Als „Neue Historiker“, oft auch Postzionisten genannt, werden israelische Historiker bezeichnet, deren Ziel es ist, die Geschichte Israels und des Zionismus einer Revision zu unterziehen. Besonders betroffen sind die israelische Staatsgründung von 1948 und deren Vorgeschichte. Maßgebliche Historiker dieser Richtung sind Benny Morris, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Tom Segev und Shlomo Sand.
Kernthese dieser Historiker ist, dass zur Errichtung des Staates Israel die Vertreibung eines Teils der arabischen Bevölkerung nötig war, was von der traditionellen israelischen Geschichtsschreibung bis dahin als freiwillige Migration gedeutet wurde. Daraus folgt nach Meinung der „Neuen Historiker“ eine (hauptsächliche) Mitverantwortung des Staates Israel für den Nahostkonflikt und das palästinensische Flüchtlingsproblem. Exemplarisch seien hier die fünf Hauptthesen der Schule aus der Sicht Avi Shlaims vorgestellt:
Die Thesen der „Neuen Historiker“ werden meistens sowohl von der zionistischen Geschichtsschreibung als auch von pro-arabischen Autoren, die sie der Verharmlosung beschuldigen, abgelehnt. Als einer der führenden Kritiker gilt Efraim Karsh, der ihnen vorwirft, systematische Geschichtsfälschung zu betreiben.
Kritisiert wurde, dass die „Neuen Historiker“ häufig die Schuld allein bei der israelischen Seite suchen und historische Persönlichkeiten unter heutigen moralischen Gesichtspunkten verurteilen, ohne ausreichend auf den Zeitkontext einzugehen. Verständigungsversuche von arabischer Seite – etwa 1955 durch den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser – seien lediglich taktisch motiviert gewesen und daher nicht ernst zu nehmen. Auch wurde unterstellt, sie würden von einem linksradikalen und marxistischen Standpunkt aus forschen.
Auch seitens der Politik erfahren diese Historiker Ablehnung. Die Werke der „Neuen Historiker“ „sollten nicht in der Schule gelehrt werden“, meinte etwa der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon.[1]
Wie Benny Morris 2004 feststellte, wurde die Zusammenfassung der einzelnen Neuen Historiker zu einer vermeintlichen "Gruppe" eher von deren Kritikern geprägt. Tatsächlich aber habe es "nie eine fest verbundene, homogene Schule" gegeben, man habe sich teilweise kaum gekannt. In diesem Zusammenhang stellte Morris methodische Unterschiede in der Arbeitsweise der jeweiligen Historiker fest und kritisierte vor allem Ilan Pappe und Avi Shlaim. Pappes Arbeiten seien politisch motiviert und unfundiert. Shlaims "antiisraelische Analysen" seien mit denen "europäischer Neofaschisten und islamischer Dschihadisten" zu vergleichen.[2] Shlaim warf Morris wiederum „rassistische Ansichten“[3] vor, weil Morris seit dem Ausbruch der Zweiten Intifada die Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 nunmehr rechtfertige.
(in chronologischer Reihenfolge)
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