| مزار شريفMazār-i Scharif | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat | Afghanistan | |
| Provinz | Balch | |
| Distrikt | Mazār-i Scharif | |
| Höhe | 360 m | |
| Einwohner | 267.147 (Berechnung 2012[1]) | |
| ISO 3166-2 | AF | |
| Kultur | ||
| Stadtfest | Mela-ye Gol-e Surkh (,Fest der roten Blumen‘) | |
| Blaue Moschee in Mazâr-e Sharîf (Juni 2005) | ||
36.767.116666666667
Koordinaten: 36° 42′ N, 67° 7′ O
Mazār-i Scharīf (persisch مزار شريف, gesprochen ˌmæˈzɒːrɜ ʃæˈriːf, andere Transkription Masar-e Scharif, Mazar-i-Sherif) ist die Hauptstadt des gleichnamigen afghanischen Distrikts und der Provinz Balch. Mazār-i Scharif ist die viertgrößte Stadt in Afghanistan.
Übersetzt bedeutet der Name der Stadt Grab des Heiligen und bezieht sich auf die u.a. hier vermutete Grabstätte von ʿAlī ibn Abī Tālib, Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, der sowohl von Sunniten, Schiiten als auch Aleviten geehrt wird. Mazār-i Scharif gilt hierdurch als bedeutendster Wallfahrtsort Afghanistans und als heilige Stadt des Islam.[2]
9 Kilometer westlich des Stadtkerns fließt der Fluss Balch und bildet in seiner Umgebung eine Gebirgsflussoase. Nahezu parallel zu den geografischen Breitengraden erstrecken sich wenige Kilometer von der Stadt entfernt im Süden die Ausläufer des Marmalgebirges, selbst ein Ausläufer des Hindukuschs. Rund 100 Kilometer östlich fließt der Kunduz. Im Norden von Mazār-i Scharif, etwa in 56 Kilometern Entfernung, befindet sich die Staatsgrenze zu Tadschikistan, die durch den Verlauf des Amudarja markiert ist. Am Nordufer des Amudarja liegt die uzbekische Großstadt Termiz, welche über die Brücke der Freundschaft erreicht werden kann. Die afghanische Hauptstadt Kabul befindet sich zirka 200 Kilometer in südöstlicher Richtung.
In Mazâr-e Sharîf gilt die Zonenzeit UTC+4:30.
Auf dem Gebiet von Mazār-i Scharif befand sich die Landschaft Baktrien, selbst ein Teil der antiken Region Chorasan. Mazār-i Scharif war zu dieser Zeit ein Vorort der damals bedeutenden Stadt Baktra, dem heutigen Balch (seit ca. 1700 ist es umgekehrt).[3]
Seit Mitte der 1980er Jahre geriet Mazār-i Scharif unter den wachsenden Einfluss von Abdul Raschid Dostum, der dort für die sowjetischen Truppen den Versorgungsweg in die Sowjetunion sicherte. Nach deren Abzug gründete er die Dschunbisch-i Mill, die im folgenden afghanischen Bürgerkrieg auf verschiedenen Seiten kämpfte und seine Machtposition in der Stadt weiter festigte.
In der Stadt begründete Dostum am 21. März 1992 mit Ahmad Schah Massoud und anderen die Nationale Islamische Vereinigte Front zur Rettung Afghanistans, auch bekannt als ,Nordallianz‘.[4]
Nach der Übernahme der Macht in Afghanistan durch die Taliban blieb Masar-e Scharif noch bis 1998 unter Kontrolle Dostums. Zwischen Mai und Juli 1997 versuchten die Taliban mehrfach, die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen, scheiterten jedoch zunächst. Berichte sprechen von Massakern der Taliban an der Bevölkerung nach der Einnahme der Stadt am 8. August 1998.
Am 9. November 2001 wurde die Stadt von der Nordallianz mit Hilfe US-amerikanischer Truppen wiederum unter der Führung von Dostum zurückerobert. Seit September 2005 betreibt die Bundeswehr hier, zusammen mit Norwegern und anderen Nationen, ihr flächenmäßig größtes Feldlager in Nordafghanistan (Camp Marmal).
Der Distrikt Mazār-i Scharif umfasst hauptsächlich das Stadtgebiet von Mazār-i Scharif, der Verwaltungsstatus ist mit dem einer kreisfreien Stadt vergleichbar.
Mazār-i Scharif bildet den Sitz des Gouverneurs von Balch, seit 2004 ist dies Mohammed Atta. In der Stadt befindet sich außerdem das Zentrum eines provinziellen Direktoriums des afghanischen Ministeriums für Drogenbekämpfung.[5]
Die Partei Hib-e-Paiwand-e-Mehanee Afghanistan (,Partei der nationalen Einigkeit Afghanistans‘) hat ihren Hauptsitz in Mazār-i Scharif.[6]
Bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan 2009 gaben laut der unabhängigen Wahlkommission Afghanistans insgesamt 96.461 Wahlberechtigte im Distrikt Mazār-i Scharif eine gültige Stimme ab. Die drei meistgewählten Kandidaten waren:
Seit Mai 2010[8] befindet sich eine eingleisige Eisenbahnstrecke zwischen Hairatan und Mazâr-e Sharîf in Bau, um die bereits bestehende Bahnstrecke zwischen Hairatan und Termiz bis zum Flughafen Mazār-i Scharif zu verlängern.[9] Nach der Fertigstellung wäre sie die erste intakte Bahnstrecke seit 1929, die nicht an einem afghanischen Bahnhof in Grenznähe endet. Das beauftragte Unternehmen für den Bau ist die staatliche usbekische Eisenbahngesellschaft.
Acht Kilometer östlich der Stadt befindet sich der Flughafen Mazār-i Scharif.[10] Dieser verfügt über einen militärischen Teil, der im Rahmen der Operation Enduring Freedom genutzt wird, und einen nicht-militärischen Teil, der u.a. Bedeutung als Zwischenstation für Pilgerreisen nach Mekka hat.[11]
In Mazar-e Sharif befindet sich ein Wärmekraftwerk, das mit Erdgas aus Scheberghan und Turkmenistan betrieben wird.[12]
Außerdem verfügt die Stadt über ein Umspannwerk mit einer Anschlussleistung von max. 16 Megavoltampere.[13] Dieses Werk ist ein Teil des North East Power System (,nordöstliches Energiesystem‘) und unterstützt u.a. die Energieversorgung von Kabul.[14]
In Mazār-i Scharif befindet sich die دانشگاه بلخ (,Universität von Balch‘) mit Fakultäten für Ingenieurwissenschaften, Geschichte und Literatur, Agrarwissenschaft, Medizin, Recht und Politik, Verwaltungswissenschaften sowie Pädagogik.[15]
Inklusive dem Flughafengelände stehen vier größere Krankenhäuser und sieben medizinische Zentren mit unterschiedlichen Kapazitäten zur Verfügung (2005),[16] darunter eine der wenigen psychiatrischen Kliniken des Landes.[17]
Mehrere Mine clearance agencies (,Entminungs-Organisationen‘) haben in Mazār-i Scharif eine Zweigstelle,[18][16] um die Entschärfung und Entsorgung von Landminen, die vor allem aus der Zeit des sowjetisch-afghanischen Krieges stammen, zu koordinieren. Das nahe der Stadt stationierte Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif der Bundeswehr setzt eine Kampfmittelbeseitigungs-Einheit ein, um Landminen und Blindgänger unschädlich zu machen.[19]
In Mazār-i Scharif befindet sich ein Provincial Reconstruction Team (,regionale Wiederaufbaugruppe‘), das der ISAF angehört. Es unterstützt sowohl staatliche als auch nichtstaatlichen Projekte in den Bereichen Bildung, Verkehrsinfrastruktur, medizinische Versorgung und Ausbildung von Polizeikräften.[20]
Mazār-i Scharif liegt in einer der Regionen des Landes, in denen die Produktion von Schlafmohn zur Weiterverarbeitung zu Opium und Heroin eingestellt wurde (2009).[21]
Buzkashi ist ein beliebter Sport in Mazār-i Scharif. Hierbei treten mehrere Reiter gegeneinander an, um zu dem Leib einer toten Ziege zu gelangen und diesen als Erster zu einem vorher festgelegten Punkt zu bringen. Zum Abschluss kommt es zu einem paiga genannten Wettrennen. Eine einzige Partie Buzkashi kann sich über mehrere Tage erstrecken.[22]
Jedes Jahr wird am 21. März[23] das Frühlings- und Neujahrsfest نو روز (Nouruz ,neuer Tag‘) begangen, welches in Mazār-i Scharif den Namen Mela-ye Gol-e Surkh (,Fest der roten Blumen‘, gemeint sind Mohnblumen[2]) trägt und das größte seiner Art in Afghanistan ist.[24] Das besonders hier zelebrierte Lied zu dem Fest heißt Molla Mammad Jaan.[25]
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