Kunststoffgeldscheine (auch Plastik- oder synthetische Polymer-Banknoten) ersetzen in immer mehr Ländern das Bargeld aus Papier oder Baumwolle.
Die ersten Scheine wurden von der Reserve Bank of Australia (RBA) und der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) entwickelt und am 27. Januar 1988 erstmals in Umlauf gebracht. Diese Banknoten sind aus biaxial gerecktem Polypropylen (BOPP), das die Haltbarkeit der Banknoten erhöht. Zusätzlich enthalten sie viele Sicherheitsfunktionen, die mit Papiernoten nicht möglich sind. Somit erhöht sich auch die Fälschungssicherheit.
Zusammen mit Innovia Films hat die RBA die Firma „Securency“ gegründet, die das Kunststoffgeld unter der Marke „Guardian“ an andere Staaten vertreibt. Für bisher 25 Staaten ohne eigene Druckereien produziert die Tochtergesellschaft der RBA, „Note Printing Australia“, Banknoten.
Eine Alternative aus Polyethylen (PE), von DuPont als „Tyvek“ vermarktet, wurde Anfang der 1980er Jahre von der American Bank Note Company entwickelt. Tyvek war aber in Versuchen nicht erfolgreich genug, die Tinte war verwischbar und es ließ sich zerreißen. Nur Costa Rica, Haiti und die Isle of Man hatten Banknoten aus PE für einige Zeit im Umlauf; diese sind heute Sammlerobjekte. Mit Guardian und Tyvek zusammen gibt es 31 Länder mit Kunststoffbanknotenausgaben.
Tyvek ist ein papierartiges Spinnvlies aus thermisch verschweißten Polyethylen-Fasern, von Natur aus weiß und enthält keinerlei Farb-, Füllstoffe oder Bindemittel. Es ist somit ein dauerhaftes „synthetisches Papier“ mit besonderen Eigenschaften wie Wasser- und Reißfestigkeit, Flexibilität, Leichtigkeit und Umweltfreundlichkeit. Tyvek ist ein Gemeinschaftsprodukt von DuPont und der ABNC (American Banknote Company).
Ziel war es, dieses Material durch die längere Haltbarkeit und die anderen genannten Vorteile gegenüber Papier für Banknoten zu nutzen. Es sollte dauerhaft für kleinwertige Noten genutzt werden, um enorme Kosten für den Banknotendruck zu sparen. Dies geschah Ende der siebziger Jahre und war Anfang der Achtziger in Haiti (1, 2, 50, 100, 250 und 500 Gourdes) so erfolgreich, dass der gesamte Geldumlauf auf Tyvek umgestellt wurde. Weitere Länder wie Costa Rica (20, 100 Colones), Ecuador (10 und 100 Sucres), El Salvador (5, 10 Colones), Honduras (10 Lempiras) und Venezuela (10, 20 Bolivares) folgten dem Beispiel und ließen Testdrucke fertigen. Kurze Zeit später kam auch in Europa, genauer gesagt auf der Isle of Man, eine Banknote (1 Pound) hinzu.
Das Material Tyvek wurde weiterentwickelt, es entstanden zwei weitere Arten, die Certibond und Bradvek genannt wurden. Da DuPont sein Tyvek hatte patentieren lassen, konnten es auch andere Firmen gegen die üblichen Lizenzgebühren herstellen. So wurden auch Versuche unternommen, eine Art Wasserzeichen in das Spinnvlies einzubauen. Ein Bergadler mit kreisförmiger Umrandung wurde in das Vlies eingebracht, was ein Wasserzeichen erahnen lässt. Leider brachte Tyvek im Laufe der Zeit seine Probleme mit sich. So berichtet Dr. Heinz-Wilhelm Thiede vom Verein der Deutschen Geldschein- und Wertpapiersammler im Jahrbuch 1996 Folgendes: „Erste Versuche ergaben jedoch, dass die bisher gewohnte Griffigkeit und der Einbau von Sicherungstechniken bei den verwendeten Folien nicht gewährleistet war. Außerdem ergaben sich Schwierigkeiten bei der Farbhaftung: bei gefalteten Plastikgeldscheinen blätterte die Druckfarbe an den Faltstellen ab (…) Außerdem war es möglich, diese Banknoten so zu fälschen, dass sie auf den ersten Blick von den echten nicht zu unterscheiden waren.“ Die Banknoten aus Tyvek wurden wieder eingezogen, und die Testdrucke der anderen Länder wurden nicht realisiert und teilweise vernichtet. Wenige Exemplare befinden sich in Sammlerhänden. Ob weitere Länder Testdrucke in Zusammenarbeit der ABNC tätigten, ist bis heute ungeklärt. Nachfragen bei diversen Banken bestätigen nicht mal diese real existierenden Testdrucke. Aber nicht nur die ABNC hatte Testreihen mit Tyvek unternommen, Testbanknoten von Bradbury Wilkinson und Silba International (DuraNote) und der ABNC selbst sind aufgetaucht, weitere sind bisher auf dem Sammlermarkt nicht aufgetaucht. Diese Banknotendruckereien wurden untereinander verkauft und Tyvek wurde nicht mehr weiterproduziert.
Im Jahre 2001 wurden wieder Tyvek-Noten gedruckt. Im Angesicht des Millenniums gründeten findige Geschäftsleute die „Chatham Island Note Corporation“ und gaben am 1. Januar 2000 die ersten Banknoten des Millenniums aus, diesmal in einer neuen Art Plastik, dem Generic Plastic, diese stehen auch im Guinness-Buch der Rekorde als Millennium-Noten. Im folgenden Jahr kam ein Satz im bekannten Tyvek-Material in die Sammlerhände (3, 5, 8, 10, 15 Dollar). Diese sind eigentlich keine Banknoten, sondern nur örtlich begrenztes Geld, als „Not Legal Tender“ bezeichnet, und haben somit den Status eines Gutscheins. Die Staatsbank von Neuseeland duldete diese Noten, solange sie auf der Insel blieben, aber den Status als Zahlungsmittel erhielten diese Noten nie, wodurch Tyvek wieder erfolglos blieb.
Zur Einführung des Euros 2002 beschäftigte man sich wieder mit Tyvek. So hatte eine europäische Druckerei (wahrscheinlich eine französische) einen Satz Automatentestnoten in Tyvek drucken lassen (5, 10, 20, 50, 100, 200, 500 Euro) mit Abbildungen derzeit noch gültiger europäischer Banknoten. Jede dieser Noten hat einen Aufdruck „SPECIMEN“ sowie „Sans Valeur“ und „Pour de Promotion de EURO“ und die Seriennummer AA0000000.
In Australien, Neuseeland und Rumänien wurde der Bargeldbestand bereits vollständig auf Kunststoffgeldscheine umgestellt.
Bangladesch, Brunei, Chile, China, Indonesien, Kanada, Kuwait, Malaysia, Mexiko, Nepal, Nordirland (siehe unten), Papua-Neuguinea, Singapur, die Salomonen, Sri Lanka, Taiwan, Thailand, Vietnam und Samoa führen entweder die neuen Geldscheine ein oder haben dies geplant.
Traditionelle Sicherheitsmerkmale von Banknoten können teilweise auch bei Kunststoffgeld verwendet werden. Dazu gehören Offset-, Tief- und Hochdruck, Schwarzlicht-Bilder, etc.
Aufgrund dieser Komplexität ist es nicht möglich, Kunststoffgeldscheine mit einfachen Mitteln wie Farbkopierern zu reproduzieren, und Fälschungen sind leicht zu erkennen.
Schon als 1967 in Australien die ersten großen Mengen gefälschter 10-$-Noten gefunden wurden und die RBA über die Einführung der Farbkopierer nicht gerade begeistert war, wurden die ersten Überlegungen zu fälschungssicherem Geld begonnen. Im Jahr darauf begann die RBA eine Kooperation mit CSIRO, und ab 1969 wurde die versuchsweise Produktion von markanterem Papier aufgenommen.
Die Einarbeitung von Hologrammen, die je nach Blickwinkel das Bild ändern, wurde 1972 vorgeschlagen. 1974 wurde das Laminieren als Technik entwickelt, um die verschiedenen Materialien zusammenzufassen. Als umschließendes Material wurde Polypropylen (PP) benutzt, wodurch die Hologramme problemlos verwendet werden konnten.
Das Polypropylen durchlief folgende Schritte:
Die ersten Banknoten aus synthetischem Polymer, die offiziell als Zahlungsmittel ausgegeben worden sind, stammen aus Haiti (1979/80) und wurden aus dem Werkstoff Tyvek gefertigt, einem Werkstoff aus miteinander verschweißten PE-Fasern
Heutige Kunststoffgeldscheine bestehen aus biaxial gerecktem Polypropylen (BOPP, biaxially oriented polypropylene), die Bezeichnung dafür lautet Guardian. Der führende Hersteller von BOPP ist das belgische Unternehmen Innovia Films.
Gewonnen wird das Gas Propen beim Raffinieren von Erdöl. Es besteht nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff und ist frei von Schwermetallen und Halogenen. Zur Herstellung von BOPP (Biaxial orientiertes Polypropylen) wird das Propen im Vakuum polymerisiert. Bei dem Produkt der Polymerisation handelt es sich allerdings nur um den schlecht bedruckbaren Kern der Folie. Um die Bedruckbarkeit zu verbessern wird dieser Kern mit einer Beschichtung versehen. Bei diesem sogenannten „Coating“ handelt es sich um Polypropylen anderer Taktizität und Polyethylen. Dieses Polymercoating wird bis zu einer Schichtdicke von in der Regel etwa 1 µm mehrfach flächig aufgetragen, wobei erst durch das Coating das Polypropylen seine Durchsichtigkeit verliert. An Stellen, an denen später ein Durchsichtfenster sein soll, wird weiträumig auf das Coating verzichtet. Um das Durchsichtfenster zu bedrucken, wird in einem zusätzlichen Schritt das Coating lokal aufgetragen, wobei dieses deutlich dicker ist als an anderen Stellen.
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