Als Kaffeekrise bezeichnet man den dramatischen Verfall der Kaffee-Weltmarktpreise ab zirka 2001 und die sich daraus ergebenden Folgen für Kaffeeproduzenten auf der ganzen Welt.
Seit 1962 wurde der Kaffee-Weltmarkt zwischen Produzenten- und Konsumentenländern durch ein internationales Abkommen der Internationalen Kaffeeorganisation reguliert. Für jedes kaffeeproduzierende Land wurden Quoten festgelegt, um eine Überproduktion und damit einen Preisverfall zu vermeiden.
Während des Kalten Krieges hatten die USA das internationale Kaffeeabkommen unterstützt, um zu verhindern, dass sich verarmte Kaffeebauern kommunistischen Bewegungen anschließen. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor das Kaffeeabkommen diesen Nutzen, weshalb die USA (größtes Konsumland) daraus austraten. Bereits zuvor war das Abkommen durch heftige Feilschereien um die Quotenverteilung geschwächt. 1989 wurde es schließlich suspendiert; jedes Land durfte nun beliebig viel Kaffee produzieren und exportieren.[1]
Bis in die 1990er Jahre waren Brasilien, Kolumbien und Indonesien die drei größten Kaffeeproduktionsländer. Dann begann die Weltbank, den Kaffeeanbau vor allem in Vietnam zu fördern. Mit den Erlösen aus dem Kaffeeexport sollte das südostasiatische Land seine Auslandsschulden begleichen. Um Kaffeeplantagen anzulegen wurden auch Regenwälder gerodet und Ureinwohner vertrieben.[2]. Vietnam, zuvor auf dem Kaffeemarkt unbedeutend, stieg bis 1999 zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten hinter Brasilien auf.[3] Auch in anderen Ländern, wie beispielsweise der Elfenbeinküste, wurde der Kaffeeanbau ausgeweitet.
Dies führte zu einer Überproduktion – es wurde mehr Kaffee produziert als verbraucht. Gemäß den Marktgesetzen sinken bei einem Überangebot die Preise. Ab 2001 brach der Kaffee-Weltmarktpreis zusammen; er sank auf ein Niveau, das in den vergangenen 50 Jahren nicht unterboten worden war.
Für die circa 25 Millionen Menschen vorwiegend in Entwicklungsländern, die von der Kaffeeproduktion leben, hatte dies weitreichende Folgen. Kaffee anbauende Kleinbauern verelendeten, Landarbeiter verloren ihre Beschäftigung.
Einige Beispiele für die konkreten Folgen:
2006 beruhigte sich die Lage auf dem Kaffee-Weltmarkt etwas, die Preise stiegen wieder. Die Nachfrage nach Kaffee insbesondere in Schwellenländern wie China und in osteuropäischen Ländern nahm zu und das Angebot sank.
Manche Kaffeebauern sind auf den Anbau anderer, lukrativerer Produkte wie Koka oder (in Ostafrika) das Rauschmittel Kath umgestiegen. Andere verhungerten oder wanderten in die Städte ab. All dies führte zu einer Verringerung der Überproduktion. Bei steigenden Preisen könnten neue Produzenten / Plantagen in den Kaffeeanbau einsteigen und eine erneute Überproduktion verursachen.
Der „Faire Handel“ versucht Kaffee-Kleinbauern zu unterstützen, indem er ihnen - unabhängig von den Schwankungen der Weltmarktpreise - existenzsichernde Mindestpreise garantiert.
77 Mitglieder der Internationalen Kaffeeorganisation (IKO) (der 31 Einfuhrländer und 45 Ausfuhrländer angehören) schlossen 2007 ein Internationales Kaffee-Übereinkommen, um die globale Kaffeewirtschaft zu stärken und ihre nachhaltige Entwicklung mittels zahlreicher Maßnahmen zu fördern.[6]
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