Jonathan Culler (* 1944) ist ein US-amerikanischer Romanist, Komparatist und Literaturtheoretiker, der vor allen Dingen durch seine Arbeiten zum Strukturalismus und zur poststrukturalistischen Dekonstruktion international Aufmerksamkeit fand.
Culler studierte Komparatistik an der Harvard University und der University of Oxford. Von 1969-1974 lehrte er Modern Languages an der University of Cambridge. Danach wurde er als Fellow an das Brasenose College in Oxford berufen und arbeitete an französischen Universitäten. 1975 bekleidete er eine Gastprofessur an der Yale University. 1988 war er Präsident der Semiotic Society of America. Zurzeit ist er Class of 1916 Professor of English and Comparative Literature an der Cornell University.
Cullers in Oxford entstandene Dissertation wurde 1975 unter dem Titel Structuralist Poetics: Structuralism, Linguistics and the Study of Literature veröffentlicht. Sie gilt als maßgeblich für die Etablierung des Strukturalismus in der anglophonen Literaturwissenschaft und wurde mit dem James-Russell-Lowell-Preis der Modern Language Association ausgezeichnet.
Seine Veröffentlichungen zu Jacques Derridas Methode der Dekonstruktion (v.a. On Deconstruction, 1982) trugen in ihrem Bemühen, Derridas Denken systematisch zu fassen, dazu bei, diesen zumindest teilweise vom Ruch des Pseudophilosophentums, den er unter amerikanischen Akademikern besessen hatte, zu befreien. Von dekonstruktivistischer Seite wurden jedoch Einwände gegen verkürzt oder allzu harmonisierend dargestellte Sachverhalte geltend gemacht.
Einem weiteren Publikum wurde Culler durch seine "kurze Einführung" in die Literaturtheorie (1997) bekannt, die dadurch aus dem Feld der Handbücher heraussticht, daß ihr Hauptteil nicht nach Schulen und Denkrichtungen geordnet, sondern in die wichtigsten Themengebiete eingeteilt ist.
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