Markus Schächter (* 31. Oktober 1949 in Hauenstein) ist ein deutscher Journalist und Medienmanager. Bis März 2012 war er Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens.
Aus einfachen Verhältnissen stammend – der Vater hatte sechs Kinder zu ernähren – ermöglichte ihm ein Stipendium für Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Lehramtsstudium der Geschichte, Politikwissenschaft, Publizistik und Religionswissenschaft an den Universitäten München, Lyon, Paris und Mainz. 1974 schloss Markus Schächter mit dem 1. Staatsexamen ab und engagierte sich bereits während seines Studiums journalistisch, unter anderem beim Südwestfunk, beim ZDF und bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Paris. Den Grundstein seiner rundfunkjournalistischen Karriere legte Markus Schächter als Kulturredakteur beim Südwestfunk (SWF) 1976. Nach einem vierjährigen Abstecher ins Kultusministerium von Rheinland-Pfalz als Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit kam er 1981 endgültig zum ZDF.
Innerhalb des ZDF arbeitete er zunächst als Referent für Planungsfragen des Kabel- und Satellitenfernsehens und wurde 1983 Referent des Programmdirektors. 1984 übernahm er als erste Leitungsfunktion die Führung der Redaktion „Kultur und Gesellschaft“ und war dort Mitbegründer der Sendereihe „Terra X“, 1985 wurde er Leiter der Redaktion „Kinder und Jugend“ und verantwortete in dieser Funktion unter anderem die Einführung der Kindernachrichtensendung „logo!“. 1992 übernahm er die ZDF-Planungsredaktion, 1993 die Hauptabteilung Programmplanung. 1998 wurde er zum Programmdirektor berufen.[1]
Seiner Wahl zum vierten ZDF-Intendanten (nach 20-jähriger Amtszeit von Dieter Stolte) im März 2002 ging ein langwieriger und für alle Beteiligten peinlicher Streit innerhalb des in zwei parteipolitisch orientierte Lager aufgeteilten ZDF-Fernsehrates voraus: Schächter erhielt als Kompromisskandidat erst kurz vor Beginn seiner Amtszeit im fünften Wahlgang die erforderliche Mehrheit von drei Fünfteln der Stimmen.[2][3]
Deutlich vor Ende seiner ersten Amtszeit erzielte er im Dezember 2005 bei seiner vorgezogenen Wiederwahl für eine weitere Amtsperiode als Intendant bis 2012 mit 60 von 61 abgegebenen Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte des ZDF.[4]
Tiefpunkt seiner Amtszeit war die Ablehnung von Schächters Vorschlag zur Verlängerung der Amtszeit des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender durch den von Mitgliedern der CDU/CSU dominierten ZDF-Verwaltungsrat im November 2009, sowie die durch diesen kontroversen Präzedenzfall verbundene öffentliche Debatte um die Unabhängigkeit des ZDF von parteipolitischer Einflussnahme.[5][6]
Am 25. Januar 2011 gab Schächter bekannt, dass er nicht erneut für die nächste Amtsperiode zur Wahl steht. Er begründet dies damit, dass zehn Jahre ein gutes Zeitmaß seien, er seine Ziele erreicht habe und jede Spitzenposition in einem Top-Unternehmen, nach seiner Überzeugung, zeitlich begrenzt sei.[7] Sein Nachfolger wurde Thomas Bellut.[8]
Markus Schächter ist gewähltes Mitglied des Exekutivrats (Vorstands) der Europäischen Rundfunkunion (EBU).[9]
Markus Schächter lehrt seit Januar 2004 als Professor für Medientheorie und Medienpraxis an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) in Hamburg, die ihm im gleichen Jahr die akademische Bezeichnung Professor verlieh.
Öffentlich scharf kritisiert wurde das Zusammentreffen Schächters mit dem Präsidenten des iranischen Staatsrundfunks IRIB/Seda wa Sima, dem General der Revolutionswächter Ezzatollah Zarghami,[10] am 7. Juli 2010 auf dem Mainzer Lerchenberg, einen Tag vor dessen Treffen mit dem SWR-Intendanten und ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust. Oppositionelle Exil-Iraner waren nach Berichten des iranischen Rundfunks auf den Besuch aufmerksam geworden. Im Rahmen eines Arbeitsessens übergab Schächter seinem iranischen Intendantenkollegen bei der Begegnung ein offizielles Antragsschreiben an die iranischen Behörden auf Wiederzulassung einer ständigen ZDF-Korrespondentenstelle in Teheran und betonte die Notwendigkeit einer ungehinderten und unabhängigen Berichterstattung aus dem Iran.[11] Bei den Besuchen bei SWR und ZDF war auch der Botschafter des Iran in Deutschland Sheikh Attar zugegen[12]. Christian Rickerts von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) kritisierte auf Nachfrage, dass der Empfang des wichtigsten Repräsentanten des iranischen staatlichen Rundfunks der falsche Weg sei, eine unabhängige Berichterstattung aus dem Iran herzustellen.[13]
Im Zusammenhang mit der öffentlich kontrovers diskutierten Beendigung der Amtszeit von Chefredakteur Nikolaus Brender (siehe oben und im Artikel zu Brender) hatte sich Schächter ungewöhnlich offen gegen die vom stellvertretenden ZDF-Verwaltungsratsvorsitzenden (und de facto Mehrheitsführer) Roland Koch öffentlich geäußerte Absicht zur Nichtverlängerung gestellt, indem er an seinem letztlich nicht mehrheitsfähigen Personalvorschlag Brender festhielt. Allerdings wurde ihm auch nahe gelegt, die Legalität der Ablehnung der Vertragsverlängerung des Chefredakteurs auf dem Wege einer verwaltungsgerichtlichen Klage überprüfen zu lassen,[14] wovon er jedoch letztendlich absah. Stattdessen überließ Schächter es der Politik, für eine grundlegende Überprüfung der geltenden Regeln zu sorgen.[15][16]
Markus Schächter bekleidet neben zahlreichen Ämtern im Medienbereich noch eine Vielzahl anderer Ämter im Rahmen des sozialen und kulturellen Engagements des ZDF: Er ist u.a. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Behindertenhilfe Aktion Mensch, Mitglied des Deutschen Komitees für UNICEF, Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Vorsitzender der Stiftung Hoher Dom zu Mainz.
Er ist außerdem Mitglied in verschiedenen Kuratorien: u.a. der Kulturstiftung der Länder, der Museumsinsel Berlin, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, von Reporter ohne Grenzen Deutschland, der CIVIS Medienstiftung und der Eugen-Biser-Stiftung München.
Seit Juni 2011 ist Markus Schächter Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Zukunft Berlin.
Markus Schächter ist verheiratet und wohnt im Mainzer Stadtteil Hechtsheim.
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