Laura Dekker (* 20. September 1995 in Whangarei, Neuseeland) ist eine niederländisch-deutsch-neuseeländische Seglerin.
Laura Dekker wurde während einer Weltreise ihrer Eltern Dick Dekker und Barbara Müller im neuseeländischen Whangarei geboren. Durch ihren Vater besitzt sie die niederländische, durch die Mutter die deutsche und durch den Geburtsort die neuseeländische Staatsangehörigkeit.[1]
Ihre seglerische Karriere startete sie auf einem Optimisten, diesem folgte später eine Mirror Jolle. Nach der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2002 lebte sie mit ihrem Vater, einem segelbegeisterten Bootsbauer, zunächst im niederländischen Maurik. Mit ihrem damaligen Segelboot, einer Hurley 700 mit dem Namen Guppy, unternahm sie Einhandtörns, unter anderem im Mai 2009 im Alter von 13 Jahren von Maurik (Niederlande) nach Lowestoft (Vereinigtes Königreich) und zurück. Über diese Reise hat Laura einen Artikel für das niederländische Magazin Zeilen geschrieben.[2]
Ab dem 18. Dezember 2009 galt sie als vermisst; sie wurde aber zwei Tage später in Sint Maarten in der niederländischen Karibik wiedergefunden.[3] Ob ihr Verschwinden mit ihrer geplanten Weltumseglung zu tun hatte, ist bislang unklar. Ihre Großeltern väterlicherseits, Dick und Riek Dekker, gaben dem Jugendamt die Schuld für Lauras Verschwinden, da das Amt ihre geplante Weltumseglung untersagt hatte und sie in ein Heim einweisen wollte. Der Lebensgefährte der Mutter verdächtigte den Vater, das Verschwinden geplant zu haben. Der Streit um das Sorgerecht weitete sich zwischenzeitlich aus. So wurde bekannt, dass ihre Mutter den gewagten Solo-Törn der Tochter nicht gutheißen wollte. Sie hielt den Plan für zu gefährlich.[4]
Im September 2009 wollte Dekker mit ihrem Boot, einer von einem Sponsor geliehenen Hurley 800, zu einer Allein-Weltumseglung aufbrechen, was aufgrund ihres Alters von 13 Jahren in der Öffentlichkeit zu erheblichen Diskussionen führte.[5]
Durch eine Gerichtsentscheidung[6] wurde verhindert, dass sie am 1. September 2009 in See stechen konnte. Dabei wurde das Sorgerecht der Eltern, mit deren Einverständnis und Unterstützung das Unternehmen stattfinden sollte, für zunächst zwei Monate eingeschränkt. Während der Zweimonatsfrist sollte ein Kinderpsychologe klären, ob Laura in der Lage sei, alleine eine Weltumseglung zu überstehen.[7]
In einer Verhandlung vor dem Familiengericht in Utrecht am 30. Oktober 2009 entschied das Gericht, dass Laura frühestens im Sommer 2010 in See stechen dürfe. In der Urteilsbegründung erläuterte das Gericht, solch ein langer und durchaus gefährlicher Segeltörn könne „Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden“.
Damit folgte das Gericht einem Antrag des Amtes für Kinderschutz, Dekker für die nächsten Monate unter dessen Aufsicht zu belassen. Dadurch wurde das Erziehungsrecht von Lauras Eltern zunächst bis zum 1. Juli 2010 eingeschränkt. Die Vormundschaft sollte dafür sorgen, dass genug Zeit bliebe, „zu prüfen, ob die Reise ausreichend vorbereitet ist, und zu überwachen, dass Laura nicht auf unverantwortliche Weise startet“.[8] Die von Laura und ihrem Vater eingelegte Berufung wurde am 4. Mai 2010 vom Berufungsgericht in Arnheim verworfen.[9]
Sofern die Vormundschaft nicht verlängert werden würde, wollte Laura nach dem 1. Juli 2010 in See stechen. Die ersten Vorbereitungen dazu hatte sie bereits getroffen. Ihr Vater hatte ihr ein neues Boot gekauft, eine Jeanneau Gin Fizz, da der Hauptsponsor von seiner ursprünglichen Zusage zurücktrat und dadurch die Hurley 800 nicht mehr zur Verfügung stand. Der Zweimaster (eine Ketsch) ist mit 11,5 Metern um gut 3 Meter länger als Lauras letzte Segelyacht mit 8,5 Metern. Das neue Boot lag zu dieser Zeit im Hafen von Den Osse in der südwestlichen Provinz Zeeland, wohin Vater und Tochter zwischenzeitlich von Maurik (in der Nähe von Utrecht) umgezogen waren.[4]
Am 17. Mai 2010 wurde seitens des Amtes für Kinderschutz in Utrecht ein Antrag auf Verlängerung der Vormundschaft über Laura Dekker bis zum 1. August 2010 bei dem Familiengericht in Middelburg eingereicht. Eine mündliche Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand am 14. Juni 2010 statt. Das Familiengericht Middelburg gab dem Antrag des Amtes für Kinderschutz am 17. Juni 2010 statt. Als Grund wurde unter Anderem genannt, dass der Plan zur Vorbereitung bzw. Durchführung von Lauras Weltumseglung zu spät eingereicht wurde (erst bei der Verhandlung am 14. Juni 2010) und die Behörden keine Gelegenheit hatten, diesen von einem unabhängigen Experten prüfen zu lassen. Am 27. Juli 2010 beendete das Familiengericht zu Middelburg die Vormundschaft über Laura mit sofortiger Wirkung.[10] Laura kündigte am 31. Juli 2010 an, am 4. August 2010 gemeinsam mit ihrem Vater nach Portugal segeln zu wollen. Unterwegs sollte das Boot ausgiebig getestet werden. Von Portugal aus wollte Laura ihre Solo-Weltumseglung beginnen.
Die Weltumseglung begann nach Mitteilung ihres damaligen Managers am 21. August 2010.[11]
Ihre Route beinhaltete folgende Stationen:
Am 14. April 2012 verlässt Sie mit einer kleinen Crew (Bruno) Bonair in Richtung Neuseeland. Die Insel San Blas erreichen Sie am 19. April 2012 und verweilen dort für eine längere Zeit.
Über Dekkers geplante Weltumseglung wurde international ausgiebig berichtet.[17][18] Neben den persönlichen Umständen wurde dabei vor allem die generelle Frage erörtert, inwieweit der Staat riskantes Verhalten Jugendlicher verhindern muss oder darf, wenn dies von den Eltern unterstützt wird.
Im Verlauf der Weltumseglung und des im Vergleich zur vorherigen „Rekordhalterin“ – der Australierin Jessica Watson, die nur 210 Tage auf See benötigte – langen zeitlichen Verlaufs – Laura Dekker war bei der Ankunft in Darwin, Australien, bereits 369 Tage unterwegs – äußerte sich der Vater Mitte 2011 dahin gehend, dass es seiner Tochter Laura nicht in erster Linie um das Erreichen des Rekords gehe, jüngste Solo-Weltumseglerin zu sein. Vielmehr sei die „Tour das Ziel“.[19] Am 21. Januar 2012 beendete Laura ihre Weltumseglung erfolgreich und ist damit der jüngste Einhandweltumsegler vor Jessica Watson.[20]
Während ihrer Reise schrieb Laura eine wöchentliche Kolumne für das Algemeen Dagblad, Rotterdam welche in deutscher Übersetzung verfügbar ist.[21]
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