Judith Butler (* 24. Februar 1956 in Cleveland) ist eine US-amerikanische Philosophin und Philologin. Sie ist gegenwärtig Professorin für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California, Berkeley. Ihre sozialwissenschaftlich-philosophischen Arbeiten werden dem Poststrukturalismus zugeordnet.
Judith Butler − Tochter eines Zahnarztes und einer Wirtschaftswissenschaftlerin – ist in einer jüdischen Familie ungarischer und russischer Herkunft aufgewachsen. Bereits mit vierzehn Jahren las sie philosophische und theologische Schriften, neben anderen von Spinoza, Buber, Tillich, Locke und Montesquieu.[1] 1974 begann Judith Butler ein Studium der Philosophie an der Yale University, wo sie sich insbesondere mit der Tradition der Phänomenologie auseinandersetzte. Von 1978 bis 1979 studierte sie an der Universität Heidelberg die Philosophie des Deutschen Idealismus bei Hans-Georg Gadamer und Dieter Henrich. 1982 beendete sie in Yale ihr Philosophie-Studium mit dem M.A. Von 1983 bis 1985 übernahm Butler eine Assistenzprofessur für Literatur an der Wesleyan Universität.
1984 wurde Judith Butler mit ihrer Dissertation über den Begriff der Begierde bei Hegel und der Rezeption in der französischen Philosophie promoviert. Der Titel der Arbeit lautet: Recovery and Invention: The Projects of Desire in Hegel, Kojève, Hyppolite, and Sartre. 1988 schrieb sie einige Essays über feministische Theorie. 1991 erhielt sie eine Professur für Humanwissenschaften an der Johns-Hopkins-Universität. 1993 wechselte sie an die Universität Berkeley, wo sie eine Professur für Rhetorik annahm. 1998 erhielt sie den Maxine-Elliot-Lehrstuhl für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft.
Seit 2006 lehrt Judith Butler als Hannah-Arendt-Professorin für Philosophie an der European Graduate School in Saas-Fee.[2] 2008 erhielt Butler den mit 1,5 Millionen USD dotierten Distinguished Achievement Award der Andrew W. Mellon Stiftung für die Bereicherung des intellektuellen Lebens des amerikanischen Volkes durch ihr Werk. Der Preis ehrt die Beiträge der ausgewählten Forscher in den Humanwissenschaften und ist dafür bestimmt, ihre Forschungs- und Lehrbedingungen zu verbessern.[3][4] Im November 2010 gab die Columbia University in New York bekannt, dass Judith Butler in den Jahren 2012 und 2013 als Gastprofessorin dem Fachbereich für Englisch und Vergleichende Literatur beitreten wird.[5][6] Es wird erwartet, dass Professorin Butler ab Juli 2013 dauerhaft an die Columbia-Universität wechselt.[7]
Bekannt wurde Butler durch Schriften zur politischen Theorie („Contingency, Hegemony, Universality“, 2000) und eine Auseinandersetzung mit einem normativen Begriff von Familie und Verwandtschaft („Antigone’s Claim: Kinship Between Life and Death“), sowie eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Begierde, Anerkennung und Subjektwerdung („Politics and Kinship. Antigone for the Present“, 2001). 2002 wandte sich Butler dem Projekt einer Theorie des moralischen Subjekts und der Kritik moralischer Gewalt zu. In ihrer ersten umfangreichen Veröffentlichung zur Moralphilosophie „Giving an Account of Oneself", 2005, bietet Butler einen Umriss einer neuen ethischen Praxis, die der Notwendigkeit kritischer Autonomie entspricht.
Seit März 2009 engagiert sie sich auch für das neu gegründete Russell-Tribunal zu Palästina. Im Juni 2010 sollte sie beim Christopher Street Day in Berlin einen Preis für Zivilcourage bekommen. Die anwesende US-Amerikanerin verzichtete, da die Veranstaltung zu kommerziell und oberflächlich sei und sich „nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung von beispielsweise Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden“, richte.[8][9]
Wie kaum eine andere Philosophin provoziert Butler die Diskussion von Identitätskategorien, dekonstruiert verbreitete Denkgewohnheiten und fasst Konzepte wie das Denken in Kategorien von Körper und Identität neu, wodurch sowohl die philosophische als auch die politische und lebensweltliche Auseinandersetzung mit Kategorien neu entfacht wurden.
Judith Butlers Arbeit lässt sich in drei inhaltlich voneinander abgrenzbare Komplexe ordnen:
Einer von Butlers wichtigsten Beiträgen ist ein performatives Modell von Geschlecht, in welchem die Kategorien männlich und weiblich als Produkt einer Wiederholung von Handlungen verstanden werden und nicht als natürliche oder unausweichliche Materialisierungen. Sie bedient sich in ihrer Analyse verschiedener Theorien und Forschungsansätze von Sigmund Freud, Michel Foucault, Jacques Derrida, Jacques Lacan und Louis Althusser. Ihre Analyse zielt auf ein Verständnis der Verschränkung von Subjekt und Macht, von Physischem und Diskursivem in der Materialität des Körpers, ab. Körper materialisieren sich nie unabhängig von ihrer kulturellen Form, sind also immer an ihre kulturspezifische Wahrnehmung gebunden, die zugleich konstitutiv für die Materie selbst ist (hier lehnt sie sich an Aristoteles an).
Butler wendet diese Überlegung kritisierend auf das biologische Geschlecht des Geschlechtskörpers an, der sich als reglementierendes Ideal etabliert hat. Ihre Beiträge sind auch innerhalb der feministischen und kritischen Theoriebildung einflussreich, weil damit die Kategorie Frau als Subjekt des Feminismus in Frage gestellt wird. Dies führte besonders in Deutschland zu erbitterten Debatten innerhalb der feministischen Theorie.
Weitere Arbeitsgebiete Butlers sind Ethik (etwa in Kritik der ethischen Gewalt), politische Philosophie und die Frage nach dem Subjekt (am deutlichsten in Psyche der Macht und in Das Unbehagen der Geschlechter). Die Subjektwerdung vollzieht sich nach Butler innerhalb diskursiver (Macht-)Strukturen, wodurch jede Identität im Zusammenhang mit den sozialen/kulturellen Verhältnissen zu denken ist.
Butler beschäftigt sich mit der Frage nach dem Verhältnis von Subjekt, Körper und Macht. Dabei hinterfragt sie das transzendental gedachte kohärente Subjekt und nimmt eine fundamentale Gegenposition ein, die sie aus ihrer zentralen These der Performativität begründet. Die Kernvorstellung hierbei ist, dass Worte die Macht besitzen, Dinge wie etwa den biologischen Körper aus einer Begriffssubstanz heraus zu schaffen. Materie und Körper als apriorische Voraussetzungen von Sprache oder (allgemeiner) Zeichen werden infrage gestellt. Die dadurch verursachte neuerliche Ungewissheit bezüglich der Erzeugungsart körperlicher Materialität wird sprachphilosophisch gelöst. Ausgangspunkt ist hier die Annahme, dass Diskurse körperliche Gestalt annehmen können. Dieser Vorgang wird mit Hilfe der Begriffe „Materialisierung“ und „Performativität“ erklärt. Problematisch ist hierbei, dass der Begriff Performanz fast willkürlich anwendbar ist und dadurch vieldeutig und häufig gebraucht wird. Performanz bezieht sich etwa in der Sprachphilosophie auf sprechakttheoretische und universalpragmatische Geltungsansprüche von Sprache, wobei er etwa theaterwissenschaftlich viel eher als ein Aufführen von theatralen Handlungen, also als performance, verstanden wird.
Butler verwendet den Begriff der Performativität in Anlehnung an John L. Austin, der diejenigen Akte als performative Sprechakte bezeichnet, die das, was sie benennen, in Kraft setzen. Worte als performative Akte besitzen nicht nur die Macht, etwas zu beschreiben, sondern besitzen handlungsartige Qualität, indem sie das, was sie bezeichnen, auch vollziehen. Worte bzw. Sprache nehmen hier also den Charakter einer sozialen Tatsache an, wie z. B. die Aussage Es ist ein Junge, der einem bezeichneten Körper einer Kategorie wie etwa Geschlecht zuordnet. Performativität erzeugt durch das wiederholte Zitieren von Normen die Wirkung von Materialität und kann daher nicht als einzelner, absichtsvoller Akt verstanden werden, sondern vielmehr als eine sich ständig wiederholende und zitierende Praxis. Sprechakte erzeugen durch diese Praxis eine Wirklichkeit, verschleiern gleichzeitig aber ihre Geschichtlichkeit und ihren Bezug auf Konventionen.
Dieses Erzeugen bezeichnet Butler als Materialisierung und meint damit nach Foucault den Vorgang der unlösbaren Verschränkung von formierenden Diskursen und Materie. Materie ist nicht unabhängig von Sprache und Diskurs wahrnehmbar, sondern konstituiert sich immer gleichzeitig mit Diskurs und Sprache. Somit sind alle drei Elemente grundlegend für die Materialität von Dingen – Sprache und Diskurs verlieren ihren Sekundärstatus. An dieser Stelle kommt auch die Macht ins Spiel, die für Butler in der materialisierenden Wirkung von Diskurs eingeschrieben ist. So ist jeder Punkt der Wissensbildung gleichzeitig ein Ort der Machtausübung. Macht zeigt sich etwa darin, dass etwas zum Gegenstand von Wissen wird und in weiterer Folge Wahrheitswirkungen erzielt. Wahrheit ist somit nicht diskurs-extern verankert, sondern wird erst durch historisch-diskursive Verläufe geschaffen. Macht ist hier ein dezentriertes, regelgeleitetes Operieren mit geordneten Elementen eines übersubjektiv aufgebauten Systems, das Diskurse, Wirklichkeiten und Wahrheiten konstituiert. Materialität entsteht so gedacht als Machtwirkung einer gesellschaftlichen Normativierung.
Kritisiert wurde an Butlers Theorie insbesondere, dass sie nicht zwischen Sprache und Praxis trenne, was ihre Zentrierung auf eine sprachlich-diskursive Subjektbildung hermetisch mache. Ebenso angegriffen wurde Foucaults Macht-Begriff, auf dem Butler auf Grund seines Ausschließens einer Sphäre des Außen, einer Sphäre jenseits von Macht, ausdrücklich aufbaut.
Butler selbst positioniert sich im Feld der Geschlechterforschung als feministische Theoretikerin, die ihren Schwerpunkt in der Erforschung des Zusammenhangs von Macht, Geschlecht, Sexualität und Identität legt, nicht zwangsläufig im Bereich der queer studies, dem sie oft zugeordnet wird.
In ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter führt Butler aus, dass die feministische Forschung vielfach fälschlicherweise Frauen als Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Interessen betrachtet. Dabei werden trennende (ethnische, kulturelle, klassenspezifische u. a.) Differenzen zwischen Frauen übersehen und darüber hinaus ein binäres System der Geschlechterbeziehungen impliziert. Butler bezeichnet die feministische Forschung an dieser Stelle als inkohärent, zumal Anhänger des Feminismus einerseits darin übereinstimmten, dass Anatomie kein Schicksal sei, andererseits aber ein binäres System der Geschlechtlichkeit (männlich/weiblich) tradierten, das die Auffassung einer patriarchalen Kultur verfestige. Die Hervorhebung der Differenz der Geschlechter stehe zudem der feministischen Forderung nach Gleichheit grundsätzlich entgegen, die maskuline Asymmetrie der Geschlechter werde lediglich umgekehrt:
Butler macht also nicht die Differenz der Geschlechter zum Ausgangspunkt politischer Bewegungen und wirft dem Feminismus vor, vorhandene Geschlechtsrealitäten noch zu verhärten, anstatt die Möglichkeit zu bieten, neue Identitäten zu entwickeln. Kritiker werfen Butler diesbezüglich vor, den Feminismus zu einer Debatte über symbolische Repräsentationsformen von Geschlecht zu verkürzen, anstatt sich auf Themen zu konzentrieren, die Frauen wirklich betreffen. Geschlecht bilde nun mal einen wesentlichen Teil vieler individueller Identitäten, deren Umgestaltung käme für die meisten Frauen nicht in Frage.
Butlers erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt ist der dekonstruktivistischen Geschlechterforschung zuzuordnen, die Geschlecht im Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur ansiedelt. Ausgangspunkt ist hier die Frage, ob angeblich natürliche Sachverhalte nicht diskursiv durch kulturelle Denksysteme und Sprachregeln bestimmt sind, ebenso wie durch wissenschaftliche Diskurse und politische Interessen. Butler vertritt die Auffassung, dass Geschlecht ausschließlich eine soziale Kategorie darstellt, die dem Körper ein biologisches Geschlecht einschreibt. Die kulturell definierte Vorstellung von als Geschlechtskörpern codierten Körpern erscheint als Sedimentation eines diskursiven Machtmechanismus, der die Verfestigung von Begriffen als Natürliches verschleiert. Natur erscheint nach Butler dort, wo Körper mittels diskursiver Praktiken begrifflich erzeugt werden. Sie stellt die biologische, binäre Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit radikal in Frage. Sie sprengt, indem sie mimetisch die Voraussetzungen für soziale Geschlechtsmerkmale und (hetero-)sexuelle Orientierungen rekonstruiert, jede kausallogische Fundierung von körperlichen Geschlechtsmerkmalen und sozialer Geschlechtsidentität. Butler wendet sich also konsequent von der feministischen Idee einer Unterscheidung von sozialem und biologischem Geschlecht ab, indem sie sprachtheoretisch konsequent mit dem natürlichen Geschlechtskörper bricht. Sie lehnt die Annahme ab, Geschlecht sei eine natürliche Eigenschaft von Körpern, die die Grundlage für eine natürliche Geschlechterordnung bilde. Folglich existiere auch keine vordiskursive Differenz zwischen Geschlechtern. Für Butler lässt sich das Paradoxon einer natürlichen Geschlechterordnung nur auflösen, wenn aufgezeigt wird, dass und wie diese Ordnung als natürliche konstruiert wird.
Diskurse über die eindeutige Geschlechtszuweisung finden, so Butlers Darstellung, immer wieder statt und sind deshalb Veränderungen unterworfen, zumal die Kategorie Geschlecht diskursiv konstruiert wird. So ist die Einordnung in eine geschlechtliche Norm insoweit instabil, als die Norm an sich bereits durch Diskurse ebenso verändert wird wie die Zuordnung zu ihr. Eine kritische Genealogie der Geschlechterontologie, die die Veränderbarkeit und die Historizität von Natur und Kultur belegt, wird bei Butler nicht explizit dargestellt. Allerdings beruft sich Butler auf eine kulturelle „Matrix der Intelligibilität“, die das Geschlecht auf einen Körper zurückführt und ihn der Norm unterwirft. Körper sind für sie hier Gegenstände, die allein mittels Verstand und Vernunft vorgestellt werden können, also Konzepte und Konstrukte, die in der Gesellschaft akzeptiert und dadurch sichtbar und wahrnehmbar werden, wie etwa das heteronormative Modell der binären Geschlechtlichkeit. Diese Vorstellungen werden in einer Matrix des Sozialen gedacht, einem feinen Netz von Diskursen und Machtstrategien, die um einen (diskursiv hervorgebrachten) Gegenstand gespannt werden. Ihr zentraler Gedanke, dass Geschlecht ein soziales und künstliches Konstrukt sei, wird in der Frage nach dem Gewicht von Körpern noch weiter präzisiert. In dem gleichnamigen Buch fasst sie die Materialität von Körpern als produktive Wirkung von Macht auf und stellt sich die Frage, wie es zu einer besonderen Bedeutung eines Körpers, einer Identität oder eines Subjekts kommen könne, die das Andere ausschließe. Sie beantwortet die Frage, indem sie eine gesellschaftliche Vorstellungsmatrix annimmt, die von binärer Körperdifferenz ausgeht. Die Unterwerfung unter diese verlangt, dass andere, nicht einzuordnende Formen von Körpern verworfen werden. Das Verworfene sind nicht lebbare Möglichkeiten des sozialen Lebens, die aufgrund ihrer Ausschließung das Subjekt konstituieren. Zurückgewiesene, nicht lebbare Körper werden zur Bedingung derjenigen, „die sich mit der Materialisierung der Norm als Körper qualifizieren, die ins Gewicht fallen“ (Körper von Gewicht, S. 40). Was an machtvollen Interventionsmöglichkeiten bleibt, ist Performativität als die Macht des Diskurses, Wirkungen durch ständiges Wiederholen hervorzurufen.
Die politische Theorie von Judith Butler kann unter dem Titel subversive Politik des Subversiven subsumiert werden. Performativität bildet hierbei das sprachtheoretische Bindeglied zwischen Feminismus und Politik, in dem sich die Annahme der sozialen Wirksamkeit von Sprechakten verbindet.
Butlers Überlegungen kreisen immer wieder um das Problem, wie subversive Wiederholungen zustande kommen können. Trotz der von Foucault übernommenen Idee der Ubiquität der Macht versucht Butler, einen Raum zu eröffnen, der Veränderungen denkbar macht, ohne auf souveräne Subjekte zurückgreifen zu müssen. Der Interessensschwerpunkt liegt bei Butler also auf der Gesellschaftswirksamkeit von Performativität und auf der kritischen Machtwirkung performativer Sprechakte. Eine Möglichkeit, existierende Wirklichkeiten aufzubrechen, sieht sie in der Reproduktion der Struktur durch wiederholende Sprachpraxis. Durch eine Wiederverwendung und Neudeutung von Denkfiguren von Identität und Norm werden sozial autorisierte „Körper/Subjekte von Gewicht“ durch eine durchbrechende performative Verschiebung entwertet. Sprechakte nehmen in diesem Fall nicht-konventionelle Bedeutungen an, die durch Wiederholung politischen Stellenwert gewinnen.
Konsequent verweigert Butler auch in ihrem politischen Denken die Unterscheidung von sex und gender. Ihr Ausgangspunkt ist die Annahme, dass auch das biologische Geschlecht/sex durch materialisierende Akte von Sprache entstehe. Durch Dekonstruktion gelte es auch hier, Spielraum für ein Erproben von alternativen Geschlechtsidentitäten, „queer identities“, zu schaffen. „Queer“ ist hierbei nicht als ständig wechselbare Identität gedacht, ebenso wenig wie „queer“ auf den Wunsch eines Körpers jenseits von Macht verweist. Ziel sei vielmehr, die Kontingenz von anatomischen Körpermerkmalen und performativer Geschlechtsidentität aufzuzeigen und Geschlechter-Verwirrung zu stiften. Butlers Konzept der Subversion setzt voraus, dass Subjekte, die gegebene Geschlechtsidentitäten annehmen, zwangsläufig inkohärente Konfigurationen erzeugen, die durch die Valenz überschneidender und widersprüchlicher Diskurse Widerstand hervorrufen. Durch diese Koexistenz der Diskurse entsteht die Möglichkeit der Rekonfiguration und Neu-Einsetzung: zum Beispiel durch Parodie, Travestie oder andere experimentelle Praktiken.
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