Julius Petersen (* 5. November 1878 in Straßburg; † 22. August 1941 in Murnau, Oberbayern) war ein deutscher Literaturwissenschaftler.
Petersen legte sein Abitur 1897 am Nicolai-Gymnasium in Leipzig ab und studierte anschließend Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Philosophie in Lausanne, München, Leipzig und Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten Albert Köster, Wilhelm Dilthey, Erich Schmidt und Heinrich Wölfflin. 1903 promovierte er in Berlin bei Gustav Roethe über Schiller und die Bühne. Seine Habilitation folgte 1909 bei Hermann Paul in München mit einer Arbeit über Das Rittertum in der Darstellung des Johannes Rothe.
Von 1909 bis 1911 war Petersen Privatdozent für Deutsche Philologie an der Universität München, 1911 wurde er dort zum außerordentlichen Professor für Germanische Philologie berufen. 1912 wechselte er an die Yale University in New Haven (Connecticut/USA) und von dort im August desselben Jahres an die Universität Basel. 1914/15 war er Professor für Neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Frankfurt am Main. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er 1920 an die Universität Berlin zurück, wo er die Nachfolge von Erich Schmidt als Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte antrat. 1920 bis 1933 war Petersen Kodirektor, 1933 bis zu seinem Tod 1941 Direktor des Germanischen Seminars. Ab 1923 leitete er zusammen mit Max Herrmann, ab 1933 schließlich allein das neu gegründete Theaterwissenschaftliche Institut. Vortragsreisen führten ihn in den folgenden Jahren nach Portugal (1927), Nordamerika (1933), England und Estland (1935).
Petersen war einer der einflussreichsten Germanisten der 1920er und 1930er Jahre und, wenngleich kein Parteimitglied, so doch maßgeblich an der Gleichschaltung seiner Disziplin mit dem Nationalsozialismus beteiligt. Seit 1934 war er Herausgeber der Zeitschrift Euphorion, in der er 1934 in seinem Aufsatz Die Sehnsucht nach dem Dritten Reich in deutscher Sage und Dichtung schrieb: „Der Glaube an die gottgewollte Sendung eines Heilsbringers und Führers zum Guten wird religiöse Gewißheit“.[1]
Petersens Lehr- und Forschungsschwerpunkte waren die mittelhochdeutsche Sprache und Literatur sowie die deutsche Literatur vom 16. bis Ende des 19. Jahrhunderts. Renommee erwarb er sich als Herausgeber der Werke und Schriften Johann Wolfgang von Goethes, Friedrich Schillers und Friedrich Hölderlins, so etwa der Welt-Goethe-Ausgabe (1936–1940; angelegt auf 50 Bände, von denen allerdings nur acht erschienen), der Großen Stuttgarter Ausgabe der Werke Hölderlins (1943–1985) und der Schiller-Nationalausgabe (erscheint seit 1943; von ihm selbst vorbereitet: Band 1, Gedichte 1796–1799).
Er war seit 1898 Mitglied des Corps Suevia München.[2] 1926–1938 war er Präsident der Goethe-Gesellschaft. Seit 1927 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
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