Dieser Artikel gibt einen Abriss zur wissenschaftlichen, politischen und öffentlichen Kontroverse um die globale Erwärmung. Diese Kontroverse beinhaltet die Ursachen der globalen Erwärmung, deren Ausmaß und Folgen sowie die Möglichkeiten und die Dringlichkeit einer Gegensteuerung.
Der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den Ursachen der Erderwärmung wird exemplarisch in den Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wiedergegeben. Dieser Sachstand wird von fast allen relevanten wissenschaftlichen Fachorganisationen mitgetragen und von nur wenigen Fachwissenschaftlern abgelehnt. Die Folgen des Klimawandels werden dem gegenüber kontroverser diskutiert. Noch kontroverser gestaltet sich die Diskussion über mögliche oder als notwendig betrachtete Gegenmaßnahmen (Klimaschutz).
Als Klimaskeptiker oder Klimakritiker werden insbesondere in den Medien Personen bezeichnet,[1] die einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreiten oder für nicht relevant halten.
Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) repräsentieren die Hauptlinien des aktuellen Forschungsstands und weisen auf politische Ansätze zum Klimaschutz hin. Der im IPCC erarbeitete Konsens[2] und dessen Methodik wird von wenigstens dreißig wissenschaftlichen Gesellschaften und den wichtigsten nationalen Wissenschaftsakademien unter anderem aller G8-Länder ausdrücklich unterstützt.[3][4][5][6][7]
Naomi Oreskes nennt in einem Essay in der Zeitschrift Science als Beleg dafür Stellungnahmen von einschlägigen Wissenschaftsorganisationen und ihre Untersuchung einer Sammlung von Zusammenfassungen (Abstracts) aus Fachzeitschriften. Sie fand 928 Abstracts, die die Stichworte „global climate change“ enthielten. Keiner der Artikel widersprach ihren Angaben zufolge dem in den Berichten des IPCC dargestellten „wissenschaftlichen Konsens“.[2]
Auch in wissenschaftlichen Organisationen findet sich eine sehr breite Unterstützung der grundlegenden Schlussfolgerungen des IPCC. Hierzu zählen unter anderem die Nationalen Wissenschaftsakademien aller G8-Länder sowie zahlreicher Schwellen- und Entwicklungsländer, die 2001[3], 2005[4], 2007[5] und 2008[6] entsprechende Konsens-Papiere herausgegeben haben. Wenigstens weitere dreißig nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften teilen ebenfalls prinzipiell die IPCC-Positionen, darunter die European Science Foundation[8] und die European Geosciences Union[9], die Weltmeteorologieorganisation (WMO)[10], die American Meteorological Society[11] und die britische Royal Meteorological Society[12], die Australian[13] und die Canadian Meteorological and Oceanographic Society[14], die American Physical Society[15] und das Network of African Science Academies.[16]
Hans von Storch und Nico Stehr[17] sehen es allerdings als falsch an, den Eindruck zu erwecken, als seien die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimaproblems im Wesentlichen gelöst. Statt Zweifel öffentlich zu machen und methodische Kritik offen anzunehmen, werde aber „ein solides Wissensgebäude vorgegaukelt, das nur noch an den Rändern zu vervollständigen sei“. Es müsse weiterhin „Dissens als Motor der Fortentwicklung“ angesehen und offen angegangen werden. Unabhängig davon konstatieren aber auch von Storch und Stehr: „Die Mehrheit der Forscher ist in der Tat der Meinung, dass derzeit ein vom Menschen gemachter globaler Klimawandel stattfindet, dass er sich in Zukunft beschleunigen und dabei klarer hervortreten wird“.[17]
Einer online veröffentlichten internationalen Umfrage aus dem Jahr 2007 zufolge teilen 45–50 % der Klimaforscher die Positionen des IPCC, während jeweils 15–20 % die IPCC-Berichte für unter- oder übertrieben halten. Wenigstens 97 % der teilnehmenden Wissenschaftler bestätigen darin die Aussage, wonach die menschlichen Emissionen von Kohlendioxid einen wichtigen Bestandteil des Klimasystems darstellen und wenigstens teilweise für die Erwärmung der letzten Jahrzehnte verantwortlich seien.[18] Dieser Wert wurde auch in einer nachfolgend durchgeführten unabhängigen Umfrage von 2008 bestätigt. Demnach stimmen 97 % der an der Umfrage teilgenommenen Klimaforscher, die auch aktiv in ihrem Fachgebiet publizieren, der Aussage zu: „Menschliche Aktivität ist ein signifikant beitragender Faktor bei der Veränderung der mittleren globalen Temperatur“.[19]
Bei einer Umfrage im Sommer 2006 unter deutschen Klimaforschern gaben 38 % der Befragten an, die These der anthropogenen Ursachen der Temperaturerhöhung im 20. Jahrhundert gelte als bewiesen, 56 % gaben an, diese These werde hier und dort noch angezweifelt und 5 % zufolge werde diese These noch heftig angezweifelt.[20] Allerdings besteht in der Frage der Handlungsoptionen angesichts des Klimawandels ein erheblicher Unterschied zwischen den abgeleiteten Forderungen und den Aktivitäten der Politik. Nach Hans Mathias Kepplinger, der die Umfrage durchführte, könne aber aus dem Konsens der Wissenschaft keine wissenschaftlich zweifelsfrei fundierte Klimapolitik abgeleitet werden.[20] Die Gestaltung der Fragebögen bei dieser Umfrage und ihre Interpretation wurde von Wissenschaftlern kritisiert.[21]
Die Vorgehensweisen und Sinnhaftigkeit solcher Umfragen wurde im September 2008 von Gavin Schmidt vom Goddard Institute for Space Studies in dem Artikel „Neue Umfrage unter Klimaforschern“[22] in Zweifel gezogen.
Einige Angehörige der Bereiche Wirtschaft und Politik sind mit den aus den IPCC-Forschungsberichten resultierenden politisch-ökonomischen Folgerungen nicht einverstanden. Da in diesen Bereichen einerseits materielle Interessen dominieren, andererseits Rücksichten auf Wählermentalität und Wahlklientel nahe liegen, wird hier tendenziell gleich auf das ganze Spektrum kritischer Einwände zugegriffen oder eine den eigenen Interessen am meisten entsprechende Auswahl vorgenommen. Einem Minderheitenbericht des United States Senate Committee on Environment and Public Works zufolge (das dem mehrheitlichen Trend der Klimaforschung folgt) haben über 400 Personen aus über 24 Ländern, darunter zahlreiche Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen, Kritik gegen das IPCC und die populärwissenschaftlichen Darstellungen von Al Gore geäußert.[23]
Klimaskepsis und Kritik am IPCC werden mittlerweile explizit mit der politischen Rechten in Verbindung gebracht.[24][25][26][27][28] Bei den US-amerikanischen Kongresswahlen im November 2010 boten die Republikaner bis auf eine Ausnahme nur Kandidaten auf, die den IPCC-Konsens bestreiten.[29] Einer Umfrage zufolge glaubt die Mehrheit der Anhänger der konservativen populistischen Tea-Party-Bewegung, dass der Klimawandel in der Zukunft keine ernsthaften Auswirkungen haben werde.[30] Aktivisten der Bewegung beteiligten sich zudem an politischen Aktionen, die sich gegen Klimaschutzgesetze richteten.[31] In Europa haben mehrere rechtspopulistische Parteien die Anzweifelung des menschengemachten Klimawandels zur offiziellen Parteilinie gemacht, darunter die niederländische PVV von Geert Wilders.[32]
Die Rolle von Konservativen wie Richard Nixon, Angela Merkel, die wesentliche Vorarbeiten zur internationalen Behandlung des Klimawandels oder wie im Falle von Margaret Thatcher auch zum Ausbau des britischen Hadley Centre beigetragen haben,[33] tritt demgegenüber mittlerweile in den Hintergrund. Thatchers ehemaliger Energieminister und Schatzkanzler Nigel Lawson ist später ebenso wie Thatcher-Berater Christopher Monckton öffentlich als Klimaskeptiker und Kritiker des IPCC in Erscheinung getreten.
Die Bedeutung der Kontroverse um die globale Erwärmung ergibt sich vor allem aus den politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die aus den unterschiedlichen Positionen abgeleitet werden und die für die Zukunft insbesondere des menschlichen Lebens und Zusammenlebens auf der Erde wichtige Weichen stellen. Auf der Grundlage der IPCC-Berichte ergibt sich dringender Handlungsbedarf bezüglich der Rückführung von Treibhausgasemissionen, der weltweit sowohl weite Bereiche der Wirtschaft als auch die Privathaushalte einschließt. Hier wie dort müsste eine Abkehr von alten Gewohnheiten vollzogen werden, um den Klimawandel zu begrenzen. Der Widerstand dagegen artikuliert sich je nach Handlungsebene und persönlicher oder gruppenspezifischer wie auch nationaler Interessenlage unterschiedlich intensiv: Je weniger theoretisch die vorgeschlagene Konsequenz und je größer die praktische Herausforderung, desto massiver der Widerstand. Damit lässt sich auch die weitgehende Einigkeit der Klimaforscher und der weit weniger ausgeprägte Konsens von Bürgern und Politikern hinsichtlich der Folgerungen teilweise erklären.
Maxwell T. Boykoff und Jules M. Boykoff prägten das Wortspiel „Balance as bias“ und stellten eine deutliche höhere Präsenz von Kritikern der IPCC-Berichte in der öffentlichen und politischen Diskussion als im fachwissenschaftlichen Bereich fest. In der Mehrzahl einer Auswahl untersuchter Zeitungsartikel der US-Qualitätspresse aus den Jahren bis 2003 wurde von den verantwortlichen Journalisten versucht, beide „Seiten“ der Klimaforschung darzustellen und daher den Argumenten von Klimaforschung und Klimaskepsis gleich viel Platz einzuräumen. Diese vermeintliche Ausgewogenheit führte dazu, dass in den Medien der falsche Eindruck grundlegender Dispute in der Klimaforschung erweckt werde, während in der wissenschaftlichen Gemeinschaft die Skeptiker nur eine geringe Rolle spielten.[34] Ein vergleichbares Ungleichgewicht wurde für die Jahre von 1995 bis 2004 auch in der US-amerikanischen TV-Berichterstattung gefunden.[35]
Hinterfragt wurden auch die Motive der Kritiker. So wurden bis in die 1990er Jahre und zum Teil noch heute klimakritische Studien von Unternehmen aus dem Kohlebereich unterstützt. Die Global Climate Coalition säte von 1989 bis 2002 gezielt Zweifel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur globalen Erwärmung und platzierte Klimaskeptiker in öffentlichen medialen Diskussionen. Mit ExxonMobil beteiligte sich ein Ölunternehmen aktiv an der Verbreitung von Skeptiker-Positionen.[36] Die Union of Concerned Scientists kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass ExxonMobil mit einer langfristigen Strategie, die auch Irreführung und Fälschungen beinhaltet, dafür gesorgt hat, dass „wissenschaftliche Erkenntnisse verschleiert, Politiker, Medien und die Öffentlichkeit manipuliert und Maßnahmen zur Eindämmung von Emissionen verhindert wurden“, wie die Financial Times Deutschland berichtet.[37] ExxonMobil hat zu diesem Zweck mit ca. 16 Mio. US-Dollar zwischen 1998 und 2005 ein Netzwerk von 43 scheinbar unabhängigen Organisationen unterstützt, die in der Öffentlichkeit den Konzerninteressen dienende Verwirrung über den Stand der Klimaforschung stifteten. In der Methodik wurde dies mit der langjährigen Verschleierung der Gefahren des Rauchens durch die Tabakindustrie verglichen.[38]
Für Aufsehen sorgte auch das Bekanntwerden eines Treffens in der Zentrale des American Petroleum Institute vom April 1998, auf dem unter Beteiligung des Klimaforschers Fred Singer an PR-Strategien gearbeitet worden war, in der Öffentlichkeit gezielt Unsicherheit über den Stand der Klimaforschung zu verbreiten, um so Einfluss auf politische Entscheidungsträger zu nehmen. An dem Treffen waren auch Vertreter des Ölkonzerns Exxon und konservativer Think Tanks beteiligt.[39]
Koch Industries und die Milliardäre David und Charles Koch unterstützten laut Greenpeace zwischen 1997 und 2008 mit fast 48 Millionen US-Dollar ebenfalls die Arbeit von Gruppierungen, die die globale Erwärmung bzw. deren Ursachen leugnen.[40]
In einem Editorial vom 12. Juli 2001 legte die Redaktion der Zeitschrift Nature ihren Standpunkt zur Kontroverse um die globale Erwärmung dar. Darin unterstützt die Redaktion den in den Berichten des IPCC zum Ausdruck kommenden Konsens. Kritik an den Erkenntnissen der Klimaforschung sei demnach primär von der US-Kohle- und Ölindustrie initiiert. So genannte „climate-change dissidents“ riefen mittlerweile einen ähnlichen Eindruck hervor wie „Aids dissidents“ oder „tobacco-industry dissidents“. Durch sie werde die Öffentlichkeit hinsichtlich der Tatsachen über die globale Erwärmung getäuscht und verwirrt.[41]
Im Jahr 2003 veröffentlichten Willie Soon und Sallie Baliunas in der Zeitschrift Climate Research einen Aufsatz, in dem sie zur Schlussfolgerung gelangten, dass in der Gegenwart weder die wärmsten Jahre des 2. Jahrtausends noch die Jahre mit den extremsten Wetterereignissen zu finden seien und dass der anthropogene Treibhauseffekt überschätzt werde.[42] Der Herausgeber der Fachzeitschrift, Otto Kinne, und der Chefredakteur, Hans von Storch, distanzierten sich im Nachhinein von dem Aufsatz, da die Lektoren methodische Mängel übersehen hatten. Von Storch trat daher sogar von seinem Posten als Chefredakteur zurück. Auch wurde der Artikel aufgrund der Tatsache kritisiert, dass Soon und Baliunas sowohl vom George C. Marshall Institute finanzielle Unterstützung erhielten, das lange gegen eine Begrenzung der Kohlenstoffdioxid-Emissionen gekämpft hatte, als auch vom American Petroleum Institute.[43] Zahlreiche Klimaforscher kritisierten den Aufsatz und warfen Soon und Baliunas schwere methodische Fehler vor.[44][45] Trotzdem wurde die Studie von der damaligen US-Regierung unter George W. Bush als angeblicher Beweis für die Behauptung herangezogen, dass Klimaschutz unnötig sei.[46]
Bis in die 1990er Jahre hinein waren Zweifel am Phänomen der globalen Erwärmung noch relativ weit verbreitet. Denn zwischen 1945 und 1975 hatten sich die globalen Temperaturen nicht erhöht, sondern leicht verringert. Zudem waren die Unsicherheiten in den klimatologischen Theorien noch beträchtlich. Im Laufe der 1990er Jahre verbesserte sich das wissenschaftliche Verständnis des Klimasystems erheblich, und gleichzeitig konnte ein deutlich erkennbarer Erwärmungstrend gemessen werden. Spätestens seit der Veröffentlichung des Dritten IPCC-Sachstandsberichts im Jahr 2001 ist das Vorhandensein einer globalen Erwärmung deshalb kaum noch auf wissenschaftlicher Grundlage angezweifelt worden. In seinem Vierten Sachstandsbericht von 2007 gibt das IPCC für den gemessenen Temperaturtrend in den einhundert Jahren zwischen 1906 und 2005 eine Steigerung um 0,74 °C an, wobei aufgrund von Messungenauigkeiten eine Fehlerbreite von ± 0,18 °C besteht.
Einige Wissenschaftler um den Meteorologen Roger A. Pielke weisen auf Probleme in Zusammenhang mit der bodengestützten Messung der Lufttemperaturen hin. Die gemessenen Lufttemperaturen seien einerseits mit signifikanten Fehlern behaftet, anderseits sollen sie grundsätzlich kein sehr zuverlässiges Instrument zur Messung der globalen Erwärmung sein.[47][48] Eine andere These betrifft den so genannten Wärmeinseleffekt (urban heat island effect). Demnach wird die zunehmend warme Umgebungsluft in den wachsenden Städten für den dort gemessenen Trend der Erwärmung verantwortlich gemacht. Die These wurde durch die statistische Berücksichtigung eben dieses Effektes in der Auswahl der verwendeten, mehrheitlich ländlichen Stationen sowie durch einzelne Satellitendaten konterkariert. Andere Studien sehen keinen durchschlagenden Einfluss des Wärmeinseleffektes beim festgestellten globalen Anstieg der Durchschnittstemperatur.[49][50][51][52]
Lange Zeit waren vor allem die Daten aus Satellitenmessungen der Kernpunkt der Behauptung, es gäbe keine globale Erwärmung. Die Satelliten zeigten eine gleich bleibende oder sogar eine zurückgehende Temperatur auf der Erde an. Bis Anfang der 2000er Jahre bestand diesen Daten zufolge nur ein Erwärmungstrend über 0,04 °C pro Jahrzehnt gegenüber 0,17 °C aus den Bodenmessungen. Messungen mit an Ballons befestigten Radiosonden schienen den Satellitentrend zu bestätigen, was die Bodenmessungen in den Augen der Skeptiker unglaubwürdig erscheinen ließ. Umfassende Analysen der Satellitendaten brachten im August 2005 dann zutage, dass diese falsch verstanden worden waren.[53][54] Bei der Auswertung der Satellitendaten hatte man angenommen, dass sich die Satelliten in einer sonnensynchronen Umlaufbahn befänden. In einem solchen Orbit passiert ein Satellit jeden Tag zur gleichen Zeit und immer über demselben Ort den Äquator. Es geschieht leicht, dass dieser Orbit nicht perfekt eingehalten wird, was eine Korrektur der Messdaten notwendig macht. Genau diese Korrektur war in den älteren Analysen nicht vorgenommen worden. Nachdem die verfälschten Messwerte berichtigt wurden, zeigten sie eine deutlich besser im Einklang mit den Bodenmessungen stehende Erwärmung an. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass aus einem völlig anderen Grund auch die Messungen der ballongestützten Radiosonden falsch waren. Deren Thermometer sind während des Aufstiegs oft der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt. Daher müssen die Messwerte regelmäßig nach unten korrigiert werden. Eine ebenfalls 2005 veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass die Werte in der Vergangenheit überkorrigiert worden waren.[55] Nach der Berichtigung dieses Fehlers bestätigten nun auch die Wetterballons den aus den Bodenmessungen bereits bekannten Trend.[56]
Neben diesen drei voneinander unabhängigen Messungen am Boden, in der Luft und aus dem Weltall existieren darüber hinaus weitere unabhängige Belege für steigende Erdtemperaturen. Hierzu gehören Messungen der Meeresoberflächentemperatur, die ebenso wie die in größeren Wassertiefen ermittelten Temperaturwerte in den vergangenen Dekaden einen deutlichen Anstieg verzeichneten. Ein weiteres gewichtiges Indiz für die globale Erwärmung sind direkte Naturbeobachtungen,[57] darunter ein immer früheres Auftreten der Frühlingsblüte, ein später einsetzendes Welkwerden des Laubes im Herbst, später einfrierende und früher auftauende Flüsse im Winter, weltweit bis auf wenige Ausnahmen überall zurückgehende Gletscher sowie ein drastischer Rückgang des arktischen Meereises.
Einigkeit besteht darüber, dass der derzeitige CO2-Gehalt der Erdatmosphäre im klimageschichtlichen Vergleich außergewöhnlich hoch ist. So geht aus einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 hervor, dass der CO2-Gehalt heute um fast ein Drittel höher liegt als jemals zuvor in den vergangenen 2,1 Millionen Jahren. Die Geochemikerin Bärbel Hönisch von der Columbia University und ihr Team gewannen diese Daten aus der chemischen Analyse der Kalkschalen fossiler Foraminiferen.[58]
Eine Kontroverse besteht hinsichtlich der historischen Entwicklung der Temperaturen zum Thema. Zentraler Punkt ist, ob der Anstieg der globalen Temperatur der letzten 100 Jahre historisch einzigartig ist oder auf mögliche natürliche Ursachen im Rahmen der jüngeren Klimageschichte zurückgeht. Daran wird von Skeptikern die Frage geknüpft, ob überhaupt schwerwiegende oder unerwartete Folgen drohen könnten. Der Geophysiker Syun-Ichi Akasofu sieht beispielsweise in der gegenwärtigen Temperaturentwicklung lediglich einen Vorgang der natürlichen Temperaturerholung von der Kleinen Eiszeit.[59]
Andere Klimaforscher weisen darauf hin, dass hohe Temperaturen oder ein schneller Anstieg in der Vergangenheit nicht die gleiche Ursache haben müssen wie die Veränderungen heute. Auch kann daraus nicht auf den zukünftigen Verlauf geschlossen werden.[60] Die Schlussfolgerung des IPCC, dass der Mensch heute auf das Klima Einfluss nimmt, ist nicht mittels der Rekonstruktion von Temperaturen des vergangenen Jahrtausends ermittelt worden.
Es herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass es vom 15. bis 18. Jahrhundert eine Kleine Eiszeit gegeben hat und dass sich die Erde seither wieder um ca. 1 °C erwärmt hat. Kontroverser wird über das Ausmaß der so genannten Mittelalterlichen Warmzeit diskutiert, die vom 9. bis ins 14. Jahrhundert andauerte. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Temperaturen vor 700–900 Jahren regional durchaus mit den aktuellen Temperaturen vergleichbar, wahrscheinlich sogar wärmer waren.[61] So bekam zu dieser Zeit beispielsweise Grönland seinen Namen „Grünland“. Diese Bezeichnung wird aber auch als Werbesprache zur Anwerbung von Siedlern an die auch heute eisfreie Südküste interpretiert.[62]
Bislang hat jedoch keine der verfügbaren Rekonstruktionen des vergangenen Jahrtausends ergeben, dass die globalen Temperaturen mit denen der Gegenwart vergleichbar gewesen wären. Das IPCC schätzt deshalb in seiner im Februar 2007 erschienenen Kurzfassung für Entscheidungsträger zum Vierten Sachstandsbericht, dass es „wahrscheinlich" sei, dass die Temperaturen der letzten 50 Jahre im globalen Mittel wärmer waren als jemals in einem vergleichbaren Zeitraum während der vergangenen 1.300 Jahre.[63] Dies lässt klimageschichtlich die Möglichkeit von lokal wärmeren Regionen offen.[64][65] Da die vorhandenen Proxydaten die Erde nicht flächendeckend, gleichmäßig und gleichartig abdecken, kann auch die historische globale Mitteltemperatur nur grob geschätzt werden. Die Proxydaten sind wesentlich ungenauer als die Messungen ab 1850.
Historisch betrachtet hat es in der Vergangenheit viele kleinere und natürliche Warm- und Kaltphasen gegeben. Geologisch gesehen können mindestens fünf große Eiszeitalter mit einer Dauer von jeweils etwa 15–20 Millionen Jahren und dazwischen liegende langdauernde Warmzeiten unterschieden werden. Innerhalb der Eiszeitalter kam es jeweils zu so genannten Glazialen (z.B. Saale-Glazial, Weichsel-Glazial) und Interglazialen (z.B. Eem-Interglazial, Holstein-Interglazial) sowie innerhalb dieser zu Stadialen und Interstadialen, also längeren Zeiträumen mit großflächigen Vergletscherungen, unterbrochen von Perioden, die mit der heutigen Zeit eher vergleichbare Eismassen beherbergten. Während der letzten längeren Warmphase, dem Eem-Interglazial, lagen die Durchschnittstemperaturen in Europa über den heutigen.[66]
Siehe auch: Hockeyschläger-Diagramm
Der direkte Zusammenhang zwischen klimaaktiven Faktoren, insbesondere Kohlendioxid, mit der Lufttemperatur wird mit der sogenannten Klimasensitivität ausgedrückt. Diese gibt an, wie stark sich die globale Durchschnittstemperatur wahrscheinlich erhöhen wird, falls sich der Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre vom vorindustriellen Niveau von 280 ppm auf 560 ppm verdoppeln sollte. Ein geringer Zusammenhang läge bei deutlich unter 1 °C, bei den im IPCC anerkannten Studien werden Werte zwischen 1,5 und 4,5 °C angegeben, mit einem besten Schätzwert um 3 °C.[63][67][68]
Bei gemessenem Trend der Erderwärmung stellt sich die Frage, auf welche Faktoren diese zurückzuführen ist. Bislang wird für die aktuelle Erwärmung nur ein Erklärungsmodell als zufriedenstellender Ansatz angesehen, welches Treibhausgase als hauptsächlichen Faktor ansieht.[69][70]
Bei einigen Kontroversen wurde in Frage gestellt, dass der anthropogene Anteil an der globalen Erwärmung wichtiger als natürliche Faktoren sei:
In anderen Kontroversen wurde anderen anthropogenen Faktoren als den Treibhausgasen eine bedeutendere Rolle zugeschrieben:
Schwankungen in der Sonnenaktivität wirken sich auf das Klima aus. Laut verschiedenen Studien des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung kann die Sonne jedoch höchstens für einen kleinen Teil der Erderwärmung der letzten 20 bis 30 Jahre verantwortlich sein.[73]Natalie Krivova und anderen zufolge ist es für die Zeit nach 1980 äußerst unwahrscheinlich, dass die Sonne in irgendeiner signifikanten Form zur Erderwärmung beigetragen hat.[74][75][76][77] Das IPCC schätzte 2007 den Anteil der globalen Erwärmung seit 1750, der auf diesen Effekt zurückgeht, auf weniger als 10 % des anthropogenen Einflusses.[78][79]
In den vergangenen Jahren hatten einzelne Wissenschaftler dagegen die Auffassung vertreten oder die Möglichkeit für plausibel gehalten, der Einfluss der Sonnenaktivität auf die globale Erwärmung sei in der gleichen Größenordnung oder größer als der anthropogene Einfluss. Zu diesen zählen William M. Gray[80], Nicola Scafetta[81], Frederick Seitz[82], Nir Shaviv, Robert M. Carter[83], Tim Patterson[84], Marcel Leroux[85], Henrik Svensmark, Ulrich Berner und Hansjörg Streif.[86]
Bei den Temperaturmessungen der unterschiedlichen Luftschichten konnte festgestellt werden, dass sich gleichzeitig neben der wärmer werdenden untersten Luftschicht, der Troposphäre, die darüber liegende Stratosphäre deutlich abkühlt.[87] Dieses Muster ist spezifisch für den Anstieg an Treibhausgasen in der Troposphäre, denn es verbleibt mehr Wärmeenergie in der Nähe der Erdoberfläche, und weniger Energie erreicht die Stratosphäre. Wäre eine gestiegene Sonnenaktivität ursächlich für die globale Erwärmung, dann müssten sich alle Luftschichten gleichermaßen aufheizen.[88]
Der Geologe Jan Veizer[89][90] und der Astrophysiker Nir Shaviv postulieren einen höheren Einfluss der Kosmischen Strahlung auf das Klima als bislang vom IPCC akzeptiert. Veizer und andere halten aufgrund paläoklimatischer Betrachtungen den Beitrag von klimaaktiven Treibhausgasen in geologischer Zeit nicht für ausschlaggebend und sehen dies auch für die Neuzeit gegeben.[91]
Der Physiker Svensmark sieht eine signifikante Korrelation zwischen galaktischen kosmischen Strahlen und Wolkenbildung, die ihrerseits das Erdklima beeinflussen würde, als wahrscheinlich an.[92] Dem Astrophysiker Nir Shaviv zufolge ist ein grundsätzlich starker Trend der Höhenstrahlung über die gesamte Klimageschichte zu beobachten, welcher durch den Sonneneinfluss moduliert werde. Die mangelnde Korrelation kurzfristiger Klimaeinflüsse und der Höhenstrahlung bei heutigen Messungen sei mit dem Wärmespeichervermögen der Ozeane verbunden.[93]
Ein wesentlicher Einfluss der kosmischen Strahlung auf die globale Erwärmung der letzten Jahrzehnte wird von zahlreichen Studien bestritten. Hauptkritikpunkt dabei ist, dass die galaktische kosmische Strahlung seit mindestens 1951 keinerlei Trend aufweise, also weder stärker noch schwächer werde und daher auch nicht ursächlich für eine Erwärmung sein könne.[94] Eine Studie von Lockwood und Fröhlich setzte die Sonnenaktivität der kosmischen Strahlung gleich, demnach könne der kürzliche Anstieg der bodennahen Lufttemperatur keineswegs solaren Effekten zugeschrieben werden.[95] Der von Svensmark angenommene Zusammenhang wurde als wissenschaftliches Artefakt attackiert[96][97] und bei mehreren aktuellen Messungen nicht bestätigt.[98] So stellte 2010 ein Forscherteam um Frank Arnold vom Max-Planck-Institut für Kernphysik bei Untersuchungen von sechs markanten Forbush-Ereignissen fest, dass keinerlei Korrelation zwischen Wolkenbedeckung und Ionenkonzentration vorliegt. Eine zentrale Annahme von Svensmarks Theorie, die vermeintliche Wirkung der durch kosmische Strahlung gebildeten Ionen als Kondensationskeime, wurde damit widerlegt.[99][100]
Eine weitere Studie konnte eine von kosmischen Strahlen herrührende und im Einklang mit dem Sonnenfleckenzyklus stehende zyklische Ionisierungsrate in der Atmosphäre zwischen 1956 und 2002 aufzeigen. Dabei tritt der Zyklus der kosmischen Strahlen mit einer Verzögerung von 2 bis 4 Jahren gegenüber der Sonnenaktivität auf, wohingegen die im langfristigen Erwärmungstrend auffindbare, ebenfalls zyklische Schwankung der Lufttemperatur keine Verzögerung gegenüber dem Sonnenfleckenzyklus aufweist. Den Autoren zufolge liegt es nahe, dass die Sonnenaktivität und nicht die kosmischen Strahlen der dominierende der beiden Effekte ist. Selbst unter der Annahme, es liege eine kausale Verbindung vor, sollten die festgestellten Effekte weniger als 0,07 °C zur seitdem aufgetretenen Erwärmung beigetragen haben, ein Anteil von unter 14 %.[101]
Zur Untersuchung der physikalischen und chemischen Grundlagen für den postulierten Zusammenhang zwischen kosmischer Höhenstrahlung und Wolkenbildung wurde im Jahr 2006 das CLOUD-Experiment gestartet.
Der Klimatologe Roger A. Pielke senior hält den Top-down-Fokus des IPCC, eine von globalen Modellen ausgehende Betrachtung generell wie auch eine auf Treibhausgase verengte Perspektive für falsch. Er bevorzugt eine von regionalen Indizes ausgehende, Bottom-up-Betrachtung des menschlichen Einflusses auf das Klima.[102] Sein Sohn, der Politikwissenschaftler gleichen Namens, hält den globalen Ansatz des IPCC ebenso für falsch und undurchführbar. Beide plädieren stattdessen für auf regionale Risiken und Auswirkungen abhebende Risikoabschätzungen.[103][104]
Die IPCC-Szenarien sind als Momentaufnahmen des Erkenntnisprozesses zu betrachten. Zwischen ihren Veröffentlichungen ändert sich sowohl der Forschungsstand durch neu gefundene Zusammenhänge als auch die Realität durch unvorhergesehen Entwicklungen.
So liegen den Szenarien Annahmen über künftige Emissionsverläufe von Treibhausgasen zugrunde, die die Bandbreite der tatsächlich zu beobachtenden Emissionen abdecken sollen. Es zeigt sich jedoch, dass sich die Emissionen gegenwärtig (2011) auf einem Niveau befinden, das selbst die pessimistischsten Szenarien des IPCC übertrifft.
Ebenso hat man heute neue Erkenntnisse über positive Rückkopplungsmechanismen erlangt, die die Erwärmung zusätzlich verstärken könnten.[105][106] Da in den klimawissenschaftlichen Modellen Rückkopplungsvorgänge einen großen Unsicherheitsfaktor darstellen, wird ein besonderes Augenmerk auf ihre Erforschung gelegt. Teils ist im Voraus unklar, ob es sich bei einem Effekt um eine positive oder negative Rückkopplung handeln wird. So wird das Tauen von Permafrostböden zweifelsohne das Freisetzen von zusätzlichem Kohlendioxid und Methan verursachen, das damit dort assoziierte Pflanzenwachstum jedoch auch zu einer erhöhten Aufnahme von Kohlendioxid führen.[107]
Ein weiteres Beispiel für eine unvorhergesehene Entwicklung ist der Rückgang des polaren Meereises. Die Prognosen des IPCC beruhten auf einer Reihe von globalen numerischen Modellen. Der tatsächliche Rückgang des Eises ist jedoch signifikant deutlicher ausgefallen, was daraufhindeutet, dass es in diesem Bereich noch nicht hinreichend erfasste Wirkungszusammenhänge gibt.[108]
Diese Kenntnisse lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des AR4 des IPCC im Jahr 2007 noch nicht vor. Die globale Erwärmung wird daher möglicherweise höher ausfallen als noch im vierten Sachstandsbericht 2007 in den pessimistischsten Szenarien beschrieben wurde.[109][110]
Diskutiert werden auch die prognostizierten möglichen Folgen des Klimawandels. Dabei wird unter anderem das thermodynamisch abgeleitete Prinzip vom kleinsten Zwang herangezogen. Demnach begünstigt ein höheres Angebot an Kohlendioxid, unabhängig von der Quelle, reduzierende chemische und biochemische Reaktionen. Allerdings kommt es durch die zusätzliche CO2-Aufnahme in den Ozeanen, neben Wäldern die wichtigsten Kohlenstoffsenken, zu anderen negativen Folgewirkungen wie fortschreitender Versauerung des Wassers. Weitere Trigger- und Rückkopplungseffekte verkomplizieren die Situation. So können aus ehemaligen Permafrostböden klimaaktive Gase freigesetzt werden, oder Schneefall in ehemals niederschlagsfreien Gebieten eine Abkühlung verursachen. Einige Studien sehen Wälder entgegen deren Ausweisung als 'Kohlendioxidsenken' als nicht oder nur in geringem Umfang in der Lage, zusätzliches CO2 zu speichern[111][112], was mögliche Folgewirkungen verstärken würde.
Das IPCC spricht auch Maßnahmenempfehlungen aus.
Dabei wird von Skeptikern auch anhand der als gering erachteten Auswirkungen des Kyoto-Protokolls, die praktische Möglichkeit effizienter Klimaschutzmaßnahmen bezweifelt bzw. deren Sinn in Frage gestellt. So galt die Herstellung von Agrokraftstoffen auch aufgrund einer früheren Empfehlung des IPCC als eine wichtige Möglichkeit zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes besonders im Verkehrssektor. Agrokraftstoffe sind aktuell Gegenstand der politischen Auseinandersetzung, und neben veränderten Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern sowie Finanzspekulation werden sie als eine Ursache der aktuellen Preissteigerungen von Nahrungsmitteln kritisiert.[113]
Das Verhältnis von Anpassungs- und Mitigationsmaßnahmen wird kontrovers diskutiert.[114] Den Schlussfolgerungen des IPCC entgegen stehen Auffassungen, wonach Mitigationsmaßnahmen unwirksam, unpraktikabel oder unverhältnismäßig teuer[115] wären und stattdessen versucht werden solle, die Folgen der globalen Erwärmung durch Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen aufzufangen. Dem wiederum wird entgegengehalten[116], dass belastbare Argumente für die Machbarkeit von Anpassungsmaßnahmen im globalen Kontext bei ungebremstem Klimawandel fehlten und der Verzicht auf das Vorsorgeprinzip verantwortungslos sei. Außerdem wird argumentiert, dass vorbeugender Klimaschutz und der damit verbundene Ausstieg aus der fossilen Energie auch unabhängig vom Klimawandel empfehlenswert sei, da dadurch z.B. Innovationen angestoßen und nachhaltige Raumordnungskonzepte gefördert würden und Bewegung in das Nord-Süd-Gefälle gebracht werde.[116]
Wissenschaftler, die dem Copenhagen Consensus nahestehen, halten die Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung, auch durch Zugang zu moderner Agrartechnologie, den Wegfall von Exportbeschränkungen neben der Bekämpfung von Infektionskrankheiten für dringlicher als den Klimaschutz. An den Beratungen über den Copenhagen Consensus nahmen mehrere Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften teil. Kritisiert wurde der Copenhagen Consensus unter anderem, weil er hochkomplexe Vorgänge mit den vergleichsweise einfachen Mitteln der Kosten-Nutzen-Rechnung angeht, er sich nur wenig über dem ungefähren Niveau der gegenwärtigen Entwicklungshilfe bewegt und damit vor allen den Mangel verwalten helfen will,[117] und weil er eine Konkurrenz zwischen verschiedenen Hilfsmaßnahmen aufbaut, jedoch andere Kostenträger wie Militärausgaben oder Subventionen für fossile Energiesysteme ausspart.
Unter ökonomischen Gesichtspunkten werden die angenommenen Folgekosten in einer Barwertbetrachtung der globalen Erwärmung durch Kosten-Nutzen-Analyse mit den jetzigen Vermeidungskosten verglichen. Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, kommt dabei in dem nach ihm benannten Stern-Report zu dem Schluss, dass die Vermeidung von Emissionen die eindeutig günstigere Alternative ist. Unter anderem Ottmar Edenhofer stimmte dem Report zu und sprach zustimmend vom Klimawandel als moralischem und ökonomischen Problem.[118][119] Von Kritikern wurde Sterns Methodik und seine Berechnung der Folgekosten in Frage gestellt, wobei ihm einige eine Über- [120][121], andere dagegen eine Untertreibung[122] der Folgen des Klimawandels vorwarfen. Auch die Gewichtung von Vermeidungs- gegenüber Anpassungsstrategien wurde kontrovers diskutiert.[114][123]
Manche Wissenschaftler halten die Folgen der globalen Erwärmung für überschätzt oder als zu negativ bewertet und weisen der Erwärmung auch für die Menschheit insgesamt eher nützliche Auswirkungen zu. Zu diesen Forschern zählt zum Beispiel Sherwood Idso, der von vermehrten CO2-Einträgen in die Atmosphäre positive Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion und auf deren gesundheitlichen Wert erwartet.[124] Freilandversuche mit der FACE-Technologie (Free Air Carbon dioxide Enrichment) zeigen an, dass durch den Düngeeffekt des Kohlendioxids Steigerungen beim Pflanzenwachstum zu erwarten sind.[125] Die zusätzlich mögliche Ernte wird auf bis zu 13 % geschätzt, bei einer Zunahme des Wachstums der gesamten Biomasse um 17 %. Gleichzeitig gehen bei erhöhter CO2-Konzentration aber auch die Mikrovitalstoff- und Aminosäuren-Konzentrationen zurück. Frühere Berechnungen waren noch von einer Steigerung der Erntemenge um bis zu 36 % ausgegangen.[126] Kombiniert mit weiteren Effekten der globalen Erwärmung wie veränderten Niederschlagsmustern gilt es als unklar, wie der Nettoeffekt in einzelnen Regionen ausfallen wird.
Mehreren schwerwiegenden Folgen der Erderwärmung, darunter besonders dem Meeresspiegelanstieg, der Gletscherschmelze und der Versauerung der Meere, werden potenziell verheerende Auswirkungen auf Menschen und Ökosysteme zugeschrieben. Für große Teile der Erde befürchten Forscher bedeutsame negative Konsequenzen: Ökosysteme, Nahrungsmittelproduktion, Wasserverfügbarkeit und soziale Gemeinschaften werden desto größeren Risiken ausgesetzt sein, je stärker der Klimawandel ausfällt, so William Hare vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.[127]
Gegen die Prognose, die Erwärmung führe zu einer Ausbreitung so genannter Tropenkrankheiten, spricht sich der medizinische Entomologe Paul Reiter aus, der den Ausdruck „Tropenkrankheiten“ für irreführend hält.[128]
Da das Phänomen der globalen Erwärmung und die unterschiedlichen Anpassungsreaktionen darauf in vielerlei Hinsicht wirtschaftliche und soziale Interessen berühren, darüber hinaus aber auch Forschungs- und Bildungspolitik beeinflussen sowie Auswirkungen auf gesellschaftliche Normen sowie ethische und weltanschauliche Orientierung zeitigen können, ist die politische Auseinandersetzung darüber vielfältig und in vollem Gange. Besonders in den Medien wird sie häufig aufgegriffen.
Protagonisten der Kontroverse sind besonders Politiker, Lobbyisten und nichtstaatliche Organisationen. Klimaskeptische Wissenschaftler, Ökonomen und Politiker haben sich in eigenen Organisationen zusammengeschlossen; auf internationaler Ebene ist dies z.B. die International Climate Science Coalition. Die Positionen der Klimaskeptiker werden überdies von einer Reihe politisch konservativer Think Tanks unterstützt und verbreitet. Klimaskeptische Think Tanks sind u.a. das American Enterprise Institute, die Heritage Foundation, die Hoover Institution, das Ayn Rand Institute, das Heartland Institute, das Cato Institute, das Fraser Institute, die Global Warming Policy Foundation und das George C. Marshall Institute.
Der globalen Erwärmung wird medial mittlerweile eine große Aufmerksamkeit geschenkt. Darüber hinaus wird das Thema auch in Zusammenhang mit politischen Kontroversen gebracht und ist somit nicht mehr vorrangig eines der wissenschaftlichen Diskussion. In journalistischen Darstellungen kommt es neben seriösen Bemühungen um eine dem Forschungsstand entsprechende Aufbereitung des Problemkomplexes oft zu Ungenauigkeiten, indem die den jeweiligen Modellrechnungen zugrundeliegenden Annahmen nur ungenügend berücksichtigt werden. Daraus ergeben sich Verzerrungen der Forschungsergebnisse in beide Richtungen: So sind einerseits aufmerksamkeitsheischende Übertreibungen zu finden, etwa wenn wiederholt vor einer unmittelbar bevorstehenden Klimakatastrophe gewarnt wird; und andererseits werden aus wirtschaftlichen und politischen Motiven unsachgemäße Verharmlosungen verbreitet.
Besonders nach dem Bekanntwerden von Fehlern im vierten IPCC-Bericht beklagen Wissenschaftler zunehmend, dass in den Medien auch übertriebene Kritik an der Klimaforschung verbreitet werde. In einzelnen Fällen wurden der Presse darüber hinaus klare Falschaussagen und Diffamierung von Wissenschaftlern vorgeworfen. Der kanadische Klimaforscher Andrew Weaver verklagte die konsersative Zeitung National Post, da diese mehrere „unkorrekte, irreführende und verzerrte“ Zeitungsartikel über ihn publiziert und trotz seiner Anfrage nicht von ihrer Website entfernt habe. Derartige Berichterstattung „vergifte“ die Klimadebatte. Leser der National Post hatten in Postings unter anderem vorgeschlagen, Weaver unter einen Bus zu werfen.[129] Der Tropenwald-Spezialist Simon Lewis von der University of Leeds reichte eine offizielle Beschwerde bei der Press Complaints Commission ein, dem britischen Pendant des Deutschen Presserats, nachdem angebliche Aussagen von ihm in einem Artikel der Sunday Times als Beleg für Fehler im IPCC-Bericht zitiert worden waren. Lewis erklärte, er habe zuvor deutlich gemacht, dass er die betreffende Passage im IPCC-Bericht ihrem Inhalt nach für wissenschaftlich vertretbar und korrekt halte. Nicht nur sei dies im Artikel der Sunday Times anders dargestellt worden. Auch sei ihm von der Zeitung später jegliche Möglichkeit zur Stellungnahme verweigert und ein von ihm verfasster Leserbrief einfach ignoriert worden. Die beanstandete Meldung der Sunday Times war unterdessen weltweit vielfach übernommen oder zitiert worden.[130] In einem offenen Brief protestierten 277 führende niederländische Wissenschaftler Anfang 2010 gegen die Diskreditierung der Klimaforschung in der öffentlichen Debatte. So sei die Aufregung um Fehler im letzten IPCC-Bericht unverhältnismäßig, die Arbeitsweisen des IPCC seien „transparent und sorgfältig“.[131]
Katherine Richardson, Meeresökologin an der Universität Kopenhagen, meint, dass Klimaskeptiker in den Medien überproportional oft zu Wort kommen würden. Gleichzeitig seien Wissenschaftler wie sie selber massiven Angriffen in den Medien ausgesetzt.[132] In der Medienforschung ist zu diesem Thema einerseits die These vertreten worden, dass medienimmanente Gesetzmäßigkeiten dazu führten, dass nach anfänglichem Katastrophenalarm wiederum Gegen-Positionen zur gängigen Meinung hervorgehoben würden.[133] Andererseits ist auch auf die Bedeutung der politischen Ausrichtung der Medien auf die Berichterstattung hingewiesen worden. Als Beispiel wurde das Nachrichtenmagazin Der Spiegel angeführt[132], das bereits im Jahr 2004 mit einem redaktionsinternen Streit über die Berichterstattung zur Windenergie für Aufmerksamkeit gesorgt hatte[134][135], und dessen ehemaliger Chefredakteur Stefan Aust nach Aussage von ehemaligen Kollegen den Warnungen vor dem Klimawandel sehr skeptisch gegenüberstand.[132][136] Scharfe Kritik an der Berichterstattung des Spiegels zum Klimawandel äußerten 2010 unter anderen Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, und Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.[116]
Der Klimaforscher Christian-Dietrich Schönwiese kritisiert die Klimaskeptiker, hinter deren Versuchen, die anthropogenen Ursachen des Klimawandels zu widerlegen, hauptsächlich nichtwissenschaftliche Motivationen steckten wie Angst um den eigenen Lebensstandard oder Sorge um die Interessen der Wirtschaft.[137]
Der Sozialpsychologe Harald Welzer warnt vor einer Unterschätzung der realen Gefahren des Klimawandels im Bewusstsein der Allgemeinheit. Welzer bezieht sich dabei auf das Phänomen der shifting baselines[138], das Menschen auch dramatische Änderungen ihres eigenen Lebensraumes nicht wahrnehmen lässt, da Veränderungen vom eigenen Beobachterstandpunkt aus wahrgenommen werden, der durch die eigene Lebens- und Erfahrungszeit begrenzt ist.[139] Mit Blick auf die 16. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Cancún meldete Die Zeit, dass entgegen den in ihren Voraussagen immer sicherer werdenden Experten und ihren besorgniserregenden Befunden bei vielen Menschen die diesbezügliche Skepsis zunehme. Laut einer aktuellen Umfrage in den USA glaubten 2010 nur noch 59 Prozent der Bevölkerung an die Erderwärmung und nur mehr 34 Prozent an deren anthropogene Verursachung (gegenüber 79 bzw. 50 Prozent im Jahre 2006).[140]
Dem britischen Biologen Baron May of Oxford zufolge wäre eine Rückkehr zu religiösen Vorstellungen, einschließlich eines strafenden Gottes, nützlich, um den Klimawandel zu bewältigen und die notwendigen Maßnahmen in Kooperation umsetzen zu können. Ein Problem sieht May aber in der religiösen Rechten um George W. Bush, die für die Leugnung des menschengemachten Klimawandels mitverantwortlich sei.[141] Auf der anderen Seite sieht die amerikanische Kulturhistorikerin Camille Paglia die heraufbeschworenen Gefahren der globalen Erwärmung vornehmlich als Ausdruck eines Hungers nach Gläubigkeit und Apokalypse, nachdem die gewöhnliche Kirche in eine richtungslose feel-good-Therapie verwandelt worden sei.[142]
Die globale Erwärmung wird auch mit cineastischen Mitteln bearbeitet, so zum Beispiel in den Katastrophenfilmen Waterworld, The Day After Tomorrow oder Welt in Angst. Eine unbequeme Wahrheit gilt mit als Kernbotschaft von Nobelpreisträger Al Gore zum Klimawandel. Dokumentarischen Anspruch und teilweise polemische Inhalte hat der britische Film The Great Global Warming Swindle.
Politische Einflussnahme zu Verharmlosungszwecken ließ sich bei den Verhandlungen um den Vierten Sachstandsbericht des IPCC beobachten. Der Veröffentlichung der drei so genannten Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger ging jeweils eine mehrtägige Konferenz voraus, in der der Entwurf der am Bericht beteiligten Klimaforscher durch Vertreter von Regierungen abgesegnet werden musste. Laut Medienberichten haben sowohl beim Bericht der Arbeitsgruppe I über die physikalischen Grundlagen[143] als auch beim Bericht der Arbeitsgruppe II über die Folgen des Klimawandels[144] die Regierungen der USA, Russlands, Chinas und Saudi-Arabiens erfolgreich eine Verwässerung der ursprünglich vorgesehenen Schärfe und Eindeutigkeit des Berichts erwirkt. Die Washington Post benennt explizit einen auf Druck der USA und Chinas gestrichenen Absatz über die notwendige Reduktion der Treibhausgasemissionen als ein Beispiel für die direkte abschwächende Bearbeitung in der Zusammenfassung des jüngsten IPCC-Berichtes.[145]
Dieses Verfahren kommt jedoch nur bei den Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger zur Anwendung. Auf die wissenschaftlichen Berichte des IPCC, die den Zusammenfassungen zugrunde liegen, haben die Regierungen keinen Einfluss. Die Vorgehensweise zur Erstellung der Berichte war jedoch auch bereits vor der Veröffentlichung der Zusammenfassung für Entscheidungsträger Gegenstand von Kritik, weil die Zusammenfassung für Entscheidungsträger vor dem eigentlichen wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht worden ist, um den Inhalt des Berichtes an die Zusammenfassung anzupassen.[146]
China und die USA sind mit Abstand die weltweit größten Emittenten des Treibhausgases Kohlendioxid.[147] Daher ist ihre Klimapolitik auch im globalen Maßstab von erstrangiger Bedeutung.
Als Beispiel für die Ausrichtung der amerikanischen Regierung in klimapolitischer Hinsicht erregte der Fall von James E. Hansen besonderes Aufsehen. Hansen ist Direktor des NASA-eigenen Goddard Institute for Space Studies und seit Jahrzehnten mit klimawissenschaftlichen Fragen beschäftigt. In den Jahren 2005 und 2006 sagte Hansen in Interviews mit der Washington Post[148] und der New York Times, dass NASA-Beamte aus dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit versucht hätten, seine öffentlichen Stellungnahmen über die Ursachen der globalen Erwärmung zu beeinflussen. Der Konflikt wurde insbesondere an der Person Philip Cooneys festgemacht, mittlerweile Manager bei ExxonMobil, früher Angestellter des American Petroleum Institute und während der Regierung George W. Bush Vorgesetzter Hansens. Dort habe er aus zahlreichen Studien Hinweise auf den menschlichen Anteil am Klimawandel entfernt und verwässert.
Eine politische Beeinflussung wissenschaftlicher Studien durch Regierungsbeamte in den USA beschäftigte von 2006 bis 2007 unter anderem das United States House Committee on Oversight and Government Reform, eine Art ständiger Ausschuss des Repräsentantenhauses. In seinem Abschlussbericht vom Dezember 2007 beschreibt das Komitee eine fortwährende Einflussnahme der Regierung Bush auf die US-Klimaforschung. Die Schlussfolgerung daraus lautet:
Neben der NASA sind auch noch andere US-Einrichtungen von vergleichbarer Einflussnahme betroffen gewesen, darunter die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Environmental Protection Agency (EPA), das Climate Change Science Program (CCSP) oder das US Geological Survey (USGS).[150]
George W. Bush selber hatte das Bestehen eines wissenschaftlichen Konsenses zur globalen Erwärmung abgestritten.[151]
Auch unter der Regierung von US-Präsident Obama werden die USA dem Kyoto-Abkommen nicht beitreten. Obama plant allerdings im Rahmen eines nationalen Klimaschutzprogramms die Förderung erneuerbarer Energien mit bis zu 129 Mrd. US-Dollar.[152] Die Realisierung des Vorhabens ist von einem positiven Votum des Senats abhängig.[153] Die Geschäftsaktivitäten von Friedensnobelpreisträger Al Gore, der über seine Aktivitäten etwa bei der Klimawandelabteilung des Risikokapital Investmentfonds Kleiner Perkins Caufield & Byers auch von Staatsaufträgen in dreistelliger Millionenhöhe profitierte, waren in den USA Gegenstand politischer Kontroversen.[154]
Umstrittene Studien von Klimaskeptikern haben mehrfach zu heftigen Kontroversen geführt. 2011 kam es zu einer Kontroverse[155] aufgrund eines Artikels von Roy Spencer und William Braswell im Journal Remote Sensing. Darin zweifeln Spencer und Braswell die in aktuellen Klimamodellen ausgewiesenen Temperatursteigerungen an.[156] Die Studie löste unter Fachleuten jedoch scharfe Kritik aus[157][158] und führte zum Rücktritt des Chefredakteurs des Journals, Wolfgang Wagner.[159] In einem Editorial anlässlich seines Rücktritts erklärte Wagner, dass das Peer-Review-Verfahren „grundlegende methodische Fehler und Falschbehauptungen“ ausfindig machen solle. Die Studie von Spencer und Braswell sei jedoch höchstwahrscheinlich in beiderlei Hinsicht problematisch und habe darum eigentlich nicht veröffentlicht werden dürfen.[160] Zuvor hatten u.a. das Wirtschaftsmagazin Forbes und der konservative Nachrichtensender Fox News die Studie aufgegriffen und zum Anlass genommen, die aktuellen Klimamodelle in Zweifel zu ziehen.[161][162]
Bereits 2003 war es zu einer ähnlichen Kontroverse gekommen, nachdem Willie Soon und Sallie Baliunas einen Artikel[42] im Fachjournal Climate Studies veröffentlicht hatten, in dem sie die aktuelle Erwärmung als unbedeutend einstuften im Vergleich zu anderen historischen Klimaveränderungen des letzten Jahrtausends. Nach scharfer fachlicher Kritik wegen methodischer Mängel der Studie[44][45] distanzierten sich der Herausgeber der Fachzeitschrift, Otto Kinne, und der Chefredakteur, Hans von Storch, von dem veröffentlichten Artikel.[43] Von Storch trat zudem von seinem Posten als Chefredakteur zurück.[43] Einer der Urheber der umstrittenen Studie, Willie Soon, ist darüber hinaus in die Kritik geraten, weil er Forschungsgelder aus der Kohle- und Ölindustrie erhalten und in einem anderen Artikel die gesundheitlichen Folgen von Quecksilbervergiftungen verharmlost hat.[163]
Über die Gesamtbewertung der forschungspolitischen Aspekte der Klimadebatte gibt es unterschiedliche Einschätzungen. In einem Buchbeitrag verglich Richard Lindzen die Beziehung von Wissenschaft und Politik beim Thema Klimawandel mit anderen „Wissenschaftshypes“ der Vergangenheit, so der öffentlich intensiv diskutierten und propagierten Eugenik vor und nach 1900.[164] Im Gegensatz dazu meint Raymond Bradley, Leiter des Klimaforschungszentrums der University of Massachusetts Amherst, dass Klimaschutzgegner in der Politik gezielt versucht haben, Wissenschaftler einzuschüchtern und ihre Forschungsarbeit zu diskreditieren, um Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung zu torpedieren.[165] Der Journalist George Monbiot konstatiert eine Einflussnahme der Politik im Sinne einer gezielten Verharmlosung des Klimawandels in Forschungsberichten und der direkten Bearbeitung wissenschaftlicher Dokumente.[166]
Dem Kampf gegen die globale Erwärmung ist die Auslobung des bislang höchstdotierten Wissenschaftspreises gewidmet: Der Unternehmer Sir Richard Branson verspricht demjenigen Wissenschaftler 25 Millionen US$, der einen umweltverträglichen Weg findet, die Atmosphäre von Treibhausgasen zu befreien.[167]
Nachdem Hacker 2009 E-Mails von Klimaforschern gestohlen und im Internet veröffentlicht hatten, wurden einige Wissenschaftler, darunter Phil Jones und Michael E. Mann, aufgrund von E-Mails beschuldigt, einzelne kritische Aspekte ihrer Forschungsarbeit vertuscht und Rohdaten gelöscht zu haben sowie insgesamt unredlich vorgegangen zu sein. Einzelne Interpretationen von Klimaskeptikern, die von einer „Verschwörung“ der Klimaforscher sprechen, wurden dagegen von zahlreichen Wissenschaftlern einhellig zurückgewiesen[168][169] und von der Fachzeitschrift Nature als „paranoid“ bezeichnet.[170]
Die Anschuldigungen gegen die betroffenen Klimaforscher, die hauptsächlich an der Climatic Research Unit (CRU) arbeiten, waren Gegenstand mehrerer unabhängiger Untersuchungen. Der Wissenschaftsausschuss des britischen Unterhauses kam im März 2010 zu dem Ergebnis, dass den Wissenschaftlern der CRU kein Vorwurf zu machen sei. Es könne nicht unterstellt werden, dass die Wissenschaftler bei der Zurückweisung von Anfragen über Forschungsergebnisse versucht hätten, die Öffentlichkeit über Klimadaten im Unwissen zu lassen.[171] Gerügt wurde allerdings die betroffene Universität für ihren Umgang mit Nachfragen im Rahmen des Freedom of Information Act.[172] Eine gemeinsame Untersuchungskommission der britischen Royal Society und der University of East Anglia unter dem Vorsitz von Lord Ronald Oxburgh entlastete ebenfalls Jones und seine Kollegen. Es gebe „keine Beweise für vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten“, die Wissenschaftler um Jones hätten ihre Arbeit „ordentlich und genau“ gemacht und seien bei der Datenauswertung „objektiv und leidenschaftslos“ gewesen. Die Untersuchungskommission verurteilte zudem den scharfen Tonfall der Klimaskeptiker.[173] Eine dritte Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Muir Russell kam nach sechsmonatiger Prüfung und Anhörung zahlreicher Zeugen schließlich auch zu dem Ergebnis, dass die gegen Jones und seine Kollegen erhobenen Vorwürfe der Datenmanipulation und Unterdrückung von Kritikern unberechtigt seien. Die Schlüsseldaten für die Reproduzierbarkeit ihrer Forschungsergebnisse seien jedem kompetenten Interessierten zugänglich gewesen, auch gebe es keinerlei Hinweise auf eine Untergrabung des Peer-Review-Prozesses. Bemängelt wurde nur ein unzulängliches Maß an Offenheit seitens der Forscher und eine unabsichtlich irreführende Beschriftung einer Grafik von 1999. Es gebe jedoch keinerlei Zweifel an der Aufrichtigkeit und Disziplin der Forscher.[174][175][176] Auch Michael E. Mann wurde von einer Untersuchungskommission seiner Universität von allen Vorwürfen entlastet.[177]
Wegen der zeitlichen Nähe der illegalen Aufdeckung von E-Mails und weiteren Forschungsdaten zur UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wurde als Hintergrund des Hackerangriffs auch ein Sabotageversuch mit möglichen Auswirkungen auf die Konferenz angenommen. Unter Verweis auf den Vorfall wurde von Politikern wie Jim Inhofe versucht, aktuelle klimapolitische Gesetzesvorhaben, etwa zum Emissionsrechtehandel in den USA, endgültig zu torpedieren.[178]
Republikanische Politiker wie Inhofe und Ken Cuccinelli unternahmen sogar Versuche, das Verhalten der Klimaforscher zu kriminalisieren. Wissenschaftliche Kreise reagierten mit massiver Kritik auf Inhofes und Cuccinellis Aktionen,[179][180] die als Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft gewertet wurden.[180] Proteste kamen u.a. von mehreren wissenschaftlichen Spitzenorganisationen[181][182] und sogar von Klimaskeptikern.[183] Mehrfach wurden Parallelen zwischen Inhofes und Cuccinellis Vorgehen und der McCarthy-Ära gezogen.[179][184][185] In einem Offenen Brief forderten 255 Wissenschaftler der National Academy of Sciences, darunter 11 Nobelpreisträger, ein Ende der Drangsalierung von Wissenschaftlern durch Politiker, die Ablenkungen suchten, um Klimaschutz zu verhindern.[184]
Mehrere der betroffenen Wissenschaftler erhielten seit Beginn der Kontroverse eine Flut von Hass-Mails.[186][187] Die Klimaforscher Michael E. Mann und Stephen Schneider berichteten von Gewalt- und Morddrohungen gegen sie selbst und Familienangehörige.[179][188]
Wirtschafts- und industriepolitische Konfliktaspekte ergeben sich unter anderem in der Auseinandersetzung um einen weiteren Ausbau der Atomkraft, so in Skandinavien und Frankreich, im Umgang mit der klassischen Montanindustrie oder in der Erschließung von Kohle und Erdölvorkommen in Deutschland, Kanada und Großbritannien wie auch bei technologischen Vorgaben für die unterschiedliche strukturierten Autoindustrien in den Ländern der europäischen Union. Von einzelnen Ölunternehmen wie ExxonMobil wurden sogar gezielt Studien finanziert, die den anthropogenen Klimawandel in Frage stellten (→ Bezahlte Skepsis).
Darüber hinaus wird unter anderem der Emissionsrechtehandel als möglicherweise wegweisendes wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument kontrovers diskutiert.[189][190] Einzelfallregelungen und Ausnahmen für unterschiedliche Industriesektoren, Marktsegmente (etwa Hersteller von Kleinwagen gegenüber Luxusfahrzeugen und LKWs) und Länder sind Gegenstand von Interessenkonflikten und Einflussnahmen verschiedener Seiten. Aufgrund des Scheiterns der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 werden zunehmend, auch von ursprünglich skeptischen Protagonisten wie Andreas Carlgren statt einer international bindenden Lösung regionale Politikansätze ins Spiel gebracht. Dazu gehören etwa Einfuhrzölle auf Produkte aus Ländern, die ihrer Industrie und Verbrauchern nur geringfügige Klimaregelungen auflegen.[191]
Diskutiert wird auch der Übergang von kohlenstoffbasierten Wirtschaftszweigen zu neuen Industrien, die auf erneuerbaren Energien basieren. Neben anderen ist dabei auch Al Gore als Investor in grüne Energien hervorgetreten.[192] In Deutschland wurde Hermann Scheer als Präsident der Vereinigung Eurosolar, Träger des Alternativen Nobelpreises und Befürworter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bekannt. Der im Oktober 2010 verstorbene Scheer hielt das von ihm befürwortete, am Nationalstaat ausgerichtete Modell für deutlich erfolgversprechender als globale Lösungen im Rahmen des Emissionshandels.[193]
Im Mai 2010 wurde von 14 Natur- und Geisteswissenschaftlern das Hartwell Paper veröffentlicht. Darin wird argumentiert, dass eine „erfolgreiche Entkarbonisierung nur als ein Nebengewinn zu erreichen ist, der bei der Verfolgung anderer, politisch attraktiver und kompromisslos pragmatischer Ziele mit abfällt.“ Dies beinhalte 1. Zugang zur Energie für alle, 2. umweltfreundliche Energie, 3. Umgang mit Klimafolgen. Oberstes Ziel sei „die Entwicklung einer CO2-freien Energieversorgung, und zwar zu Kosten, die auch ohne Subventionen unter den Kosten einer auf fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung liegen.“[194][195][196]
„[…] Wissenschaft kann nur durch ihre starke Tradition der Debatte und Meinungsverschiedenheit fortschreiten. Aber diese spezielle Debatte diskreditiert den Begriff der wissenschaftlichen Meinungsverschiedenheit. Einige der Klimaskeptiker rufen Erinnerungen an die AIDS-Dissidenten hervor, die in den 1990er Jahren mit Hilfe von Begriffen behaupteten, dass HIV nicht AIDS verursachen würde, und dass es keine AIDS-Pandemie in Afrika gäbe. Andere ähneln den Tabakindustrie-Dissidenten, die der Regulierung dieser Industrie bis zum Letzten widerstanden - auf der Grundlage dessen, was später als die falsche Darstellung der von den Zigarettenherstellern geförderten Wissenschaft entlarvt wurde.“
„The Committee’s 16-month investigation reveals a systematic White House effort to censor climate scientists by controlling their access to the press and editing testimony to Congress. The White House was particularly active in stifling discussions of the link between increased hurricane intensity and global warming. The White House also sought to minimize the significance and certainty of climate change by extensively editing government climate change reports. Other actions taken by the White House involved editing EPA legal opinions and op-eds on climate change.“
„We do not know how much effect natural fluctuations in climate may have had on warming. We do not know how much our climate could, or will change in the future. We do not know how fast change will occur, or even how some of our actions could impact it“
– George W. Bush
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