Es gibt mehrere Lesarten des Korans (arabisch قراءات Qirāʾāt), da der Korantext zu Anfang nur als reiner Konsonantentext aufgezeichnet wurde. Die frühen Koranexemplare haben, soweit Fragmente davon vorhanden sind, keine oder nur eine ganz sporadische Vokalisierung. Darüber hinaus gibt es viele Stellen, an denen auch der Konsonantentext Varianten aufweist.
Die Lesarten unterscheiden sich hauptsächlich in Vokalisation (arabisch تشكيل, DMG Taškīl), Konsonantenverdopplung, Aussprache des Hamza, Buchstaben-Assimilation, Vokalfärbung und -länge, Nasalierung und Pausen. Es gibt aber auch Unterschiede bei den Konsonanten.
Die muslimische Tradition geht von sieben verschiedenen zulässigen Lesarten (arabisch أحرف, DMG Aḥruf) in je zwei Überlieferungen aus, die aber lediglich auf verschiedene arabische Dialekte zurückgehen sollen.
Tatsächlich kennt die muslimische Überlieferung aber eine Unzahl von Lesarten, deren Unterschiede teils den Sinn einer Textpassage ändern. Nach der islamischen Überlieferung sind diese Unterschiede in der Offenbarung an Mohammed enthalten gewesen. Dem widersprechen muslimische Überlieferungen von Varianten, die früh zu Verwirrung geführt haben und die Entstehung der Hilfzeichen einschließlich der Vokalzeichen angeregt haben sollen.
Die Religionswissenschaft sieht in der Zahl sieben, ebenso wie einige muslimische Gelehrte, eine symbolische Zahl für mehrere verschiedene Varianten.
Ibn Mudschahid dokumentierte sieben Lesarten und Ibn al-Dschazari fügte drei weitere hinzu:
Die Lesart nach Ḥafṣ bin Sulaimān findet heute Verwendung im größten Teil der islamischen Welt, so im gesamten Nahen Osten, Pakistan, Indien und der Türkei. Nach Warš wird der Koran in Nordafrika gelesen; nach ad-Dūrī in Teilen Sudans.
Diese Lesearten erfüllen allesamt die Voraussetzungen, um als Korantext anerkannt zu werden:
Es gibt vier Qirāʾāt, die diese Bedingungen nicht erfüllen; diese werden شاذة / Šāḏa genannt und gehen zurück auf [1]:
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