| Lutherischer Weltbund | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Präsident | Munib Younan |
| Generalsekretär: | Martin Junge |
| Gründungsjahr: | 1947 |
| Mitgliedskirchen: | 145 |
| Mitglieder: | 70,3 Millionen |
| Sitz: | Genf, Schweiz |
| Website: | www.lutheranworld.org |
Der Lutherische Weltbund (LWB), englisch Lutheran World Federation (LWF), ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. Der LWB wurde 1947 in Lund (Schweden) gegründet und zählt inzwischen 145 Mitgliedskirchen, denen 70.3 Millionen lutherische Christen in 79 Ländern angehören (Stand: Februar 2011).[1] Seine Vorläuferorganisation war der 1923 gegründete Lutherische Weltkonvent.
„Der LWB bekennt die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testament als die alleinige Quelle und Norm seiner Lehre, seines Lebens und seines Dienstes. Er sieht in den drei ökumenischen Glaubensbekenntnissen und in der Bekenntnissen der lutherischen Kirche, insbesondere in der unveränderten Augsburgischen Konfession und im Kleinen Katechismus Martin Luthers, eine zutreffende Auslegung des Wortes Gottes.
Die Mitgliedskirchen des LWB bekennen sich zum dreieinigen Gott, stimmen in der Verkündigung von Gottes Wort überein und sind in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft miteinander verbunden. Der LWB bekennt die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche und will der Einheit der Christenheit in der Welt dienen.“
Die Grundlage der Arbeit des LWB bilden die Bibel und die lutherischen Bekenntnisschriften.
Der LWB verfolgt insbesondere diese vier Ziele:[2][3]
Zur Verwirklichung dieser Ziele engagiert sich der LWB insbesondere in der Not- und Katastrophenhilfe, in internationalen Fragen und in Angelegenheiten der Menschenrechte, außerdem in der Missions- und Entwicklungsarbeit.[4] Den größten Teil der Arbeit des LWB bilden Diakonie und Entwicklungshilfe. So wurden im Jahr 2004 allein für die „Abteilung Weltdienst und Diakonie“ 81 % des Gesamtbudgets des LWB aufgewendet.[5] Ferner vergibt der LWB weltweit Stipendien für Studierende.
Das LWB-Sekretariat befindet sich im Ökumenischen Zentrum in Genf (Schweiz). Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK / WCC) und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, beispielsweise ökumenische und interreligiöse Beziehungen, Theologie, humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit.
Höchstes Entscheidungsgremium ist die Vollversammlung, die in der Regel alle sechs Jahre zusammenkommt. Weitere Organe sind der Rat, der Generalsekretär und der Präsident.
Generalsekretär ist seit 1996 Pfarrer Dr. Ishmael Noko von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe. Zu seinem Nachfolger ab November 2010 wurde der chilenische Pfarrer Martin Junge gewählt.
Präsident ist der am 24. Juli 2010 auf der Vollversammlung in Stuttgart gewählte Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) Munib Younan. Er folgt auf den 2003 gewählten Bischof Mark Hanson, leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, sowie auf den Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Dr. Christian Krause, welcher von 1997 bis 2003 an der Spitze des LWB stand.
Folgende Vollversammlungen fanden bisher statt bzw. werden stattfinden:
Arbeitssprachen des LWB sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.
2008 hatte der Lutherische Weltbund 140 Mitgliedskirchen aus 78 Ländern, unter ihnen die acht in der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands zusammengeschlossenen deutschen Landeskirchen, außerdem die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Lutherische Klasse der Lippischen Landeskirche, die Pommersche Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden, die österreichische Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich und der Bund Evangelisch-Lutherischer Kirchen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.
Eine vollständige Liste der Mitgliedskirchen findet sich im Artikel Liste der Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes.
Das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) vertritt die 13 deutschen Mitgliedskirchen mit insgesamt 12,6 Millionen Gemeindegliedern, und koordiniert von Hannover aus deren Arbeit. Vorsitzender ist zurzeit Bischof Gerhard Ulrich, Schleswig (Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche), sein Stellvertreter ist Landesbischof Frank Otfried July, Stuttgart (Evangelische Landeskirche in Württemberg). Geschäftsführer ist Oberkirchenrat Norbert Denecke.
Der Ausschuss für Kirchliche Zusammenarbeit und Weltdienst des Deutschen Nationalkomitees (Hauptausschuss) unterstützt in Zusammenarbeit mit den verschiedenen deutschen Hilfswerken die Projekte und Programme des Lutherischen Weltbundes in aller Welt. Vorsitzender ist zurzeit Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer (Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers). Die Geschäftsstelle des Hauptausschusses des DNK/LWB hatte bis 2007 seinen Sitz in Stuttgart. Seit Januar 2008 ist die Geschäftsstelle des gesamten DNK/LWB im Amt der VELKD in Hannover angesiedelt.
Seit dem 15. März 2009 verfügt der Lutherische Weltbund über ein eigens Büro in der Lutherstadt Wittenberg. Es soll u.a. die geistliche und theologische Begleitung kirchlicher Gruppen aus der lutherischen Weltfamilie anbieten sowie Studienprogramme für Studierenden- und Gemeindegruppen sowie Pfarrkonvente entwickeln. Angestrebt ist auch eine enge Verknüpfung mit der Stiftung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA) in Wittenberg.
Zu den ersten Aufgaben des Zentrums gehörte es, den Aufbau des „Luthergartens“ zu begleiten, in dem 500 Bäume von Partnern aus der weltweiten Ökumene gepflanzt wurden. Die Erstbepflanzung fand am 1. November 2009 statt. Sie führt bereits auf die Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum im Jahre 2017 (500 Jahre 95 Thesen Martin Luthers) hin.
Erster Leiter des LWB-Zentrums in Wittenberg ist der lutherische Theologe Hans-Wilhelm Kasch, zuvor Landespfarrer für Mission und Ökumene in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs.
Die Mitgliedskirchen des LWB haben zueinander volle Abendmahlsgemeinschaft vereinbart.
Innerhalb des LWB kommt es immer wieder zu Spannungen, die die Fragen der Frauenordination und der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare betrifft. Von den 140 Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes ordinieren 37 Kirchen keine Frauen.[8] Die unterschiedlichen Auffassungen zu Ehe, Familie und Sexualität[9] erschweren die Gemeinschaft innerhalb des LWB.[10]
So richteten drei lutherische Bischöfe der baltischen Staaten einen Brief an den Generalsekretär Noko, in dem sie ihre Sorge zum Ausdruck brachten, dass auf Grund der Segnung homosexueller Paare in mehreren Gliedkirchen der Fortbestand der Kirchengemeinschaft innerhalb des LWB gefährdet sei[11] bzw. nach Ansicht des lutherischen Erzbischofs Janis Vanags beendet ist.[12]
Auch die Frage der Frauenordination führe immer wieder zu Spannungen, sowohl in der Ökumene,[13] als auch innerhalb des LWB selbst, wobei sich dieses Thema zugunsten der Befürwortung von Frauenordination im Lutherischen Weltbund zunehmend im Laufe der Jahre entspannte. Laut der evangelikalen Nachrichtenagentur IDEA befürworten ungefähr 75 % der Mitgliedskirchen des LWB die Frauenordination, während 25 % diese ablehnen.[14] Unklar ist, ob die befürwortenden Kirchen überproportional viele Mitglieder haben, während die ablehnenden Kirchen zahlenmäßig kleiner sind. Dass die verhältnismäßig großen Kirchen, wie die deutschen Landeskirchen oder die ELCA bereits seit Jahrzehnten Frauen ordinieren, spricht aber für eine solche These.
Neben dem Lutherischen Weltbund gibt es u.a. noch den konservativeren Internationalen Lutherischen Rat (ILC) als Zusammenschluss konfessionell lutherischer Kirchen. Zwischen dem LWB und dem ILC kam es in der jüngeren Vergangenheit zu Kontaktgespräch mit einem Abschlusskommuniqué mit dem Titel: Was uns eint – was uns trennt.
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