Montag, 28. Mai 2012

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Münchner Sicherheitskonferenz

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Logo der Münchner Sicherheitskonferenz seit 2010

Die Münchner Sicherheitskonferenz, englisch Munich Security Conference (MSC), auch Internationale Sicherheitskonferenz, ist seit 1962 ein Treffen von internationalen Sicherheitspolitikern, Militärs und Rüstungsindustriellen. Ehemalige Bezeichnungen sind Wehrkundetagung sowie bis 2010 Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik. Es ist das weltweit größte Treffen seiner Art.

Die Konferenz findet jährlich im Februar statt. Tagungsort ist das Hotel Bayerischer Hof in München.

Geschichte

Die Konferenz ging aus der Münchner Wehrkundetagung hervor, welche 1962 von Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin gegründet worden war. Er leitete die Tagungen bis 1998. Sein Nachfolger wurde der Politiker und Wirtschaftsmanager Horst Teltschik (CDU), welcher die Leitung von 1999 bis 2008 innehatte. Seit 2009 wird die Konferenz von dem ehemaligen Diplomaten Wolfgang Ischinger geleitet.

1991 (aufgrund des Zweiten Golfkriegs) und 1997 wurde die Münchner Sicherheitskonferenz abgesagt. Unter der Leitung von Teltschik öffnete sich die Sicherheitskonferenz ab 1999 für Politik-, Militär- und Wirtschaftsvertreter aus Mittel- und Osteuropa sowie aus Indien, Japan und der Volksrepublik China.

Bei der 39. Konferenz 2003 bezweifelte der damalige Außenminister Fischer mit den Worten „Excuse me, I am not convinced“ die Begründung der US-Regierung für einen Krieg gegen den Irak.[1]

Funktion

45. Münchner Sicherheitskonferenz, 2009

Zu dieser Konferenz unter dem Motto Frieden durch Dialog werden hochrangige Politiker, Diplomaten, Militärs und Sicherheitsexperten aus den Mitgliedsländern der NATO und der Europäischen Union, aber auch aus anderen Ländern wie Russland, China, Japan und Indien eingeladen, um über aktuelle Themen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu debattieren.

Die Konferenz ist privat organisiert und somit keine offizielle Regierungsveranstaltung. Sie dient ausschließlich der Diskussion; mangels Legitimation können keine verbindlichen zwischenstaatlichen Beschlüsse gefasst werden. Des Weiteren gibt es – entgegen sonst üblicher Konventionen – kein gemeinsames Abschluss-Kommuniqué. Die hochrangig besetzte Tagung wird auch zu diskreten Hintergrundgesprächen zwischen den Teilnehmern genutzt. Außergewöhnlich ist die Präsentation globaler politischer Entscheidungen, etwa durch den Austausch der Ratifizierungsurkunden zum START-Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland, zu dem es 2011 am Rande der Sicherheitskonferenz kam.[2]

Finanzierung

Finanziert wurde die Konferenz 2007 mit 323.000 Euro vom Bundespresseamt aus dem Etat des Verteidigungsministeriums.[3][4]

Zu den Partnern und Hauptsponsoren der Münchner Sicherheitskonferenz 2011 gehörten die Linde AG, BMW, Krauss-Maffei Wegmann und Barclays.[5]

Kritik

Die Konferenz wird jedes Jahr von Protesten durch Friedensinitiativen und Rüstungsgegner begleitet.[6] 2002 wurden über 750 Menschen in Gewahrsam genommen, weil sie sich an den verbotenen Protesten beteiligten, das DGB-Haus wurde für mehrere Stunden von der Polizei umstellt. 2002 kam es, teilweise bundesweit, zu Hausdurchsuchungen im Rahmen der Sicherheitskonferenz.[7]

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac kritisiert die „militärische Ausrichtung“ der Konferenz.[8] Zum Schutz der Teilnehmer muss daher eine hohe Anzahl von Polizeikräften aufgeboten werden, so die Veranstalter; im Jahr 2009 waren es 3500.[9] Des Weiteren werden mehrere hundert Soldaten der Bundeswehr für logistische Unterstützungsleistungen bereitgestellt.[10] Rudolf Stumberger kritisiert in der Zeitschrift Stern die damit verbundenen Kosten.[11] Seit 2003 wird als Gegenveranstaltung zeitgleich die Internationale Münchner Friedenskonferenz durchgeführt.[12] Die Internet-Zeitung ngo-online kritisierte 2007 Bemerkungen des damaligen Konferenzvorsitzenden in Bezug auf das Demonstrationsrecht und den Ausschluss kritischer Positionen und Parteien von der Veranstaltung.[13]

Vergebene Auszeichnungen

Medaille „Frieden durch Dialog“

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wurde von 2005 bis 2008 jährlich die Medaille Frieden durch Dialog vergeben:

  1. 2005 Kofi Annan
  2. 2006 John McCain
  3. 2007 Javier Solana
  4. 2008 hat ein Soldat der kanadischen Streitkräfte die Medaille erhalten, der bei einer internationalen Friedensmission verwundet wurde. Er wurde stellvertretend für alle Soldaten ausgezeichnet, die ihr Leben für den Frieden riskierten.

Ewald-von-Kleist-Preis

Seit 2009 wird der Ewald-von-Kleist-Preis (benannt nach dem Begründer der Sicherheitskonferenz) verliehen für herausragende Personen, die sich in besonderer Weise für Frieden und Konfliktbewältigung eingesetzt haben.

  1. 2009 Henry Kissinger
  2. 2010 Javier Solana
  3. 2012 Joseph Lieberman

Literatur

  • Global security on the threshold to the next millennium: February 5 - 7, 1999; German security policy on the threshold of the 21st century; transatlantic partnership at the beginning of the next millennium: development of the Asia Pacific region - requirements for future stability / Horst Teltschik (ed.). - Berlin: Berlin-Verl. Spitz, 1999. - 111 S. - (Munich conference on security policy; 1). - ISBN 3-8305-0043-2.
  • Challenges for a global security policy at the outset of the 21st century: February 4 - 6, 2000; Kosovo - lessons learned; European security and defense identity (ESDI) and transatlantic relations; rising world powers in Asia - implications for regional and global security / Horst Teltschik (ed.). - Berlin: Berlin-Verl. Spitz, 2000. - 144 S. - (Munich Conference on Security Policy; 2). - ISBN 3-8305-0095-5.
  • Euro-Atlantic partnership and global challenges in the new century: February 2 - 4, 2001 / 37th Munich Conference on Security Policy. Horst Teltschik (ed.). - Berlin: Berlin-Verl. Spitz, 2001. - 215 S. - (Munich Conference on Security Policy; 3). - ISBN 3-8305-0247-8.

Weblinks

 Commons: Münchner Sicherheitskonferenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. I am not convinced, Fischer tells Rumsfeld (Englisch). The Telegraph (10. Februar 2003). Abgerufen am 21. November 2011.
  2. „New START“ tritt in München in Kraft. Münchner Sicherheitskonferenz (5. Februar 2011). Abgerufen am 21. November 2011.
  3. Israels Außenministerin warnt vor dem Iran. Der Tagesspiegel (10. Februar 2007). Abgerufen am 21. November 2011.
  4. Publik Forum 4/2007 vom 23. Februar 2007 S. 20
  5. Sponsoren. Münchner Sicherheitskonferenz. Abgerufen am 21. November 2011.
  6. Münchner Sicherheitskonferenz - Mehr als 80 Initiativen beteiligen sich an Protesten. Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 29. Januar 2012.
  7. Razzia im Bürgerhaus stößt auf Kritik. Münchner Merkur (vom 31. Januar 2004). Abgerufen am 21. November 2011.
  8. Die »Sicherheitskonferenz« – ein Sicherheitsrisiko. Attac München. Abgerufen am 8. Februar 2012.
  9. Quelle: ZDF Morgenmagazin, 6.Februar 2009
  10. Quelle: Bonner General-Anzeiger: „Konflikte, Kontroversen, Hinterzimmer“, 4. Februar 2009, Seite 4
  11. Unterstützung in Bataillonsstärke. stern.de (9. Februar 2007). Abgerufen am 21. November 2011.
  12. Willkommen bei der Friedenskonferenz München. Internationale Münchner Friedenskonferenz. Abgerufen am 21. November 2011.
  13. In Diktaturen würde so etwas nicht passieren. ngo-online. Abgerufen am 21. November 2011.
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