Katar (arabisch قطر Qatar, DMG Qaṭar) ist ein Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf.
Der Staat Katar liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Von Süden nach Norden dehnt sich das Land rund 180 km, von Westen nach Osten 80 km aus. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.
Salzsümpfe und Wüstenstreifen trennen Katar vom Rest der arabischen Halbinsel. Die Salzpfannen – sogenannte Sabkhas – auf Meeresniveau sind Relikte aus der Zeit, als Katar noch eine Insel war. Erst durch eine leichte Hebung des Landes entstand die Verbindung zum arabischen Festland. Aus diesen Sümpfen steigt nach Norden das sanft gewellte Hügelland empor, das für ganz Katar prägend ist. Der Höchste Punkt Katars ist der Berg Qurayn Abu al Bawl mit 103 m, im Süden von Katar.[4] Nach Osten fällt das Land sanft zum Meer ab. Das überwiegend flache Land ist von Geröll- und Kieswüste geprägt. Sanddünen kommen nur vereinzelt vor, meist an der Küste im äußersten Südosten. Die Küste wird von mehreren langgestreckten Buchten gegliedert. Besonders an der Ostseite sind zahlreiche Korallenriffe vorgelagert.
Das Grundwasser hat einen hohen Salzgehalt; Trinkwasser wird in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen. Im Südosten befindet sich die Meereslagune Khawr al Udayd.
Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Aufgrund der Nähe zum Persischen Golf ist das Klima ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C. Allerdings sind gerade in den letzten Wintern auch Temperaturen unter 10 Grad häufiger vorgekommen. Häufig weht der trocken-staubige Nordwestwind Schamal.
Katar ist vielerorts unfruchtbar und verödet, noch unwirtlicher als die anderen arabischen Wüstenstaaten. Nur im Norden, wo die Niederschläge noch etwas häufiger sind, wachsen Wüstenhyazinthen, Palmen und Dornbüsche. Nach dem seltenen Regen sprießen Gräser und Kräuter hervor, treiben Blüte und Frucht in sehr kurzer Zeit und verdorren sofort wieder. In den Salzpfannen wachsen spärliche salzliebende Gräser und Sträucher (Halophyten).
Nur wenige Tierarten – Wüstenspringmäuse, Igel, Geckos und Warane – können unter den extremen Lebensbedingungen der Wüste existieren. Zugvögel rasten im Winter an der nördlichen Küste. Es gibt etwa 30 einheimische Vogelarten. Für die gefährdeten Oryxantilopen wurde südlich von Doha ein Wildpark errichtet. Die Gewässer des Persischen Golfes sind sehr fischreich. Manchmal sind auch Pottwale, Delfine und die vergleichsweise seltenen Seekühe aufzufinden. An der Nordküste befinden sich westlich von Ras Laffan Eiablagestrände von Meeresschildkröten.
Im Wildpark al-Wabra befinden sich 50 der 80 in menschlicher Obhut lebenden Spix-Aras.
Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der Einwohner Katars sind Ausländer. 34 % sind indischer und pakistanischer, 16 % iranischer und 5 % sonstiger Abstammung. 25 % der Einwohner stammen aus anderen arabischen Ländern. Das Bevölkerungswachstum lag zwischen 1994 und 2004 bei 4,2 %. Der Anteil der unter 15-Jährigen betrug 2004 22,3 %. Im selben Jahr lebten 92 % der Einwohner in Städten. Die Lebenserwartung lag bei 74 Jahren. 77 % der Einwohner gehören dem sunnitischen Islam an, diese sind vor allem streng islamische Wahhabiten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Ausländern herrschen Schiiten vor; ferner gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar.[5] Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch. Daneben werden Urdu und andere indoarische Sprachen gesprochen.
Als Staat mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt besitzt Katar ein sehr gutes soziales Fürsorgesystem, Hilfsbedürftige erhalten feste monatliche Bezüge. Die medizinische Versorgung ist gut und steht kostenlos zur Verfügung. Es gibt keine allgemeine Schulpflicht, der Unterricht ist aber auf allen Ausbildungsstufen kostenlos; die Analphabetenrate betrug 2004 11 %. Seit 1973 besitzt Katar eine eigene Universität. Die größten Städte sind gemäß Volkszählung vom April 2010: Doha 521.283 Einwohner, ar-Rayyan 392.428 Einwohner, ar-Rayyan Industrial Area 260.726 Einwohner, Adh Dhakhirah 128.574 Einwohner, Al Khor 80.220 Einwohner, al-Wakra 79.457 Einwohner, Umm Salal 60.509 Einwohner, Ash-Shaḥānīyah 35.393 Einwohner und Musay'īd 35.150 Einwohner.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1950 | 47.000 |
| 1960 | 59.000 |
| 1970 | 111.000 |
| 1978 | 201.000 |
| 1986 | 369.000 |
| 1996 | 658.000 |
| 2004 | 744.000 |
| 2005 | 863.051 |
| 2008 | 928.635 |
| 2010 | 1.699.435 |
Das Gebiet des heutigen Emirats Katar wies in früheren Jahrtausenden noch eine reichhaltige Vegetation auf und war bereits in der Steinzeit besiedelt. Im 5. Jahrtausend v. Chr. erlebte Katar eine Blütezeit. Klimaveränderungen führten zum Entstehen der heutigen Wüstenlandschaft und einer Abwanderung der Bevölkerung. In den folgenden Jahrtausenden wurde Katar nur sporadisch besiedelt. Im 5. Jahrhundert n. Chr. hatte das Christentum Einzug in der Region gehalten. Mit Ankunft des Islams verschwand es aber zwei Jahrhunderte später fast völlig von der arabischen Halbinsel.[5] 628 n. Chr. schlossen sich die Bewohner Katars dem Propheten Mohammed an und traten zum Islam über. Aber auch in der Folgezeit hatte das Land wegen des fehlenden Wassers kaum eine Bedeutung. Von sporadischen Handelssiedlungen an der Küste abgesehen, war das Land nur von Beduinen bewohnt. Um 1760 zogen nomadisierende Beduinenstämme von ihren angestammten Weidegebieten im Inneren der arabischen Halbinsel in das Gebiet des heutigen Katar. Zu diesen Beduinen gehörte auch die Sippe Al Thani, die das Dorf al-Bid gründete, das heutige Doha. Scheich Muhammad Al Thani gewann allmählich die Macht über die Wüstenhalbinsel und wurde zum Begründer der heutigen Dynastie. Die folgenden 100 Jahre waren durch Machtkämpfe mit der Sippe der Al Chalifa gekennzeichnet, die aus dem heutigen Kuwait auf die Halbinsel drang und die Siedlung az-Zubara gründete. 1783 gelang den Al Chalifa die Eroberung von Bahrain, worauf sich ein Großteil des Stammes auf der Insel niederließ.
Ende des 18. Jahrhundert fielen saudische Wahhabiten, Anhänger einer streng orthodoxen islamischen Sekte, auf der Halbinsel ein und eroberten zeitweilig al-Bid. Seit dieser Zeit bestehen enge Bindungen zu Saudi-Arabien. Bis weit in die 50er Jahre des 19. Jahrhundert war die Küste von Katar wie die der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate berüchtigt als „Piratenküste“. Erst das Eingreifen der britischen Ostindien-Kompanie, die ihre Handelswege nach Indien bedroht sah, bereitete der Seeräuberei ein Ende. 1867 kam es erneut zu einem heftigen Kampf um die Herrschaft in Katar zwischen den Al Thani und den Al Chalifa von Bahrain. Das Vereinigte Königreich intervenierte und erzwang einen Frieden. Im folgenden Jahr wurde ein Schutzvertrag zwischen Katar und Großbritannien abgeschlossen, wodurch das Land unter britischen Einfluss geriet. Diese Anerkennung der Al Thani führte zu einer endgültigen Trennung von Katar und der Insel Bahrain (18. Dezember 1878, Nationalfeiertag). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten die Osmanen ihre Ansprüche auf Katar verstärkt durchzusetzen. So wurden Teile des Landes besetzt. Daraufhin wandte sich Qasim Al Thani mit Ansuchen um Hilfe an die Wahhabiten. Im Jahre 1913 schritt das Vereinigte Königreich erneut ein, um den osmanischen Einfluss und den der Wahabiten auszuschalten. 1915 mussten die letzten osmanischen Truppen das Land verlassen. In der Folgezeit setzte Großbritannien seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss verstärkt durch.
Die ersten Erdölfunde erfolgten 1939, wodurch die Ölförderung bald das neue wirtschaftliche Standbein Katars wurde. In der Folgezeit ging mit wachsendem Reichtum eine tiefgreifende Modernisierung in Staat und Wirtschaft vor sich. Als Ende der 60er Jahre die Briten den Abzug der Truppen „östlich von Sues“ für 1971 ankündigten, proklamierte Katar am 3. September 1971 (Nationalfeiertag[6]) seine Unabhängigkeit und lehnte damit, wie Bahrain, einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Gleichwohl kam ein Freundschaftsvertrag mit dem Vereinigten Königreich zustande. Auch nahmen die Scheichs von Katar nun den Titel eines Emirs an. Im selben Jahr wurde mit dem Nord-Feld das größte Erdgasfeld der Welt entdeckt. 1972 wurde Emir Ahmad ibn Ali durch Chalifa ibn Hamad (1972–1995) gestürzt, der sich in der Folgezeit verstärkt um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Ansiedlung von Industrie bemühte. Die absolute Herrschaft der Dynastie blieb aber weiter bestehen. 1977 wurden alle Erdöl- und Erdgasgesellschaften verstaatlicht. 1981 wurde mit Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait der Golf-Kooperationsrat gegründet. 1995 wurde Chalifa ibn Hamad von seinem Sohn Hamad ibn Chalifa (seit 1995) gestürzt, der mit der Einleitung von Reformen begann. Seit 1998 ist Katar der Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten und war auch Kommandozentrale im Krieg der USA gegen den Irak im März 2003.
Die 1973 gegründete University of Qatar in Doha folgt angelsächsischen Mustern: In sechs Colleges und einer Medizinfakultät können Bachelor- und Mastergrade erworben werden. Eine Besonderheit ist, dass nebeneinander sowohl das westliche Rechtswesen als auch das islamische Recht wie u. a. die Scharia, sowie die historischen islamischen Studien betrieben werden können. Unter den 7660 Studierenden im Wintersemester 2005/2006 hatte die Universität mit ca. 70 % einen vergleichsweise hohen Frauenanteil. Mit dem Projekt Education City hat Katar sechs „Ableger“ namhafter amerikanischer Universitäten gegründet und seit dem Jahr 2002 betrieben.
Am 29. April 2003 stimmten die Bürger Katars der ersten Verfassung seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich mit einer Zustimmung von 98,39 Prozent zu, die 2005 in Kraft trat.[7][8]
Laut Verfassung ist Katar ein Emirat, also eine absolute Monarchie. Staatsreligion ist der Islam und laut Artikel 1 ist die Schari'a die Hauptquelle der Gesetzgebung.[9] Der Emir ist zugleich Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der exekutiven und legislativen Gewalt; auch die Regierung ist ihm allein verantwortlich. Ein Parlament oder politische Parteien existieren nicht. Der König ernennt lediglich die 35 Mitglieder der Beratenden Versammlung (Madschlis asch-Schura). Das Land gliedert sich in fünf Regionen. Fünf Gerichte urteilen „im Namen des Emirs“, daneben gibt es Gerichte für religiöse Fragen.
Wahlrecht und Karrierechancen für Frauen gehören ebenso zu der angestrebten Politik, wie die Beibehaltung der traditionellen Familienstrukturen. Die Gründung der Education City und die Fortentwicklung der University of Qatar in Kooperation mit verschiedenen internationalen Universitäten werden von Beobachtern teils als aussichtsreicher Weg gesehen.
Katar ist Mitglied der UN, der Arabischen Liga, der OAPEC, der OPEC und des Golf-Kooperationsrats.
Die Taliban haben am 3. Januar 2012 die Absicht bekundet, in Katar ein Büro einzurichten.[10]
Die zunehmend einflussreichere Rolle, die Katar mit seiner ehrgeizigen Außenpolitik unter den arabischen Staaten im Mittelmeerraum zu spielen sich bestrebt zeigt, wirft bei den Beobachtern Fragen auf über Ziele und Wege dieser Einflussnahme, derzeit vor allem im Hinblick auf die Entwicklungspfade Libyens und Syriens sowie überhaupt des Islamismus.[11] Vor allem tunesische Analysten kritisieren den zunehmenden Einfluss Katars auf die tunesische Politik.[12]
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die im Berichtsjahr in Katar begangen wurden. Freedom House schätzt die Lage in Katar grundsätzlich als nicht frei ein.
Frauen erführen oft weiterhin Benachteiligungen, obwohl sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert habe. Blasphemie in der Öffentlichkeit kann Haftstrafen von bis zu sieben Jahren zur Folge haben.
In Katar besteht die Todesstrafe weiterhin, allerdings wird sie derzeit kaum vollstreckt. Im Oktober 2002 wurde ein jordanischer Journalist von einem Gericht in Doha zum Tode verurteilt. Es wurde ihm vorgeworfen, für den jordanischen Geheimdienst gezielte Spionage in Katar betrieben zu haben.[13] Am 17. März 2003 wurde er allerdings durch den Emir Hamad bin Chalifa Al Thani begnadigt und auf freien Fuß gesetzt.[14]
Katar besitzt eine Gesamtarmee von 11.800 Soldaten, diese gliedern sich in Heer (8500), Marine (1800) und Luftstreitkraft (1500).
Die Luftstreitkraft erwarb in Frankreich Flugzeuge des Typs Mirage 2000.
Im Jahr 2009 erhielt das Emirat zwei strategische C-17 Globemaster III Transporter und 2011 folgten vier taktische Transportflugzeuge vom Typ C-130J Hercules.
Im November 2009 erhielt das Land den ersten von 18 bestellten AgustaWestland AW139 Helikoptern. Bisher betrieb man lediglich zwölf leichte SA 342L Gazelle Kampf- und acht mittlere Westland WS.61 Commando Transporthubschrauber.
Im Mai 2009 stimmte der Bundessicherheitsrat Deutschlands einer Lieferung von 36 Leopard-2-Kampfpanzern und im Sommer 2009 einer Lieferung von 24 Panzerhaubitze 2000 aus Deutschland an Katar zu.[15][16]
Die Verwaltungsgliederung Katars besteht seit 2004 aus sieben Gemeinden (arabisch: baladiyya):
Die wichtigsten Erwerbsquellen sind Erdöl, vor allem aber Erdgas, Düngemittel sowie die bezahlte Bereitstellung von Truppenlagerplätzen und Ruhezonen für die US-Armee. 2004 ist das Bruttoinlandsprodukt um 20 % gewachsen. 0,2 % davon werden in der Landwirtschaft, 62,2 % in der Industrie und 37,6 % im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. 2001 waren 2 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 60 % im Dienstleistungssektor beschäftigt. Die Inflation lag 2005 im Durchschnitt bei 4,5 %. Katar ist das reichste Land Asiens.
Auch Katar ist bestrebt, die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft diversifiziert in internationalen Beteiligungen anzulegen. Hierfür wurde in der staatlichen „Qatar Investment Authority“ (QIA) ein Qatar Fund gegründet, dessen Kapitalstock bereits mehrere hundert Milliarden US-Dollar umfasst. Anfang Juni 2009 wurden z. B. Gespräche geführt, die zu einer Kapitalbeteiligung des Fonds an der Porsche AG geführt haben. Anfang Dezember 2010 wurde bekannt, dass QIA sich um eine Beteiligung an der Essener Hochtief AG bemüht, was der drohenden Übernahme durch den spanischen Baukonzern Grupo ACS entgegen wirken würde. Solche Beteiligungen sind sehr erwünscht, weil diese Fonds in der Regel nicht beabsichtigen, auf die operative Geschäftstätigkeit einzuwirken, sondern lediglich eine langfristige Kapitalanlage suchen. Ein Beispiel für eine solche Kapitalanlage ist eine fünfprozentige Beteiligung der QIA am französischen Umweltdienstleister Veolia Environnement.[17] Die Beteiligung ist im April 2010 zustande gekommen und soll sich über drei Jahre erstrecken.[18]
Die zum Unternehmen gehörende Qatar Holding LLC hält 10 % der Stammaktien der Porsche SE. Vertreten wird die Gesellschaft im Aufsichtsrat durch Scheich Jassim Adulaziz Bin Jassim Al-Thani. Er ist Board-Mitglied der Qatar National Bank und verschiedener Investmentfonds.
Am 8./9. Juni 2011 hat Katar mit Luxemburg eine strategische Partnerschaft vereinbart, die sich als erstes auf die Sektoren Luftfahrt (Cargolux), Satellitendienstleistungen (SES Astra) und Banken richten soll.[19] Im Zuge der Umsetzung dieser Vereinbarung hat die Precision Capital S. A.,[20] in deren Verwaltungsrat Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie sitzen, von der belgischen KBC Bankengruppe die Luxemburger Privatbankfiliale KBL European Private Bankers für 1,05 Milliarden Euro gekauft.[21] Dieselbe Finanzgruppe übernimmt die Luxemburger Dexia-Tochter Dexia-BIL, die zum Zeitpunkt der Transaktion mit 730 Millionen Euro bewertet wurde, wobei sich der Luxemburger Staat in Höhe von 10 % am Kapital beteiligt.[22]
Die Landwirtschaft kann trotz ehrgeiziger Regierungsprojekte die Inlandsnachfrage nur zu einem geringen Prozentsatz decken. Nur 0,3 % des Staatsgebiets sind als Ackerland ausgewiesen, das zudem künstlich bewässert werden muss. Hauptanbauprodukte sind Tomaten, Kürbisse, Getreide, Datteln, Gemüse und Zitrusfrüchte. Die einst rein nomadische Viehwirtschaft wurde durch den Aufbau von Viehfarmen umstrukturiert. Der Fischfang wird weiter ausgebaut. 2011 wurden 90 % der in Katar verzehrten Nahrungsmittel eingeführt[23]. Das Qatar National Food Security Programme (QNFSP) unter Direktor Fahad al-Attaiyah soll die Versorgung sicherstellen. Mit einem Erlass des Thronfolgers Scheich Tamim bin Hamad al-Thani (Emiri Directive Nr. 45 von 2011) wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die für die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung zuständig ist. Bis 2013 soll ein Plan zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erstellt werden, der zwischen 2013 und 2023 umgesetzt werden soll. Der Export von Nahrungsmitteln soll unterbunden werden[24].
Der Perlenhandel war seit der Dilmunkultur 3200 v. Chr., die auf Bahrein beheimatet war und Handelsbeziehungen bis nach Indien aufwies, die wichtigste Einnahmequelle Katars, bevor die Naturperlen durch billigere Zuchtperlen ersetzt wurden und viele Menschen dadurch ihre Existenzgrundlage verloren. Nach 1930 brach die Hochkonjunktur des Perlenhandels im Golf durch das Aufkommen japanischer Zuchtperlen weitgehend zusammen. Dies führte zu einer schweren Wirtschaftskrise, die viele Katarer zur Auswanderung zwang.
Katar hat nach Russland und Iran mit einem Anteil von 14 % die weltweit drittgrößten Erdgasreserven.[25] Etwa 60 % des Bruttoinlandsprodukts werden heute noch mit den fossilen Naturschätzen Gas und Erdöl erwirtschaftet. Daneben verfügt Katar über abbauwürdige Kalkstein-, Kies-, Ton- und Gipsvorkommen.
Als 1938 erstmals Öl am Jabal Dhukan gefunden wurde, bot sich Katar die Chance einer neuen Einnahmequelle, um die Verluste durch den zusammengebrochenen Perlenhandel auszugleichen. Bereits ein Jahr danach begann die kommerzielle Förderung, aufgrund des Zweiten Weltkrieges verließ jedoch erst 1949 katarisches Öl das Land. In der Folge kam es zu einem Ölboom. 1961 trat Katar der OPEC bei. Katar wurde stark modernisiert und gleichsam aus dem Mittelalter direkt in die Neuzeit katapultiert, was mit einem gesellschaftlichen Umbruch einherging. Gastarbeiter kamen vor allem aus Pakistan, Sri Lanka, Nepal sowie von den Philippinen ins Land, bis heute insgesamt etwa 600.000 Menschen. Die Bevölkerung wuchs dadurch gewaltig und mittlerweile übersteigt die Zahl der Ausländer im Land die der Einheimischen bei weitem. 1972 übernahm der Staat die Ölgesellschaften. Katar war somit das erste kleine Erdölförderland am Golf, das über hundert Prozent seiner Vorkommen selbst verfügte. Steigende Ölpreise ließen auch Katar immer reicher werden und sorgten für ein sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen. Die Gesamtölreserven werden auf 3700 Millionen Barrel geschätzt. Katar ist eines der Länder, die in der so genannten strategischen Ellipse liegen.
Der größte Reichtum Katars liegt im Erdgassektor. Unter dem Meeresgrund liegt das North Gas Field, das mit 381.000 Milliarden Kubikfußreserven das größte Erdgasfeld der Erde ist. Katar besitzt laut Angaben von QP (QatarPetrol) ungefähr 25,5 Billionen Kubikmeter Erdgas. Katar hat sich in den letzten Jahren eine weltweit führende Rolle in der Gasverarbeitung erarbeitet. Das Zentrum der Gasindustrie ist die im Norden gelegene Ras Laffan Industrial City. Dabei gibt es zwei Betriebe, die im Gasgeschäft vertreten sind. Durch die Indienststellung einer neuen Erdgasverflüssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des Flüssiggases (Liquified Natural Gas, LNG) ermöglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten. Wegen steigender Nachfrage exportiert Katar immer mehr Flüssiggas; schon 2006 hat sich das kleine Emirat als weltgrößter Flüssiggas-Exporteur profiliert.
Bis 2012 will Katar vor allem in Ras Laffan und den Förderfeldern 50 Milliarden US-Dollar investieren, mit dem Ziel, täglich die weltweit höchste Erdgas-Förderquote zu erbringen.
Zu den Industriebetrieben zählen ein Stahlwerk, eine Düngemittelfabrik, eine petrochemische Anlage, eine Getreidemühle und Meerwasserentsalzungsanlagen, deren wichtigste Standorte Mesaid und Ras Laffan sind. Derzeit wird an einem der größten Werke für Primäraluminium weltweit gebaut, dem Qatalum, einem Joint Venture von Norsk Hydro und Qatar Petroleum. Es soll ab 2010 produzieren.[26]
2008 importierte Katar Güter im Wert von 25,11 Mrd. US-$, und zwar zu 12 % aus den USA, 8,9 % aus Deutschland, 8,8 % aus Italien, 7,9 % aus Japan, 7,4 % aus Südkorea und 6,2 % aus Frankreich.
Das Land exportierte 2008 Güter im Wert von 55,73 Mrd. US-$. Hauptabnehmer waren Japan (38,3 %), Südkorea (20,8 %) und Singapur (11,1 %).
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 28,5 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 32,1 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 3,8 % des Bruttoinlandsproduktes.[27] Die Staatsverschuldung betrug 2009 6,6 Mrd. US-Dollar oder 7,1 % des BIP.[27]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Das gut ausgebaute Straßennetz umfasst etwa 1.300 km. Es bestehen Straßenverbindungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Die bedeutendsten Häfen sind Ras Laffan, wo neben Stückgut- und Containern im Wesentlichen Gas verladen wird, und Umm Sa’id, wo Massengut und Stückgut sowie Öl umgeschlagen werden. Der Hafen der Hauptstadt Doha wird hauptsächlich von Dhaus angelaufen, die auf den traditionellen Routen des Persischen Golfes, jedoch auch bis Südindien verkehren. Eine neue kleine Hafenanlage in der Bucht von Doha ermöglicht auch hier den Umschlag von Stückgut und Containern. Die Häfen von al-Chaur (nördlich Doha) und al-Wakra (südlich Doha) sind im Wesentlichen Fischereihäfen mit geringem Küstenschifffahrtsverkehr. Ar-Ruwais an der Nordküste ist ein reiner Fischereihafen. Der internationale Flughafen von Doha wird täglich von mehreren europäischen Hauptstädten aus angeflogen und beherbergt die Fluggesellschaft Qatar Airways. Der Tourismus ist volkswirtschaftlich bedeutungslos.
Zurzeit entstehen mehrere spektakuläre Bauprojekte, zum Beispiel eine 400 Hektar große künstliche Insel namens „The Pearl“. Diese künstliche Insel befindet sich 20 km nördlich des internationalen Flughafens. Der Flughafen selbst wird zzt. ca. zwei Kilometer nordöstlich des bestehenden auf neu aufgeschüttetem Land neu gebaut. Dieser neue Flughafen wird für die Landung der Airbus A380 ausgelegt und wird die Funktion als Drehscheibe internationaler Fluglinien weiter ausbauen.
Zwei Brückenbauwerke sollen die Abhängigkeit von Saudi-Arabien reduzieren. Die Qatar-Bahrain Friendship Bridge mit einer Länge von 45 km soll Katar mit Bahrain verbinden, welches bereits mit dem Festland verbunden ist. Die zweite Brücke soll eine Verbindung zu den Vereinigten Arabischen Emiraten herstellen.
In einem Joint Venture zwischen deutsche Bahn und dem katarischen Staat entwickelt Qatar Railways ein kombiniertes Bahn/Metro System innerhalb der katarischen Halbinsel.
Katar hat 2008 ein mittelfristiges Entwicklungsprogramm für eine leistungsfähige Infrastruktur unter dem Motto "Qatar National Vision 2030" aufgelegt. Mit einem geschätzten Aufwand von 50 Milliarden US-Dollar soll der Wüstenstaat zu einem der modernsten der Welt entwickelt werden. Planerisch konkretisiert wurden bereits folgende Projekte:
Ende 2009 hat die Deutsche Bahn den Auftrag erhalten, in Katar ein 325 Kilometer umfassendes Schienenverkehrsnetz für den Personen- und Güterverkehr aufzubauen. Dazu gehört eine für 350 km/h Höchstgeschwindigkeit trassierte, 180 Kilometer lange Schnellfahrstrecke, die den Flughafen über Doha mit dem Nachbarland Bahrain verbindet, eine 100 Kilometer lange Verbindungsstrecke nach Saudi-Arabien, die eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erlauben wird und der Aufbau eines 300 Kilometer langen regionalen Stadtbahn-Netzes, u. a. mit vier Linien in Doha, die Doha Metro.[29]
Die Gesellschaft Katars ist streng islamisch geprägt. Der Islam ist Staatsreligion. Die einheimische Bevölkerung hängt dem orthodoxen sunnitisch-wahhabitischen Islam an. Nach außen hin gibt sich das Land liberal, Homosexualität in Katar ist allerdings verboten.
Das Museum für Islamische Kunst sowie das Arabische Museum für moderne Kunst, eröffnet im Dezember 2010 befinden sich in der Hauptstadt Doha. Diese zwei bedeutenden Museen bereichern das kulturelle Leben Katars und zeigen Teile der internationalen Kunstsammlungen des Herrscherhauses.
Der Nachrichtensender Al Jazeera hat seinen Sitz in Katar. An englischsprachigen Zeitungen werden The Peninsula, die Gulf Times, Qatar Tribune und die Khaleej Times aus Dubai gelesen. Zunehmend sind auch sozialkritische Artikel zu lesen, die insbesondere um die Lage der nicht-katarischen Arbeiter behandeln.
Ende 2005 wurde berichtet[30], dass die monopolistische Qatar Telecom (Qtel) im eigenen Datennetz Audio- und Videokommunikationsdienste wie MSN Messenger, Yahoo Messenger oder Google Talk sperrt, was von einer Sprecherin des Unternehmens auch bestätigt wurde. Besonders brisant ist dieses Vorgehen, da etwa 80 % der Einwohner Katars Ausländer sind (Gastarbeiter, etc.), für die diese Art der Kommunikation als einzige bezahlbare ist. Dies scheint jedoch teilweise wieder gelockert bzw. aufgehoben worden sein, da man zumindest über Skype ohne Einschränkung telefonieren und chatten kann. Einige Internetseite unterliegen der Zensur. Beim Aufruf mancher Seiten wird der Nutzer auf eine Seite der Qatar Telecom weitergeleitet. Dort findet man den Hinweis: „This Site has been blocked by Internet Qatar as the content contains materials which are prohibited in the State of Qatar.“[31](Die Seite wurde von Internet Qatar blockiert, da der Inhalt Material umfasst, das im Staat Katar verboten ist.) Dies erfolgt u. a. beim Aufruf von Seiten mit pornographischen bzw. sexuellen Inhalten, allerdings beispielsweise auch bei dem Aufruf der Yahoo-Groups und ähnlicher Communities.
Der Press Freedom Index von Reporter ohne Grenzen hat Katar 2011 an Position 94 von 178 eingestuft.[32] Es ist die Rede von massiver Zensur, insbesondere, bei systemkritischen Veröffentlichungen. Das 1979 verabschiedete Presserecht ist nie reformiert worden und derart flexibel gestaltet, dass die Regierung jederzeit die Verbote erweitern kann. Journalisten fehlt in Katar jedwede Gewerkschaft oder Interessenvertretung zur Unterstützung der Journalisten bei Streitigkeiten mit der Regierung.
Sport spielt generell eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben von Katar. Mit dem Bau der Aspire Sports Academy im Jahre 2004 entstand in Doha eine der weltweit größten Trainings- und Wettkampfstätten für Spitzensportler. Die nationale Fußballliga, die Qatar Stars League, wird seit 1963 ausgespielt. Ausländische Stars wie Mario Basler, Gabriel Batistuta, Marcel Desailly, Fernando Hierro und Hakan Yakin wurden mit lukrativen Verträgen verpflichtet und spielten in der Liga.
Seit 2004 finden auf dem Losail International Circuit bei Doha Läufe zur Motorrad-Weltmeisterschaft sowie zur Superbike-Weltmeisterschaft statt. 2008 wurde dort in der Motorrad-WM das erste Nachtrennen ausgetragen.
2005 fanden die West Asian Games in verschiedenen Sportstätten statt. 2006 wurden die Asienspiele in Katar veranstaltet. Motorrad-Weltmeisterschaftsrennen werden im neugebauten Motodrom nördlich Doha durchführt. In Doha findet alljährlich Anfang Januar das ATP Doha Tennisturnier der Männer statt. 2005 und 2006 siegte dort der Schweizer Roger Federer. Im Oktober finden jährlich die WTA Championships statt. Zudem bewarb sich Doha um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2016, schied jedoch in der Vorausscheidung aus.
Im Radsport bildet die Katar-Rundfahrt (Tour of Qatar) mit dem Auftaktrennen Doha International GP Ende Januar eine wichtige Station beim Aufgalopp der Rad-Profis, Stars wie Erik Zabel nutzen dieses Rennen gern. Im Januar 2007 lieferten sich die Sprint-Asse Tom Boonen (Vorjahressieger und Sieger der Straßen-Radweltmeisterschaften 2005, Quick Step-Innergetic) und Alessandro Petacchi (Team Milram) die ersten Duelle der Saison.
Vom 12. bis 14. März 2010 fanden im Aspire Dome in Doha die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften statt.
Vom 7. bis 29. Januar 2011 fand die Fußball-Asienmeisterschaft 2011 in Katar statt.
Im Jahr 2015 wird in Katar die Weltmeisterschaft im Männerhandball ausgetragen. Katar wurde Frankreich, Polen, Dänemark und Norwegen vorgezogen.
Am 2. Dezember 2010 gab die FIFA bekannt, dass Katar die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichten wird. Das Emirat setzte sich dabei gegen die Bewerbungen von Australien, Japan, Südkorea und den USA durch. Der die wahlberechtigten FIFA-Funktionäre überzeugende Masterplan für dieses Großereignis stammt vom Frankfurter Planungsbüro AS&P.[33] Gegen den Zuschlag Katars wurden vereinzelt Bedenken das Klima betreffend geäußert.
Portal:Katar – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Katar
25.26944444444451.212777777778
Koordinaten: 25° N, 51° O
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