Montag, 28. Mai 2012

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Josef Esch

Josef Esch (* 8. Oktober 1956 in Troisdorf) ist ein deutscher Bauunternehmer, Betreiber von Immobilienfonds und Immobilienentwickler.[1][2] Die meisten Projekte realisierte er in Zusammenarbeit mit der Privatbank Sal. Oppenheim. Nach dem Tod des Bankpatriarchen Alfred Freiherr von Oppenheim im Januar 2005 galt Esch als „faktischer Beherrscher des Bankhauses".[3] Nach der Fast-Pleite der Bank und der anschließenden Übernahme durch die Deutsche Bank hat Sal. Oppenheim die Zusammenarbeit bis auf weiteres eingestellt.[4]

Karriere

Josef Esch arbeitete als Schulkind auf den Baustellen seines Vaters, eines rheinischen Bauunternehmers.[5] Nach einer Lehre als Maurer wurde Esch jüngster Polier Deutschlands.[3] Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1986 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Matthias das Unternehmen. Josef kümmerte sich fortan um die Finanzierung, Matthias um die bauliche Umsetzung der Projekte. Dabei konnte er zunächst wohlhabende Kunden als Investoren für so genannte Bauherrenmodelle gewinnen.

Zusammenarbeit mit Sal. Oppenheim

Über Matthias Graf von Krockow und dessen Schwiegermutter, die Miteigentümerin von Sal. Oppenheim Karin von Ullmann, erlangte Josef Esch Kontakt zu den Gesellschaftern der Privatbank Sal. Oppenheim. Ab 1989 verwirklichte Esch gemeinsam mit dem Bankhaus regelmäßig Immobilienprojekte, die jährliche Renditen von bis zu 25 Prozent erbrachten. Im Jahr 2005 waren es bereits mehr als 60 unterschiedliche Fonds, die an den exklusiven Kundenstamm des Bankhauses vertrieben wurden.[6][7] Kritiker beanstandeten, dass Esch bis zur Übernahme der Privatbank durch die Deutsche Bank im März 2011 massiven Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank nahm, ohne dort irgendeine offizielle Funktion innegehabt zu haben.[3] Esch unterhielt im Bankhaus ein eigenes Büro und nahm ohne Mandat – als persönlicher Freund von Matthias Graf von Krockow – an den Gesellschafterversammlungen teil.

Esch gewann mithilfe der Bank viele traditionsreiche Unternehmer-Familien als Kunden, darunter die Familie Werhahn, Familie Haniel, Familie Boquoi, Claudia Oetker (die erste Ehefrau von Arend Oetker) und den Maxdata-Gründer Holger Lampatz.[3] Er erarbeitete sich vielfach das persönliche Vertrauen seiner Kunden. So soll er der Frau des Schuh-Unternehmers Heinz-Horst Deichmann bei einer Hüftoperation mehrere Tage persönlich beigestanden haben.[3] Auch für Madeleine Schickedanz und Thomas Middelhoff kümmerte er sich persönlich um familiäre Angelegenheiten.[8] Für die 2009 verstorbene Karin von Ullmann, wie für viel andere seiner Kunden, trat Esch als persönlicher Vermögensverwalter mit weitreichenden Vollmachten auf.[9][10]

Schädigung der Stadt Köln

Das Geschäftsmodell mehrerer Esch-Fonds bestand darin, Immobilienprojekte mit dem Kapital der Fondskunden zu verwirklichen und die Einnahmen durch Mietgarantien der öffentliche Hand absichern zu lassen.[11]

Die bekanntesten Projekte der Oppenheim-Esch-Fonds sind

  • Die Fernsehstudios in Köln-Ossendorf und Hürth. Mieter der Studios ist die Magic Media Company (MMC), die sich bis 2004 im Besitz der Brüder Bernd und Helmut Breuer befand. Die Eigentümer verkauften die Gesellschaft mitsamt gewaltiger finanzieller Verpflichtungen an die Lana Beteiligungsgesellschaft mbH, eine Tochter der Sparkasse Köln. Aufgrund enormer Mietgarantien zugunsten eines Oppenheim-Esch-Fonds und einer mangelhaften Auslastung der Studios ist der Sparkasse schon bis zum Jahr 2008 ein Verlust zwischen 80 bis 100 Millionen Euro entstanden.[3]
  • die Lanxess Arena samt Mantelbebauung (Stadthaus) und Parkhaus. Der Mietvertrag für zwei angegliederte Verwaltungsgebäuden wurde zwischen Esch und dem damaligen Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier ausgehandelt und gilt als deutlich zu teuer. Ruschmeier wurde später Teilhaber und Geschäftsführer der Oppenheim-Esch-Holding GbR.[12]
  • die Nordhallen der Kölner Messe. Der Auftrag zum Bau wurde ohne öffentliche Ausschreibung an Esch vergeben. Auch hier vergab die Sparkasse Mietgarantien an den Fonds. Aufgrund der hohen Mieten machte die Koelnmesse im Jahr 2010 einen Rekord-Verlust in Höhe von 34 Millionen Euro.[13] Nach einem Urteil des Kölner Landgerichts zahlte der Oppenheim-Esch-Fond Schmiergeld an Mitarbeiter der Sparkasse KoelnBonn.[14]

Diese Geschäftsprinzipien wurden 2005 im WDR-Film Milliarden-Monopoly[15] öffentlich gemacht. In dem Film kritisiert der ehemalige Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes:

„Und wenn man bedenkt, dass in dem Vertrag genau das Gegenteil drinsteht als das, was der Rat beschlossen hat. Der Rat hat ja wohl bei den Altlasten gesagt, die Altlasten hat der Käufer zu tragen. Und in dem Vertrag steht drin, dass die Altlasten vom Verkäufer getragen werden, dann ist das ja ein starkes Stück. Dann wurde ja der Rat gelinkt – aber nach Strich und Faden.“

Franz-Josef Antwerpes[15]

Neben den Baukosten wurden den Fondskunden oft umfangreiche, intransparente Dienstleistungen in Rechnung gestellt, deren Umfang bis zu 40 Prozent der Investitionshöhe betrug. Diese Mittel flossen vermutlich direkt Josef Esch bzw. dessen Firmen zu. Die Investoren konnten die Kosten allerdings teilweise steuermindernd beim Fiskus geltend machen.[3]

Arcandor-Pleite

Im Jahr 2001 wandte sich die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz an Sal. Oppenheim, um mit einem Bank-Kredit über 120 Millionen Euro ihre Beteiligung am Unternehmen KarstadtQuelle (später Arcandor) zu erweitern. Schickedanz war zu diesem Zeitpunkt Hauptaktionärin des angeschlagenen Warenhaus-Konzerns, verfügte aber nach einer Erbteilung über keine Mehrheit am Unternehmen mehr.

Mit Hilfe der Bank baute Esch ab 2002 enge Kontakte zu Schickedanz und deren Ehemann Leo Herl auf. Bald ließ sich Schickedanz auch in privaten Vermögensfragen durch Esch beraten. Esch nutzte seinen Einfluss und erlangte nun Zugriff auf die umfangreichen Immobilienbestände des Konzerns, die er teilweise in neue Immobilien-Fonds ausgliederte und an Kunden und Gesellschafter von Sal. Oppenheim vermarktete. Die Konditionen, zu denen KarstadtQuelle die Immobilien zurückmieten musste, gelten allgemein als völlig überzogen.

Nach dem sich die Bankenaufsicht gegen neue Kredite für Schickedanz aussprach, wurden ihre Kredit-Geschäfte über die Firma ADG Allfinanz abgewickelt, um so Risiken zu verschleiern. Hinter der Firma standen außer Josef Esch die Gesellschafter Christopher Freiherr von Oppenheim, Graf von Krockow und Baron Georg von Ullmann.

Auf Anraten von Esch holten Madeleine Schickedanz und Leo Herl im Juni 2004 Thomas Middelhoff als Aufsichtsratschef ins Unternehmen. Im Mai 2005 wurde Middelhoff Vorstandsvorsitzender des Konzerns.[16][17] Middelhoff selbst war zu diesem Zeitpunkt bereits über mehrere Esch-Fonds an Karstadt-Immobilien beteiligt.

In mehreren Interviews erklärte Schickedanz später, dass Josef Esch ihr davon abriet, Unternehmensanteile zu verkaufen, um ihre Kreditbelastung zu senken. Stattdessen hielt sie ihre Aktien auch noch, als der Essener Konzern im Jahr 2009 Konkurs anmelden musste. Mit dem Zusammenbruch der Kaufhaus-Gruppe verlor Schickedanz große Teile ihres Vermögens. Sie hat noch immer Verbindlichkeiten in Höhe von 550 Millionen Euro gegenüber der Bank. Sal. Oppenheim stürzte aufgrund der übernommenen Kreditrisiken in eine existentielle Krise und wurde kurz darauf von der Deutschen Bank gekauft. Die älteste Privatbank Deutschlands verlor damit ihre Selbstständigkeit.

Im April 2011 machte Madeleine Schickedanz bekannt, dass sie eine Schadensersatzklage gegen Esch vorbereitet.[18][19]

Firmen-Netzwerk

Im Laufe der Jahre entwickelte Esch ein umfangreiches Firmen-Netzwerk. Zusammen mit dem ehemaligen Kölner Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier und Christopher Freiherr von Oppenheim betreibt Esch in Troisdorf-Sieglar bei Köln die Oppenheim-Esch-Holding GbR, die im Jahr 2010 Immobilienprojekte mit einem Gesamtwert von 4,5 Milliarden Euro verwaltete.[20][21] Ein zentrales Unternehmen ist die Gebr. Esch Wohnbaugesellschaft mbH, an der neben Esch selbst auch von Oppenheim, Ruschmeier, sein Bruder Matthias Esch und sein Neffe Marco Esch beteiligt sind. Mit dem ehemaligen Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff und dessen Frau, sowie seiner eigenen Ehefrau Irma gründete Esch die Meav-GmbH, in der ursprünglich Middelhoffs private Immobilien untergebracht werden sollten, wozu es jedoch nicht mehr kam.[22]

Bis 2010 gehörte Josef Esch die Charterfluggesellschaft Challenge Air mit drei Maschinen in Köln und einem Flugzeug in Paderborn, die er gemeinsam mit Matthias Graf von Krockow betrieb.[1] Zu den wichtigsten Kunden der Fluglinie gehörte Thomas Middelhoff, der allein im Jahr 2006 privat und als Arcandor-Chef Reisekosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro verursachte.[23]

Josef Esch ist außerdem Mitinhaber der Firma Consulting Plus, einem Sicherheitsunternehmen mit 250 Mitarbeitern, das unter anderem Sicherheitsleute für Madeleine Schickedanz und Fahrer für Arcandor zur Verfügung stellte.

Nach Sal. Oppenheim

Nach dem Untergang von Arcandor und dem Verkauf der Bank Sal. Oppenheim an die Deutsche Bank gilt Esch heute bei vielen seiner ehemaligen Kunden als Persona non grata.[24] Nach einem Bericht aus dem Jahr 2011 haben mehrere Anteilseigner von Esch-Fonds aufgrund nicht eingehaltener Zusagen gerichtliche Klagen gegen Esch bzw. Sal. Oppenheim eingereicht, darunter Thomas Middelhoff und seine Frau Cornelie, die Familie Deichmann und der Deutsche-Bank-Manager Axel Pfeil. Holger Lampatz, Familie Kreke und die Familie DuMont prüfen rechtliche Schritte.[25][26]

Seit 2009 ermitteln die Staatsanwaltschaften Essen, Bochum, Bonn und Köln gegen Esch und diverse andere Akteure im Oppenheim-Umfeld. Am 7. Oktober 2010 durchsuchten gleichzeitig 260 Staatsanwälte, Steuerfahnder und Kriminalbeamte 26 Privat- und Geschäftsräume in Köln, Bielefeld, Troisdorf sowie in drei anderen Bundesländern. In Troisdorf durchsuchten 50 Beamte zehn Stunden lang die Geschäftsräume der Josef Esch Fonds-Projektgesellschaft, sowie die bunkermäßig gesicherten Privaträume von Josef Esch.[27]

Im Dezember 2010 wurde bekannt, dass mehrere Journalisten, die über die Bank Sal. Oppenheim und den Immobilienentwickler Josef Esch berichtet hatten, systematisch durch das Umfeld der Firma Consulting Plus observiert worden sind. Die Dossiers über die Journalisten enthielten unter anderem Steckbriefe mit privaten Anschriften, Telefonnummern und Fotos aus der Privatsphäre. Betroffen waren unter anderem Sören Jensen vom Manager Magazin und Jens Gleisberg vom WDR.[28]

Im Februar 2012 teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit, dass sie gegen Esch und mehrere ehemalige Gesellschafter von Sal. Oppenheim (darunter Matthias Graf von Krockow) Anklage wegen Untreue erhoben hat. Den Angeklagten wird vorgeworfen, dem eigenen Bankhaus eine Frankfurter Luxus-Immobilie überteuert verkauft zu haben. Die Immobilie stammte aus einem Esch-Fond an dem die Angeklagten persönlich beteiligt waren. Weil die Mieteinnahmen des Gebäudes nicht die erhoffte Rendite erwirtschafteten, wurde das Gebäude laut Anklage gegen interne Widerstände für 70 Millionen Euro an die Bank weitergereicht.[29]

Privatleben

Josef Esch ist seit Januar 1989 mit der 15 Jahre älteren Irma Esch verheiratet, die auch Besitzerin verschiedener Großimmobilien ist.[30] Sie ist die Ex-Frau des ehemaligen Kölner Torwarts Manfred Manglitz, der im Rahmen des Bundesliga-Skandals wegen Bestechlichkeit zweimal lebenslang gesperrt wurde.[30]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ab Rhein-Sieg-Rundschau, 8. Oktober 2010
  2. Troisdorfer Unternehmer Josef Esch scheut Öffentlichkeit Bonner Generalanzeiger, 2. Januar 2010
  3. abcdefg Manager-Magazin, Sören Jensen, : Sal. Oppenheim. Der Maurer und die Bank, manager magazin, September 2005, vom 26. August 2005, Seite 32 abgerufen am 21. September 2010
  4. Deutsche Bank greift bei Sal. Oppenheim durch. handelsblatt.com, 15. März 2010
  5. „Da kommen Sie nicht gegen an“ Der Spiegel 15/2011
  6. Deutsche Bank greift bei Sal. Oppenheim durch. handelsblatt.com, 15. März 2010
  7. Kölner Klüngelmeister Der Spiegel 47/2004
  8. Wie Hans im Glück Handelsblatt.de, 19. April 2011
  9. Reiche Kundschaft, dunkle Geschäfte – Soap am Rhein faz.net, 23. August 2009
  10. Vornehm und herzlich Kölnische Rundschau, 2. Juni 2009
  11. Das Kölner Spiel ist aus, Die Zeit, 11. Mai 2012
  12. „Ich habe mich als Opfer gefühlt“ Kölner Stadtanzeiger, 8. Juli 2005
  13. Rekordverlust für Kölner Messe Kölner Stadtanzeiger, 23. Juni 2011
  14. WDR – die Story März 2009
  15. ab WDR-Fernsehen, Reihe die story, Ingolf Gritschneder, Georg Wellmann, Gert Monheim (Redaktion): Milliarden-Monopoly. Die verschwiegenen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Holding WDR-Fernsehen, 4. Juli 2005
  16. Middelhoffs Luftnummer Wirtschaftswoche, 13. Juli 2009
  17. Deutschlands Geldadel profitierte von Karstadt-Mieten Spiegel Online, 14. Juni 2009
  18. Quelle-Erbin bereitet Klage gegen ihren ehemaligen Vermögensberater Josef Esch vor Spiegel Online, 9. April 2011
  19. Schickedanz holt zum großen Gegenschlag aus Die Welt, 28. Februar 2012
  20. Hoppenstedt: Firmendatenbank - Groß- und Mittelständische Unternehmen, Auszug am 8. Juni 2009
  21. Troisdorfer Unternehmer Josef Esch scheut Öffentlichkeit General-Anzeiger, 2. Januar 2010
  22. Ein grandioses Geschäft Spiegel Online, 21. Februar 2009
  23. Der unglaubliche TM Der Spiegel 29/2009
  24. Der Borkenkäfer und die Bank Cicero, 29. April 2010
  25. Middelhoff fordert Millionen zurück Manager Magazin, 18. November 2011
  26. Revolte gegen den "heiligen Josef" sueddeutsche.de, 20. Mai 2010
  27. Aber persönlich haften? Neue Rheinische Zeitung, 28. Februar 2012
  28. Journalisten observiert, die über Sal. Oppenheim und Josef Esch berichteten Spiegel Online, 18. Dezember 2010
  29. Zweite Anklage gegen Sal. Oppenheim fertig Focus.de, 12. Februar 2012
  30. ab Der unheimliche Bau-Herr Handelsblatt, 23. Mai 2005
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