Die Kaiserlich Japanische Armee (jap. 大日本帝國陸軍, Dai-Nippon Teikoku Rikugun, dt. „Heer des Kaiserreichs Groß-Japan“) war die offizielle Landstreitkraft des Japanischen Kaiserreichs von 1868 bis 1945. Sie wurde vom Generalstab und dem Heeresministerium kommandiert. Neben der Kaiserlich Japanischen Marine war sie eine von zwei Teilen der Streitkräfte im Japanischen Kaiserreich, in Kriegszeiten zusammen vom Daihon’ei kommandiert.
Die Kaiserlich Japanische Armee wurde geschaffen, um die traditionellen japanischen Krieger, die Samurai, durch eine moderne Wehrpflichtigen-Armee europäischen Stils zu ersetzen. Dies geschah während der als Meiji-Restauration bezeichneten Epoche, die zum Ende des Tokugawa-Shogunates (Bakufu) und der Wiederherstellung der kaiserlichen Herrschaft in Japan führte. Der Impuls zur Schaffung einer modernen Armee westlichen Zuschnitts wird Ōmura Masujirō zugeschrieben, nach seiner Ermordung wurden seine Ideen von seinem Protegee und Nachfolger Yamagata Aritomo weiter umgesetzt. Die letzte Erhebung von unzufriedenen Samurai, die Satsuma-Rebellion, wurde 1876/77 von der regulären Kaiserlich Japanischen Armee in verlustreichen Kämpfen niedergeschlagen.
Die Armee wurde zuerst mit Hilfe der Vereinigten Staaten (die gerade den Sezessionskrieg überstanden hatte), später französischer und schließlich deutscher Berater aufgebaut. Dadurch wuchs sie zur modernsten Armee Asiens heran: gut ausgebildet, gut ausgestattet und mit hoher Kampfmoral. 1940 standen 376.000 Mann im aktiven Dienst, die Armee verfügte über 2 Millionen Reservisten in 31 Divisionen. Es fehlte ihr jedoch im Vergleich zu zeitgenössischen europäischen Armeen an ausreichender Artillerie, an Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen. Da Japan keine Luftwaffe als eigenständige Waffengattung besaß, entwickelte die Armee auch eine kampfstarke Luftstreitkraft, die Japanischen Heeresluftstreitkräfte, die mit modernen Flugzeugen eigener Produktion ausgerüstet waren und vor allem Bodenoperationen taktisch unterstützen sollten.
Politisch einflussreich war die Armee seit der Gründung während der Meiji-Restauration. Die Kaiserlich Japanische Armee und die Kaiserlich Japanische Marine hatten seit 1900 auch formal ein Vetorecht bei der Kabinettsbildung. In den 1930er Jahren kam es zu mehreren Putschversuchen des Militärs, so dem März-Zwischenfall und dem Oktober-Zwischenfall 1931. Seit spätestens 1935/36 war eine Militärfraktion dominierend, die einen nationalistisch engeren Panjapanismus anstrebte, eine Konföderation der asiatischen Staaten unter japanischer Führung (vgl. Kokutai). In ihr sollte Japan mit seinen Kolonien in Korea, Taiwan und Mandschukuo zur Großostasiatischen Wohlstandssphäre werden. Zwar wurde noch 1936 ein weiterer ultranationalistischer Aufstand eines Teils der japanischen Streitkräfte blutig niedergeschlagen, aber die Weichen einer aggressiven Expansionspolitik des japanischen Kaiserreiches in Ostasien waren gestellt, die letztlich im Rahmen des Zeiten Weltkriegs zum Pazifikkrieg ab Dezember 1941 führte.
Die Kaiserlich Japanische Armee wurde schließlich im September 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation durch die Alliierten aufgelöst und später durch die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte ersetzt.
Während des Chinesisch-Japanischen Krieges und des Zweiten Weltkriegs wurde die japanische Armee bekannt für ihren Fanatismus und ihre Brutalität gegen Kriegsgefangene wie auch Zivilisten. Nach der Kapitulation Japans im Sommer 1945 wurden viele ihrer Offiziere für Kriegsverbrechen und Grausamkeiten in den Tokioter Prozessen vor Gericht gestellt und verurteilt.
bekannte Fälle während des Zweiten Weltkrieges:
Japanischer Nationalismus bedeutete, dass das Militär um ein Konzept dieser Zeit aufgebaut wurde: Ein reiches Land hat ein starkes Militär (fukoku kyōhei). Japan als Land sei heilig, und das japanische Volk sei etwas Besonderes, was auf die Kombination von Zen, anderen Formen des Japanischen Buddhismus und Shinto zurückgeführt wurde.
Der Dienst in der Armee wurde als Dienst am japanischen Kaiser gesehen. Jeder Soldat glaubte (so zumindest die Theorie), dass es eine große Ehre sei, für den Kaiser zu sterben, da das Konzept des Samurai, zu dienen, tief in der gesamten soldatischen Kultur verankert war.
Das Konzept des Yamato-Damashi gab jedem Soldaten vor, sich nie gefangen nehmen zu lassen, nie zusammenzubrechen, nie zu kapitulieren. Ein Feigling zu sein, oder gefangen genommen zu werden, war eine Schande für die Familie, die Gemeinde und das Land. Jeder Soldat wurde ausgebildet, bis zum Tod zu kämpfen und es wurde von ihm erwartet, den Tod der Schande vorzuziehen. Oft riefen die Soldaten gemeinsam "Banzai", bevor sie kämpften oder angriffen, so dass sie mit Ehre sterben würden. Dieser einzigartige Code verbot jedem Soldaten jemals Kriegsgefangener zu werden. Jeder Soldat akzeptierte dies als Teil des Bushidō- Verhaltenskodex. Der Armeetheoretiker Sadao Araki empfahl auch die Anpassung des Bushido an die aktuellen Verhältnisse in Form der Seishin Kyoiku ("Spirituelle Ausbildung") - Doktrin für die Indoktrination der Armee und die operative Ausbildung.
Jeder Soldat solle sein Leben hinter sich lassen und benötige nichts als Ehre. Den eigenen Namen in Ehre zu halten und das Gesicht zu wahren, bedeutete ihnen alles. In diesem Sinne bedeutete Yamato Damashi den alten japanischen Geist der Selbstbeherrschung im Angesicht großer Gefahr, um niemals aufzugeben.
Zwar verkörperte der Kaiser als Symbol die japanische Staatsmacht. Tatsächlich aber beinhaltete die Rolle des Kaisers keine faktische Machtausübung. Die tatsächliche Macht wurde von Bürokraten in der staatlichen Hierarchie unter ihm ausgeübt. Der Kaiser war zwar in der Theorie Oberkommandierender der Streitkräfte, in der Praxis aber folgte er den "Bitten" der Regierung. Der Kaiser trug jedoch stets die Uniform des Oberkommandierenden, und ihm wurde bei allen offiziellen Gelegenheiten von allen Angehörigen der Streitkräfte salutiert.
Die Regierung konnte die Mobilmachung der Streitkräfte nur anordnen, wenn alle Minister des Kabinetts darüber einstimmig entschieden. Dem Monarchen kam hierbei nur die Rolle der formellen Bestätigung des Beschlusses zu. Der Kaiser musste bei allen offiziellen Sitzungen der Minister der Regierung anwesend sein, damit deren Beschlüsse bindend werden konnten. Während der Beratungen pflegte er zu schweigen und sorgte doch durch seine Zustimmung dafür, die Politik der Regierung vor dem japanischen Volk zu legitimieren.
Nur bei seltenen Gelegenheiten des kaiserlichen Rates, wenn die Minister völlig unfähig zu einer Einigung waren, und wenn die Abstimmung aller Minister unentschieden ablief, fragten die Minister den Kaiser um seine Ansicht. Sie legten dem Kaiser die möglichen Optionen vor und der Kaiser gab seine Ansicht kund und musste dabei im Rahmen der vorgelegten Optionen bleiben.
Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Verfahren durch Kaiser Hirohito genutzt, um zu entscheiden, dass der Krieg beendet werden sollte. 1945 befahl Kaiser Hirohito das erste und letzte Mal in seiner Rolle als Oberkommandierender direkt über eine vorab aufgezeichnete Radiosendung allen Japanern, sich den amerikanischen Streitkräften zu ergeben.
Zusätzlich zu den Kampftruppen betrieb die Armee verschiedene Arsenale, in denen neben technischer Entwicklung und Kriegswaffenherstellung auch zivile Waffen hergestellt wurden.
Die Tabelle zeigt die Dienstränge zur Zeit des Pazifikkrieges.
| jpn. Rangbezeichnung | deutsche Übersetzung | kommandiert | |
|---|---|---|---|
| Ehrentitel[1] | 元帥, gensui | Feldmarschall | Hauptarmee, Regionalarmee |
| Generäle | (陸軍)大将, (rikugun) taishō | General | Hauptarmee, Regionalarmee, Armee |
| (陸軍)中将, (rikugun) chūjō | Generalleutnant | Regionalarmee, Armee, Division | |
| (陸軍)少将, (rikugun) shōshō | Generalmajor | Brigade | |
| Stabsoffiziere | (陸軍)大佐, (rikugun) taisa | Oberst | Regiment |
| (陸軍)中佐, (rikugun) chūsa | Oberstleutnant | Regiment | |
| (陸軍)少佐, (rikugun) shōsa | Major | Bataillon | |
| Truppenoffiziere | (陸軍)大尉, (rikugun) taii | Hauptmann | Kompanie |
| (陸軍)中尉, (rikugun) chūi | Oberleutnant | Kompanie, Zug | |
| (陸軍)少尉, (rikugun) shōi | Leutnant | Zug | |
| Unteroffiziere | (陸軍)准尉, (rikugun) jun’i | Stabsfeldwebel | Zug |
| (陸軍)曹長, (rikugun) sōchō | Oberfeldwebel | Zug | |
| (陸軍)軍曹, (rikugun) gunsō | Feldwebel | Gruppe | |
| (陸軍)伍長, (rikugun) gochō | Unteroffizier | Gruppe | |
| Mannschaften | |||
| (陸軍)兵長, (rikugun) heichō | Hauptgefreiter | ||
| (陸軍)上等兵, (rikugun) jōtōhei | Obergefreiter | ||
| (陸軍)一等兵, (rikugun) ittōhei | Gefreiter | ||
| (陸軍)二等兵, (rikugun) nitōhei | Soldat |
1,7 Millionen Soldaten wurden getötet, verwundet, vermisst oder sind in Kriegsgefangenschaft geraten.
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