Montag, 28. Mai 2012

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Lars von Trier

Lars von Trier, bürgerlich: Lars Trier (* 30. April 1956 in Kopenhagen) ist ein dänischer Filmregisseur. Er gilt als einer der markantesten und umstrittensten europäischen Filmemacher der Gegenwart. Lars von Trier schreibt auch seine Drehbücher, führte oft Kamera und übernahm sowohl Haupt- als auch Nebenrollen in seinen Filmen.

Familie

Lars von Trier ist der zweite Sohn von Inger Høst (1915–1989) und Ulf Trier (1907–1978). Inger Høst und Ulf Trier lernten sich während der deutschen Besetzung Dänemarks in der dänischen Widerstandsbewegung kennen, wo sie Juden halfen, über den Øresund ins sichere Schweden zu fliehen. Nach von Triers Angaben waren seine Eltern Kommunisten, gehörten einer Gemeinschaft von Nudisten an und erzogen ihn antiautoritär.[1]

Lars von Triers Onkel mütterlicherseits war Børge Høst, ein Filmregisseur, der wohl sein Interesse fürs Filmemachen weckte. Bereits als Grundschüler drehte er mit einer Super-8-Kamera kleine Animationsfilme, später dann Kurzfilme mit seinen Freunden. Sein erster dokumentierter Animationsfilm von circa 1967 hieß "Turen til Squashland"(Die Reise ins Zucchiniland) und dauerte eine Minute.[2] Von Trier zeigte bereits in seiner Kindheit Belastungsstörungen und konnte einige Zeit nicht die Schule besuchen. Daher wurde er psychiatrisch betreut. Trotzdem spielte er 1969 eine der zwei Hauptrollen in der dänisch-schwedischen Kinderfernsehserie "Hemmelig sommer". Seit seiner Kindheit leidet er unter Depressionen und Phobien. Mit zwölf Jahren besuchte er aufgrund dessen ein „Tagesheilungszentrum“.[3]

Seine Mutter gestand ihm kurz vor ihrem Tod im Jahr 1989 , dass er ein Kuckuckskind sei und sein biologischer Vater ihr ehemaliger Vorgesetzter Fritz Michael Hartmann sei. Die ehemals deutschstämmige Familie Hartmann lebt seit 1762 in Dänemark und hat einige bedeutende dänische Musiker hervorgebracht, wie auch den Komponisten Johann Peter Emilius Hartmann. Nach eigenen Angaben war von Trier tief enttäuscht darüber, keine jüdischen Wurzeln zu haben. Er habe sich in der Rolle eines Außenseiters, der aus einer Gruppe von Verfolgten stammte, sehr gut gefühlt. In der Synagoge habe er sich immer zugehöriger gefühlt als in evangelischen oder katholischen Kirchen.[4] De facto hat er wohl den Schock und Schmerz darüber, dass sein ihm zugewandter und liebvoller sozialer Vater, nicht auch sein biologischer ist, in einen "von Trierschen"-Witz verpackt.

In seiner ersten Ehe war von Trier bis 1996 mit der dänischen Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Cæcilia Holbek Trier verheiratet, die genauso wie er an der Dänischen Filmschule studiert hat. Während der zweiten Schwangerschaft von Cæcilia Holbek Trier verliebte er sich in die verheiratete Bente Frøge, eine Erzieherin, die seine Tochter in der Kindertagesstätte betreute. Drei Wochen nach der Geburt seiner zweiten Tochter verließ er offiziell seine Ehefrau, um mit Bente Frøge zusammenzusein. Dieses Verhalten führte nicht nur zu beträchtlichen Verletzungen bei seiner verlassenen Frau, den beiden Töchtern u.a., sondern auch zu einem gewaltigen Medienecho in Dänemark. Bente und von Trier heirateten nach beider Scheidung 1997. Bente brachte später ihre gemeinsamen Zwillingssöhne zur Welt.[5]

Der Filmemacher

Nach dem externen Abitur begann von Trier 1976 ein Studium der Filmwissenschaften an der Universität Kopenhagen. Von 1979 bis 1983 absolvierte er die Dänische Filmhochschule in der Fachrichtung "Regie". Seine Abschlussarbeit Images of a Relief/Befrielsesbilleder (1982), welche sich mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschäftigt und eine große Faszination für faschistoide Symbole zeigt, wurde auf dem Münchner Filmfestival als bester Film des Jahres ausgezeichnet. Bereits 1980 hatte Lars von Trier mit seinem Kurzfilm "Nocturne" den ersten Preis beim Festival der Filmhochschulen in München gewonnen.

Lars von Trier drehte unzählige Werbespots und Musikvideos, die ersten für das dänische Popduo Laid Back. 1983 drehte er zusammen mit Vladimir Oravsky Elevator Boy und 1990 das spektakuläre Bakerman-Video, das die Musiker beim Musizieren in freiem Fall beim Fallschirmsprung filmte.

Filme der E-Trilogie

1984 kam sein erster Langfilm, der Krimi Element of Crime ins Kino. Element of Crime ist der erste Teil einer Europatrilogie, die sich mit der Geschichte Europas im 20. Jahrhundert, Überbleibseln archaischer Gesellschaftsformen und dem Verfall Europas auseinandersetzt. Element of Crime gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Prix Vulcain de l’artiste technicien und bedeutete den nationalen und internationalen Durchbruch für von Trier. Die weiteren Teile der Trilogie waren 1987 Epidemic, der ebenfalls Wettbewerbsfilm in Cannes war, und Europa (1991), der dort ebenfalls mit dem Prix Vulcain de l’artiste technicien ausgezeichnet wurde und einen Sonderpreis der Jury sowie den Preis für den besten künstlerischen Beitrag erhielt.

TV-Produktion Medea

1988 verfilmte Lars von Trier für Danmarks Radio die griechische Tragödie Medea nach Euripides. Basis seines selbstgeschriebenen Drehbuchs war das bereits vorhandene Skript von Carl Theodor Dreyer und Preben Thomsen.[6]

Dimension 1991–2024

1991 startete von Trier zusammen mit Niels Vørsel das Filmprojekt Dimensions, die Langzeit-Verfilmung einer polizeilichen Intrige, die auf jährlich drei Minuten Drehzeit beschränkt sein sollte und die (unter anderem mit dem Schauspieler Udo Kier), an verschiedenen Drehorten in Europa gedreht und im Jahr 2024 fertiggestellt werden sollte. Gedreht wurde ohne Drehbuch und auf Englisch. Der Schauspieler Eddie Constantine starb 1993. Nach Angaben der Zeitung Die Welt hat von Trier das Projekt zwischenzeitlich aufgegeben, da er mit anderen Projekten ausgelastet und die von ihm ausgesuchte Nachfolgerin für die Regie Katrin Cartlidge ebenfalls zwischenzeitlich verstorben ist.[7] Es gibt eine 27 Minuten lange Version aus dem Jahr 2010 des abgebrochenen Projektes.[8]

TV-Serie Riget

Die TV-Serie Hospital der Geister/Geister/Riget/The Kingdom von 1994 spielt im größten dänischen Krankenhaus Rigshospitalet. Lars von Trier ließ sich dafür von Twin Peaks inspirieren. Lars von Trier und Niels Vørsel schrieben das Drehbuch sehr schnell und unter möglichst großem Spaß. Die Serie wurde ein "Straßenfeger" in Dänemark, da sie sowohl äußerst lustig, als auch sehr spannend war und von Folge zu Folge immer gruseliger wurde. 1997 folgte die zweiten Staffel. Eine eigentlich geplante Fortsetzung scheint kaum mehr möglich, da zwei Schauspieler (Rollen: Frau Druse, Dr. Helmer) verstorben sind und Lars von Trier und Niels Vørsel nicht mehr zusammenarbeiten.

Golden Heart-Trilogie

Mit Breaking the Waves von 1996 beginnt die sogenannte Golden Heart-Trilogie. Die bis dahin unbekannte Hauptdarstellerin Emily Watson übernahm die Rolle der jungen Bess McNeill, welche sich in dem Wahn, dadurch ihre große Liebe (dargestellt von Stellan Skarsgård) retten zu können, von einem akzeptierten Mitglied der Gemeinschaft zu einer Dorfprostituierten entwickelt. Der international bekannte, dänische Künstler Per Kirkeby gestaltete die Kapitelbilder, die den Film gliedern. Es handelt sich um fast unbewegte Landschaftsfotografien, die minutenlang zu sehen sind und sich dabei minimal verändern.

1998 nahm Lars von Trier mit dem zweiten Dogma-Film Die Idioten/Idioterne am Filmfest von Cannes teil. Der Film gewann keinen Preis und provoziert stark durch sein Thema "Irrsein", die ersten pornographischen Darstellungen in einem Spielfilm und durch die sehr unruhige und wacklige Kameraführung.

Für das dann technisch höchstaufwendige Musical Dancer in the Dark, in dem einzelne Tanzszenen mit unzähligen Kameras gleichzeitig gefilmt wurden, erhielt von Trier 2000 die Goldene Palme in Cannes. Björk schrieb nicht nur die gesamte Filmmusik, sondern spielte, tanze und sang auch die Hauptfigur Selma. Ähnlich wie in Breaking the Waves opfert eine Frau ihr Leben für ihre Liebe. Hier kein Ehemann, sondern der geliebte und von Krankheit bedrohte Sohn.

Dancer in the Dark kann sowohl zur Golden Heart- als auch zur USA-Trilogie gerechnet werden.

USA-Trilogie

Mit Dogville führte von Trier seine filmische USA-Trilogie fort, die ebenda bei einigen Kritikern bereits deshalb auf Vorbehalte stößt, weil der Regisseur aufgrund seiner Flugangst selbst nie dort gewesen ist. Den Vorwurf kommentierte von Trier in Anspielung auf den Film Casablanca mit der Feststellung, dass die Amerikaner auch nicht in Marokko gewesen seien. Vor allem störten die Kritiker sich an der aus ihrer Sicht einseitigen Darstellung der Dorfgemeinschaft in Dogville.

Mit dem Film Manderlay von 2005 führt er die mit Dogville begonnene Geschichte fort. Für die Zuschauenden ist es irritierend, dass die Hauptfigur Grace nicht mehr mit Nicole Kidman besetzt ist, sondern mit Bryce Dallas Howard.

Beide Filme arbeiten mit Brechts Theater, in dem stets klargemacht wird, dass man nur ein "Schau-Spiel" sieht. Emotionale Distanz ist erwünscht und wird gezielt erzeugt. Gefilmt wurde in schwarz gestrichenen Hallen, in denen nur die nötigsten Requisiten standen. In Dogville wurden die gedachten Häuser als zusätzlicher Verfremdungseffekt nur durch weiße Linien auf dem Hallenboden kenntlich gemacht.

Antichrist

2008 drehte von Trier in Nordrhein-Westfalen den Horror-Thriller Antichrist mit Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe in den Hauptrollen.[9] Der Film erhielt 2009 eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes und brachte von Trier eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis und den dänischen Robert in den Kategorien Regie und Drehbuch ein. Der heftig umstrittene Film festigte von Triers Ruf als Skandalfilm-Regisseur.

Melancholia

Im Sommer 2010 drehte von Trier den Spielfilm Melancholia mit internationaler Besetzung in Schweden. Der Film ist aus dem nicht verwirklichten Projekt entstanden, Jean Genets Stück Die Zofen mit Penélope Cruz zu verfilmen.[10]

Er entspricht im Aufbau einer Oper, d.h er besteht aus einer Ouvertüre, zwei Akten und einem Finale. [11] Die Ouvertüre besteht aus verschiedenen Standbildern ohne Ton und Handlung, die sich minimal bewegen. Diese Einleitung dauert acht Minuten und ist eine Weiterentwicklung der Kapitelbilder in Breaking the Waves. Filmmusik ist Richard Wagners Tristan und Isolde. Dann beginnt das erste Kapitel/der erste Akt mit dem Namen Justine, die von Kirsten Dunst gespielt wird. Erzählt wird die Fahrt zur Hochzeitsfeier, die Hochzeitsfeier, die immer wieder aus dem Ruder läuft sowie die Abreise des Bräutigams samt seiner Eltern. Das zweite Kapitel heißt Claire nach der zweiten Schwester, die von Charlotte Gainsbourg gespielt wird und erzählt vom Leben der Schwestern nach der desaströsen Heirat. Justin ist schwer depressiv und muss auf dem luxuriösen Landsitz ihres Schwagers von ihrer Schwester gepflegt werden. Hintergrundthema ist, wie die vier Familienmitglieder, Claire, Ehemann, Sohn und Justine zum Herannahen des Planeten Melancholia stehen. Der Schwager und der Neffe sind anfangs sicher, dass der Planet an der Erde vorbeifliegt und erwarten ein ungefährliches Abenteuer. Justine und Claire tauschen gefühlsmäßig die Rollen. Ist während der Hochtzeitsfeier nur Justin beunruhigt, so bekommt im Verlauf des Films Claire immer mehr Angst und Justine fügt sich ins Unvermeidliche. Das Finale beginnt mit dem Selbstmord von Claires Ehemann, als er versteht, dass die Erde zerstört werden wird. Und endet mit einem Feuerball, der das magische Tipi, das Justine gebaut hat, um ihren Neffen zu beruhigen, mit Justine, Claire und ihrem Sohn verschluckt.

Melancholia, der 2011 fertiggestellt wurde, brachte von Trier seine neunte Einladung in den Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes ein.

Andere Projekte

Die Weltuhr in Kopenhagen (Psykomobile # 1 Verdensuret)

1996 war Kopenhagen europäische Kulturhauptstadt. Lars von Trier nahm mit einem von Ameisen in Neu-Mexiko in Echtzeit gesteuerten Theater, das in der Kopenhagener Kunstvereinigung stattfand, teil. Die über acht Wochen dauernde Inszenierung wurde von Morten Arnfred geleitet. Dokumentiert wurde das Ganze von Jesper Jargil in dem Film De Udstillede (Die Ausgestellten).[12]

Der Ring in Bayreuth

Von Trier gab 2004 bekannt, dass er sich trotz zweijähriger Vorbereitung nicht in der Lage sehe, den Ring des Nibelungen wie geplant für die Richard-Wagner-Festspiele 2006 in Bayreuth zu inszenieren, da die Inszenierung des vierteiligen Opern-Zyklus von ca. 16 Stunden Spieldauer seine Kräfte übersteigen würde.

Lars von Trier und die Medien

Lars von Trier und seine Produktionsfirma Zentropa

1992 gründete von Trier zusammen mit dem Produzenten Peter Aalbæk Jensen die Filmproduktionsfirma Zentropa, die heute die erfolgreichste und größte Produktionsstätte für Film (TV und Kino) in Dänemark ist. Zentropa wurde mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet. Lars von Trier bezieht ein festes Gehalt und ist nach eigener Aussage nicht im Management. Er trägt aber mit seinen kommerziell erfolgreichen Filmen und seiner hohen Medienpräsenz maßgeblich dazu bei, dass Filme anderer finanziert werden können. Der Name Zentropa stammt aus seinem Film Europa – so heißt die Eisenbahngesellschaft im Film. Die Tochterfirma Zentropas: Innocent Pictures, die "frauenfreundliche" Pornos produziert hat, gibt es nicht mehr.

Das Dogma-Manifest (Dogme95)

Ein Mediencoup gelang Lars von Trier mit seinem "Dogma 95"-Manifest, das er zu richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort der Presse vorstellte. Am 20. März 1995, dem 100. Geburtstag des Films, warf Lars von Trier einen Haufen Flugblätter mit dem Manifest vor die versammelte Presseschar im Pariser Odeon-Theater.[13] 2008 wurde die Dogma-Bewegung um von Trier, Vinterberg, Levring und Kragh-Jacobsen mit dem Europäischen Filmpreis in der Kategorie Beste europäische Leistung im Weltkino bedacht.[14]

Pornografische Darstellungen

Lars von Trier gilt als „Enfant terrible“ der Filmindustrie. Bereits sein Dogma-Film Die Idioten/Idioterne (1998) sorgte mit einer Kombination aus expliziten sexuellen Darstellungen und dem provozierenden "Irrsein" der Figuren für einen internationalen Skandal.[15] Auch sein Werk Antichrist wurde aufgrund der expliziten und extrem gewalttätigen Darstellung kontrovers diskutiert.[16]Die Welt nannte ihn den „meistgehassten Film“ des Jahres.[17] Von Trier gab an, seit längerer Zeit unter Depressionen gelitten zu haben und einen Teil davon in seinen Filmen zu verarbeiten. In Cannes hatte er wiederholt mit pornografischen oder gewalttätigen Szenen in seinen Filmen oder kontroversen Äußerungen provoziert.[18] In einem Interview der Zeit sagte er unter anderem: „Meine Familie hatte sehr genaue Vorstellungen von Gut und Böse, von Kitsch und guter Kunst. Mit meiner Arbeit stelle ich all das infrage. Ich provoziere nicht nur die anderen, ich erkläre mir, meiner Erziehung, meinen Werten, auch ständig selbst den Krieg. Und ich attackiere die Gutmenschen-Philosophie, die in meiner Familie herrschte.“[1]

Provokation mit dem Themenkomplex Nazis – Juden

Der gekaufte Jude in „Europa“

In seinem Film Europa spielt Lars von Trier den gekauften Juden. Lars von Triers biologischer Vater hieß Hartmann, sein rechtlicher und sozialer Vater war Halbjude. Der Jude im Film Europa wird vom Ami angeheuert um dem Besitzer der Eisenbahngesellschaft Zentropa Hartmann einen Persilschein auszustellen. Hartmann bringt sich trotz der erkauften Entnazifizierung in der Badewanne um. Der Jude ist der schwächste und unsympatischste Charakter des ganzen Films.

Eklat bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2011

Im Mai 2011 wurde von Trier von den 64. Internationalen Filmfestspiele von Cannes ausgeschlossen. Auf der Pressekonferenz zu seinem Film Melancholia hatte Trier dort zuvor mit Äußerungen, die unter anderem Sympathie und Verständnis für Adolf Hitler bekundeten, einen Eklat ausgelöst. Von Trier entschuldigte sich wenig später für seine „falschen“ und „dummen“ Äußerungen.[19] Der Vorfall fand ein internationales Medienecho und führte zu Abbestellungen des Films Melancholia seitens israelischer und argentinischer Filmverleiher.[20] Anfang Oktober 2011 wurde von Trier erstmals von der dänischen Polizei wegen seiner umstrittenen Äußerungen vernommen. Ihm droht nach eigenen Angaben eine Anklage wegen der Verharmlosung von Kriegsverbrechen.[21] Anfang Dezember 2011 wurde die Anklage gegen von Trier jedoch fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dahingehend, dass hinter von Triers Aussagen keine Intentionen zur Verharmlosung von Kriegsverbrechen zu vermuten sei, seine Aussagen seien in erster Linie auf die Stresssituation im Interview zurückzuführen.[22]

Filmografie (Auswahl)

Drehbuch und Regie:

  • 1977: The Orchid Gardener/Orchidégartneren
  • 1979: Menthe – la bienheureuse
  • 1980: Nocturne
  • 1981: Den sidste detalje
  • 1982: Relief
  • 1982: Bilder der Befreiung/Befrielses billeder
  • 1984: Element of Crime/Forbrydelsens element (Europa-Trilogie 1.Teil)
  • 1987: Epidemic (Europa-Trilogie 2.Teil)
  • 1988: Medea (TV-Produktion)
  • 1991: Europa/Zentropa/The grand mal (Europa-Trilogie 3.Teil)
  • 1994: Hospital der Geister I/Geister/Riget I/The Kingdom (TV-Produktion)
  • 1996: Breaking the Waves (Golden Heart-Trilogie 1.Teil)
  • 1997: Hospital der Geister II/Geister II/Riget II/The Kingdom II (TV-Produktion)
  • 1998: Idioten/Idioterne/Idiots (Golden Heart-Trilogie 2.Teil)
  • 2000: Dancer in the Dark (Golden Heart-Trilogie 3.Teil)
  • 2003: Dogville (USA I)
  • 2003: The Five Obstructions/De fem benspænd ( mit Jørgen Leth )
  • 2005: Manderlay (USA II)
  • 2006: The Boss of It All/Direktøren for det hele
  • 2007: Occupations (Kurzfilm) in Chacun son Cinéma – Jedem sein Kino
  • 2009: Antichrist
  • 2011: Melancholia

nur Drehbuch:

  • 2005 Dear Wendy
  • 2007 De unge år: Erik Nietzsche sagaen del 1/The early years: Erik Nietzsche Part 1

Produktion:

  • Morten Korch (TV)

Schauspieler:

  • 1969 Hemmelig sommer (TV)
  • 1987 Epidemic (Arzt und sich selbst)
  • 1991 Europa (Der gekaufte Jude)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1984: Großer Technik-Preis bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Element of Crime
  • 1984: Josef-von-Sternberg-Preis des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg für Element of Crime
  • 1985: Bodil für Element of Crime (Bester dänischer Film)
  • 1985: Robert für Element of Crime (Bester dänischer Film)
  • 1986: Regiepreis des Internationalen Filmfestivals Fantasporto für Element of Crime
  • 1991: Jurypreis, Großer Technik-Preis und Bester künstlerischer Beitrag bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Europa
  • 1991: Grand Prix des Flanders International Film Festival Ghent für Europa
  • 1991: Auszeichnung des Sitges Festival Internacional de Cinema de Catalunya für Europa (Bester Film)
  • 1991: Bronzenes Pferd Stockholm International Film Festival für Europa
  • 1992: Bodil für Europa (Bester dänischer Film)
  • 1992: Robert für Europa (Bester dänischer Film)
  • 1992: Regiepreis des Internationalen Filmfestivals Fantasporto für Europa
  • 1995: Bodil für Geister (Bester dänischer Film)
  • 1995: Robert für Geister (Bestes Drehbuch – gemeinsam mit Niels Vørsel)
  • 1995: Regiepreis des Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary für Hospital der Geister
  • 1996: Großer Preis der Jury der Internationalen Filmfestspielen von Cannes für Breaking the Waves
  • 1996: Adolf-Grimme-Preis für Hospital der Geister (Beste Serie/Mehrteiler)
  • 1996: Amanda für Breaking the Waves (Bester nordischer Spielfilm)
  • 1996: Baltischer Filmpreis und Preis der Ökumenischen Jury während der Nordischen Filmtage Lübeck für Breaking the Waves
  • 1996: FIPRESCI-Preis beim Europäischen Filmpreis für Breaking the Waves
  • 1996: FIPRESCI-Preis beim Stockholm International Film Festival für Breaking the Waves
  • 1996: New York Film Critics Circle Award für Breaking the Waves (Beste Regie)
  • 1997: National Society of Film Critics Award für Breaking the Waves (Beste Regie)
  • 1997: Bodil für Breaking the Waves (Bester dänischer Film)
  • 1997: zwei Roberts für Breaking the Waves (Bester dänischer Film, Bestes Drehbuch)
  • 1997: César für Breaking the Waves (Bester ausländischer Film)
  • 1997: Fotogramas de Plata für Breaking the Waves (Bester ausländischer Film)
  • 1997: Golden Satellite Award für Breaking the Waves (Bester fremdsprachiger Film)
  • 1998: Böhmischer Löwe für Breaking the Waves (Bester fremdsprachiger Film)
  • 1998: FIPRESCI-Preis des London Film Festival für Idioten
  • 1999: Regie- und Drehbuchpreis des Internationalen Filmfestivals Fantasporto für Hospital der Geister
  • 2000: Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes für Dancer in the Dark
  • 2000: Publikumspreis beim Europäischen Filmpreis für Dancer in the Dark (Beste Regie)
  • 2001: Blue Ribbon Award für Dancer in the Dark (Bester fremdsprachiger Film)
  • 2001: Goya für Dancer in the Dark (Bester europäischer Film)
  • 2001: Independent Spirit Award für Dancer in the Dark (Bester ausländischer Film)
  • 2001: Golden-Globe-Nominierung für Dancer in the Dark (Bester Filmsong – „I’ve Seen It All“, gemeinsam mit Björk und Sjón Sigurdsson)
  • 2001: Oscar-Nominierung für Dancer in the Dark (Bester Song – „I’ve Seen It All“, gemeinsam mit Björk und Sjón Sigurdsson)
  • 2001: Golden Satellite Award für Dancer in the Dark (Bester Song – „I’ve Seen It All“, gemeinsam mit Björk und Sjón Sigurdsson)
  • 2003: Europäischer Filmpreis für Dogville (Beste Regie)
  • 2003: Ehrenpreis des Internationalen Filmfestivals von Kopenhagen für Dogville
  • 2004: Bodil für Dogville (Bester dänischer Film)
  • 2004: Robert für Dogville (Bestes Drehbuch)
  • 2004: David di Donatello für Dogville (Bester europäischer Film)
  • 2008: Bremer Filmpreis
  • 2008: Beste europäische Leistung im Weltkino als Begründer der Dogma-Bewegung (gemeinsam mit Søren Kragh-Jacobsen, Kristian Levring und Thomas Vinterberg)
  • 2009: Filmpreis des Nordischen Rates für Antichrist
  • 2010: Bodil für Antichrist (Bester dänischer Film)
  • 2010: Drei Roberts für Antichrist (Bester dänischer Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch)

Literatur

  • Achim Forst: Breaking the Dreams. Das Kino des Lars von Trier. Schüren, Marburg 1998, ISBN 3-89472-309-2.
  • Jana Hallberg, Alexander Wewerka: Dogma 95. Zwischen Kontrolle und Chaos. Alexander Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-89581-047-9.
  • Stig Björkmann, Lars von Trier: Trier über von Trier. Gespräche mit Stig Björkmann. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 2001, ISBN 3-8077-0161-3.
  • Marion Müller: Vexierbilder. Die Filmwelten des Lars von Trier. Gardez! Verlag, St. Augustin 2002, ISBN 3-89796-070-2.
  • Charles Martig: Kino der Irritation. Lars von Triers theologische und ästhetische Herausforderung. Schüren, Marburg 2008, ISBN 978-3-89472-532-7.
  • Lothar van Laak: Medien und Medialität des Epischen in Literatur und Film des 20. Jahrhunderts: Bertolt Brecht – Uwe Johnson – Lars von Trier. Wilhelm Fink, München 2009, ISBN 978-3-7705-4811-8.
  • Georg Tiefenbach: Drama und Regie. Lars von Triers Breaking the Waves, Dancer in the Dark, Dogville. Königshausen & Neumann, Würzburg 2010, ISBN 978-3-8260-4096-2.
  • Antje Flemming: Lars von Trier. Goldene Herzen, geschundene Körper. Bertz + Fischer, Berlin 2010, ISBN 978-3-86505-310-7.
auf Dänisch
  • Peter Schepelern: Lars von Triers film: tvang og befrielse. (Lars von Triers Filme: Zwang und Befreiung) Rosinante, 2000, ISBN 87-621-0164-1.
  • Nils Thorsen: Geniet – Lars von Triers liv, film og fobier. (Das Genie – Lars von Triers Leben, Filme und Phobien) Politiken, 2010, ISBN 978-87-567-9511-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ab »Ich bin eine amerikanische Frau«, Interview mit Lars Trier, erschienen in Die Zeit am 10. November 2005.
  2. Peter Schepelern: Lars von Triers film. Rosinante Verlag, Kopenhagen 2000.
  3. Ein Däne und sein Dämon Tagesspiegel vom 8. September 2009
  4. Jan Lumholdt: Lars von Trier: interviews. Univ. Press of Mississippi, 2003, S. 184f.
  5. Geniet- Lars von Triers liv, film og fobier 2010.
  6. Peter Schepelern: Lars von Triers Film. Rosinante Verlag, Kopenhagen 2000.
  7. (hgr): Lars von Trier gibt Langzeitprojekt auf in Die Welt, 28. November 2005, Online-Ressource, abgerufen am 8. Januar 2007.
  8. Filmmuseum München Heft 22, S.73, 2012.
  9. Information auf filmstarts.de
  10. Filmmuseum München Heft 22, S.68, Gerhard Midding, 2012.
  11. Filmmuseum München Heft 22, S. 68, Gerhard Midding, 2012.
  12. dfi.dk
  13. Geniet- Lars von Triers liv, film og fobier 2010.
  14. vgl. Europäischer Filmpreis für Judi Dench bei fr-online.de, 11. September 2008.
  15.  Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Marburg 2011, S. 259-266.
  16. „Okay, ich bin ein Nazi“ Frankfurter Rundschau vom 18. Mai 2011.
  17.  Zitiert nach: Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Marburg 2011, S. 271.
  18. Cannes erklärt Lars von Trier zur Persona non grata, Zeit Online vom 19. Mai 2011.
  19. Spiegel-Online, 20. Mai 2011 (Interview)
  20. Udo Kier bricht eine Lanze für Lars von Trier, Hamburger Abendblatt vom 20. Mai 2011
  21. Spiegel Online: Polizei vernimmt Lars von Trier wegen Hitler-Äußerungen, 5. Oktober 2011.
  22. The Hollywood Reporter: Anklage gegen Lars von Trier fallengelassen, 6. Dezember 2011.
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