Das Länderrisiko bezeichnet die speziellen Verlustrisiken im Außenwirtschaftsverkehr, etwa aus dem Export oder Finanzgeschäften von Kreditinstituten, welche die Durchsetzung von Forderungen gegenüber ausländischen Vertragspartnern bzw. den Kapitaleinsatz und erwartete Gewinne bedrohen. Krisensituationen können ein Land zwingen, vereinbarte Zins- und Tilgungsleistungen des Staates selbst oder dortiger Schuldner ganz oder teilweise ausfallen zu lassen. Dies schließt die mangelnde Erfüllung von Verpflichtungen aus Wertpapieren aller Art oder Derivaten ein.
Wie bei jedem Ausfall- und Kreditrisiko, fallen die einzelnen Kriterien, die ein Gläubiger subjektiv als Risikofaktoren erkennt, auch beim Länderrisiko unterschiedlich aus. Sowohl die Auswahl der Kriterien als auch deren Gewichtung können je nach Gläubiger unterschiedlich sein. Dabei finden sich jedoch Gemeinsamkeiten, die im folgenden dargestellt werden sollen.
Zu unterscheiden ist hier zwischen dem originären Länderrisiko, bei dem der jeweilige Staat direkter Schuldner ist und dem derivativen Länderrisiko, bei dem ein Kreditnehmer innerhalb eines Staates der Schuldner ist. Diese Unterscheidung ist von Bedeutung, weil das originäre Länderrisiko mit den individuellen Kreditnehmerrisiken im selben Staat negativ korreliert. Ausgehend von einer globalen Definition des Begriffs, wie z.B. von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) verwendet, kann dann durch abnehmende Abstraktion ein operabler Begriff abgeleitet werden. Für die BIZ bezieht sich das Länderrisiko „auf die Möglichkeit, dass souveräne Kreditnehmer eines bestimmten Landes nicht in der Lage oder bereit sind, und dass sonstige Kreditnehmer nicht in der Lage sind, aus anderen Gründen als den üblichen Risiken, die sich im Zusammenhang mit jeder Kreditgewährung ergeben, ihre Auslandsverpflichtungen zu erfüllen“[1]. Für die Deutsche Bank AG ist Länderrisiko „das Risiko, dass in einem beliebigen Land ein Verlust aufgrund politischer und sozialer Unruhen, Verstaatlichungen und Enteignungen, staatlicher Nichtanerkennung von Auslandsschulden, durch Devisenkontrollen oder eine Abwertung der Landeswährung entsteht“[2]. Alle Definitionen haben gemeinsam, dass mit dem Länderrisiko nur jene Risiken erfasst werden sollen, die nicht mit dem Kreditrisiko eines ausländischen Schuldners zusammenhängen, sondern sich allgemein aus der wirtschaftlichen und/oder politischen Situation des Staates ergeben, in welchem der Schuldner seinen Sitz hat.
Aus dieser Definition lassen sich wirtschaftliche, politische und Transferstopp-Komponenten des Länderrisikos ableiten. Weitgehende Übereinstimmung besteht bei Gläubigern auch darin, dass zunächst nur die Fremdwährungsverbindlichkeiten eines Staates, nicht aber Schulden in heimischer Währung, berücksichtigt werden sollen. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass ein Staat seine eigene Währung autonom durch Geldmengenschöpfung (quasi ad infinitum) produzieren kann, während ihm Fremdwährungsreserven lediglich limitiert zur Verfügung stehen.
Dann handelt es sich beim Länderrisiko um die Gefahr, dass ein Staat seine eigenen Fremdwährungsverbindlichkeiten nicht bedienen kann, weil die Regierung oder Zentralbank
Ist der Staat nicht selbst der direkte Schuldner, sondern ein Kreditnehmer aus diesem Staat, muss die Definition sogar auf eine zweidimensionale Variante erweitert werden. Denn Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass bonitätsmäßig einwandfreie Schuldner in einem bonitätsmäßig nicht einwandfreien Staat an der Rückzahlung ihrer Schulden durch den Staat, Regierungsstellen oder Zentralbank gehindert wurden (negative Korrelation). Aus alledem lässt sich dann folgende Definition des Begriffs Länderrisiko ableiten.
Beim Länderrisiko handelt es sich um die Gefahr, dass ein Schuldner seine Fremdwährungsverbindlichkeiten nicht bedienen kann, weil
In einem weiteren Schritt müssen nun auch die Verbindlichkeiten in Landeswährung einbezogen werden, weil auch diese einem politischen Risiko und/oder einem Transferstopprisiko unterliegen können.
Länderrisikoanalyse ist die Analyse des Risikos einer finanziellen Investition in einen bestimmten Staat, die mit einem Länderrating endet. Dabei handelt es sich um ein Früherkennungssystem, das Chancen und Risiken in einem bestimmten Auslandsmarkt untersucht, die durch die politische Situation dieses Landes und sein soziales, ökonomisches und rechtliches Umfeld sowie vorhersehbare oder erwartete Zukunftsentwicklungen bestehen. Diese Analyse wird von internationalen Ratingagenturen, internationalen Kreditinstituten, Exportkreditversicherern und speziellen Organisationen vorgenommen.
Die Analyse des Länderrisikos zielt darauf ab, die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Auslandsinvestititon, eines Kredits an ausländische Kreditnehmer oder einer Exportfinanzierung transparent zu machen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist begründet im Rückzahlungsrisiko, das mit der Zahlungsfähigkeit und auch dem Zahlungswillen eines konkreten Staates zusammenhängt. Die Analyse ist damit technisch wie eine Analyse der Bonität eines Kreditnehmers organisiert, hat aber darüber hinaus noch weitere Kriterien zu berücksichtigen, die typisch sind für die Beurteilung von Bonitätsrisiken auf Staatsebene. Diese münden letztlich in ein Länder-Rating, das das Ziel der Klassifizierung von Ländern in eine Rangfolge ihrer relativen Kreditwürdigkeit mit der Möglichkeit der ordinalen Vergleichbarkeit verfolgt[3].
Vor der Analyse des Länderrisikos sind risikorelevante, staatspezifische Kriterien herauszuarbeiten, die für die Beurteilung eines Länderrisikos typisch und von Bedeutung sind.
Da Länderrisiken keine objektiv feststellbaren Größen und nicht direkt beobachtbar sind, muss nach stabilen Beziehungen zwischen beobachtbaren risikoverursachenden und repräsentativen Größen gesucht werden. Dabei ist zwischen qualitativen (politische Lage) und quantitativen Risikofaktoren (volkswirtschaftliche Ergebnisse) zu unterscheiden. Die Länderrisikoanalyse erfordert zunächst eine retrospektive Betrachtung, die Risikoursachen aufzudecken versucht und Ursache-Wirkungs-Beziehungen offenlegt. Sodann werden die zu prognostizierenden Faktoren abgeleitet und Indikatoren für eine Prognose bestimmt, um im nächsten Schritt zu einer ursachenbezogenen und zukunftsorientierten Risikobeurteilung zu gelangen.
Vor dem Hintergrund dieser Vorgaben werden bestimmte politische Informationen und volkswirtschaftlichen Grunddaten jedes Staates zu aussagefähigen und repräsentativen Kennzahlen zusammengefasst, die dann mit einem Vergleichswert (benchmark) konfrontiert werden. Neben den Ratingagenturen verdichten internationale Banken und insbesondere drei NGO-Unternehmen diese Kennzahlen zu einem Rating oder Index.
Vergleichen lassen sich alle Länder untereinander in ihrer Reihenfolge aber auch die Kennzahlen des Landes in ihrer historischen Entwicklung.
In die Betrachtung des untersuchten Auslandsmarktes fließen Merkmale ein, die sich hinsichtlich der unternehmerischen Betätigung dort in drei Gruppen einteilen lassen.[5]
Durch die zunehmende wirtschaftliche und organisatorische Verflechtung der Staaten weltweit[6] hat die Einschätzung und Bewertung von Länderrisiken zunehmende Bedeutung erlangt. Insbesondere die Finanzkrise ab 2007 mit ihren Auswirkungen auf volatiler gewordene Länderrisiken (etwa Island oder Emerging Markets) zeigt das Erfordernis einer fundierten und funktionierenden, die Realität reflektierenden Länderrisikoanalyse. Dieses Instrument liefert eine Orientierungshilfe bei der Frage, in welchen Auslandsmärkten sich ggf. zusätzliche Unternehmensengagements anbieten können beziehungsweise ob Art und Umfang eines bestehenden Engagements erhöht werden können oder vermindert werden sollte.
Die Länderrisikoprämie ist der Zinsaufschlag bei Krediten oder Anleihen, der sich am Markt aufgrund der zusätzlichen landesspezifischen Risiken des Landes des Schuldners ergibt. Es handelt sich aus Sicht des Gläubigers um eine Risikoprämie.
Die Höhe der Länderrisikoprämie richtet sich nach der Stabilität und Bonität des jeweiligen Landes. Diese wird über Ratings ermittelt, die von Ratingorganisationen ermittelt werden. Dabei gehören zu den wichtigsten die der US-Organisationen Fitch Ratings, Moody's und Standard & Poor's.
Vereinfacht gesagt gibt das Länderrating, auf dem die Prämie basiert, die Wahrscheinlichkeit an, dass ein Investor einen Verlust erleiden wird, wenn er in einem bestimmten Land investiert. Dabei wird sowohl der öffentliche als auch der private Sektor berücksichtigt. Um den Index zu erhalten werden verschiedene Risikofaktoren erhoben, die sich an der Situation der Wirtschaft allgemein, der politischen Stabilität sowie der sozialen und der internationalen Situation orientieren.
Die Prämie wird in Punkten dargestellt, dabei bedeuten jeweils 100 Punkte einen Zinsaufschlag von 1 %. Historisch wurden nur selten Werte von über 1500 Punkten erreicht, den bisherigen Rekord stellte Argentinien im Länderrisikoindex EMBI+ (ein Index speziell für Schwellenländer) mit über 7.000 Basispunkten auf. (siehe auch Argentinien-Krise)
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