Juri Abramowitsch Golfand (* 10. Januar 1922 in Charkow; † 17. Februar 1994 in Jerusalem; englische Schreibweise Yuri Golfand) war ein russischer theoretischer Physiker, einer der Entdecker der Supersymmetrie.
Golfand studierte Mathematik und Physik an der Universität Charkow (ukrainisch: Charkiw), unterbrochen vom Wehrdienst im Zweiten Weltkrieg (als Flugzeugmechaniker). Nach dem Krieg setzte er sein Studium (der Mathematik) in Leningrad fort, wo er 1946 seinen Abschluss machte und ein Jahr später promovierte. Danach arbeitete er an einem Forschungsinstitut für Elektrotechnik bevor er sich 1951 der Theoriegruppe von Igor Tamm am Lebedew-Institut (FIAN) in Moskau anschloss. Er arbeitete in Quantenfeldtheorie, wo er u.a. 1959 eine Arbeit über Renormierungstheorie schrieb unter der Annahme, dass der vierdimensionale Impulsraum eine konstante (von Null verschiedene) Krümmung besäße.[1] 1970 fand er mit seinem Studenten Evgeni Likhtman eine Erweiterung der Poincare-Algebra[2] mit Hilfe von Spinoren, die das erste Beispiel einer vierdimensionalen Supersymmetrie-Theorie (in diesem Fall einer Variante der supersymmetrisch erweiterten Quantenelektrodynamik) lieferte.[3] Etwas später führten D. Volkov und V. P. Akulov in Charkow ebenfalls die vierdimensionale Supersymmetrie ein.[4] Die russischen Arbeiten fanden damals wenig Aufmerksamkeit, und der wirkliche Aufschwung der Supersymmetrie setzte erst 1974 mit den Arbeiten von Julius Wess und Bruno Zumino im Westen ein.[5] Heute gilt die Theorie, die auch von den Pionieren der Stringtheorie (im Rahmen einer World-Sheet Supersymmetrie, also zunächst in zwei Dimensionen) André Neveu, John Schwarz und Pierre Ramond um 1971 eingeführt wurde[6], als wichtiger Baustein einer vermuteten umfassenden Theorie der Elementarteilchen und ihrer Wechselwirkungen (GUTs), beispielsweise innerhalb der Stringtheorie (Superstrings), die als Kandidat für GUTs Supersymmetrie zur Voraussetzung hat.
Kurz nach dieser wegweisenden Arbeit wurde er 1973 im FIAN entlassen.[7] Nachdem er einen Ausreiseantrag nach Israel gestellt hatte, fand er auch keine andere Stellung als Wissenschaftler in der Sowjetunion. 1980 wurde er auf starken Druck ausländischer Physiker, z. B. von der APS, wieder am FIAN eingestellt (allerdings nicht in der Theorie-Abteilung). Erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 konnte er mit seiner Familie nach Israel ausreisen. Seine letzten Jahre verbrachte er in Haifa, mit einem Forschungsauftrag vom Technion. Er starb an einem Gehirnschlag.
1990 erhielt er den Tamm-Preis der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften.
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