Das Jahr-2000-Problem, auch als Millennium-Bug oder Y2K-Bug (von englisch Year 2 Kilo = ‚Jahr 2000‘) bezeichnet, ist ein Computerproblem, das durch die Behandlung von Jahreszahlen als zweistellige Angabe innerhalb von Computersystemen entstanden ist.
In den 1960er und 1970er Jahren war Speicherplatz sehr teuer und deshalb meist knapp, deshalb hatten die Programmierer soviel wie möglich an Speicherbedarf eingespart. Zum Beispiel wurden zur Speicherung von Jahreszahlen (in Dezimaldarstellung) nur die letzten beiden Ziffern (Jahr und Jahrzehnt) benutzt, was unter anderem auf die Computerpionierin Grace Hopper zurückgeht. Die ersten beiden Ziffern, die das Jahrhundert angeben, wurden nicht berücksichtigt, da man davon ausging, dass die Programme ohnehin nur für wenige Jahre in dieser Weise benutzt würden. Da aber viele Programme im Laufe der Jahre immer wieder auf vorangegangene Programm-Systeme aufbauten, dachte man nicht mehr daran, dass es einmal zu einer Umstellung auf die Zahl 00 kommen würde. Speziell EDV-gesteuerte Hardwarekomponenten (ein sog. Eingebettetes System, engl. embedded system) stellten ein Problem dar, da hier nicht einfach die Software umprogrammiert werden konnte, sondern die Hardware ausgetauscht oder deren Mikroprogramm geändert werden musste.
Angesichts des Jahreswechsels 1999/2000 wurde das Problem offenbar, dass mit der in vielen Computersystemen eingesetzten zweistelligen Jahreszahl „00“ sowohl das Jahr 1900 als auch das Jahr 2000 bezeichnet wird und somit eine inakzeptable Mehrdeutigkeit eines Wertes vorliegt. Die Folgen dieses Fehlers wären ohne Korrektur in erster Linie falsche Sortierungen und Altersberechnungen gewesen. Weiterhin war es weitverbreitete Praxis, ungültige Datensätze durch die Verwendung der Zahl bzw. Ziffernkombination 00 („Nichts“) zu identifizieren, jedoch trat diese Ziffernkombination mit dem Eintreten des Jahres 2000 dann auch als normaler Wert auf. Durch diesen Umstand behandelten viele Programme diese Datensätze nunmehr als ungültig. Im Weiteren gab es vor allem Rechenprobleme durch fehlerhafte Differenzbildung und fehlerhafte Erzeugung von Texten (typisches Beispiel hierfür wäre eine Datierung mit der Jahreszahl „1901“ oder „19101“ für das Jahr 2001). Bei damals älteren PCs kam hinzu, dass die interne Echtzeituhr nicht automatisch das Jahrhundert umschalten konnte, was weder vom BIOS noch von MS-DOS oder Windows 98 automatisch korrigiert wurde.
Aufgrund dieser Probleme wurden im Vorfeld des Jahreswechsels 1999/2000 Katastrophenszenarien vorhergesagt, dass durch diesen Fehler Computerabstürze in großem Maß erfolgen würden, auch wenn es Ende der 1990er Jahre war es kaum realistisch zu beurteilen war, inwiefern die Y2K-Problematik von wirklicher Relevanz sein würde.
Es gab Stimmen in den Medien, die Szenarien apokalyptischen Ausmaßes mit weltweiten Computerzusammenbrüchen prognostizierten. Betroffen sein sollten demnach besonders sicherheitsrelevante Bereiche, die auf Computer angewiesen sind (Banken, Industrie oder auch Kraftwerke, im extremsten Fall der Vorhersagen sogar Atomwaffen), durch das Problem fehlgeschaltet oder gar lahmgelegt würden. Als Folgen wurden vom Verkehrschaos über einen Börsencrash und eine Weltwirtschaftskrise bis zur Fehlauslösung nuklearer Waffensysteme viele Szenarien angeführt – selbst Flugzeugabstürze, obwohl Zeitfehler zu diesem Zeitpunkt längst Teil der Zertifizierungsprozeduren für sicherheitskritische Software waren.
Sorgfältige Analysen von Fachleuten wiesen durchaus auf reale Gefahren hin, vor allem für Wirtschaftsunternehmen.
In praktisch allen großen Unternehmen wurde genaue Untersuchung der Computersysteme mit Diagnosesoftware angeordnet, um die befürchteten Folgen so gering wie möglich zu halten. Auch wurden Warnaufkleber für jene Geräte verteilt, die bis Ende 1999 systematisch aus dem Betrieb genommen wurden.
Die Software-Industrie reagierte mit einer Überprüfung ihrer Produkte und Herausgabe von Warnlisten, bei welchen Programmen Fehlfunktionen zu befürchten seien. Diese wurden mit Testroutinen für die Hardware (vor allem die Systemuhren) kombiniert.
Privatanwender fanden im Internet Listen mit gefährdeter Hard- und Software.
Während einige Medien noch bis zum kritischen Jahreswechsel 1999/2000 besorgte Berichte verbreitet hatten, stellte sich Anfang 2000 aber heraus, die vorsorglichen Maßnahmen im Großen und Ganzen ausreichend gewesen waren: Weltweit wurden in vielen Projekten Programme und Datenbestände (vor allem auf Großrechnern) „saniert“, um den „Y2K-bug“ zu vermeiden. Dennoch hatten viele Banken in der Silvesternacht einfach ihre Geldautomaten abgestellt, um Fehler zu vermeiden.
Keiner der bekanntgewordenen Jahr-2000-Probleme hatten eine große Auswirkung. Sie traten auch in Ländern wie Italien, die nur wenig für das Beheben dieses Problems investiert hatten, spärlich auf. Hier einige Beispiele:[1]
Durch die Hardware- und Softwareaktualisierungen, die zur Verhinderung des Y2K-Problems getätigt wurden, waren im Jahr 2000 viele Anwender mit aktuellen Plattformen ausgerüstet. Das löste in der folgenden Vierjahresperiode (Lebensdauer eines gängigen Bürogerätes) einen Einbruch beim Verkauf neuer Systeme und eine spürbare Rezession im Informatikbereich aus.
Die Kosten für die Wirtschaft waren gewaltig. So wurde beispielsweise vom Massachusetts Institute of Technology geschätzt, dass allein das US-amerikanische Medicare-Programm 500 Millionen US-$ zur Behebung des Fehlers ausgeben musste.[2]
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