Šantić | nicht s. | 25 | 18 | |
| Dragomir Šaponja | Anklage zurückgezogen | |||
| Željko Savić | Anklage zurückgezogen | |||
| Vojislav Šešelj | nicht s. | laufend | ||
| Duško Sikirica | schuldig | 15 | -- | keine Berufung |
| Franko Simatović | nicht s. | laufend | ||
| Blagoje Simić | nicht s. | 17 | 15 | |
| Milan Simić | schuldig | 5 | -- | keine Berufung |
| Pero Skopljak | Anklage zurückgezogen | |||
| Veselin Šljivančanin | nicht s. | 5 | 17 | auf 10 Jahre reduziert |
| Milomir Stakić | nicht s. | lebenslang | 40 | |
| Jovica Stanišić | nicht s. | laufend | ||
| Mićo Stanišić | nicht s. | laufend | ||
| Radovan Stanković | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 20 Jahre Haft |
| Bruno Stojić, | nicht s. | laufend | ||
| Vlajko Stojiljković | vor Prozessbeginn verstorben | |||
| Pavle Strugar | nicht s. | 8 | 7,5 | |
| Nedjeljko Timarac | Anklage zurückgezogen | |||
| Duško Tadić | nicht s. | 20 | 20 | nachträglich weitere Anklage weiteres Urteil von 25 Jahren zweites Berufungsurteil: 20 Jahre |
| Miroslav Tadić | nicht s. | 8 | -- | keine Berufung |
| Momir Talić | nicht s. | vor Prozessende verstorben | ||
| Johan Tarčulovski | nicht s. | 12 | 12 | |
| Stevan Todorović | schuldig | 10 | -- | keine Berufung |
| Savo Todović | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 12,5 Jahre Haft |
| Zdravko Tolimir | nicht s. | laufend | ||
| Milorad Trbić | nicht s. | ausgeliefert | -- | in Bosnien 30 Jahre Haft |
| Mitar Vasiljević | nicht s. | 20 | 15 | |
| Zoran Vuković | nicht s. | 12 | 12 | |
| Simo Zarić | nicht s. | 6 | -- | keine Berufung |
| Milan Zec. | Anklage zurückgezogen | |||
| Dragan Zelenović | schuldig | 15 | 15 | |
| Zoran Žigić | nicht s. | 25 | 25 | |
| Stojan Župljanin | nicht s. | laufend |
Quelle: [9] *) Die Zahl bezeichnet die Haftdauer in Jahren; „laufend“ bedeutet laufendes Verfahren noch ohne Urteil
Wenn es kein Berufungsurteil gibt wurde entweder auf die Berufung verzichtet oder diese als unbegründet verworfen, weil im Antrag keine gravierende Fehleinschätzung der 1. Instanz behauptet und begründet worden war.
Kosta Čavoški, serbischer Professor für Völkerrecht, dem wegen behaupteter Verbindungen zu Kriegsverbrechern die Einreise nach Bosnien-Herzegowina nicht mehr gestattet ist[10], kritisierte unter anderem, dass das Tribunal völkerrechtswidrig gegründet worden sei. Es basiere auf einer großzügigen Interpretation des Kapitels VII der UN-Charta, in dem von „besonderen Maßnahmen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren oder wiederherzustellen“ die Rede sei.[11] Angeklagte wie der ehemalige serbische Präsidenten Slobodan Milošević seien in verfassungswidriger Weise entführt oder ausgeliefert worden.[11] Dieser sei auch nicht ordnungsgemäß medizinisch behandelt worden.[12] Dieser Argumentation folgt der Rechtswissenschaftler Konstantinos D. Magliveras, der beklagt, dass das Tribunal seine eigenen Regeln nach Belieben gestalte und keiner unabhängigen Kontrolle unterstehe. Da der Ankläger ein Organ des Tribunals sei, komme ihm eine dominierende Stellung im Verfahren zu. Aussagen von Zeugen, deren Identität vom Gericht geheim gehalten werde, seien als Beweismittel zulässig. [13] Ebenso sei zu kritisieren, dass keine Appellationsmöglichkeit für verurteile Angeklagte gegeben sei. Norman Paech, emeritierter Hochschullehrer und Politiker der Linken, ist der Ansicht, dass das Tribunal politisch instrumentalisiert werde[14]. Weiterhin hieß es, dass sich das Tribunal nur für Verbrechen interessiere, die von Tätern ehemals jugoslawischer Nationalität verübt worden seien, während Hinweisen auf Kriegsverbrechen von NATO-Mitgliedsstaaten nicht nachgegangen werde.[15][16] Schließlich würden Angeklagte serbischer Nationalität gegenüber anderen benachteiligt: Während viele muslimische oder kroatische Angeklagte mit verhältnismäßig geringen Haftstrafen davonkämen, würden Angeklagte wie zum Beispiel Biljana Plavšić meist zu langen Haftstrafen verurteilt.[11]
Dagegen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am 4. Mai 2000 im Fall Naletilic gegen Kroatien entschieden, dass das Jugoslawien-Tribunal ein internationales Gericht sei, das in Anbetracht des Inhalts seines Statuts und seiner Prozessordnung alle notwendigen Sicherheiten für einen fairen Prozess biete, einschließlich derjenigen der Unbefangenheit und Unabhängigkeit (in view of the content of its Statute and Rules of Procedure, offers all the necessary guarantees including those of impartiality and independence).[17]
52.0944444444444.2844444444444
Koordinaten: 52° 5′ 40″ N, 4° 17′ 4″ O
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