Müdigkeit oder auch Ermüdung ist eine zumeist vorübergehende (reversible) Minderung der physischen und/oder psychischenen Leistungsfähigkeit. Sie kann sowohl als eine subjektive Wahrnehmung, die z.B. aufgrund von Schlafmangel entsteht, als auch als objektiv messbare Ermüdung z.B. als Folge von körperlicher Belastung, auftreten. Man unterscheidet zwischen einer Ermüdung des Zentralnervensystems (ZNS) und einer peripheren Ermüdung der Muskulatur[1]. Chronische Müdigkeit kann zudem Symptom einer Erkrankung sein.
Die physische oder muskuläre Ermüdung ist die verminderte Kraft eines oder mehrerer Muskeln im Vergleich zu der sonst in Abhängigkeit von der individuellen Fitness zu erwartenden Kraft.
Die psychische oder mentale Ermüdung kann auch unabhängig von der muskulären Ermüdung auftreten und zeigt sich zumeist durch subjektive Empfindungen.
Die physiologische Müdigkeit entsteht aus qualitativem oder quantitativem Mangel an Schlaf und wird als ein unüberwindbares, anhaltendes Gefühl der Erschöpfung, einhergehend mit einer verminderten Kapazität der physischen und mentalen Betätigung empfunden. Als normales Regenerationsphänomen gilt sie als physiologischer Schutzmechanismus zur Erhaltung der Homöostase und wird auch als akute Müdigkeit bezeichnet.
Andauernder Schlafmangel führt zur chronischen Müdigkeit, die sich in Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, brennenden Augen, schweren Beinen sowie zunehmender Schmerzempfindlichkeit auswirkt. Andauernder Schlafentzug führt zu schwereren Symptomen wie Apathie, Somnolenz, Depressionen und Wahrnehmungsstörungen.
Starke Müdigkeit ist häufig Ursache für menschliche Fehler wie Verkehrsunfälle, insbesondere infolge des sogenannten Sekundenschlafes. Die nach dem Geschlechtsverkehr und insbesondere nach dem männlichen Orgasmus auftretende Müdigkeit bezeichnet man als postkoitale Müdigkeit.
Zahlreiche Berufszweige sind von möglichen Gefahren betroffen, die durch Müdigkeit oder nachlassende Aufmerksamkeit auftreten können; ebenso Schichtarbeiter, Menschen, die stets Nachtdienst leisten, sowie Menschen, die Wechselschicht arbeiten (siehe auch Sonntagsarbeit).
Für die weitgehende Vermeidung von Gefahren ist das Arbeitsrecht und die Arbeitsmedizin zuständig. Besonders gefährdete Sparten haben Kollektiv- oder Tarifverträge bzw. Betriebsvereinbarungen zur Abgeltung der Erschwernisse, oder spezielle Urlaubs- und Pensions-Regelungen. Auch die genaue Regelung von Dienstplänen und Dienstzeiten, Arbeitspausen, von Nacht- und Frühdiensten gehört hierzu.
Eine israelische Studie ergab, dass müde Richter öfter zu Ungunsten des Angeklagten urteilen:
„Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass Menschen mental ermüden, wenn sie hintereinander viele Entscheidungen treffen müssen. Sie neigen dann dazu, die noch nötigen Entscheidungen zu vereinfachen, indem sie einfach den bestehenden Zustand akzeptieren und belassen. Nicht nur Richter, auch Angehörige anderer Berufsgruppen müssten ihre Entscheidungen demnach kritisch überdenken, schreiben die Forscher. Ärzte, Finanzexperten oder Mitarbeiter in Zulassungsstellen der Universitäten etwa dürften bei Entscheidungsfindungen ebenfalls von ihrer Müdigkeit beeinflusst werden.[3]“
Seit den 1990er Jahren suchen Forscher nach Möglichkeiten, die Müdigkeit von Autofahrern und Lenkern anderer Verkehrsmittel (z.B. LKWs) zu messen, um diese rechtzeitig vor dem Einschlafen zu warnen.[4] Sogenannte Fahrerassistenzsysteme sind inzwischen marktreif und erhältlich. Müdigkeit ist auch an der Stimme messbar.[5]
Dauerhafte (chronische) Müdigkeit kann ein pathophysiologisches Krankheitssymptom sein. Pathologische Müdigkeit ist Begleitsymptom vieler Erkrankungen, wie sie bei Grippe, Rheuma, Herzinfarkt, Diabetes, Krebs oder AIDS auftreten kann. Bei einer Depression gehören ständige oder phasenweise auftretende Müdigkeit und Antriebslosigkeit zu den Hauptsymptomen. Als Unwohlsein und Ermüdung gilt sie auch als Symptom einer Befindlichkeitsstörung.
Müdigkeit wird auch häufig mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS – Chronic fatigue syndrome) assoziiert. Dieses Syndrom äußert sich allerdings mehr durch eine andauernde Erschöpfung und Erschöpfbarkeit sowie durch mehrere spezifische Begleitsymptome. Hier wird unter anderem eine Virusinfektion als mögliche Ursache diskutiert. In Deutschland verwenden insbesondere Onkologen und Palliativmediziner bei dauerhafter Ermüdung im Rahmen einer Krebserkrankung den Begriff Fatigue-Syndrom.
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