Dienstag, 29. Mai 2012

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Mazedonien

Mazedonien, auch Makedonien, (mazedonisch Македонија, albanisch Maqedonia, amtlich Republik Mazedonien (Република Македонија/Republika e Maqedonisë) ist ein Binnenstaat in Südosteuropa. Auf Grund des Namensstreits mit Griechenland wird er auch als Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (englisch Former Yugoslav Republic of Macedonia, kurz FYROM) bezeichnet. Mazedonien bestand ab 1946 als südlichste Teilrepublik des sozialistischen Jugoslawien, die 1991, etwas später als die anderen Föderationsmitglieder Kroatien und Slowenien, ihre Unabhängigkeit ausrief. Seit Dezember 2005 hat Mazedonien den Status eines Beitrittskandidaten der EU.

Geographie

Der Korab ist mit 2764 Meter über Adria der höchste Berg des Landes.

Mazedonien ist ein Binnenstaat und liegt zentral auf der Balkanhalbinsel. Es grenzt an das Kosovo, Serbien, Bulgarien, Griechenland und Albanien. Die längste Ausdehnung von Norden nach Süden beträgt 188 km, von Westen nach Osten 216 km. Die Landesgrenze zum Kosovo ist 159 km lang, die zu Serbien 62 km, die zu Bulgarien 148 km, die zu Griechenland 228 km und die zu Albanien 151 km.

Das ganze Land ist sehr gebirgig, nur entlang der größeren Flüsse und in den Beckenlandschaften ist es relativ flach. Die höchsten Gebirge befinden sich im Westen des Landes an der Grenze zu Albanien und dem Kosovo. Der höchste Gipfel ist der Korab mit 2764 m. Rund 3,8 Prozent der Staatsfläche sind durch Nationalparks geschützt. Die drei Gebiete liegen im Westen und Südwesten des Landes.

Die Republik Mazedonien nimmt einen Teil der geographischen Region Makedonien ein.

Gebirge und Hochebenen

Die westlichen Gebirge Mazedoniens sind Ausläufer der Dinariden. Die höchsten Gipfel sind der 2764 m hohe Korab auf der Grenze zu Albanien sowie der 2747 m hohe Titov Vrv im Massiv der Šar Planina-Berge (albanisch Malet e Sharrit). Weitere Gebirge sind das im Südwesten des Landes liegende Jablanica-Gebirge, das dort teilweise die Grenze zu Albanien bildet, das Osogowo-Gebirge zu Bulgarien und das Galičica-Massiv zwischen Ohrid- und Prespasee.

Die größten Hochebenen bilden Ovče Pole nordwestlich von Štip, die Pelagonien-Ebene zwischen Prilep und Bitola sowie die Polog-Ebene zwischen Tetovo und Gostivar.

Gewässer

Der Fluss Vardar entspringt im Šar Planina und durchfließt das gesamte Land in Richtung Südosten, bevor er schließlich als Axios durch die griechische Region Makedonien in den Thermaischen Golf mündet. Er bildet die Hauptorientierungsachse des Landes und hat vier größere Nebenflüsse. Der Schwarze Drin entspringt aus dem Ohridsee und durchfließt die südwestliche Region des Landes, bis er bei der Stadt Debar (albanisch Dibra) nach Albanien weiterfließt und weiter ins Adriatische Meer mündet.

Im Südwesten an der Grenze zu Albanien hat Mazedonien je etwa zu zwei Dritteln Anteil am Ohridsee und am Prespasee. Diese Seen (700 m bzw. 900 m) sind etwa 400 km² groß und durch Tektonik in einer geologischen Schwächezone der Erdkruste entstanden. Der Ohridsee ist sehr tief und reich an endemischen Arten; beide Seen, die Stadt Ohrid und der Nationalpark Galičica zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Klima

Das Klima ist im gebirgigen Landesinneren relativ rau. Generell liegt es im Übergangsgebiet zwischen dem mediterranen und dem kontinentalen Klima. Im Winter ist es meist sehr niederschlagsreich und kalt und im Sommer sehr niederschlagsarm und warm.

Flora

Von den Lynx lynx martinoi gibt es nur noch etwa 100 Exemplare (hier ein Eurasischer Luchs abgebildet).[7]

Viele von Menschenhand unberührte Regionen und eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt kennzeichnen die Flora und Fauna Mazedoniens. Die Flora in der Republik Mazedonien ist mit rund 210 Familien, 920 Gattungen und 3.700 Pflanzenarten vertreten. Davon gehören 3.200 Arten zu den Bedecktsamern, 350 Arten zu den Laubmoosen und 42 Arten zu den Farnen. Ein Drittel des Landes sind von Mischwäldern bedeckt, in denen Arten der Buchen, Eichen und Kastanien vorherrschen. In den Ebenen besteht die Vegetation insbesondere aus Macchien und Weideflächen, die für die Landwirtschaft und die Viehzucht verwendet werden. Rund um die größeren Seen wachsen Zypressen, Walnuss- und Feigenbäume. Ab 1300 m ü. Adria gedeihen Latschenkiefern und Tannen. Und ab 2000 m ü. A. kommen vor allem Wacholderbüsche und Pflanzenarten vor, die sich dem rauen Bergklima angepasst haben.[8]

Laut WWF und der digitalen Karte der europäischen ökologischen Regionen der Europäischen Umweltagentur kann das Territorium des Landes in vier Ökoregionen eingeteilt werden: Mischwälder des Pindos', Mischwälder der Balkanhalbinsel, Mischwälder der Rhodopen und Mischwälder mit Hartlaubvegetation des Ägäischen Meers.[8]

Der Nationalpark von Pelister bei Bitola ist bekannt für das Dasein der endemischen Mazedonischen Kiefer, sowie für 88 Pflanzenarten, die 30 Prozent der Baumflora in Mazedonien ausmachen. Die Mazedonischen Kieferwälder in Pelister sind in zwei Gruppen eingeteilt: Kieferwälder mit Farne und Kieferwälder mit Wacholdern.[8]

Zu den am häufigsten anzutreffenden Laubbäumen gehören die Mazedonische Eiche, der Bergahorn, die Trauerweide, die Kopfweide, die Erle, die Pappel, die Ulme und die Gemeine Esche. Eine weitere für Mazedonien charakteristische Pflanzenart – vor allem im Šar Planina und in der Bistra – ist der Mohn. An unberührten Seeufern wachsen Schilfrohre.[8]

Fauna

Auch eine reiche Tier- und Insektenwelt weist Mazedonien auf. Die Arten reichen von Bären, Wildschweinen, Dachsen, Wölfen und Rotfüchsen bis hin zu Eichhörnchen, Mardern, Gämsen und Rothirschen. Luchse sind im westlichen Landesteil verbreitet, während man Rothirsche in der Region von Demir Kapija antrifft. Von den seltenen Balkan-Luchsen (Lynx lynx martinoi) gibt es in Mazedonien und im angrenzenden Albanien nur noch etwa 100 Exemplare, die gefährdet sind.[7] Das Berggebiet um Mavrovo beherbergt zudem einen großen Bestand an Gämsen, die viele Jäger anlocken. Zu den am meisten verbreiteten Waldvögeln zählen die Mönchsgrasmücke, das Moorschneehuhn, das Birkhuhn, der Östliche Kaiseradler und die Eulen.[8]

Der Ohridsee zählt zu den ältesten Seen der Welt und ist bekannt für seine Ohridforelle, Felchen, Gründlinge, Rotaugen sowie für einige Schlangen-Gattungen, die bis zu 30 Millionen Jahre alt sind. Ähnliche Arten können nur im Baikalsee gefunden werden. Auch der Europäische Aal ist vor allem für seinen außergewöhnlichen Fortpflanzungszyklus berühmt: Er schwimmt Tausende von Kilometer von der Sargassosee in den Ohridsee, um dort in den Tiefen des Sees für zehn Jahre zu verweilen. Wenn der Aal seine Geschlechtsreife erlangt, wird er durch unerklärliche Triebe im Herbst zurück zu seinem Geburtsort, dem Atlantik, getrieben; dort laicht er und stirbt anschließend, bis seine Nachkommen den Kreislauf von vorne beginnen.[8]

Der Šarplaninac ist der bekannteste Schäferhund des Landes.[8]

Bevölkerung

Mazedonien hatte laut der letzten Volkszählung von 2002 genau 2.022.547 Einwohner. Auf einem Quadratkilometer leben rund 80 Personen. Die Bevölkerung ist multiethnisch.

Ethnien

64,18 Prozent bezeichneten sich in der letzten Volkszählung 2002 als ethnische Mazedonier. In absoluten Zahlen waren das 1.297.981 Personen. Somit bilden sie die Mehrheit in der ethnischen Struktur des Landes. Geographisch verteilen sich die ethnischen Mazedonier grundsätzlich im Osten, im Zentrum und im Süden des Landes. Im Westen und Norden bilden sie teilweise die Minderheit.

Die größte Minderheit ist die albanische Volksgruppe, die vor allem in der Westhälfte des Landes und auch im Norden lebt. Sie stellte vor 10 Jahren 25,17 Prozent der Gesamtbevölkerung (absolute Zahl: 509.083 Personen). Infolge großer Auswanderung dieser Volksgruppe leben schätzungsweise zwischen 200.000 und 300.000 Albaner im Ausland. Die Albaner in Mazedonien sind fast ausnahmslos Gegen, nur im Südwesten des Landes gibt es einige Dörfer mit einer toskischen Bevölkerung.

Neben diesen beiden großen Volksgruppen gibt es viele andere ethnische Minderheiten, die zusammen knapp über 10 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Zu diesen Minoritäten zählen auch die Türken. Sie stellten im Jahr 2002 mit 3,85 Prozent die drittgrößte Volksgruppe. In absoluten Zahlen waren das 77.959 Personen. Die türkische Bevölkerung verteilt sich vor allem in den Städten West- und Zentralmazedoniens. In zwei Gemeinden bilden sie die Mehrheit.

Die Zahl der Roma wurde im Jahr 2002 mit 53.879 angegeben. Das sind 2,66 Prozent der Landesbevölkerung. Wegen der hohen Armut unter ihnen leben auch die Roma meist in Städten, da sie sich dort ein besseres Leben erhoffen. Sie stellen nur im Bezirk Šuto Orizari der Hauptstadt Skopje die Mehrheit der Einwohner.

Zu den kleineren Minoritäten Mazedoniens zählen die Serben (1,78 % oder 35.939), die Bosniaken (0,84 % oder 17.018) und die Walachen/Aromunen (0,48 % oder 9.695, davon etwa 1000 Meglenorumänen). Daneben existieren mit 1,04 Prozent oder 20.993 Personen noch weitere Minderheiten. Die slawischen Muslime Mazedoniens ordnen sich – ungeachtet ihres slawischen Idioms – verschiedenen Gruppen zu, zumeist den Türken, in geringerem Maße auch den Albanern, Mazedoniern und neuerdings den Bosniaken.[9]

Sprachen

Mazedonisch ist Amtssprache und zugleich die am meisten verbreitete Sprache. Albanisch mit der zweitgrößten Anzahl an Muttersprachlern gilt in einigen Gemeinden zusätzlich als zweite Amtssprache; zudem haben einige Staatsorgane Albanisch neben Mazedonisch als Arbeitssprache eingeführt, wie beispielsweise das Parlament.

Daneben wird regional auch Türkisch, Romani und Serbisch gesprochen. Die Türken genießen einige Minderheitenrechte und dürfen auch – wie alle Ethnien – in Gemeinden, wo 20 Prozent der Einwohner ihrer Ethnie angehören, dort Türkisch als Amtssprache festlegen.

Viele Angehörige der Roma haben die Sprache des jeweiligen Wohngebietes übernommen.

Religion

Das Orthodoxe Christentum und der Islam prägen zusammen seit Jahrhunderten das Gebiet des heutigen Mazedoniens. Mit der Eroberung der Region durch die sunnitischen Osmanen verbreitete sich auch deren Religion. Die Gründe der Konvertierung vieler Menschen zum neuen Glauben während vieler Jahrhunderte mochten unterschiedlich sein: Sympathie, Befreiung von Steuern, bessere Stellung in der Gesellschaft, Karriere in Verwaltung und Militär usw. Hauptsächlich waren dies Albaner, doch auch Mazedonier – jedoch in geringerer Zahl –, die ihren Glauben wechselten. Die meiste Zeit lebten die Anhänger beider Religionen friedlich miteinander. Doch mit dem Aufkommen des Nationalismus im 19. Jahrhundert verschlechterten sich zunehmend die Beziehungen und bis heute haben Orthodoxe und Muslime immer noch Vorurteile gegenüber dem anderen Glauben oder der anderen Ethnie. Seit der Unabhängigkeit Mazedoniens nahmen zudem nationalistische Übergriffe auf Kirchen und Moscheen immer mehr zu.

Bei der letzten Volkszählung von 2002 machten fast die Hälfte der Bevölkerung (45 %) keine Angaben zu ihrer Konfession. Die zweitgrößte Gruppe bildeten mit etwa 32,4 Prozent die orthodoxen Christen, von denen die Mehrheit sich zur Mazedonisch-Orthodoxen Kirche bekannte. Der Islam war mit 16,9 Prozent vertreten; die große Mehrheit davon Sunniten. Laut Schätzungen gehörten 5 Prozent anderen Religionsgemeinschaften an, wie beispielsweise der römisch-katholischen Kirche.

Städte

Heute lebt über die Hälfte der Bevölkerung Mazedoniens in Städten. Im Jahr 2010 waren laut einer Berechnung 59 Prozent der Bevölkerung in den urbanen Zentren des Landes wohnhaft.[10]

Die zehn größten Städte (2002)[11]
Rang Stadt Einwohner
1. Skopje 506.926
2. Bitola 74.550
3. Kumanovo 70.842
4. Prilep 66.246
5. Tetovo 52.195
6. Veles 43.716
7. Štip 43.652
8. Ohrid 42.033
9. Gostivar 35.847
10. Strumica 35.311

Auswanderung

Mazedonien ist ein typisches Auswanderungsland. Erste große Auswanderungswellen fanden zwischen 1912 und 1944 statt, als Bulgaren und Türken die Region verließen, nachdem sie dem Königreich Jugoslawien zugesprochen worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im föderativen System Jugoslawiens, war die neu gegründete Sozialistische Teilrepublik Mazedonien neben dem Kosovo, als Resultat von Auswanderung, Militarisierung und fehlenden Investitionen in den Jahren zuvor, die wirtschaftlich rückständigste. Dies führte vor allem dazu, dass während der 1970er Jahre zahlreiche Gastarbeiter (vor allem Angehörige der albanischen Volksgruppe) nach Mitteleuropa (Schweiz, Deutschland und Österreich) emigrierten, um dort den Lebensunterhalt ihrer Familie zu verdienen. Nach der Unabhängigkeit Mazedoniens folgten die Familien oftmals ihren Familienoberhäuptern, dies vor allem in den 1990er Jahren. Laut einer Schätzung leben etwa 200.000 bis 300.000 Mazedonier albanischer Abstammung im Ausland. Die Zahl der slawischen Mazedonier im Ausland ist dagegen wesentlich niedriger.[12]

Verwaltungsgliederung

Am 11. August 2004 trat ein neues Territorialverwaltungsgesetz in Kraft, das den Staat Mazedonien in nunmehr 8 Statistische Regionen (mazedonisch Статички региони, albanisch Rajone statistike) und 84 Gemeinden (maz. Општини, alb. Komuna) untergliedert.[13] Die bisherigen 123 Gemeinden wurden teilweise zusammengefasst, jedoch wurden im Großraum Skopje die bisherigen 8 Gemeinden auf 10 erhöht.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Mazedoniens

Antike

Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. fand eine Besiedlung von einigen illyrischen Stämmen statt, die einzelne stadtähnliche Siedlungen gründeten wie beispielsweise Lychnidos. Im Landeszentrum vermischten sich Illyrer mit Thraker. Im 2. Jahrhundert v. Chr. löschte Rom das antike Makedonien aus. Nur der südliche Teil des heutigen Staates Mazedonien um Bitola wurde in der Antike zur historischen Region Makedonien gezählt. Der nördliche Teil mit der Hauptstadt Skopje war unter dem Namen Paionien bekannt, zur Zeit des Römischen Reiches befanden sich dort Teile der Provinzen Moesia Superior und Macedonia. Im 4. Jahrhundert n. Chr. ging die Macht an Byzanz über.

Mittelalter

Im 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr. erfolgte eine Einwanderung slawischer Stämme. Ab dem 7. Jahrhundert war die Region Teil des Ersten Bulgarischen Reiches. Ende des 10. Jahrhunderts wurde Ohrid unter Zar Samuil (976–1014) Hauptstadt des Reiches. Nach der Eroberung des bulgarischen Reiches 1018 durch Basileios II. wurde die Region administrativ innerhalb des Byzantinischen Reiches in das Thema Bulgarien eingegliedert. Zwischen 1131 und 1155 dehnte sich Raszien bis Makedonien aus. Von 1187 bis 1196 war es Bestandteil des Zweiten Bulgarischen Reichs. Obwohl starker Widerstand gegen die feindlichen Eroberer bestand – wie beispielsweise der albanische Nationalheld Skanderbeg, der mit Hilfe seiner Liga von Lezha weite Teile Westmazedoniens eroberte und verteidigte –, wurde die Region nach und nach von den Osmanen eingenommen. Im Jahr 1392 fiel Skopje (türkisch Üsküp), und bald darauf folgten weitere Städte. Von Beginn des 15. Jahrhunderts bis 1912 gehörte das Gebiet des heutigen Mazedonien zum Osmanischen Reich.

Die Mazedonien-Frage

Ansicht von Manastır (heutiges Bitola), Aquarell von Edward Lear, 19. Jahrhundert.

Im Jahr 1465 gab es erste Aufstände gegen das Osmanische Reich, weitere folgten in den Jahren 1565, 1689 und 1876. Am 3. März 1878 trat der Frieden von San Stefano in Kraft, der den Russisch-Osmanischen Krieg beendete. Laut Abkommen fiel die Region vom heutigen Mazedonien bis nach Thessaloniki an Bulgarien. Nach dem Berliner Kongress 1878 fiel das Gebiet jedoch wieder an das Osmanische Reich, und eine Folge von Aufständen erschütterte viele Städte. Die Albaner organisierten sich in der im gleichen Jahr gegründeten Liga von Prizren. Bei den Bulgaren war der Kresna-Raslog-Aufstand von Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts entstand zunehmender Widerstand gegen die osmanische Herrschaft, und zugleich nahmen die benachbarten Nationalstaaten Bulgarien, Serbien und Griechenland Einfluss. Es folgte bei den Bulgaren die Gründung der Bulgarischen Makedonien-Adrianopeler Revolutionären Komitees (kurz BMARK, seit 1919 IMRO).

Seit dem 20. Jahrhundert

Am 2. August 1903 brach der Ilinden-Aufstand aus, der von der BMARK organisiert wurde. In den Jahren 1912 und 1913 wurden die Balkankriege geführt, die das Ende der osmanischen Herrschaft zur Folge hatten. Die geographische Region Makedonien wurde zwischen Griechenland, Serbien und Bulgarien aufgeteilt. Im serbischen Teil Makedoniens, der in Vardar-Mazedonien umbenannt wurde, wandelte sich die anti-osmanische Bewegung in eine anti-serbische um.[14] So brach 1913 der von ihnen geführte Ohrid-Debar-Aufstand aus, und 1934 wurde mit ihrer Hilfe der jugoslawische König Alexander I. ermordet.[15] Albanische Nationalisten forderten ihrerseits die Vereinigung aller von Albanern besiedelten Gebiete (Großalbanien), doch bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 konnten sie nicht einmal die Eingliederung der mehrheitlich albanischen Gebiete an das Mutterland Albanien erreichen und wurden bei den Aufteilungsplänen völlig ignoriert.

Während des Ersten Weltkrieges war Vardar-Mazedonien seit Ende 1915 von Bulgarien besetzt. Bei der personellen Besetzung der Administration stützte sich Bulgarien auf die vorhandenen Strukturen der IMRO. So übernahmen vielerorts sowohl lokale Komitadschis (Partisanenanführer), die zuvor gegen die serbische Herrschaft gekämpft hatten, als auch zurückkehrende Emigranten zentrale Posten in der bulgarischen zivilen und militärischen Administration.[16] Zwischen 1918 und 1941 war Vardar-Mazedonien Teil des Königreich Jugoslawiens. Dieses führte zur Reaktivierung des Terrorkriegs der IMRO gegen die serbische Staatsmacht nach 1920, so dass zeitweise bis zu 70 Prozent der jugoslawischen Gendarmerie in Vardar-Mazedonien stationiert waren.[17] Von 1929 bis 1941 bildete das heutige Mazedonien zusammen mit Teilen des südlichen Serbiens aufgrund innenpolitischer Zwistigkeiten administrativ die Vardarska banovina (Banschaft Vardar).

Im Zweiten Weltkrieg folgte von 1941 bis 1944 die erneute bulgarische Besetzung. 1943 erkannten die kommunistischen Partisanen Jugoslawiens (ohne Vertreter aus Mazedonien) die Existenz einer eigenständigen mazedonischen Nation an und planten die Errichtung einer „Republik Makedonien“ in einem zukünftigen föderalen Jugoslawien.[18] Am 2. August 1944 fand die erste Sitzung der mazedonischen Kommunisten (ASNOM) im serbischen Kloster des Heiligen Prochor Pčinjski statt. Am selben Tag erfolgte die Gründung der jugoslawischen sozialistischen Teilrepublik Mazedonien.

Im Jahr 1963 erschütterte ein Erdbeben die Stadt Skopje.

Phase der Demokratisierung ab 1991

1991 trat die staatliche Unabhängigkeit infolge des Zerfalls Jugoslawiens ein. Bulgarien erkannte als erstes Land noch im selben Jahr die Republik Mazedonien unter deren verfassungsgemäßem Namen an. Danach entstand ein Namens- und Symbolstreit mit dem Nachbar Griechenland, der noch bis heute anhält. 1993 wurde der Staat in die Vereinten Nationen aufgenommen. Gleichzeitig erfolgte eine konkludente Anerkennung durch die meisten EG-Staaten. 1999 nahm das Land tausende albanische Flüchtlinge aus dem Kosovo auf und versorgte sie (Kosovo-Krieg).

Im Jahr 2001 kam es vor allem im Nordwesten des Landes zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, als albanische Guerilla-Kämpfer einige Dörfer militärisch besetzten und sich Kämpfe mit Polizei und Armee lieferten. Ihr Ziel war eine Erlangung stärkerer Minderheitenrechte. 2001 folgte der Friedensvertrag, der die paramilitärischen Gruppen entwaffnete und für die albanische Volksgruppe in Mazedonien mehr Rechte zu bieten versprach.

2004 trat das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der Europäischen Union in Kraft. Im Dezember 2005 wurde dem Land der Status eines offiziellen EU-Beitrittskandidaten verliehen.[19] Die Chronologie der Beziehungen zwischen Mazedonien und der EU beginnt 1996[20] mit der Einsetzung des ersten Vertreters Mazedoniens in Brüssel.

Ab 2006: Konservative führen nun Regierung

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush mit einer Delegation aus Mazedonien, bestehend aus dem Ministerpräsident Nikola Gruevski, dem Staatsoberhaupt Branko Crvenkovski und dem Außenminister Antonio Milošoski (v. l. n. r., 2008).

Am 5. Juli 2006 fanden Parlamentswahlen statt. Sieger wurde mit rund 32 Prozent der abgegebenen Stimmen die Koalition Für ein besseres Mazedonien, die von der christdemokratischen VMRO-DPMNE angeführt wurde. Die bisher regierenden Sozialdemokraten erreichten mit ihren Bündnispartnern nur 23 Prozent. Das Bündnis der beiden großen Albanerparteien erreichte 12 Prozent. Neuer Ministerpräsident wurde der Vorsitzende der VMRO-DPMNE Nikola Gruevski. Am 14. März 2008 schied die bis dahin mitregierende Albanische Demokratische Partei (albanisch Partia demokratike shqiptare, kurz PDSH) aus der bestehenden Koalition aus. Sie begründete dies einerseits mit der Weigerung der stärksten Partei VMRO-DPMNE, den im Februar 2008 als unabhängig ausgerufenen Staat Kosovo anzuerkennen, andererseits mit der schleppenden Verabschiedung vereinbarter Gesetze zur Stärkung der Rechte der albanischen Minderheit. Vorerst blieb aber Ministerpräsident Nikola Gruevski im Amt und führte nun eine Minderheitsregierung.[21] Diese Situation führte schließlich am 12. April 2008 zur Auflösung des Parlaments. Daraufhin wurden vorgezogene Neuwahlen für den 1. Juni 2008 anberaumt.[22] Die Neuwahlen wurden überschattet von Gewaltausbrüchen, welche mindestens einem Menschen das Leben kosteten.[23] Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2011 wurde die Regierung für eine dritte Legislaturperiode bestätigt.

Am 3. April 2008 nahm Mazedonien mit einer Delegation am NATO-Gipfel in Bukarest teil. Die Delegation erhoffte eine Einladung zum Militärbündnis, welche aber wegen eines Vetos von Griechenland aufgrund des immer noch dauernden Namensstreites nicht ausgesprochen wurde.

Politik

Verfassung

Laut Verfassung ist Mazedonien eine Republik mit einer Regierungsform einer parlamentarischen Demokratie. Die Verfassung wurde maßgeblich vom deutschen Altpräsidenten Roman Herzog und dem ehemaligen französischen Justizminister Robert Badinter ausgearbeitet und am 17. November 1991 verabschiedet. Seither schrieb man sie viermal (1992, 1998, 2001 und 2003) fort: 1992, um ausdrücklich zu erklären, dass das Land keine territorialen Ansprüche gegenüber Nachbarstaaten erhebt und nicht in die Souveränitätsrechte anderer Staaten oder in ihre internen Angelegenheiten eingreift (im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit Griechenland wegen des Streits um den Namen des Landes und seine internationale Anerkennung), und 2001 zwecks Einführung eines verfassungsrechtlichen Rahmens für die Umsetzung des Rahmenabkommens von Ohrid vom 13. August 2001 (Status der albanischen Sprache).

Parlament und Präsident

Das Parlament (mazedonisch sobranie, albanisch kuvendi) besteht verfassungsgemäß mindestens aus 120 und höchstens aus 140 Mitgliedern, die durch allgemeine Direktwahl gewählt werden und eine Legislaturperiode von vier Jahren haben. Bisher hatte das Parlament in allen Legislaturperioden 120 Mitglieder. Das Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident und wird vom Volk auf 5 Jahre gewählt.

Parteienlandschaft

Das mazedonische Parteiensystem ist durch eine doppelte Polarität gekennzeichnet: einerseits eine ethnisch-nationale (mazedonisch und albanisch) und andererseits eine politische (post-kommunistisch und antikommunistisch). Das antikommunistische Lager wird jedoch nur von der konservativen VMRO-DPMNE vertreten. Ebenfalls ist die VMRO-DPMNE die einzige Partei, die eine enge Anlehnung an den östlichen Nachbarn Bulgarien anstrebt.[24] Die sozialdemokratische SDSM vertritt das post-kommunistische Lager. Zu den größten albanischen Parteien gehören (nach Anzahl Parlamentssitze) die BDI, die PDSH und die RDK.

Innenpolitik

Die Innenpolitik ist stark durch den Konflikt zwischen den beiden größten Nationalitäten geprägt, den Mazedoniern und den Albanern.[24] Mazedonien hatte auf internationalen Druck im Kosovokonflikt 1999 rund 380.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo aufgenommen, was das brüchige ethnische Gefüge im Land für eine Weile änderte. Seit dem Frühjahr 2001 verstärkte sich der Konflikt nach der Bildung einer neuen militanten albanischen Organisation (Ushtria Çlirimtare Kombëtare). Durch das Engagement des Präsidenten Boris Trajkovski, der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten konnte im Rahmenabkommen von Ohrid vertraglich ein Ausgleich zwischen den Volksgruppen und eine Entwaffnung der militanten Albaner erreicht werden.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist unter anderem die gesetzliche Regelung zur Verwendung der albanischen Sprache. Mit dem Rahmenabkommen von Ohrid, das die bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahr 2001 beendete, waren die Grundlagen für eine solche gesetzliche Regelung gelegt worden. Nach sieben Jahren wurde dann ein Gesetz verabschiedet, das Albanisch als (zweite) Amtssprache in den Gemeinden festlegt, in denen mindestens 20 Prozent Albaner leben. Zudem werden alle Unterlagen des Parlaments ins Albanische übersetzt, allerdings finden die Aussprachen im Parlament immer noch nur auf Mazedonisch statt. Nachdem dieses Gesetz zunächst auf große Zustimmung stieß, forderten im Sommer 2009 zwei oppositionelle Albanerparteien die vollständige Gleichberechtigung des Albanischen als Amtssprache im ganzen Land (als Vorbild gilt die Schweiz).[25]

Wegen des Namensstreits verhinderte Griechenland im April 2008 die von Mazedonien erwünschte Beitrittszusage der NATO an Mazedonien. Es kam zu einer Koalitionskrise und zur Auflösung des Parlaments. Bei der Parlamentswahl am 1. Juni 2008 errang die VMRO-DPMNE mit 48 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Mandate, sie regiert zusammen mit dem albanischen Koalitionspartner Demokratische Union für Integration (albanisch Bashkimi demokratik për integrim, kurz BDI), welcher 10 Prozent der Stimmen erhielt. Der bisherige Koalitionspartner der VMRO-DPMNE, die sich ebenfalls als Partei der Albaner verstehende Albanische Demokratische Partei (albanisch Partia demokratike shqiptare, kurz PDSH), ging in die Opposition. Das Parlament wählte am 26. Juli 2008 Nikola Gruevski wieder zum Ministerpräsidenten.[26]

Immer wieder kommt es auf beiden Seiten zu gewalttätigen Übergriffen und Sabotage-Akte auf Moscheen und orthodoxe Kirchen. In der Region von Struga flammte der Konflikt auf, nachdem beim Karneval im Dorf Vevčani die Umziehenden mit Kostümen, Gesten und Parolen den Islam und dessen Bräuche in dieser Region beleidigten.[27] Am Abend des 30. Januar 2012 wurde die Heiligen Nikolaus Drimeni im ethnisch gemischten Ort Labuništa im Brand gesetzt.[28][29] Einige Zeugen berichteten, dass ethnische Mazedonier das Feuer gelegt hätten.[30] Die muslimische Gemeinschaft reagierte am folgenden Tag mit einem friedlichen Protest in der Innenstadt von Struga, wo über Tausend Menschen teilnahmen.[27] Neben dem Mufti war auch der Bürgermeister der Gemeinde Struga zugegen, welche die beleidigenden Aktionen in Vevčani verurteilten.[27] Im Januar 2012 entflammte wieder eine Serie von Propaganda-Aktivitäten, als Umziehende beim Karneval in Vevčani den Islam beleidigten.[31][32] Am 31. Januar 2012 wurde an eine Moscheewand in Bitola ein Graffiti mit der Aufschrift „Tod den Albanern“ gemalt.[33] Am gleichen Abend zündeten albanische Extremisten in einem Dorf in der Nähe von Tetovo eine orthodoxe Kirche an, doch sie blieb von einer völligen Verbrennung verschont[33], nachdem albanische Dorfbewohner und die örtliche Feuerwehr zur Löschung eintrafen.

Außenpolitik

Die Außenpolitik Mazedoniens ist stark durch die Bemühungen geprägt, Mitglied der NATO und der Europäischen Union zu werden. Allerdings widersetzt sich der Nachbar Griechenland der Aufnahme Mazedoniens unter dem Namen „Republik Mazedonien“. Kennzeichnend ist das Verfolgen innenpolitischer Ziele durch außenpolitische Mittel, was insbesondere eine Folge des nach 1945 mit Erfolg betriebenen Projekts der mazedonischen Nationenbildung ist. So nutzen fast alle Parteien das Thema der „großbulgarischen Aspirationen“ und die bulgarische Besatzungsherrschaft von 1941 bis 1944 (in der die VMRO die Verwaltung in der Region stellte) als ein Mittel, um die Macht der nationalistischen VMRO-DPMNE in Grenzen zu halten.[34]

Einer der Gründe war die Verfassung von Mazedonien: In Artikel 49 wurde erklärt, dass sich die Republik für den Status und die Rechte der Mazedonier in den Nachbarländern einsetzt, einschließlich der ehemaligen mazedonischen Volksgruppen (Expatriats). Dieser Artikel verpflichtete Mazedonien, alle Mazedonier in ihrer kulturellen Entwicklung zu fördern und ihre Bindungen an die alte Heimat zu fördern. Griechenland interpretierte dies als Ermutigung zum Separatismus gegenüber seiner Minderheit der mazedonischen Slawen und befürchtete potenzielle territoriale Ansprüche durch Mazedonien. Nach einer Handelsblockade durch Griechenland hat Mazedonien seine Verfassung geändert und erklärt nun ausdrücklich, dass es keine territorialen Ansprüche gegenüber den Nachbarstaaten hat. Ebenso hat Mazedonien aufgrund der Handelsblockade seine Flagge, die ursprünglich den sechzehnstrahligen Stern von Vergina (Vergina-Sonne), das Symbol des antiken makedonischen Staates, zeigte, geändert.

1980 gab es mit dem damaligen Jugoslawien propagandistische Auseinandersetzungen um den ethnischen Ursprung der Mazedonier. Damals glaubte Bulgarien, sich propagandistisch gegen jugoslawische Ansprüche auf die mazedonische Provinz Bulgariens wehren zu müssen. Es handelte sich aber nur um lokale Propaganda über Radio und Zeitung, die international kaum wahrgenommen wurde. Im Zusammenhang mit diesen Spannungen wurden 1980 auch zwei bulgarische Angler von jugoslawischen Grenzsoldaten an einem Grenzbach erschossen.

Nach der Unabhängigkeit Mazedoniens am 15. Januar 1992 hat Bulgarien als erstes Land die Republik Mazedonien anerkannt, und zwar unter ihrem verfassungsmäßigen Namen.[35][34] Bulgarien hatte zunächst abgelehnt, die Existenz einer separaten mazedonischen Sprache anzuerkennen. Dies führte bei der Vertragsunterzeichnung zwischen beiden Ländern zu einigen Komplikationen. Bulgarien argumentierte, dass es sich bei der mazedonischen Sprache um eine künstliche Erhebung eines bulgarischen Dialektes handele, sowie dass sie mit der heutigen bulgarischen Sprache in einem sprachlichen Kontinuum stehe. Bulgarien gibt den Mazedoniern das Recht, die bulgarische Staatsbürgerschaft zu erhalten, sofern sie eine bulgarische Herkunft nachweisen können. Davon haben bisher ungefähr 10 Prozent der Berechtigten Gebrauch gemacht, darunter der ehemalige Ministerpräsident Ljubčo Georgievski. Historisch gesehen war das Gebiet des heutigen Staates Mazedonien, seine Bevölkerung, seine Traditionen und seine Sprache eng mit der bulgarischen Geschichte verbunden.

Im Jahr 1999 legten die bulgarische und die mazedonische Regierung ihren jahrelangen Sprachenstreit bei, der die bilateralen Beziehungen schwer belastet hatte. Bulgarien erkannte die Eigenständigkeit der mazedonischen Sprache an, und Mazedonien verzichtete im Gegenzug auf jegliche Einflussnahme auf die mazedonische Minderheit in Bulgarien.[36] 2009 schlug der bulgarische Außenminister Nikolaj Mladenow vor, ein Freundschafts- und Nachbarschaftsabkommen zwischen den beiden Staaten zu unterschreiben. Sein Vorschlag wurde jedoch in Skopje bis heute nicht aufgegriffen.[37] Stattdessen wurde im Mai 2012 eine bulgarische Delegation, angeführt vom bulgarischen Botschafter, in Skopje bei einer Kranzniederlegung angegriffen.[38][39] Wegen des frostigen Verhältnisses der beiden Staaten zueinander kommt auch die grenzübergreifende Zusammenarbeit nicht voran. Bulgarien beklagt eine mangelnde Kommunikation Skopjes und wirft mazedonischen Behörden vor, bereits ausgehandelte EU-Projekte in Höhe von 6,3 Mio. Euro nicht umgesetzt zu haben.[40] Auch der Ausbau des Paneuropäischen Verkehrskorridors VIII wird von mazedonischer Seite immer wieder verschoben.

Serbien sieht seinen südlichen Nachbarn kritisch, weil sich Mazedonien von Jugoslawien abspaltete und im Kosovo-Konflikt auf Seiten der NATO stand. Wegen dieser Umstände ist die mazedonische Politik vor allem auf Beschwichtigung ausgelegt. Neben einer Heranführung des Landes an einen Beitritt zur EU hat das Land wichtige Beziehungen zu den USA hergestellt. So ist Mazedonien mit einem kleinen Truppenkontingent am Irak-Krieg beteiligt. Die US-Regierung erkannte das Land kurz nach den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November 2004 daraufhin unter dem Namen „Republik Mazedonien“ an. Dies führte sofort zu einem Eklat in Griechenland und einer Zitierung des US-Botschafters in Athen ins griechische Außenministerium. Die EU hat Griechenland allerdings zugesichert, dem US-amerikanischen Beispiel nicht zu folgen.

Albanien verlangt seit der Unabhängigkeit Mazedoniens die Wahrung der Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. In Albanien wiederum existiert eine mazedonische Minderheit im Gebiet des Prespa-Sees, mit einer mazedonischsprachigen Schule. Die Mazedonier Albaniens sind in einer eigenen politischen Partei organisiert.

Wirtschaft

Allgemein

Inflationsrate (Stand: 2007)[41]
Jahr Rate
2005 00,5 %
2004 –0,4 %
2003 01,2 %
2002 01,8 %
2001 05,5 %
2000 05,8 %
1999 –0,7 %
1998 –0,1 %
1997 02,6 %

Mazedonien war in der SFR Jugoslawien eines der wirtschaftlich rückständigsten Gebiete mit einer nur gering entwickelten Industrie und nur geringen Rohstoffvorkommen. Im Jahr 2000 wurden immer noch 9,7 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in der Landwirtschaft erwirtschaftet und 31,6 % in der Industrie. Die Arbeitslosenquote, welche zwischenzeitlich 2007 auf 37 % angestiegen war, verharrt seit 2010 erneut auf das Niveau von 2000 um ca. 32,0 % auf besorgniserregendem Niveau.[42] Durch das im Vergleich zu anderen Transformationsstaaten relativ niedrige Wirtschaftswachstum der letzten Jahre (2,5 % im Jahr 2004) fiel die wirtschaftliche Entwicklung weiter zurück, mit einem Pro-Kopf-BIP von 3.659 USD ist Mazedonien einer der ärmeren Staaten Europas.

Das Land litt unter den typischen Problemen eines post-sozialistischen Staates, z. B. einer ausgeprägten Korruption, einem zu großen Beamtenapparat und der Ineffizienz der industriellen Betriebe, sowie der wirtschaftlichen Blockade durch Griechenland. Nach Ansicht der EU-Kommission in ihrem Fortschrittsbericht 2009 sind diese Probleme durch die Reformpolitik behoben.[43]

Die hohe Arbeitslosigkeit stellt eines der wirtschaftlichen Hauptprobleme dar. Das Handelsbilanzdefizit ist hoch, die Einfuhren übertreffen die Ausfuhren um über 70 %. Ausgeglichen wird das Handelsbilanzdefizit überwiegend durch Transferzahlungen der im Ausland lebenden Albaner und Mazedonier.

Größter Direktinvestor im Lande ist Griechenland, dann folgen die Republik Zypern und Bulgarien. Im Prozess der Privatisierung wurden die größten und profitabelsten Unternehmen des Landes bereits verkauft. Verblieben sind zahlreiche unrentable Unternehmen und Sanierungsfälle. Um ausländische Investoren dennoch anzulocken, führte Mazedonien zum 1. Januar 2007 eine sogenannte Flat Tax nach dem slowakischen Vorbild ein. Der Steuersatz beträgt für natürliche Personen und Körperschaften einheitlich 12 % und wird ab 2008 auf 10 % gesenkt. Thesaurierte (also einbehaltene) Gewinne werden überhaupt nicht besteuert.

Wichtige Exportprodukte sind Nahrungsmittel, Getränke (v. a. Wein) und Tabak sowie Eisen und Stahl. Die bedeutendsten Zielländer sind Serbien (31,4 %), Deutschland (19,9 %), Griechenland (8,9 %) und Kroatien (6,9 %). Den größten Anteil am Import nach Mazedonien haben Griechenland (15,4 %), Deutschland (13,1 %), Serbien (10,4 %), Slowenien (8,6 %) und Bulgarien (8,1 %).

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 3,2 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 3,0 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,2 % des BIP.[44] Die Staatsverschuldung betrug 2009 2,9 Mrd. US-Dollar oder 32,4 % des BIP.[44]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Infrastruktur

Infrastruktur Mazedoniens

Schienenverkehr

Hauptverkehrsachse ist das in Richtung Südost-Nordwest verlaufende breite Vardar-Tal mit der wichtigsten Eisenbahnlinie der Makedonski Železnici (MŽ).

Straße

Im Straßenverkehr verlaufen die wichtigsten Ströme entlang des Vardar. Die hier verlaufende Autobahn verbindet die Hauptstadt Skopje mit Belgrad und dem griechischen Hafen Thessaloníki. Die M4 ist die neue Stadtumfahrung von Skopje und führt dann nach Westen (Tetovo) und südlich bis Gostivar, darüber lief der Nachschub der NATO nach Kosovo.

Zu Zeiten des Handelsembargos durch Griechenland und während des Kosovokonfliktes kam es zu Einschränkungen im Transitverkehr. Obwohl dadurch die Abhängigkeit von den Nachbarn im Norden und Süden sichtbar wurde, geht der Ausbau der Ost-West-Verbindungen mit Albanien und Bulgarien nur langsam voran.

Flugverkehr

Internationale Flugverbindungen bestehen von Skopje und von Ohrid aus.

Kultur und Sport

Feiertage

Sport

Neben Fußball ist Handball die wichtigste Mannschaftssportart im Land. 2002 gewann Kometal Skopje den Europapokal der EHF Champions League der Frauen. Die Handball-Europameisterschaft der Frauen fand im Jahr 2008 in Mazedonien statt. Austragungsorte waren Skopje und Ohrid. Die mazedonische Frauen-Handballnationalmannschaft erreichte dabei den siebten Platz.

Siehe auch

 Portal:Mazedonien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Mazedonien

Literatur

  • Walter Lukan (Hrsg.): Makedonien. Geographie – Ethnische Struktur – Geschichte – Sprache und Kultur – Politik – Wirtschaft – Recht. (Österreichische Osthefte. 40, 1/2). Wien u. a. 1998.
  • Židas Daskalovski: The Macedonian Conflict of 2001. Problems of Democratic Consolidation. Libertas Paper 56. Libertas, Sindelfingen 2004. ISBN 3-921929-16-4.
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. BoD, Norderstedt 2004. ISBN 3-8334-0977-0.
  • Hans-Lothar Steppan: "The Macedonian Knot. The Identity of the Macedonians, as revealed in the Development of the Balkan League 1878 - 1914", Peter Lang, Frankfurt/M, 2009, ISBN 978-3-631-56067-9.
  • Henri Bohnet, Daniela Bojadzieva: "Vergangenheitsaufarbeitung auf dem Balkan – Der Lustrationsprozess in Mazedonien", KAS-Auslandsinformationen 01/2011, Berlin 2011, S. 62-75.

Weblinks

 Commons: Mazedonien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Mazedonien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. www.sobranie.mk: Assembly of the Republic of Macedonia
  2. Staatliches Statistisches Büro
  3. http://www.wolframalpha.com/input/?i=Mazedonien
  4. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  5. http://www.welt-blick.de/staat/mazedonien/bruttoinlandsprodukt.html (abgerufen am 18. Januar 2009)
  6. Official Journal of the European Communities: Provisorischer Code, der die endgültige Benennung des Landes nicht berührt, die nach Abschluss der laufenden Verhandlungen innerhalb der VN festgelegt wird.
  7. ab Balkanluchs: Die Letzten dort oben in: Der Tagesspiegel vom 28. Mai 2009, zuletzt abgerufen am 13. Februar 2012
  8. abcdefg Flora und Fauna Mazedoniens (kurze Beschreibung) in: Mazedonien.com, zuletzt abgerufen am 13. Februar 2012
  9. Jordanka Telbizova-Sack: Zwischen Hammer und Amboss. Die slawischen Muslime Mazedoniens. In: Klaus Steinke, Christian Voss (Hrsg.): The Pomaks in Greece and Bulgaria. Verlag Otto Sagner. München, 2007, S. 201-225
  10. Macedonia Urbanization
  11. Volkszählung 2002, nach Städten
  12. Mimoza Troni: Westbalkan: Volkszählung mit Rechenfehlern. Mazedonien: Ämtervergabe und ethnische Zugehörigkeit. Portal für europäische Nachrichten, Hintergründe und Kommunikation Euractiv.de, 18. April 2011, abgerufen am 19. April 2011. 
  13. Der Fischer Weltalmanach: Mazedonien
  14. Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 3-486-58050-7, S.?
  15. Stefan Troebst, Historical Politics and Historical “Masterpieces” in Macedonia before and after 1991. New Balkan Politics, Issue 6, 2003: ... the suicide-assassin from VMRO, Vlado Cernozemski, who, on orders from Mihajlov and his ethno-national VMRO, which was defined as Bulgarian, killed the Yugoslav king Alexander I Karadzordzevic and the French Minister of Foreign Affairs Louis Bareau in Marseilles in 1934.
  16. Björn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdrückung? Eine komparative Untersuchung über die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915−1918 und 1941−1944. Münster 2005, S. 160.
  17. Björn Opfer: Im Schatten des Krieges. Besatzung oder Anschluss. Befreiung oder Unterdrückung? Eine komparative Untersuchung über die bulgarische Herrschaft in Vardar-Makedonien 1915−1918 und 1941−1944. Münster, 2005, S. 164.
  18. Daniel Blum: Sprache und Politik. Sprachpolitik und Sprachnationalismus in der Republik Indien und dem sozialistischen Jugoslawiens (1945-1991). Ergon Verlag, Würzburg 2002, ISBN 3-89913-253-X, S. 154f.
  19. Annäherung der Republik an die EU: Der Europäische Rat in Brüssel verleiht Mazedonien den Status eines Beitrittskandidaten
  20. Progress of EU-FYROM relations: The former Yugoslav Republic of Macedonia becomes eligible for funding under the EU Phare programme
  21. Regierungskrise in Mazedonien. In: Neue Zürcher Zeitung, 14. März 2008
  22. Vorgezogene Neuwahl am 1. Juni. In: Der Standard, 13. April 2008
  23. Blutvergießen überschattet Wahl in Mazedonien
  24. ab Wolfgang Ismayr: Die politischen Systeme Osteuropas, Leske+Budrich, Opladen, 2006, S. 790, ISBN 3-8100-4053-3
  25. Zoran Jordanovski, Mirjana Dikic: Mazedonien: Albanerparteien stellen Sprachengesetz erneut in Frage. dw-world, 6. August 2009
  26. Regierungschef stellte neues Kabinett vor. In: Der Standard, 15. Juli 2008
  27. abc Dnevnik online: Сите вкопани во ровови, 1. Februar 2012
  28. Religiöse Spannungen in Mazedonien
  29. Religionskonflikt flammt in Mazedonien auf, Wiener Zeitung, 31. Jänner 2012
  30. Utrinski vesnik online: Запалена црквата во струшкото село Лабуништа, 30. Januar 2012
  31. Bericht des Balkan Investigative Reporting Network
  32. Bericht von B92.net
  33. ab Dnevnik online: Апелите не ги смируваат инцидентите, 1. Februar 2012
  34. ab Wolfgang Ismayr: Mazedonien. In: Derselbe: Die politischen Systeme Osteuropas, 2. Aufl, VS Verlag, 2004, ISBN 978-3-8100-4053-4, S. 762.
  35. Vgl. Filip Dimitrow: Bulgaria’s Recognitions in der Zeitschrift Foreign Policy; L. Ivanov et al. Bulgarian Policies on the Republic of Macedonia. Sofia: Manfred Wörner Foundation, 2008. 80 pp. (Dreisprachige Veröffentlichung in Bulgarisch, Mazedonisch und Englisch), ISBN 978-954-92032-2-6
  36. L. Ivanov et al. Bulgarian Policies on the Republic of Macedonia. Sofia: Manfred Wörner Foundation, 2008
  37. ...Николај Младенов,... понуди договор за пријателство и добрососедство меѓу двете земји што никој веќе не смее да го извади од фиока.., Utrinski Vestnik, Zugriff 24. August 2011
  38. Mazedonier griffen den bulgarischen Botschafter an, www.mediapool.bg, Zugriff 4. Mai 2012
  39. Der bulgarische Botschafter wurde bei einer Kranzniederlegung behindert, Dnevnik, Zugriff 4. Mai 2012
  40. Най-отчайващо е положението с програмата България – Македония. Тя посочи, че съседите ни не реагирали по никакъв начин на официални покани за срещи, писма и e-mail. За случаят е уведомена Европейската комисия. Бюджетът на тази програма е 6.6 млн. евро, като до момента са сключени 35 договора за 6.3 млн. евро, но поради липса на интерес от македонска страна не се изпълняват., mediapool.bg, Zugriff am 10. Mai 2012
  41. EU-Kommission:Enlargement Strategy and Progress Reports 2007
  42. Unemployment rate in Macedonia
  43. Dank Fortschritten kommt Visafreiheit (Archivversion vom 19. Juli 2011)
  44. abcd The World Factbook
  45. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4

41.6521.716666666667
Koordinaten:
42° N, 22° O

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