Manuel Rivera-Ortiz (* 23. Dezember 1968 in Pozo Hondo, Guayama, Puerto Rico) ist ein puerto-ricanisch-US-amerikanischer Fotograf, der für seine dokumentarischen Fotografien der Lebensbedingungen von Menschen in weniger entwickelten Ländern bekannt ist.[1][2]
Rivera-Ortiz wurde in eine sehr arme Familie im Weiler Pozo Hondo außerhalb des Städtchens Guayama an der Südostküste von Puerto Rico geboren. Er wuchs zusammen mit seinen Eltern und drei Geschwistern, von denen er der Älteste ist, in einer einfachen Wellblechhütte mit Lehmboden und ohne fließendes Wasser auf. Später erweiterte sich der Familienkreis um zwei Stiefschwestern und vier Halbgeschwister. Der Vater hackte Zuckerrohr auf den Zuckerrohrfeldern von Central Machete und Central Aguirre und arbeitete außerhalb der Zuckerrohr-Erntezeit als Wanderarbeiter auf Farmen in Neuengland und den Mittelatlantikstaaten. Als Rivera-Ortiz elf Jahre alt war, trennten sich seine Eltern und der Vater zog mit den Kindern aufs amerikanische Festland nach Holyoke, Massachusetts. Die Trennung von seiner Mutter, die er seither nie mehr gesehen hat, hat ihn für sein Leben geprägt. Trotz seiner spanischen Muttersprache und der Tatsache, dass er bei seinem Umzug in die Vereinigten Staaten kein Wort Englisch sprach, schloss Rivera-Ortiz 1995 „cum laude“ mit dem Lizenziat in Englisch am Nazareth College ab und erhielt 1998 einen Master's Degree der Columbia University Graduate School of Journalism. Anschließend arbeitete er als Journalist für Zeitungen und Zeitschriften (unter anderem Elle, Democrat and Chronicle). Schon bald wandte er sich dem Fotojournalismus und der Dokumentarfotografie zu. Seit 2000 arbeitet er als freischaffender Fotograf mit einem Augenmerk auf sozialkritische Themen. Rivera-Ortiz lebt wechselweise in Rochester, New York City und Zürich.
Rivera-Ortiz gehört zu den sozial engagierten Fotografen in der Tradition der sozialdokumentarischen Fotografie. Er ist bekannt für seine Dokumentationen der Lebensverhältnisse von Menschen in der Dritten Welt.[1] Im Vordergrund stehen bei ihm menschliche Themen und das humanistische Anliegen, in einer klaren, direkten Bildsprache Reportagen über sozial benachteiligte Gruppen zu liefern. Er lehnt hierbei den „reißerischen” Fotojournalismus ab und vermeidet eine prätentiöse Bildsprache. Rivera-Ortiz' Bilder können den Betrachter wegen ihrer Direktheit, Einfachheit, und weil sie die Dinge so zeigen, wie sie wirklich sind, anfänglich schockieren. Der Fotograf will die abgelichteten Menschen aber nicht in ihrer Würde verletzen. Er reiht sich in die lange Galerie sozialkritischer Fotografen wie Dorothea Lange, Walker Evans oder W. Eugene Smith ein und legt stets dezent seinen „fotografischen Finger” in die Wunden der Gesellschaft. Rivera-Ortiz' Werke sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten, unter anderem dem George Eastman House International Museum of Photography and Film und dem Kunstmuseum Bern.[3][4] 2004 erhielt er den „En Foco's New Works Photography Award“[5] und 2007 den „Artist of the Year Award des Arts and Cultural Council for Greater Rochester“.[6]
Rivera-Ortiz dokumentierte den 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 in Shanksville für die französischen Organisationen Photographie.com und 24h.com.[7]
Rivera-Ortiz setzt sich dafür ein, dass vermehrt nicht-weiße Fotografen die Lebensbedingungen in der Dritten Welt dokumentieren. Zu diesem Zweck hat er die The Manuel Rivera-Ortiz Foundation for International Photography gegründet.
In seinen Fotografien gelingt es Rivera-Ortiz, den scheinbaren Widerspruch zwischen dem dokumentarischen und dem künstlerischen Wert einer Fotografie aufzulösen, sodass seine Fotografien Seite an Seite mit der Kunstfotografie einen anerkannten Platz in Galerien und Museen erhalten haben.[8]
„Spür- und unverwechselbar in Rivera-Ortiz' Fotografien ist ihre tiefe Menschlichkeit. Das Herz fühlt es. Und Rivera-Ortiz' Herz fordert ihn auf, an einer Straßenecke in einem abgelegenen Dorf das Allgemeine innerhalb des Spezifischen zu erkennen. Aus der Landschaft formt er einen Anblick, den Himmel, einen Fluss, Gewürze am Straßenrand, Mutter und Kind, einen Mann ohne Arm. Manuel Rivera-Ortiz ermöglicht uns, mit ihm zu reisen und zu sehen, was für das menschliche Auge nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Er geht über die Dokumentation einfacher Wahrheiten hinaus. Er hat den Mut, sie zuerst als seine eigenen zu erfahren und dann uns anderen nach Hause zu bringen – eine überzeugende Einladung, unsere eigenen Herzen zu öffnen.“ (Susana Tubert, Executive Producer & Co-Founder von TeatroStageFest, Manhattan)
„Manuel Rivera-Ortiz' Fotografien von in Armut lebenden Menschen in Dörfern in Bolivien, Indien, Thailand oder der Türkei romantisieren weder die Armut der porträtierten Personen, noch kritisieren sie ausdrücklich die politischen oder wirtschaftlichen Systeme, die solche Bedingungen schaffen. Indem er sich völlig auf die Menschen konzentriert, die in den armen globalen Dörfern wohnen, die er besucht, fängt er das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen: Misstrauen, Angst, Neugier, Freundlichkeit, Glück. Gesellschaftskritik schimmert unter der Oberfläche seiner Arbeit hindurch, aber die hauptsächliche Botschaft von Rivera-Ortiz' Bildern scheint zu werden, dass Hoffnung und Schöpferkraft sich von Armut nicht gegenseitig ausschließen.“ (Nick Stillman, Redakteur, „Current“, New York Foundation for the Arts)
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