Montag, 28. Mai 2012

Themen


Konvektion

Konvektionsströmungen in den Ozeanen rot: oberflächennahe Strömung, blau: Tiefenströmung
Konvektions-Zellen in einem erwärmten Gefäß

Konvektion ist die gleichförmige und gemeinsame Bewegung von Teilchen in Fluiden (Flüssigkeiten, Gase, Plasma), aber z. B. auch im Erdmantel. Mit den Teilchen wird ebenfalls die in ihnen gespeicherte thermische Energie transportiert.

Übersicht

Strömung und damit verbundene Vorgänge

Konvektive Vorgänge sind bedingt durch die gemeinsame Bewegung von frei beweglichen Teilchen relativ zu angrenzenden Körpern, also durch die Strömung eines Fluids (meist Flüssigkeit oder Gas). Sie tauschen physikalische Größen (beispielsweise Energie) zwischen dem Fluid und angrenzenden Körpern aus und transportieren sie innerhalb des Fluids. Die Transport- und Austauschvorgänge sind wesentlich von der Strömung und den Grenzschichten des Fluids zu angrenzenden Körpern beeinflusst.

Bei einer Strömung wird das Volumen, die Masse und die Stoffmenge des Fluids transportiert. Diese Größen sind drei Möglichkeiten zu beschreiben, wieviel Fluid bewegt wird. Mit dem strömenden Fluid werden auch Größen wie Energie, Entropie, Impuls, Drehimpuls und elektrische Ladung transportiert.

Konvektion und konvektiv

Konvektion ist im engeren Sinn ein Wärmetransportmechanismus, der konvektive Austausch und Transport von thermischer Energie und somit von Entropie. Konvektion im weiteren Sinn bezeichnet konvektive Strömungen mit den dabei auftretenden konvektiven Vorgängen. In der Meteorologie und der Hydrologie werden oft nur Vorgänge mit vertikaler Strömung als konvektive Vorgänge bezeichnet, während bei horizontalen Strömungen dort von advektiven Vorgängen, beziehungsweise von Konvergenz und Divergenz gesprochen wird.

Stoffe

Ist das Fluid ein Stoffgemisch, kann dies eine getrennte Betrachtung der einzelnen Stoffströme nötig machen. Die Stoffeigenschaften, wie Viskosität, Dichte, Wärmekapazität und Ausdehnungskoeffizient beeinflussen die Strömung und werden wiederum von den oben genannten physikalischen Größen beeinflusst.

Mechanismen

Gravitation und Dichteunterschiede

Konvektion infolge unterschiedlicher Stoffdichten in warmen (links) und kaltem Wasser (rechts)

Strömung wird durch Gravitation und Dichteunterschiede im Fluid angetrieben. Die so verursachte Strömung wird als natürliche Konvektion oder freie Konvektion bezeichnet. Die Dichteunterschiede resultieren aus Temperaturunterschieden oder Konzentrationsunterschieden. Das unterschiedliche Volumen gleicher Massen führt dann zu unterschiedlichem Auftrieb.

Werden die Dichteunterschiede durch Temperaturunterschiede verursacht, werden auch die Bezeichnungen Thermische Konvektion oder Wärmekonvektion benutzt.

Werden die Dichteunterschiede durch unterschiedliche Stoffdichten hervorgerufen, wird dies chemische Konvektion, bei Lösungen auch solutale Konvektion, bei Salzlösungen auch haline Konvektion oder in Verbindung mit thermischer Konvektion auch thermohaline Konvektion genannt.

Beispiel

In polaren Regionen des Meeres gefriert Wasser zu einer Eisdecke. Das im Meerwasser enthaltene Meersalz verbleibt im Wasser unter dem Eis, wodurch sich in diesem Bereich die Salzkonzentration erhöht. Dieses höher konzentrierte Salzwasser hat eine höhere Dichte und sinkt in Bereiche ab, in welchen das vorhandene Meerwasser infolge niedrigerer Temperatur die gleiche Dichte aufweist. Das unten verdrängte Wasser strömt hinauf bis unter die Eisdecke und der Vorgang beginnt erneut. Es entsteht eine thermohaline Konvektion bzw. thermohaline Zirkulation.[1]

Oberflächenspannung (Marangoni-Konvektion)

Äußere mechanische Einwirkung

Hauptartikel: Erzwungene Konvektion

Äußere mechanische Einwirkung kann zum Beispiel durch Pumpen oder Ventilatoren erfolgen. Es werden Druckunterschiede erzeugt, welche wiederum ein Fließen des Fluids hervorrufen.

Weitere Mechanismen

Weitere treibende Kräfte sind Impulse, magnetische und elektrische Felder. Sie entstehen beispielsweise durch elektrische Spannungen oder Ströme. Der Impuls wird über die Grenzfläche auf das Fluid übertragen oder wirkt auf das Volumen des Fluids.

Übertragungs- und Austauschvorgänge

Bei der Konvektion werden physikalischen Größen transportiert und über die Grenzschicht zu angrenzenden Körpern oder Fluiden übertragen oder mit diesen ausgetauscht. Diese Vorgänge sind abhängig von

  • den Stoffeigenschaften, wie z. B. der Wärmeleitfähigkeit oder der Dichte,
  • der Form der Körper, wie z. B. Rohr, ebene Platte oder unregelmäßige Oberflächenformen und
  • der dadurch beeinflussten Strömung, die laminar oder turbulent sein kann.

Mit der Konvektion finden folgende Übertragungs- und Austauschvorgänge statt:

  • Die kinetische Energie des Impulses wird durch Dissipation in Entropie gewandelt. Diese Entropiequelle führt zu einer Erhöhung der Temperatur und kann bei kompressiblen Fluiden den Druck erhöhen. Unmittelbar an der Oberfläche des überströmten Stoffes wird das Fluid durch die Reibung annähernd bis zum Stillstand abgebremst, so dass die Strömung nicht unmittelbar am überströmten Stoff erfolgt, sondern nur bis in die darüber befindliche Grenzschicht.
  • Energie und Entropie werden durch Wärmeleitung aus dem strömenden Fluid übertragen oder durch die Dissipation infolge Reibung erzeugt. Des Weiteren können Energie und Entropie auch durch Phasenübergänge und Stoffaustausch übertragen werden.

Treten chemische Reaktionen auf, werden die transportierten Größen zusätzlich beeinflusst. Es entstehen zusätzlich Entropie, Impuls und chemische Reaktionsprodukte. Des Weiteren kann die Wand als Katalysator wirken.

Einige der genannten Vorgänge, wie beispielsweise Erstarren und Verdampfen, finden meist oder nur bei gleichzeitigem Auftreten von Konvektion statt.

Berechnungen und Simulationen

Sind ausreichende Informationen über das Fluid, überströmte Körper, die Strömung und weitere Einflüsse bekannt, lassen sich unter Berücksichtigung der vielfältigen Wechselwirkungen über geeignete Gleichungen alle Ströme der physikalischen Größen berechnen, oft ist dies gerade bei turbulenten Strömungen nur mit Hilfe empirisch ermittelter Modelle und Näherungen und nur mit einiger Unsicherheit möglich. Simulationen erfolgen rechnergestützt, grafische Darstellungen der errechneten Felder (etwa Temperaturfelder, Strömungen) machen die Ergebnisse anschaulich.

Grundlegend beschrieben, werden die Austauschvorgänge durch Bilanzgleichungen. Diese geben für jedes Volumen, also jeden frei gewählten räumlichen Bereich, die dort vorhandenen Wertveränderungen an. Diese Wertveränderungen ergeben sich aus den einfließenden Strömen (mit Vorzeichen) der transportierten Größen. So ermöglichen die Bilanzgleichungen die Berechnung der Felder. Die unterschiedlichen Grenzschichtgleichungen dienen der Berechnung der Ströme durch die Grenzschicht zwischen dem Fluid und einem überströmten Körper. Entscheidend für eine aussagefähige Simulation eines konvektiven Transportvorgangs ist die Auswahl der geeigneten Modelle und Gleichungen, entsprechend dem konkreten Problem. Dafür sind insbesondere Entscheidungen welche Einflüsse vernachlässigbar sind zu treffen, da eine vollständige Berechnung realer Vorgänge meist nicht möglich ist oder zumindest zu aufwändig wäre.

Für die Beschreibung und Berechnung konvektiver Vorgänge werden unter anderem verschiedene dimensionslose Kennzahlen und Gleichungen der Strömungsmechanik, der Thermodynamik und anderer Physikfachbereiche verwendet. Zentrale Bedeutung haben die Navier-Stokes-Gleichungen. Die Untersuchung konvektiver Vorgänge erfolgt interdisziplinär in der Strömungslehre und weiteren naturwissenschaftlichen Fachbereichen.

Beispiele

  • Ein Schwimmer gleitet durch kühles Wasser. Das Wasser überströmt den Körper entgegen der Fortbewegungsrichtung. Die Schwimmzüge der Arme und Beine führen zu zusätzlichen Strömungen relativ zu diesen Körperteilen. Es treten ungleichmäßige laminare und turbulente Strömungen auf. Die Abgabe von Wärmeenergie an das Wasser ist vor allem beeinflusst von der Körpertemperatur, der Erwärmung durch Stoffwechsel (exotherme chemische Reaktion), dem leitungsartigen und konvektiven Transport der Wärme im Körper und dem Wärmeaustausch mit und -transport in dem Wasser. Die Schwimmzüge tauschen in Folge Reibung und Druckdifferenzen Impuls zwischen Wasser und Körper aus. Die Reibung des Wassers in der Grenzschicht zur Körperoberfläche produziert Wärmeenergie und Entropie und verringert so die Wärmeabgabe des Körpers geringfügig. Daneben treten konvektive Vorgänge auch zwischen Körper und Luft (einschließlich Atmung und Verdunstung) auf.
  • Eine dünne Schicht eines nematischen Flüssigkristalls wird mit einem Temperaturfeld oder einem elektrischen Feld beaufschlagt. Unter geeigneten Bedingungen stellt sich eine durch das Temperaturfeld oder das elektrische Feld (elektrische Konvektion) angetriebene Konvektionströmung ein. Bei mittlerer Stärke des Feldes bilden sich Konvektionswalzen in der anisotropen Schicht, bei hoher Stärke des Feldes lösen sich die Muster durch den Übergang in turbulente Strömungen auf.[2]
  • Bei der Züchtung von Einkristallen aus Metalllegierungen kann das gewünschte gleichmäßige Kristallwachstum beim Erstarren der Schmelze durch konvektive Vorgänge gestört, aber auch bewusst beeinflusst werden. Diese Vorgänge sind neben der natürliche Konvektion (thermisch und in Folge von Konzentrationsunterschieden) auch die Marangoni-Konvektion (Schmelze fließt in Richtung hoher Oberflächenspannung) und bei induktiver Heizung oder anderen bewegten Magnetfeldern auch eine elektromagnetische Konvektion.[3]

Einzelnachweise

  1. http://www.uni-kiel.de/forum-erdkunde/hintergr/Farbmeer/fmmsthko.htm
  2. http://www.staff.uni-bayreuth.de/~btp915/index-Dateien/publ/040.pdf
  3. http://www.ifw-dresden.de/institutes/imw/publications/theses/Dr_Bitterlich.pdf

Literatur

  •  Michael Jischka: Konvektiver Impuls-, Wärme- und Stoffaustausch. Vieweg, Braunschweig; Wiesbaden 1982, ISBN 3-528-08144-9.
  •  Ulrich Kilian, Christine Weber [Red.].: Lexikon der Physik in sechs Bänden. Bd. 3, Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg 1999, ISBN 3-86025-293-3.
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Diese Seite wurde zuletzt am 23. Mai 2012 um 21:03 Uhr geändert.

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