Joan Blaeu (dt. Johannes Bleau, latinisiert Ioanne Blaev; * 1596 in Alkmaar, Niederlande; † 28. Dezember 1673 in Amsterdam, Niederlande) war ein niederländischer Kartograf und Kupferstecher. 1654 schuf er den ersten Atlas Schottlands. Sein 1662 erstmals erschienener elfbändiger Atlas Maior gehörte zu den aufwendigsten und teuersten europäischen Atlanten des 17. Jahrhunderts.
Joan Blaeu wurde als Sohn Willem Janszoon Blaeus, eines Schülers Tycho Brahes 1596 in Alkmaar geboren und kam um 1603 nach Amsterdam, wo sein Vater ein auf die Herstellung von Erdgloben und Karten spezialisiertes Unternehmen gründete. Über die Ausbildung Joan Blaeus ist lediglich überliefert, dass er 1620 einen Doktortitel in Jura erwarb. Über seine Tätigkeit während der nächsten Jahre seines Lebens liegen dagegen keine schriftlichen Zeugnisse vor. Die Nennung seines Namens auf der 1631 erschienenen Edition des Atlantis Appendix lässt jedoch vermuten, dass er sich nach Abschluss seines Studiums am Geschäft seines Vaters beteiligte. 1636 erschien die erste Auflage des Novus Atlas (vollständiger Titel: Theatrum orbis terrarum, sive, Atlas novus), dessen weitere Bearbeitungen den Ruhm Joan Blaeus als Kartografen begründen sollte.
Beim Tode Willem Janszoon Blaeus im Jahre 1638 übernahm Joan gemeinsam mit seinem Bruder Cornelis die Leitung des Amsterdamer Unternehmens und wurde gleichzeitig als Nachfolger seines Vaters zum offiziellen Kartografen der Niederländische Ostindien-Kompanie berufen. 1640 erschien eine auf drei Bände erweiterte Ausgabe des Novus Atlas. Nach dem Tode Cornelis' im Jahre 1642 führte Joan das Unternehmen alleine weiter. 1651 wurde er in den Amsterdamer Stadtrat gewählt und war damit der erste Kartograf, der dieses Amt ausfüllte. In den Jahren 1645 und 1654 erschienen weitere Ergänzungsbände zum Novus Atlas. Der vierte Band (1645) enthielt Karten von englischen Grafschaften und mit dem fünften Band (1654) schuf Blaeu den ersten Atlas Schottlands. 1655 schloss Blaeu den Novus Atlas mit einem Kartenband zu den Ländern des Fernen Ostens ab.
Um 1652 (es findet sich auch 1649) erschien Blaeus Städtebuch der Niederlande. Es handelt sich um eine zweibändige Sammlung von Stadtkarten in einer niederländischen Ausgabe unter dem Titel Toonneel der Steden van de Vereenighde Nederlanden (Teil 1) über die Republik der Vereinigten Niederlande (entspricht der heutigen Niederlande) bzw. Toonneel der Steeden van ’s Konings Nederlanden (Teil 2) über die Spanische oder Königliche Niederlande (entspricht dem heutigen Belgien und Luxemburg). Die lateinische Ausgabe erschien unter dem Titel Novum ac Magnum Theatrum Urbium Belgicæ Liberæ ac Fœderatæ. Enthalten sind auch einige deutsche Städte.
Amsterdam (Toonneel der Steden)
Festung Rees und Umland (Toonneel der Steden)
Befestigung der Stadt Erkelenz
Fort Rammekens, Zeeland
Bis auf den Sonderfall der Stadt Den Haag, welche nie formale Stadtrechte bekam, fallen aus heutiger Sicht besonders die befestigten Stadtmauern auf. Zeichnerisch bemerkenswert ist die Darstellung der Häuser und wichtigen Bauten, die einem über der Karte schwebenden Betrachter scheinbar entgegen ragen.
Gouda (Toonneel der Steden)
Rotterdam (Toonneel der Steden)
Den Haag (Toonneel der Steden)
Zwolle (Toonneel der Steden)
Nach der Fertigstellung des Novus Atlas begann Blaeu ein noch ehrgeizigeres Projekt. Auf der Grundlage seiner früheren Karten schuf Blaeu den Atlas Maior, einen zunächst elfbändigen, 1662 erstmals erschienenen Atlas mit nahezu 600 Karten und insgesamt 3000 Seiten lateinischem Text. Diesen Atlas sollte die Vorstufe zu einer Kosmografie sein, die Blaeu aber nie realisierte.
Die großformatigen Bände waren auf hochwertigem Papier gedruckt und die Karten mit einer aufwendigen Ornamentik verziert. Auf Wunsch des Käufers konnten die im Original einfarbig gestalteten Karten in Blaeus Werkstatt nachkoloriert werden, was den Wert der einzelnen Bände noch weiter steigerte. Ihr Besitz reflektierte den Reichtum des Käufers und es wird angenommen, dass der Atlas Maior zu den teuersten Publikationen jener Zeit gehörte. Dennoch war dem Werk ein außergewöhnlicher Erfolg beschieden. Spätere Auflagen erschienen in französischer, niederländischer und deutscher Sprache.
Die geplante spanischsprachige Auflage des Atlas Maior blieb ein Fragment, nachdem Blaeus Werkstatt in dem verheerenden Amsterdamer Brand von 1672 vollkommen zerstört wurde. Druckerpressen, Kupferplatten, Bücher und Papier gingen im Feuer verloren. Der Tod Joan Blaeus im folgenden Jahr wird auf diesen schweren Schlag zurückgeführt. Das von Willem Janszoon Blaeu gegründete Unternehmen wurde schließlich 1698 aufgelöst.
Die Taschen-Ausgaben sind keine wirklichen Faksimile-Ausgaben, aber bearbeitete Versionen.
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